Unbeschwertheit möglich?

Was Sie in Bezug auf Ihre eigene Zukunft, oder auch die gegenwärtige Entwicklung der Gesellschaft beschäftigt oder nachdenklich macht.
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sara72
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Unbeschwertheit möglich?

Beitrag Mo., 07.12.2020, 19:04

Hallo,

als Kind ist mir das Verhalten der Erwachsenen oft seltsam vorgekommen, aber das trifft sicher auf viele KInder zu.

... jetzt bin ich erwachsen ... bin schon eine Weile erwachsen ... und es ist immer noch so ...

Ich weiß nicht woran es liegt, vielleicht daran, dass ich keine leicht KIndheit hatte - oder es ist ein generellses Problem ...

... ich wünsch mir ja nicht viel ... Ich würde nur gerne in einer Welt leben, in der jede_r das ausleben kann, was er/sie sich wünscht - natürlich nur ohne die Freiheit von anderen einzuschränken. ... Unbeschwertheit ... keine Ahnung ... vielleicht so, wie wenn ein KInd gut behütet ist, oder so - nur auch für Erwachesene *träum*

Ist das pathologisch? Oder kann das jemand nachvoilziehen?

Mit besten Grüßen
Sara

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Nico
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Beitrag Mo., 07.12.2020, 19:12

Ich glaube nicht dass als Erwachsener kindliche Unbeschwertheit möglich ist.
Aber ein Leben in grundsätzlichen Optimismus und Gelassenheit ist mMn schon möglich.
Ich war in meiner Jugend ein sehr pessimistischer, unglücklicher Mensch, jetzt bin ich optimistisch, zufrieden, gelassen, glücklich u dankbar.
Aber es ist ziemlich harte Arbeit dort hinzukommen, geschenkt wird es einem nicht.
Wenn ich alt bin, möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich!

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Candykills
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Beitrag Mo., 07.12.2020, 19:15

Halte den Wunsch für normal.
Aber eben nicht wirklich umsetzbar, weil mit zunehmendem Alter einfach Eigenverantwortung dazu kommt. Es sind nicht mehr andere dafür verantwortlich dich glücklich und zufrieden zu machen, sondern du selbst musst dafür sorgen.

Aber es spricht ja zum Beispiel nichts dagegen, wenn du dir einen Mann suchst, der dich ein bisschen behütet, wenn der das auch gerne machen will.
🦄

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sara72
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Beitrag Di., 08.12.2020, 08:45

Nico hat geschrieben: Mo., 07.12.2020, 19:12 Ich glaube nicht dass als Erwachsener kindliche Unbeschwertheit möglich ist.
Aber ein Leben in grundsätzlichen Optimismus und Gelassenheit ist mMn schon möglich.
Ich war in meiner Jugend ein sehr pessimistischer, unglücklicher Mensch, jetzt bin ich optimistisch, zufrieden, gelassen, glücklich u dankbar.
Aber es ist ziemlich harte Arbeit dort hinzukommen, geschenkt wird es einem nicht.
Hallo Nico,
wie schaffst Du es, Dir den Optimismus, die Zufriedenheit und die Gelassenheit im All-tag zu bewahren?

Es ist nicht so, dass ich das alleine, oder wenn ich nur mit Freundinnen, oder Kolleg_innen zusammen bin, nicht hinbekomm. Aber ich treff halt immer wieder auf Menschen, wo ich das Gefühl hab, dass die mir das neidisch sind und mich runter ziehen wollen, oder mich sogar überzeugen wollen, dass sie Recht haben und ich nicht - wie z.B. mein Onkel, der das immer wieder versucht. Oder meine Mutter, die meinte, dass ich ein Problem hab und nicht sie. Dabei hab ich ohne ihr kein Problem.

