Niemandes Tagebuch

Manchen Menschen fällt es leichter, über ihre Gefühle und Gedanken zu schreiben oder zu malen, als sie auszusprechen. Hier ist Platz dafür: Bilder, Gedichte, Erfahrungsberichte und andere Texte (bitte nur eigene).
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_milk
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Beitrag So., 18.06.2017, 22:37

Heute abend war es echt gespenstisch mit meiner Mutter. Sie war in einem weit entfernten Teil des Gartens, aber ich konnte sie gut "spüren". Sie hat auch mal zu mir herübergelugt, was ich tue. Durch das wilde Gebüsch hindurch.

Mir ist klar gewesen, man sucht es nicht aus, so zu sein wie sie.
Niemand will so sein. Aggressiv, verkrampft, zitternd. Verstrickt in irgend etwas, das sie nicht durchschaut. Etwas das sie selber mitbekommen hat. Etwas Unbewusstes. Eine zu strenge Erziehung vielleicht, oder eine falsche.

Ein Machtstreben und Denken, dass ihr nahe gelegt wurde, und das sie nie abgelegt hat. Was mir völlig unverständlich ist, ist ihr zwanghafter Wunsch nach Besitz, und was mit dem erbärmlichen Krempel noch alles machen wird. Es soll auf alle Fälle die richtige Person erben.

Da sie ihre Kinder bereits allesamt gegen sich aufgebracht hat, und die Enkel auch schon langsam Abstand nehmen, fahndet sie schon in der Urenkel-Generation nach potenziellen Erben. Mir ist das unbegreiflich, wie man so an materiellen Dingen hängen kann. Vielleicht weil ich nie so eine Not durchmachen musste.

Was ist das für eine Lebensqualität, wenn ich den ganzen Tag krampfhaft an etwas festhalte, das ich nicht festhalten kann? Das Leben ist Veränderung in jeder Sekunde. Alles verändert sich permanent. Es ist sinnlos an irgendetwas festzuhalten. Was du heute noch hast, kann morgen schon fort sein. Dabei finde ich ihren Lebenswille ja eigentlich schön. Ich bin nachdem sie weg war in ihren Garten gegangen. Ein verwunschenes Kunstwerk.

Surreal, wie manche Pflanzen, Rosenstöcke, alte, überwuchert werden von langen Gräsern. Eine Weinrebe, die sich zu einem Graupert entwickelt hat. Dieser Weinstock ist so typisch für sie. Sie schneidet ihn nicht, sie lässt ihn wild wachsen. Sie kann überhaupt keine Pflanze umbringen, außer die verhassten Gräser. Was dazu führt, dass der Garten zeitweise nicht mehr betretbar ist. Mich hat das Gelände an Anselm Kiefer erinnert. Sie baut eine lebendige begehbare Skulptur. Sie lebt mit den Pflanzen und fühlt vielleicht sogar mit ihnen. Sie hat mich in schwierigen Situationen schließlich auch immer wieder aufgefangen.

Der 2. Weltkrieg hat seine Aufgabe gut erfüllt, eine Generation zu stören, zu zerstören und ihnen die Identität wegzunehmen. In 70ern mit dem kranken Wirtschaftswunder kam dann die Zeit der billigen Frauenzeitschriften und die unglaubliche Gehirnwäsche, die damit einsetzte. Was trägt die Queen, was isst die Queen und Männer dürfen nicht mehr Männer sein, und Frauen nicht mehr Frauen.

Die geringe Bildung während den Kriegsjahren hat diesen eher kritiklosen Medienkonsum noch verstärkt. Irgendwie kann ich verstehen, dass sie so wurde, wie sie wurde. Und dass ich so wurde wie ich wurde ist eine Folge davon. So dreht sich das Rad immer weiter. Das Unbewusste wird weitergegeben. Der Reinkarnationsgedanke drängt sich auf. Wer weiß, ob mein Mutter wirklich sterben wird und nicht als Gespenst wieder kommt. Vielleicht versucht sie auch zu sterben und ich weiß es nur nicht. Sie hat irgenwo tief drin was grundsätzlich Positives. Eine Freude am Leben. Das ist wohl auch eine Message an mich, die annehmen kann.

