Wie geht ihr mit krankheitsbedingten Lücken im Lebenslauf um?

Das Leben ist wesentlich durch unsere Arbeit geprägt. Der Job kann jedoch auch Quelle von Ärger und Frustration sein, oder persönliche Probleme geradezu auf die Spitze treiben...
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Aire
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Wie geht ihr mit krankheitsbedingten Lücken im Lebenslauf um?

Beitrag Sa., 09.01.2021, 17:23

Hallo zusammen!

Wie so viele muss ich mich coronabedingt nach einem neuen Job umsehen.

Jetzt bin ich damit konfrontiert, dass ich einmal 5 Jahre (von 25-30) aufgrund meiner psychischen Probleme arbeitslos/-unfähig war und auch mein Zweitstudium abbrechen musste, und das im Lebenslauf "verkaufen" muss. Ich habe keine Ahnung wie.

Meinen bisherhigen und auch ersten "echten" Job habe ich ohne reguläres Bewerbungsverfahren bekommen. Ich habe den Chef privat kennengelernt und er brauchte gerade wen mit meinem Hintergrund, Glück gehabt. Ich habe da ca. 2 Jahre gearbeitet, teils Vollzeit teils Teilzeit, also schon etwas Berufserfahrung, aber bin leider im Vergleich zu anderen in meinem Alter (Ü30) ein ziemliches Greenhorn... :red:

Wie geht man mit den Krankzeiten gut um? Besser offen damit umgehen oder kegelt man sich da schon vorzeitig aus dem Rennen?

Ich hätte die Möglichkeit zu lügen, dass ich im Betrieb meiner Eltern gearbeitet habe, aber ich bin eine schlechte Lügnerin und da es ja nicht stimmt, denke ich dass das durch fehlende Kompetenzen/Erfahrung dann eh auffliegen würde....

Falls Ihr ein ähnliches Problem hattet, wie seid ihr damit umgegangen?

Danke für Tipps :) Aire

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Anna-Luisa
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 17:56

Aire hat geschrieben: Sa., 09.01.2021, 17:23 Wie geht man mit den Krankzeiten gut um? Besser offen damit umgehen oder kegelt man sich da schon vorzeitig aus dem Rennen?
Ich denke, mit Ehrlichkeit bist du schnell aus dem Rennen. Wenn du die Möglichkeit hast die Lücke zu kaschieren, würde ich es auf jeden Fall tun.
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Aire
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 19:23

Anna-Luisa hat geschrieben: Sa., 09.01.2021, 17:56 Ich denke, mit Ehrlichkeit bist du schnell aus dem Rennen. Wenn du die Möglichkeit hast die Lücke zu kaschieren, würde ich es auf jeden Fall tun.
Danke dir erst mal für die Antwort Anna-Luisa!

Und ja, was du schreibst, das dachte ich mir auch ... ich habe nur Bedenken, dass ich mich verplappere, und auch keine wirklich gute Ausrede. Sobald da wer richtig bohrt, wird es eng. Ich müsste ja 4-5 Jahre Berufstätigkeit angeben als Kaschierung, da werden Fragen kommen. Und da kann ich dann ja logischerweise nicht viel sagen.

Naja ich werde es einfach mal versuchen, ich denke ich muss mich wohl oder übel der Situation stellen.
Kann das rechtliche Konsequenzen haben, wenn man "ertappt" wird? Weiß das wer?

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Anna-Luisa
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 19:33

Wenn du eine berufliche Tätigkeit angibst, wird man sich wundern, dass du keine Zeugnisse vorlegen kannst.

Wenn du verheiratet bist und Kinder hast, könntest du auch angeben, dass du ganz für sie da sein wolltest. Eine Bekannte von mir hat einen Auslandsaufenthalt, zum Erlernen einer Fremdsprache angegeben. (Dass sie keinen Sprachkurs besuchte, hat niemanden interessiert.)
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Bluemoon123
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 19:40

Nein, das hat keine rechtlichen Konsequenzen. Nur wenn Du Dir irgendwelche Titel erschwindeltst oder Zeugnisse/Diplome fälschst, hat das rechtliche Konsequenzen. Aber bei Lücken im Lebenslauf zu schwindeln ist nicht verboten. Ist halt doof wenn es raus kommt. Der Job ist dann sicher futsch. Aber verboten ist es nicht. Allerdings sind die meisten Personaler schon relativ geschult in solchen Ausreden. Also das typische "Pflege von Familienangehörigen" oder "Arbeit bei Familienangehörigen" macht generell stutzig. Dann schon lieber "Arbeit suchend". Ist zwar auch nicht wirklich positiv, aber zumindest unverfänglicher. Ich hatte mal einen Klienten der bei jeder Lücke "Verschiedene Tätigkeiten im Außendienst" angegeben hat. Das ist mir sofort als Schwindel aufgefallen. Die Wahrheit war, dass er jedes Mal in Haft war. Wenn er arbeitslos angegeben hätte, hätte ich nicht weiter nachgefragt. Aber so war es schon sehr auffällig.

