Introvertiert - wie kann ich es endlich akzeptieren?

Nicht jedem fällt es leicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "einfach" mal jemanden kennenzulernen oder sich in Gruppen selbstsicher zu verhalten. Hier können Sie Erfahrungen dazu (sowie auch allgemein zum Thema "Selbstsicherheit") austauschen.

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Selina_94
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Introvertiert - wie kann ich es endlich akzeptieren?

Beitrag Fr., 22.11.2019, 21:27

Hallo!
Schon mein ganzes Leben höre ich so Sätze wie "red' mal was", "warum sagst du nichts", schon in der Grundschule hieß es "sie ist aufmerksam, aber sehr still".
Gut, ich bin introvertiert. Das weiß ich. Aber wie schaffe ich es, es auch endlich komplett zu akzeptieren?
Die meiste Zeit versuche ich zwanghaft, dass es Andere nicht merken. Versuche, meine Unsicherheiten, meine ruhige Art zu überspielen, was mich zum einen viel Kraft kostet, zum Anderen auch nur manchmal gelingt.
In Gruppen analysiere ich mich, frage ich mich, ob mich wohl alle komisch und seltsam finden, weil ich so ruhig bin und nie 10-Minütige Geschichten von mir gebe, sondern eher zuhöre und mal ab und zu eine kurze Aussage in den Raum werfe...Das ist natürlich mir erheblichem Druck verbunden. Was dann zu mal mehr, mal weniger starker Nervosität führt, bis hin zu völlig-neben-der Spur-Stehen. Oft denke ich auch noch ewig nach solchen Situationen über alles nach, über mein Verhalten, meine Aussagen und hoffe, dass mich jetzt keiner komisch gefunden hat, dass sie nicht denken ich sei langweilig und verschüchtert..
Das Ganze spitzt sich teilweise so zu, dass ich eine regelrechte Panik habe, etwas Peinliches zu machen oder blöd zu wirken, dass ich in größeren Gruppen, wo ich auf einmal reden muss und im Mittelpunkt stehe, regelrecht innerliche Panikattacken bekomme (zb. bei Vorstellungsrunden - mein Herzklopfen bringt mich jedesmal beinahe um).

Nun hatte ich ein Gespräch mit meinem Vorgesetzten, der mir sagte, ich sei zwar intelligent, hübsch, habe ein schönes Gesicht und einen guten Körper (wobei das eigentlich nichts zu Sache macht), aber ich sei zu introvertiert. So würde ich im Job nicht weit kommen. Ich soll mehr "Ecken und Kanten haben". Mehr "Persönlichkeit". Soll mehr sein wie meine Kollegin, die laut und frech ist. Oder wie die andere Kollegin, die ebenfalls extrovertiert ist. Und na ja, ehrlich gesagt, hat mich das Gespräch emotional ziemlich fertig und auch sehr nachdenklich gemacht.
Mein Leben lang kämpfe ich gegen diese Introvertiertheit. Ich weiß, dass ich nicht schlecht aussehe. Nicht wie das typische ruhige Mauerblümchen. Aber mein Gott, ich bin nunmal ruhig. Ich dachte eigentlich, ich könnte wenigstens ein bisschen drüber stehen. Doch nach diesem Gespräch mit meinem Vorgesetzten bin ich verunsicherter, als je zuvor.
Ist es wirklich so schlimm, dass ich introvertiert bin? Muss ich mich wirklich ändern, nur weil ich seiner Meinung nach zu ruhig bin, nicht genug aus mir raus komme? Oder sollte ich mich endlich mal akzeptieren, dass ich nunmal so bin, und das sich auch nie ändern wird?
Was ist eure Meinung dazu? Geht es jemand ähnlich? Ehrlich gesagt, je mehr ich darüber nachdenke, desto wütender macht es mich, dass alle Möglichen meinen, an einem kritisieren zu müssen und einen verändern zu wollen.

Freue mich über jede Antwort :)

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candle.
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Beitrag Fr., 22.11.2019, 21:49

Hallo selina!
Selina_94 hat geschrieben:
Fr., 22.11.2019, 21:27
Nun hatte ich ein Gespräch mit meinem Vorgesetzten, der mir sagte, ich sei zwar intelligent, hübsch, habe ein schönes Gesicht und einen guten Körper (wobei das eigentlich nichts zu Sache macht), aber ich sei zu introvertiert. So würde ich im Job nicht weit kommen.
Und was war der Grund für das Gespräch, wenn ich fragen darf? Was du da geschrieben hast, ist ja nicht wirklich ein Grund. Ob du Karriere machst oder nicht, ist ja deine Sache.