Dennoch besteht zur Zeit eisiges Schweigen zwischen uns. Und ich finde das auch gut so. Ich brauche diesen Abstand, sie auch. Es ist oft sehr schwer etwas Fremdes anzuerkennen. Ich ihren Kampf, sie meinen. Ich ihr Positives und sie meines. Und dann passiert auch sehr schnell diese Verbundenheit, die nur wieder falsche Hoffnungen weckt und neue Enttäuschungen bringt. Dieses Grenzziehungsproblem haben wir beide.
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_milk
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Beitrag Do., 22.06.2017, 08:13

Heute denke ich schon die ganze Zeit darüber nach, warum es mich bei den Psychoanalytikern immer fast automatisch wieder ausloggt und warum es einfach nicht funktioniert. Meine erste Thera hat Summa summarum mehr Schaden als Nutzen angerichtet. Zwar ohne das zu wollen. (Und selbst das stelle ich schon in Frage. Für sie hatte das System Nutzen) Aber sie steckte einfach zu tief im System fest.
In zwei Systemen. Das eine System ist die Gesellschaft. Sie betet die derzeitige Gesellschaftsordnung regelrecht an. Also müssen arbeiten, arbeiten, arbeiten.
Und konsumieren, konsumieren, konsumieren. Sie verfasst dann ja auch mit Leidenschaft Kundenrezensionen auf Amazon, gestaltet dauernd ihre Wohnung um, oder tippt während der Session auf ihrem allerneuesten Apple-Gerät rum. Wenn ich das im Nachhinein betrachte, wird mir ganz schwummrig. Was für eine kranke Person. Sicher hat sie mir da und dort geholfen. Und immerhin hat sie den Ausstieg aus der PA bewirkt. Auch was.

Und da war dieser junge aufstrebende Analytiker, bei dem ich das Gefühl hatte, der ist finanziell unabhängig, das war sehr angenehm. Und ich konnte auch keine allzugroßen Konsum- und Arbeitswahnallüren feststellen. Der hat sich analytisch durchaus sehr frei bewegt und Unbewusstes aufgegriffen, das mir bislang fremd war. Ein High Potential in der Analyse. Aus dem wird vielleicht noch was oder auch nicht. Sein Narzissmus und ein Überdosis Freud-Anbetung werden ihm hinderlich sein. Das wird spannend, inwieweit er das ablegen kann. Der ist ja erst 30, wenn überhaupt. Bei ihm habe ich das Gefühl, er passt sich zu sehr an den freudorientieren Wissensbetrieb an. So wie Lacan. Das könnte so ein exklusiver Lacan-Nachfolger werden. Interessante Formeln, interessantes Terrain und viel viel heiße Luft.
D. h. die Analytiker stecken entweder im System "Freud" fest oder sie stecken im System "Gesellschaft" fest.

Von daher verstehe ich die Jelinek so gut, als sie dann irgendwann aufgegeben hat und gesagt hat, irgendwann ist man aus der Sicht der PA austherapiert. Kann auch gar nicht anders sein, weil die PA ein weiteres Programm in der Matrix ist, nicht mehr und nicht weniger. Ähnlich wie das Orakel. Mich interessiert aber der Architekt.
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Beitrag Do., 22.06.2017, 08:49

Wobei mir bei der Konsum-Thera aufgefallen ist, dass sie sehr eng mit ihrem Vater kooperiert. Während sie meine Familie ständig torpediert. Also ich sollte mich unbedingt von meiner Familie trennen, am besten endgültig. Aber wenn sie ein Problem hat, rennt sie sofort ihrem Vater. Vielleicht ist ihr Vater die Wurzel ihres Wahns. Schließlich stammt der aus Kriegsgeneration, wie meiner auch, und die kannte eben nur arbeiten, arbeiten, arbeiten, bis zum Umfallen.
Eh nett für die Leute, die an der Spitze stehen und abschöpfen. Überhaupt geht mir das ständige "die-Familie-ist-der-Ursprung-all-deiner-Probleme"-Blabla in der PA dermaßen auf die Nerven. Weil einfach nur ein Teil wahr ist. Der andere Teil ist, dass die Familie selbst Opfer ihrer Ursprungsfamlien ist, wo also wieder mitten in dem Rad bin. Alles hängt mit allem zusammen.
Die PA, der Familienzerstörungswahn, der Feminismus, die Freudanbetung, die Weltkriege, alles tolle Instrumente um Gesellschaft nachhaltig zu zerstören. Wäre ich die Architektin einer Gesellschaft an deren Spitze ich stehen möchte, würde ich genauso vorgehen. Ich würde Kriege veranstalten, möglichst viel Angst und Leid verbreiten, dann die Familie attackieren und die Mann-/Frau-Rollen. Erst wenn sich keiner auskennt, ob er ein Männchen oder Weibchen ist und keinen Zusammenhalt mehr in der Familie hat, bleibt als Alternative nur noch die Anbetung des Staates, des Konsums, und natürlich die religiöse Verehrung von obskuren Ideologien.