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Malia
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 19:44

Ich hatte in meinem Berufsleben immer wieder Lücken durch Krankheit, Klinikaufenthalte, Arbeitslosigkeit u.s.w.
Mir blieb meistens nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu schreiben (also keine Diagnosen!) und sie so auszudrücken, dass auch diese Lücken etwas positives hatten (das geht) und mehr Gewicht auf meine Stärken zu legen.
Damit hab ich, bis auf einmal ( da war ich aber letztendlich ganz froh drüber), jede Stelle bekommen.

Noch etwas:
Wichtig ist, dass man voll zu dem, was man macht, stehen kann - egal, ob "Lüge" oder Wahrheit.
Auch ein Arbeitgeber hat nicht immer das Recht, mein Privatleben genau zu kennen.

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Aire
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 20:40

Anna-Luisa hat geschrieben: Sa., 09.01.2021, 19:33 Wenn du eine berufliche Tätigkeit angibst, wird man sich wundern, dass du keine Zeugnisse vorlegen kannst.

Wenn du verheiratet bist und Kinder hast, könntest du auch angeben, dass du ganz für sie da sein wolltest. Eine Bekannte von mir hat einen Auslandsaufenthalt, zum Erlernen einer Fremdsprache angegeben. (Dass sie keinen Sprachkurs besuchte, hat niemanden interessiert.)
Es wäre möglich ein Zeugnis von meinen Eltern als Chefs unterschreiben zu lassen, ist aber sehr Grauzone, gefällt mir nicht. Wobei ich tatsächlich etwa ein halbes Jahr da mal in der Zeit ausgeholfen hab, das kann ich auf jeden Fall reinnehmen und etwas ausbauen.

Selbst Familie habe ich keine.

Auslandsaufenthalt für 5 Jahre... ist bissl lang, zumal ich tatsächlich schon echte Auslandsaufenthalte drin stehen habe. Aber vielleicht noch 6 Monate/ 1 Jahr ginge evtl.

Bluemoon123 hat geschrieben: Sa., 09.01.2021, 19:40 "Arbeit bei Familienangehörigen" macht generell stutzig.
Yep da sagst du es Bluemoon...

Malia hat geschrieben: Sa., 09.01.2021, 19:44 Wichtig ist, dass man voll zu dem, was man macht, stehen kann - egal, ob "Lüge" oder Wahrheit.
Hm... Malia da muss ich echt nochmal drüber nachdenken, zu was ich da stehen will und kann bei mir.

Ich schäme mich sehr dafür, nicht richtig ins Berufsleben gekommen zu sein, und ehrlich gesagt habe ich als ich mal in den Trott mit Therapien, Kliniken gekommen war, dann auch vermieden, mich dem Berufsthema zu stellen, weil ich Angst vor dem Arbeitsleben, Bewerben hatte. Das ist kein Ruhmesblatt, aber so ist's. Meinen letzer Job war ein Segen, dadurch kam ich da wenigstens etwas raus.
Malia hat geschrieben: Sa., 09.01.2021, 19:44 Mir blieb meistens nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu schreiben (also keine Diagnosen!) und sie so auszudrücken, dass auch diese Lücken etwas positives hatten (das geht) und mehr Gewicht auf meine Stärken zu legen.
Das fühlt sich für mich gut an, so wie du das schreibst kommt das sehr stimmig rüber. Wie macht man das, die Lücken positiv zu färben? Ich war ja in Kliniken, Therapie, oder einfach zu Hause und konnte nicht arbeiten... Das war eine Zeit in der ich mich richtig kaputt gemacht habe geistig, ich für mich kann dem nicht viel Positives abgewinnen jetzt im Nachhinein.

Das würde mich echt interessieren, also wenn du ein Beispiel sagen könntest, wie du das formuliert hast, fände ich das toll, aber wenn dir das zu persönlich wird dann natürlich nicht.

Auf jeden Fall Danke an alle für die Tipps!

Ich denke jetzt dass ich die Zeit vielleicht splitten sollte, in "Job bei Eltern", arbeitslos, krank, Ausland... einfach um diese 5 Jahre weg zu bekommen....

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Beitrag Sa., 09.01.2021, 20:47

Kaschieren.
Zb Pflege Familienangehörige?
Gibt es ansatzweise Kompetenzen oder plausible Erfahrungen kürzerer Natur, die für eine Freiberuflichkeit sprechen?
Oder eine eben nicht zu Ende gebrachtes zweites Studium/Weiterbildung?