Lieben Gruß!
candle
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Beitrag Fr., 22.11.2019, 22:05

Hi!

Ich denke erst mal muss man sich klar machen, dass diese Welt hauptsächlich auf extrovertierte Menschen ausgerichtet ist. Da sie die lauteren sind, haben sie auch meistens mehr Macht. Introertierte werden oft übersehen, bekomme nicht so gute Postem, weil sie sich weniger gut durch setzen können. Is leider so.

Ich denke erst mal sollte man für sich selbst klar bekommen, wie weit man sich an diese Welt anpassen will. Ab wann genau fängt es bei dir an, dass dich Anpassung unglücklich macht?
In welchen Bereich des Lebens kannst und willst du dich überhaupt anpassen?
Wo willst du genauso akzeptiert werden, wie du bist?

Menschen kritisieren immer Menschen, die sich von ihnen unterscheiden. Das ist etwas unreflektiert und dumm. Aber menschlich. Aber davon sollte man sich abgrenzen. Es ist ja die Frage , was du willst.

Man kann sich Extrovertiertheit auch mit sehr viel Arbeit und Mühe antrainieren. Das geht. Sollte man aber nur machen, wenn man das selbst will und nicht für andere.

Oder man sucht sich eben Nischen, wo man seine Introvertiertheit mehr leben kann, auch beruflich.

Aber das is ne persönliche Entscheidung, finde ich. Wegen anderen würde ich das nicht machen. Die reden ja einfach nur, aber leben nicht dein leben.

Wenn man nich zu ruhig is, dann ist man zu laut oder hat ne zu lange Nase zu große Ohren oder was auch immer. Menschen finden immer was.

Und dein Chef hat recht. Es kann wirklich sein, dass die lauten mehr erreichen als die stillen. Das ist ein berechtigter Hinweis von ihm. Is ja sehr nett würde ich mir denken. Danke.
Aber es ist ja deine Entscheidung. Wenn du ne krasse Karriere hinlegen willst, kommst du wahrscheinlich nicht drum herum, dich selbst zu verändern. Aber willst du das?

Wenn dir das aber nicht so wichtig ist, dann geh's halt lockerer an oder such dir ne Nische wo deine persönlichen Stärken mehr geschätzt werden.
"You cannot find peace by avoiding life."
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Kellerkind
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Beitrag Fr., 22.11.2019, 22:13

Hi,

sorry, wenn ich es so direkt sage, aber der Pfad zwischen starker Introvertiertheit und fehlender sozialer Kompetenz kann nun mal sehr schmal sein.

Es spricht überhaupt nichts dagegen, wenn man "still" oder sogar "sehr still" ist, aber wenn es zugunsten gängiger sozialen Normen geht, entsteht dadurch dann auch ein entsprechender Leidensdruck.

Die Schwierigkeit, die ich sehe: dass viele introvertierte Menschen oft selbst nicht erkennen, wo "still sein" anfängt, sozial auffällig zu werden. Es komisch beim Gegenüber ankommt. Sie denken, sie seien halt "nur still", und wieso sei das so schlimm. Das stimmt in der Regel nicht. Da hängt mehr, sooo viel mehr dran. Aber was man halt selbst nicht kennt, kann man eben auch nicht vermissen bzw. einschätzen...

Es ist ein Unterschied, ob man einfach wenig erzählt, wenig kommunikative Eigeninitiative zeigt oder auch dann schweigt, wenn ein wenig Reden angemessen wäre. Ob man einfach nur wenig redet oder emotional verschlossen ist oder wirkt.

Kommunikation ist wie ein Ballspiel. Und nur 10% davon,wenn überhaupt, besteht aus Worten. Wenn man ständig Bälle, die einem anderen zuwerfen...(ob mit Worten, Gesten, Mimik etcpp)... ignoriert, nicht drauf eingeht...(evtl. auch, weil man sie nicht erkennt)...und sich den gängigen sozialen Normen entzieht, dann wird man nun mal schief angesehen. Sorry für diese sehr pragmatische Darstellung.