Der eine Philosoph, der sagte: Mir träumte ich sei ein Schmetterling. Jetzt weiß ich nicht, bin ich ein Mensch, der träumte ein Schmetterling zu sein, oder ein Schmetterling dem träumt ein Mensch zu sein. Der hat die hat die Sache mit dem Unbewussten nicht nur gerafft, irgendwann 350 vor Christus, sondern er hat auch gleich noch das Matrix-Problem ausgehebelt. Dass wir in einer Konstruktion leben. Wenn ich mir alte Texte von Dichtern aus dem 16. Jhdt. ansehe, ist vollkommen klar, dass die wussten, dass es das Unbewusste gibt. Freud hat es nur noch instutionalisiert. Die superwichtige Hierachie zwischen "Patient" und "Therapeut" eingeführt, ich Ich-es-Über-Ich-Bla etabliert und fertig war der Kram. Ich wette, dass die meisten Analytiker kein einziges Buch samt Fussnoten gelesen haben, sonst würde denen doch ein Licht aufgehen. Inversion, und Perversion, und Kastration, und Phalluskonzentration. Na, ich genieße besser den Tag, als dass ich mich mit den Gedanken dieses Mannes befasse. Geiler Tag heute.
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Beitrag Do., 22.06.2017, 20:36

Aud der Suche nach dem Ungedachten,
Festhalten am Flüchtigen,
an dem was sich entzieht,
es drängt sich auf
und verschwind
et wie
der
wie Pessoa sagte. Blasen die aufsteigen im Gewässer.

Sie sind da, die Gedanken die anders sind,
die den Ausweg weisen
Exit
schrei
en

.....

ich war heute in RBerg. Sehr interessant. Auch die Frau in dem Shop. Die Unterhaltung war außergewöhnlich. Auf was sie mich alles aufmerksam gemacht hat. Wie sie mit wenigen Worten eine Stimmung vermitteln konnte. Aufmerksamkeiten lenken konnte. '
....


Die Kontaktaufnahme mit meinen neuen Nachbarn war holprig, zittrig, peinlich, aber immerhin sie war. Besser als sie wäre nicht gewesen. Es war gut. Gut nicht. Aber es war.

....

Mich lässt der Gedanke an den Rundgang in der Au von RB nicht los. Da war dieses Grab. Denkmal. Eine 19-jährige war auf ungeklärte Weise genau dort verschwunden. Eine recht lange Information eigentlich, zu lang für ein Grab, wie ein Hilferuf, eine Anklage an einen möglichen Täter, eine Frage an eine mögliche Selbstmörderin. Was auch immer. Sehr skurril an einem Rundgang, der auf der Empfehlungsliste eines Hotels steht, erst mal auf so ein seltsames Todesdenkmal zu stoßen, samt vollständigen Namen, und deutlichen Bild. Wie ein Fahndungsaufrauf nach vielen Jahren. Auch die Jahreszahl und Datum des Verschwindens stand dabei. Mit 19. Ermordet. Vergewaltigt? Liebesdrama? Eifersucht, Leidenschaft. Verzweiflung. Tathergang unbekannt.
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Beitrag Do., 22.06.2017, 22:57