Es ist dann so schwierig für mich dagegen "anzustinken". Ich kann den ganzen Tag arbeiten, Admin machern, mit Kollegen plaudern, und bin am Abend nicht einmal erschöpft (hab ich im Homeoffice jetzt gemerkt), aber sobald ich nur kurz mit Klienten zu tun hab, wirft es mich aus der Bahn. Das ist so ähnlich wie mit dem Eisenhower Zeitmanagement nur halt mit Energie - für 80% der Arbeit brauch ich 20% meiner Energie und für die restlichen 20% der Arbeit (mit desttruktiven Menschen) brauch ich 80% meiner Energie. Ich fühl mich dann immer total ausgelutschkert.

Ich hab das Gefühl, dass es manche Leute nicht sehen können, dass es mir gut geht. Die dürften glauben, dass mir das in den Schoss gefallen ist. Die wissen eben nicht, dass es harte Arbeit ist, sich das zu erhalten.

Kann man das irgendwie abfedern? Wenn ja, wie? Wie kann ich dagegen anstinken?

Ganz liebe Grüße
Sara

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sara72
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Beitrag Di., 08.12.2020, 08:54

Candykills hat geschrieben: Mo., 07.12.2020, 19:15 Halte den Wunsch für normal.
Aber eben nicht wirklich umsetzbar, weil mit zunehmendem Alter einfach Eigenverantwortung dazu kommt. Es sind nicht mehr andere dafür verantwortlich dich glücklich und zufrieden zu machen, sondern du selbst musst dafür sorgen.
Hallo Candykills,

ich bin mir manchmal nicht sicher, ob es nicht gerade daran liegt, dass ich mich zu viel für was verantwortlich fühl und mir das bis zu einem gewissen Grad auch die Unbeschwertheit nimmt.

Vieles über das ich mir Gedanken mach, kann ich eh nicht wirklich ändern, weil es nicht in meinem Einflussbereich liegt.

Ganz liebe Grüße
Sara

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Nico
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Beitrag Di., 08.12.2020, 11:19

:lol:
Erster und wichtigster Schritt ( zumindest für mich):
Man muss sich von Meinungen, Urteilen u Ratschlägen anderer die die eigene Person betreffen völlig unabhängig machen.
Mit anderen Worten, mir ist völlig egal was andere über mich denken oder von mir und meiner Lebensweise halten.
Ich diskutiere auch nicht darüber. ;)
Wenn ich alt bin, möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich!


Buddhi
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Beitrag Mo., 08.11.2021, 05:35

Dieser Wunsch nach kindlicher Unbeschwertheit ist genau der Grund dafür, dass ich in letzter Zeit immer wieder melancholisch und nostalgisch werde. Und um diese Sehnsucht noch richtig zu befeuern, höre ich mich auch noch Mucke aus den 80ern an... :roll:

Nein, ich glaube auch nicht daran, dass eine Rückkehr zu diesem Lebensgefühl möglich ist. Dafür ist man als Erwachsener zu sehr geprägt von all den Erfahrungen und Erlebnissen. Sicherlich kann man sich ein kleines Refugium erschaffen. Sei es, dass man wie ich hin und wieder in Erinnerungen schwelgt oder sich mit Filmen, Musik oder was auch immer gedanklich in diese Zeit katapultiert.

Was mir tatsächlich geholfen hat, ein kleines Stück Unbeschwertheit zurückzuerlangen, war schlicht und ergreifend, keine Nachrichten mehr zu konsumieren. Das heißt, sämtliche News-Apps sind von meinem Smartphone geflogen, Startseiten wurden aus dem Browser verbannt, und lineares Fernsehen haben wir nach unserem Umzug sowieso nicht mehr. Stattdessen beschäftige ich mich mit Sachen, die mich gefühlt weiterbringen, ob nun diverse Podcasts oder Dokus. Aber dieser medialen Reizüberflutung, die nur meinen Weltschmerz triggert und mir logischerweise nicht guttut, habe ich komplett aus meinem Konsum verbannt. Und seien wir ehrlich: Die wirklich "weltbewegenden" Dinge bekommt man sowieso von Freunden und Familie erzählt, darum kommt man ohnehin nicht herum.