Wie gesagt, ich denke, die Schwierigkeit für Betroffene liegt darin, den schmalen Grad (selbst) nicht erkennen zu können, wo still sein anfängt zum "sozialen Problem" zu werden bzw. man unfreiwillig damit etwas ganz anderes ausstrahlt und unfreiwillig kommuniziert als meine eigentlich meint.

Beispiel. Jemand den man eigentlich mag erzählt einem irgendwas Aufregendes. Der Introvertierte fragt nicht nach. Kein Sterbenswörtchen. Geht null darauf ein. Aus welchen Gründen auch immer. Das nächste Mal wieder. Und wieder. Dann wird derjenige sich zwangsweise irgendwann abgelehnt fühlen und es als Desinteresse werten müssen. Denn das, was der Introvertierte damit ausstrahlt IST Desinteresse, auch wenn er das nicht beabsichtigt hat. Dann hat er ein falsches Signal gesendet. Und dann ist es eben mehr als "nur still sein", sondern dann ist es eindeutig ein Kommunikationsproblem und eines der fehlenden Sozialkompetenz, weil man sich..(Achtung, beabsichtigtes Wortspiel)... nicht "kompetent" im sozialen Miteinander bewegen kann.

Schon mal über soziales Kompetenz-Training nachgedacht? Still und ruhig sein kann man dann immer noch, aber man sendet dann vielleicht nicht mehr so oft falsche Signale...
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Salzstreuerin
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Beitrag Fr., 22.11.2019, 22:40

Selina_94 hat geschrieben:
Fr., 22.11.2019, 21:27
Oder sollte ich mich endlich mal akzeptieren, dass ich nunmal so bin, und das sich auch nie ändern wird?
Liebe Selina!
Ich finde, Du solltest nicht endlich mal akzeptieren, dass Du so bist, wie Du eben bist, sondern Du darfst es! Du darfst einfach Selina sein. Und wenn es so sein darf, wie es ist, kann sich das durchaus auch ändern.

Ich war früher auch total still. Habe bei Jugendgruppen stumm wie ein Fisch in der Ecke gesessen und bloß zugehört, weil ich nichts zu sagen wusste. Und irgendwann, ich weiß gar nicht genau, wann, hat sich das geändert. Einfach so, wenn ich auch immer noch nicht die Extrovertierteste bin. Vielleicht, weil ich dann in einem Umfeld unterwegs war, wo ich so sein durfte, wie ich bin.
Und das passende Umfeld zu finden, ist für Introvertiertere in unserer Gesellschaft oft nicht so leicht...

Wenn es Dir starken Leidensdruck verursacht, würde ich mir therapeutische Hilfe suchen an Deiner Stelle. Und nicht zwanghaft auf eigene Faust versuchen, mich zu ändern, nur weil andere das von mir erwarten...
Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es! :roll:

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Beitrag Fr., 22.11.2019, 23:05

Kellerkind hat geschrieben:
Fr., 22.11.2019, 22:13
Beispiel. Jemand den man eigentlich mag erzählt einem irgendwas Aufregendes. Der Introvertierte fragt nicht nach. Kein Sterbenswörtchen.
Ja, aber fehlende soziale Fähigkeiten gibt es bei Intro- und Extrovertierten.

Zum Beispiel einige Extrovertierte warten ja gerade zu, dass Gespräch endlich wieder auf ihre Themen zu lenken und gehen 0 darauf ein, was der andere sagt sondern reden und reden und reden.