grad mal ein Posting im Standard abgesetzt.
Gleich vier Rot bekommen, dann auch 2 Grün.
Diese Poster, diese ewig wütenden
Zuerst haben Sie geschrien, sie würden mehr Flüchtlinge wollen
Jezt verboten.
Geschrieben sie wollten mehr RU-Sanktionen.
Jetzt umstritten.
Die Masse ist dumm.
Siehe Le Bon & Marcuse. Ja und auch Freud. Als er dann ein Opfer wurde und einsehen musste, dass selbst er keinen Sonderstatus hat.
Freud war in dieser Frage besonders uneinsichtig. Er hatte sich eingebildet, man würde ihn als Superstar in der Arztszene verschonen. Und dann sein Exit-Schreiben. Er würde ja gerne, auf eigenen Wunsch hin, Österreich verlassen. Ironie…. Wie lustig. Sehr von sich eingenommen. Er dachte, ….., er hätte, … nein, war nur nicht so. Seine Verwandten wurden verbrannt. Es tut mir alles so leid. Dass jemand mit eigentlich soviel Sachverstand so sein kann. Ich habe Freud nie verstanden. Und je mehr ich las, desto weniger. Deleuze und Guattari haben viel Postfreudianisches geschrieben. Es hat die Masse, die Masse >>>die Masse<<< nicht mehr erreicht. Die Masse.
Freud war das Heroin, dass die Masse, die Masse, die Masse berauscht hatte. Dr. Schmerz hatte die Masse in seinen Bann gezogen und Jahre der Schmerzen eingeleitet. Dr. Schmerz. Mara Mattuschka hatte in einem öffentlich publizierten Avantgarde-Film von einem gewissen Dr. Schmerz gesprochen. Nein, Nein, nein, sie konnte nicht Doktor Sigmund Freud gemeint haben. Ein Jude mit allzu deutschem Namen. Das halte ich für absolut ausgeschlossen.
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Beitrag So., 25.06.2017, 00:05