In diesen Fällen ist Netzwerken sehr wichtig - du schreibst zwar das war reine Glücksache, aber hey, du hast die Gelegenheit genutzt und gefragt! Sowas gibt es öfter als man denkt!

Google mal nach „flipped jobmarket“.
Ich wünsche dir das nötige Quentchen Glück plus Mut neue Bewerbungswege zu gehen plus Erfolg!

(Deine letzte Antwort kam jetzt grade.)

Deinen letzten Chef fragen?
ch-ch-ch-chaaaaaaange

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Beitrag Sa., 09.01.2021, 20:52

Ein gefälschtes unterschriebenes Zeugnis wäre Betrug, denn du warst da nicht angestellt, und wie willst du die nicht vorhanden Qualifikationen dann begründen? Sorry, das ist Irrwitz
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 20:56

Ehrlichkeit währt am längsten! Du musst Lücken nicht im Detail füllen, aber ich würde niemals da Gefälligkeit Zeugnisse besorgen oder etwas beschönigen. Ich habe Lücken einfach mit Krankheit beschrieben, keine weiteren Angaben.
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Anna-Luisa
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 20:57

Pianolullaby hat geschrieben: Sa., 09.01.2021, 20:52 Ein gefälschtes unterschriebenes Zeugnis wäre Betrug, denn du warst da nicht angestellt, und wie willst du die nicht vorhanden Qualifikationen dann begründen? Sorry, das ist Irrwitz
Mitarbeit im elterlichen Betrieb wäre ja keine erlogene Aussage - geschweige denn ein gefälschtes Zeugnis, wenn die Eltern es unterschreiben. Den Arbeitsumfang muss man ja nicht genau benennen...
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 21:00

klar wäre es erlogen, sie hat da nicht gearbeitet, also ist das gefälscht, nämlich weil nicht da gearbeitet
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 21:09

Ich war mal in einer RPK (Rehabilitation psychisch Kranker) und wir haben dort auch Bewerbungsgespräche geübt mit dem Hintergrund, dass so ziemlich alle dort eben das Problem mit Lücken hatten.
Uns wurde damals nicht abgeraten die Wahrheit zu sagen, den Fokus aber darauf zu legen, dass man krank WAR und JETZT einsatzbereit ist und sehr gerne arbeiten würde.

Ich bin eher dafür in der Hinsicht ehrlich zu sein...
Aber ich würde es auch niemandem verdenken bei dem Punkt zu lügen. Am besten geht man den Weg, den man nach außen hin am glaubwürdigsten vertreten kann.
🦄

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Anna-Luisa
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 21:12

Pianolullaby hat geschrieben: Sa., 09.01.2021, 21:00 klar wäre es erlogen, sie hat da nicht gearbeitet, also ist das gefälscht, nämlich weil nicht da gearbeitet
Sie hat im elterlichen Betrieb ausgeholfen, also gearbeitet. Insofern kann von einer Fälschung gar nicht die Rede sein.
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Beitrag Sa., 09.01.2021, 21:21

Aire hat geschrieben: Sa., 09.01.2021, 20:40
Malia hat geschrieben: Sa., 09.01.2021, 19:44 Mir blieb meistens nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu schreiben (also keine Diagnosen!) und sie so auszudrücken, dass auch diese Lücken etwas positives hatten (das geht) und mehr Gewicht auf meine Stärken zu legen.
Das fühlt sich für mich gut an, so wie du das schreibst kommt das sehr stimmig rüber. Wie macht man das, die Lücken positiv zu färben? Ich war ja in Kliniken, Therapie, oder einfach zu Hause und konnte nicht arbeiten... Das war eine Zeit in der ich mich richtig kaputt gemacht habe geistig, ich für mich kann dem nicht viel Positives abgewinnen jetzt im Nachhinein.

Das würde mich echt interessieren, also wenn du ein Beispiel sagen könntest, wie du das formuliert hast, fände ich das toll, aber wenn dir das zu persönlich wird dann natürlich nicht.
Also ich weiß natürlich nicht, was Malia jetzt geschrieben hat. Aber ich empfehle auch immer offen und ehrlich zu sein. "Krankheit mit anschl. Rehabilitationsphase" kann man durchaus schreiben. Das sagt aus, dass man wieder genesen ist. Und wenn man dann - wie bei dir - eh schon wieder gearbeitet hat, fragt keiner nach was das für eine Krankheit war. Das darf man nämlich gar nicht. Wichtig für den Arbeitgeber ist ja nur zu wissen, dass du aktuell wieder arbeitsfähig bist. Und das zeigt ja dein letzter Job. Dann den Fokus eben auf den letzten Job legen und nicht auf das was davor war.