Aber ja so generell sollte man auch mal überprüfen, welche nonverbalen Signale etc. man eigentlich so aussendet.
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Kellerkind
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Beitrag Fr., 22.11.2019, 23:11

~~~ hat geschrieben:
Fr., 22.11.2019, 23:05
Ja, aber fehlende soziale Fähigkeiten gibt es bei Intro- und Extrovertierten.
...
Aber ja so generell sollte man auch mal überprüfen, welche nonverbalen Signale etc. man eigentlich so aussendet.
Das ist korrekt. Genauso wie sich auch so manche Persönlichkeitsstörung hinter ZU extrovertierten Menschen versteckt, z.b. die berühmt-berüchtige NPS. Alles, was ZU extrem ist, ist wohl mehr oder weniger ungesund.

Ich möchte noch mal klar stellen, dass meine Aussagen absolut WERT-frei gemeint sind. Kernaussage, dass es manchmal ein schmale Grenze ist zwischen ZU introvertiert sein und mangelnder Sozialkompetenzen bzw.sogar (ängstlich-vermeidendender) Persönlichkeitsstörungen. Wobei letztere ja auch größtenteils bedingen, dass derjenige kein Problem AN SICH erkennt, sondern glaubt, es seien "alle anderen", die falsch ticken. Weshalb sich das eine oder andere gerne mal unter dem Deckmantel "ich bin halt ZU intro/extravertiert" versteckt...

Niemand hat was gegen stille Menschen. Oder gegen Introvertierte. Ich weiß nicht, wo dieser Mythos herkommt. Nur wenn man halt (unbeabsichtigt) die falschen Signale aussendet, und sich in der Welt der verbalen/non-verbalen Kommunikation nicht zurecht findet, dann ist es nun mal so- ganz nüchtern betrachtet - dass man aneckt und entsprechend Leidensdruck entsteht. Egal ob man das fair findet oder nicht.

Es gibt auch introvertierte Menschen, die GAR KEIN Problem damit habe, und wirklich drüber stehen. Weil sie können, wenn sie müssen. Weil sie "authentisch" kommunizieren und ausstrahlen, was sie auch meinen. Und so weiter.
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Anna-Luisa
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Beitrag Fr., 22.11.2019, 23:52

Selina_94 hat geschrieben:
Fr., 22.11.2019, 21:27
Nun hatte ich ein Gespräch mit meinem Vorgesetzten, der mir sagte, ich sei zwar intelligent, hübsch, habe ein schönes Gesicht und einen guten Körper (wobei das eigentlich nichts zu Sache macht), aber ich sei zu introvertiert.
Arbeitest du als Model? Oder wie kommt dein Chef dazu, dein Äußeres zu beurteilen?

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Selina_94
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Beitrag Sa., 23.11.2019, 01:03

Hallo,

wow, vielen Dank für die vielen Antworten, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet :D
Also ich habe mir schon öfters Gedanken gemacht, ob mit mir allgemein etwas nicht stimmt, ob zb. diese Nervosität vor Vorstellungsrunden etwas krankhaftes ist, eine Art soziale Phobie oder so... ich weiß nicht, ob das überhaupt noch durch die "introvertiert sein" begründet werden kann. Allerdings habe ich allgemein keine Angst an sich, mit Menschen zu reden.
Ich bin ein guter Zuhörer und schmeiße die ganze Zeit irgendwelche Kommentare oder Antworten ins Gespräch ein. Allerdings meistens nur, wenn es ein Gespräch zu zweit oder zu dritt ist. Bei größeren Gruppen fühle ich mich oft blockiert.

Ja, das habe ich mich auch gefragt, wieso mein Chef mein Aussehen kommentiert hat. Aber er meinte es wohl so, dass mir doch eigentlich alle Möglichkeiten offen stehen, da ich ja schon recht gut aussehe (und der erste Eindruck entscheidet ja auch) und es mir dann durch meine ruhige Art etwas "kaputt mache". Außerdem wäre ich schlicht und ergreifend zu lieb. Ich sage eigentlich immer zu allen ja, egal welcher Kollege mit welcher Aufgabe zu mir kommt. Das kommt aber auch daher, dass ich das starke Bedürfnis habe, von jedem gemocht zu werden. Sobald ich das Gefühl habe, jemand könnte mich aus irgendeinem Grund nicht leiden, geht das Kopfkino und die Selbstzweifel los. Wobei das nicht immer so ist, manchmal kann ich damit umgehen, manchmal grübel ich ewig darüber. So hat es mich auch getroffen, dass mein Chef an sich mit meinen Leistungen (ach ja, ich arbeite als Industriekauffrau) sehr zufrieden ist, aber meine introvertierte Art kritisiert und mich mit Kolleginnen verglichen hat. Das hat mich schon etwas getroffen.

Ach ja und ich habe ihm gesagt, dass ich mich ohnehin nicht als Führungskraft sehe. Von daher bin ich eigentlich ganz happy mit der Sachbearbeiter-Position, wo man eigentlich auch als introvertierte Person keine großen Probleme hat.