Heute ist ein sehr sehr merkwürdiger Tag. Also da war die Sache mit dem Friedhof. Ich ging auf den Friedhof um Rosen auf das Grab meines Vaters zu stellen. Plötzlich standen da zwei Frauen und schimpfen fürchterlich über die Gräber. Das wäre nicht in Ordnung usw., aber hier wären die Stiefmütterchen in Reih und Glied und laut polizeilich überprüfter EU-Norm richtig gepflanzt. Ich habe mich umgedreht und erstarrte wie eine Schlange, ich wollte wissen, was sie über unser Grab sagen würden. Ja und hier, die, OMG, ja, furchtbar, 199X sowieso gestorben, das "Gstauerad" wurde umgesägt, soll heißen, eine wunderschöne Konifere. Und mein Gott. Die Sowieso kommt halt nicht mit ihrem Leben zurecht. Gebellt hat sie wie ein krankes Wuffi. "Seien wir froh, dass wir nicht so krank sind und unser Leben im Griff haben". Davon schritt sie in ihrer blaugeblümten Hausmeister-Schürze, vielleicht ist sie die neue Mesnerin, und die andere, auch im sauberen Flowerprint konnte sich noch ein Stöhnen der Entrüstung abringen. Ich dachte über die Tiefe der Depression und Frustration nach, die solche Gestalten formt. Es amüsierte mich ein bisschen. Obwohl es eigentlich traurig ist. Nur ist es eben nicht mein Problem. Ich stellte mir vor, die beiden zu fragen, in welcher Weise unser Familiengrab diesen Horror auslösen würde.
Nur leider hatten sie irgendwie recht. Meine Familie, und die Person um die es wahrscheinlich ging, meine Mutter, sie haben es ja wirklich nicht im Griff. Und es bringt auch mich ganz durcheinander. So durcheinander, dass ich zitterte, als schon wieder die Polizei vor meiner Haustür stand. Kurz zuvor hatte meine sogenannte Mutter lauthals geplärrt, dass ich ein widerlicher Fratz sei und dass sie es nicht leiden könne ihre mühsam gezüchteten Rosen auf dem Grab meines Vaters zu sehen. Dieser Kreisch- und Hysterieanfall hatte ca. 4 Stunden gedauert, ich konnte den von allen Seiten meiner Terrasse trotz großzügiger Entfernung mitverfolgen, und so hielt ich es für möglich, dass sie mir die Polizei an den Hals hetzte, wegen irgendwas, und wenn es die Rosen wären. Ich öffnete routiniert mit einem: "Was ist denn jetzt schon wieder". Was selbst den Polizisten verblüffte. Ein groß gewachsener Hipster mit langem Bart, sauber gekämmt, vermutlich mit Bartöl, und sympathisch, er wolle mir nur meine Tasche bringen, die hätte ich wo vergessen, bei einer Parkbank vielleicht. Ich konnte gar nicht fassen, dass mir einer brachte, was ich noch nicht vermisste, weil ich mit dem hysterischen Geschrei meiner angeblichen Mutter zu kämpfen hatte. Ich bedankte mich artig und nahm es zitternd entgegen. Er war offenbar von meinem Greta-Garbo-Gehabe so beeindruckt, dass er mir empfahl nachzusehen, ob denn was fehlte. Ich warf einen Blick vertrauensselig hinein, sah meine Kamera und mein kürzlich gekauftes Plastikbesteck und meinte ja, alles wäre da. Er blickte so ein bisschen und ich auch, und ich blickte nochmals in die Tasche und sagte "Moment, die Geldbörse" - ich spürte Befriedigung über soviel Wachheit, und nahm sie raus, und murmelte nebenbei, es wäre sowie nicht viel drin gewesen, und ich zog einen 50er ein bisschen raus und sagte, na mehr war da sicher nicht drin. Mein Handy hatte ich vollkommen vergessen, das immerhin unversperrt in meiner Handtasche herum gurkt. Später fiel mir ein, dass ich die Tasche unter einem Kirschbaum vergessen hatte, und das war mein Glück. Dort gehen gerne Eltern mit Kindern hin, und die wollen natürlich ein gutes Vorbild sein, und so blieb meine Tasche unberührt. Ich fühlte es dankbar. Ich erzählte dem Polizisten kurz, warum ich so nervös wäre, und der Polizist meinte, ja das alles entwickle sich auch zum Dauerproblem hier bei uns. Ja, ein Riesenproblem. Mal abgesehen von den Messerstechereien und Selbstmorden in dem kleinem Kaff. Und der sagenhaften Bosheit der Dorfbewohner. Aber er hatte nicht ganz unrecht. Heute bin ich so weit, dass ich gerne ausziehen würde, nur wohin? Und ohne Geld und ohne Job. Mein Fehler war wieder einmal, dass ich die Grenzen habe einreissen lassen, ein Problem, welches selbst über Jahrzehnte und Hunderte Kilometer bestand. Also das Problem kann man nicht nur an getrennten Häusern fest machen. Mir gelingt es nicht, die Distanz zu meiner Mörderschwester aufrecht zu erhalten und meine Mutter ist sowieso nicht. Sie selbst sagte mal, sie würde mich brauchen. Was ich in der Zwischenzeit zwar bezweifle und auch wieder nicht. Egal. Ich kann das mit der Grenzziehung nicht. Und das ärgert mich. Verdammt. Ich muss es lernen. Alleine die Kilometer machen es nicht aus. Ich wohne sowieso schon in einem eigenen Haus. Wenn ich immer wieder den Kontakt pflege, vielleicht sogar suche, dann darf ich mich nicht über solche Szenen wundern.
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Beitrag Fr., 30.06.2017, 12:27

Ich lese meine Gedanken wie ein Buch. Unablässig der Strom an Gedanken
Ein Buch zu lesen erscheint mir absurd. Keine Gedanken haben mehr Platz in dem Meer
In dem ich mich befinde.
In einem Ozean an Bildern.
Die Ebbe folgt auf die Flut.
Momentan ist die Flut.
Ein nicht enden wollender Strom
an Gedanken
Erinnerungen
Gefühlen
Ängsten
Türen
Durch
die
ich durch muss
Hinüber in eine andere Welt. Wie oft noch wird
dieses Meer rauschen, für mich hörbar. Wenn mir
dann erst die Sinne fehlen
wo werde ich dann sein? Wenn
Alles vorbei ist.
Die Angst
Vor dem
Tod.
Ist
Allgegenwärtig. Man will doch leben und da sein. Für immer da sein. Für immer
Stark und gesund sein. Wie eine Gottheit, unvergänglich.
Warum sind da nur
Diese Wellen die
Mir sagen
Dass
Sich
Alles
In jedem Moment verändert
und nichts so bleibt, wie es ist wie es ist.
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Beitrag Fr., 30.06.2017, 14:39

Ich kann einen Gedanken aufschreiben.
Ich kann es bleiben lassen.
Ich kann mit mir selbst sprechen.
Ich kann es bleiben lassen.
Ich kann mich in meine Mutter hineinversetzen.
Ich kann es bleiben lassen.
Ich kann einen Wein trinken.
Ich kann es bleiben lassen.
Ich kann mich für etwas entscheiden.
Ich es kann bleiben lassen.
Ich kann es tun.
Ich kann es bleiben lassen.
Ich kann hinausgehen in die Sonne.
Ich kann es bleiben lassen.
Ich kann mit meiner Schwester sprechen.
Ich kann es bleiben lassen.
Ich kann etwas wollen.
Ich kann es nicht nicht wollen.
Soweit bin ich noch nicht.
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Beitrag Mi., 05.07.2017, 22:02

Jemand stielt jahrelang Federn aus Museen. Sehr abgefahren.

"Jahrelang täuschte er Experten in den normalerweise verschlossenen wissenschaftlichen Sammlungen von mindestens sieben Museen. Er blendete die Fachleute unter anderem in Wien, Stuttgart, Berlin, Frankfurt und München mit seinem Fachwissen über Greifvögel. Einmal allein gelassen rupfte er dann aus den Gefiedern einzelne Federn oder er riss sogar ganze Flügel ab. Die Museen schätzten den Sachschaden auf rund 5,5 Millionen Euro.

„Eigentlich ist er aber unermesslich“, sagt der Erfurter Biologe Stefan Hertwig, Mitglied der Leitung des Naturhistorischen Museums in Bern. Das hatte der Mann auch heimgesucht, aber als das Museum den Schaden 2012 entdeckte, waren die Taten dort schon verjährt. „Alle Vögel sind Unikate.“ (orf.at)

Die Geschichte beflügelt meine Fantasie.
…….
Ein Jahr nach dem Todestag. von W. geht mir die Sache immer noch im Kopf um. Ich saß vorher auf der Terrasse und meine Gedanken kreisen um seinen Tod. Heute gebe ich mich mit der Erkenntnis zufrieden, dass ich einfach weniger tun hätte sollen. Weniger eingreifen.
Damals war ich der Ansicht, dass, wenn ich nichts tue, ich mich schuldig fühlen würde. Vielleicht sollte man generell weniger tun.
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Beitrag Fr., 07.07.2017, 19:52

Diese Idioten.
Ich kann diesen Schwachsinn einfach nicht verstehen.
Wer krank ist, ist krank. Aus mir werdet ihr nichts mehr rausbekommen.

http://www.orf.at/#/stories/2398371/ (nur eine Notiz an mich!)

Anosnsten Endlos-Double-Bind-Schleife mit meiner Schwester. Sehr ermüdend.
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Beitrag Mi., 12.07.2017, 14:11

Also hab ich jetzt meinen neuen AMS-Kurs gestartet. Der Kursleiter erzählt psychotischen Müll. Alles was einem passiert ist nicht Zufall, sondern ist einem irgendwie bestimmt, aufgrund der Gedanken, die zum Charakter und damit zu Handlungen werden. Was mir aufgefallen ist diesmal - dass dieser Garbage ja nicht so weit weg ist von Freud. Freud und seine "Fehlleistung" - ein Konzept welches ich immer mehr anzweifle. Fehlleistungen können auch zufällig passieren. Lustig, dass man Shizophrenen oder Leuten mit shizophrener Psychose nachsagt, sie würden Zusammenhänge sehen, wo keine sind. Natürlich nicht bei Freud und natürlich nicht bei esoterisch angehauchten AMS-Mitarbeiten. Das ist jetzt schon der zweite der diesen Es-gibt-keinen-Zufall-Schrott" erzählt. Aus der Sicht des AMS ist es praktisch.
Dadurch kann der Einzelne in eine Sackgasse getrieben werden.
Am individuellen Scheitern ist also nicht die Gesellschaft, die Ordnung, die Elite, die Politik, das Kapital oder sonst wer schuld, nein, es ist der Einzelne mit den falschen Gedanken. Es ähnelt dem feudalen Denken, ich bin aristokratisch geboren, also was besonderes. Ich habe die richtigen Gedanken, also habe ich einen Job. Ich hatte die falschen Gedanken und deshalb wurde ich gefeuert. Sowie 500k in Österreich. Die hatten alle das falschen Denken, den falschen Charakter, sind falsch.