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candle.
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Beitrag Sa., 23.11.2019, 01:27

Also er hat nichts zu beanstanden gehabt arbeitstechnisch? Komisch! Vielleicht wollte er dir ja was ganz anderes "zeigen". :kopfschuettel:

Am besten hakst du das einfach für dich ab.

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Anna-Luisa
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Beitrag Sa., 23.11.2019, 02:07

Selina_94 hat geschrieben:
Sa., 23.11.2019, 01:03
Ja, das habe ich mich auch gefragt, wieso mein Chef mein Aussehen kommentiert hat. Aber er meinte es wohl so, dass mir doch eigentlich alle Möglichkeiten offen stehen, da ich ja schon recht gut aussehe (und der erste Eindruck entscheidet ja auch) und es mir dann durch meine ruhige (...)
Wenn einem durch gutes Aussehen andere Möglichkeiten offen stehen als weniger gut aussehenden, hat das mit einem "Eindruck" weniger zu tun als mit Oberflächlichkeit. Hat vielleicht dein Chef ein besonderes Interesse an dir persönlich - anstatt an deinen beruflichen Fähigkeiten?
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
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Beitrag Sa., 23.11.2019, 12:49

Hallo,

kauf dir das Buch "Still- die Kraft der Introvertierten" von Susan Cain und lies es.

Mach dir mal eine Liste was du gut kannst und orientiere dich daran. Immer an Mängeln mäckeln bringt dich keinen Schritt weiter. Kenne deine Stärken und nutze sie.

Ich bin derzeit in der glücklichen Lage, dass meine Chefin Introversion zu schätzen weiß. Aber das war nicht immer so.

Beim Mitarbeitergespräch sagte meine vorhergehende Chefin: " Sie sind so still. Wenn Sie etwas sagen hat es zwar Hand und Fuß, aber Sie sagen so selten etwas!"
Daraufhin erwiderte ich das, was ich gerade dachte und machte mich ernsthaft unbeliebt:" Geschwätzt wird hier schon genug."
Ihr Gesicht war Gold wert. :lol:

VG
„Freunde, nur Mut!
Lächelt und sprecht:
Die Menschen sind gut,
bloß die Leute sind schlecht.“
Erich Kästner

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Kaonashi
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Beitrag Sa., 23.11.2019, 13:41

somethingmagic hat geschrieben:
Sa., 23.11.2019, 12:49
Daraufhin erwiderte ich das, was ich gerade dachte und machte mich ernsthaft unbeliebt:" Geschwätzt wird hier schon genug."
Gute Antwort. Ich glaube, Introvertierte helfen sich selbst am besten, wenn sie selbstbewusst so bleiben, wie sie sind.
Sollen die anderen doch weiter schwätzen.
Das Problem ist also nicht die Introversion an sich, sondern die Selbstunsicherheit. Daran muss man ggf. arbeiten, wenn man sich nicht wohl fühlt, aber nicht an der Introversion.

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_Leo_
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Beitrag Sa., 23.11.2019, 14:13

Unsicherheit und Introvertiertheit sind jedoch nicht das Selbe. An Unsicherheit lässt sich arbeiten, beispielsweise mit einem Therapeuten. Introvertiert bleibst du wahrscheinlich dein Leben lang.

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spirit-cologne
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Beitrag Sa., 23.11.2019, 21:01

Ich weiß nicht, ob es einen als Introvertierten weiterbringt, zu sagen, die Anderen, die mehr sagen würden nur "schwätzen". Das ist genau die Art von Abwertung, die man selbst aufgrund seiner Introvertiertheit auch nicht haben möchte. Introvertierte sind nicht schlechter oder weniger Wert als Extravertierte - aber eben auch nicht besser. Ich glaube nicht, dass es etwas bringt, die jeweils anders veranlagten Menschen abzuwerten.

Introversion und Extraversion sind gleichwertig und keiner sucht sich aus, was davon er mitbekommt, es sind angeborene Temperamentsdimensionen. Zum Problem werden beide Eigenschaften erst, wenn sie in Extremform vorkommen und man sich nur so verhalten kann. Therapie ist dazu da, da aufzulockern, aus einem Introvertierten soll nicht auf einmal ein Partylöwe werden, er soll nur lernen, die Introversion zu überwinden, wenn Sie zu Problemen bei der Lebensbewältigung führt, z.B. weil ich in einem Bewerbungsgespräch nicht die Zähne auseinander kriege oder ohne Partner bin, obwohl ich mir einen wünsche, weil ich mich nicht traue, mit neuen Menschen zu sprechen.
It is better to have tried in vain, than never tried at all...