Also muss ich diesen Mist erneut über mich ergehen lassen und gute Miene zum Spiel machen. Kurz habe ich überlegt über das eine bewusste Inszenierung ist, aber der Typ ist so dumm, wie er sich gibt. Auch seine Lücken im Allgemeinwissen sind echt. Ansonsten müsste er mehrfach einen Oskar bekommen. Beste Hauptrolle, beste Nebenrolle, beste Special Effecst und bestes Kostum. Freiwillig zieht keiner so ein pfirsichfarbenes Hemd an und erzählt Narzissmus-Stories ohne Ende. Er ist ja super und was er alles an Ausbildung hat passt auf keinen Bewerbungsbogen. Schon klar. Ein Superheld.

Was sonst noch auffiel war die erste Frage an mich, wie ich lebe. Also ob ich einen Partner habe und Kinder. Klar das fragt man so, wenn man mit einer Arbeitslosen spricht. So eröffne ich doch einen Dialog. Zuerst glotze ich wie eine Geistesgestörte auf den Ringfinger des Mannes, auf das Hinterteil und den Brustmuskel und dann frage ich den Typ. ob er verheiratet ist und Kinder hat.
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Beitrag Mi., 12.07.2017, 16:31

An Iditiotie nicht mehr zu überbieten.


http://science.orf.at/stories/2854382/
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Beitrag Fr., 14.07.2017, 19:16

Mein Leben ist schön.
Ich bin froh, dass ich mein Leben leben durfte.
Es gab unschöne Momente.
Momente.
Momente, in denen ich keinen Auswg sah.
Keinen Ausweg sehen ist hässlich.
Es ist so: man hat niemanden, der einem hilft.
Das ist die Ausweglosigkeit.
Von daher verstehe ich jeden Selbstmörder. Er, sie, was immer hat niemanden, der ihm hilft.
Ich war oft nahe dran. +
Aber ich habe überlebt.
Es tut mir leid, für alle, die niemanden hatten.
Niemanden hatten.
Niemanden hatten
Nicht einen.
Niemanden.
No one.
Es tut mir leid.
Es tut mir leid, dass ich überlebt habe und ihr nicht.
Ihr SelbstmörderInnen.
Ihr habt etwas versäumt, was unwiderbringlich ist, das Leben.
Begeht nie Selbstmord. Es geht immer weiter. Ich weiß es .
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Beitrag Mo., 17.07.2017, 20:28

meine Mutter hat mir heute wieder gesagt, dass ich mir ein Zimmer nehmen soll. Dass sie mich nicht hier im Haus haben will. Ansonsten hat sie wieder tief in die Schimpfwortkiste gegriffen. Ich vermute eine Art Tourette bei ihr - etwas was ein Arbeitskollege bei mir mal angedeutet hat. Ich hab mich dann mit C. runtergechillt. Impulskontrollschwächen habe ich heute noch.
Was meine Mutter überhaupt nicht kapiert, ist, dass nicht immer die Anderen schuld haben. Sie hat heute eine breite Palette für die aktuelle Misere angeboten, wer aller Schuld an ihrem Messie-Treiben hat. Auf die Idee, dass sie selber krank ist verfällt sie nicht.
Heute war die Sache sehr brisant. Die Gemeinde rückt ihr wegen feuerpolizeilichen Maßnahmen an den Kragen. Sie gibt mir die Schuld. Weil es durch mich aufgeflogen sei. Auf die Idee, die Anweisungen des Gemeindeamtes zu befolgen kommt sie natürlich nicht.
Meine Schwester meint immer: ich will im Falle eines Feuers verbrennen. Dass alle Fluchtwege versperrt sind durch Gerümpel sei ihr egal. Nur der Gemeinde ist es eben nicht egal, und Schuld bin ich, weil es durch mich zufällig aufgeflogen ist.
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Beitrag Mo., 17.07.2017, 20:30

Heute war ein schwerer Tag…
Meine Mutter hat vielleicht so eine Tourette. Anders kann ich die Wutanfälle nicht mehr einordnen.
Das Gemeindeamt will jetzt einen Räumungsberater schicken - wenn sie das verweigert - dann steht eine Anzeige auf der BH ins Haus.
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