Sollte ich den Mißbrauch nicht schon bewältigt haben?

Körperliche und seelische Gewalt ebenso wie die verschiedenen Formen von Gewalt (wie etwa der Gewalt gegen sich selbst (SvV) oder Missbrauchserfahrungen) sind in diesem Forumsbereich das Thema.
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helgak62
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Re: Sollte ich den Mißbrauch nicht schon bewältigt haben?

Beitrag Do., 26.03.2020, 07:43

Vielleicht hilft dir das:
Mein Thera hat mir mal, was für mich sehr hilfreiches gesagt. Mal klebt die Vergangenheit vor der Nase, so dass man nichts anderes mehr im Blickfeld hat und mal kann man sie sich aus sicherer Entfernung ansehen und sieht auch ganz viel drumherum.
Ich glaub, wir erleben aktuell wirklich recht herausfordernde Zeiten und für all jene, die ohnehin immer gut auf sich schauen müssen, dass sie stabil bleiben, ist es gerade noch ein Stück schwieriger, auch wenn uns die aktuelle Situation vielleicht gar nicht so "kratzt" wie andere die wahrscheinlich noch nicht so viele schwierige Zeiten durchlebt haben.

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Tupsy71
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Beitrag Fr., 27.03.2020, 19:26

Danke Helga und gutergesit für eure GEdanken.

Helga, ja, so erlebe ich es auch. Also dass die Vergh. manchmal vor der Nase ist und manchmal eben etwas im Hintergrund schwebt, doch da ist sie immer.
Meine Schwester meinte heute, "unsere Eltern haben ganz schön viel verbockt, doch jetzt sind wir für unser Leben verantwortlich". Das gab und gibt mir zu denken. Ich frage mich, wie ich Verantwortung für meine Leben übernehmen schaffe, wenn starke Anteile in mir sich gegen das Leben entschieden haben. Ich meine damit, dass ich zwar da bin ,weil ich eben weiß, dass ich nichts tun darf , was mich wegmacht, eben weil das KIds und Mann nicht verkraften würden. Doch es bedeutet nicht, dass ich gerne lebe. Ich schaffe es einfach nicht Freude für das Leben zu empfinden. Nur wenn ich Volleyball spiele, fühle ich mich lebendiger und das kann doch nicht der Einzige Grund für das Leben sein.
Vielleicht hat aber mein Innerstes einfach zu große Sehnsucht nach Gott usw., denn es gibt ein Anteil in mir der sehr gläubig ist, sodass ich nicht schaffe im Hier und Jetzt gerne zu leben.
Ich hab keine Ahnung. Sache ist nur, dass ich mich einfach nicht schaffe zu befreien.
Jetzt muss ich als Hausaufgabe von Thera, einen BRief an die kleine Tupsy schreiben , wo ich ihr liebevoll erkläre, dass ich verstehen kann, dass sie so viel Schmerz empfindet.
------------------------ verdammt, es ist so schwer, das zu schaffen. Drum schreib ich grad hier, weil ich es einfach nicht schaffe zu machen. Aber ich will es ja schreiben. Empfnde nur halt eben nichts liebevolles dazu , sondern eher Abneigung.
Ach egal.

Hab noch bis Mo Zeit

Tupsy

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Pianolullaby
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Beitrag Fr., 27.03.2020, 21:15

Ist denn Gott nicht auch im Leben, in allem was lebt? Er ist in jeder Blume die erblüht, in jedem Sonnenstrahl der dich kitzelt.
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Beitrag Fr., 27.03.2020, 21:47

Piano, ja natürlich ist Gott in Allem. Ich glaube halt, dass wir vor der Erde auch schon bei Gott exestiert haben und ich vermute dass daher diese große Sehnsucht da ist, nach Hause zurück zu kehren.
Doch ich weiß auch, dass Mann und Kinder mich brauchen und darf daher nichts dazu tun- verstehst du? Doch die Sehnsucht in mir nach Hause in Frieden, Ruhe und reine Liebe zurück zu kehren ist groß.( Ich stelle es mir zumindest so vor. Und dass wir ewigen Fortschritt haben können auch).
Ich fühle einfach so viel unterschiedliche Anteile in mir irgendwie. Klingt verrückt, doch irgendwie alles gleichzeitig. Sorry. Schlimm nur dass der Gläubige Anteil und die was nach Hause wollen si extrem stark sind. Gleichzeitig das Pflichtbewusstsein auch stark vorhanden ist. Voll schräg irgendwie.
Aber so ist es eben
Tupsy

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Pianolullaby
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Beitrag Sa., 28.03.2020, 20:46

ja so ist es manchmal
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Candykills
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Beitrag So., 29.03.2020, 10:23

Es ist tatsächlich so. Es gilt Verantwortung für das eigene Leben irgendwann zu übernehmen und nicht die Verantwortung für das, was im Hier und Jetzt ist, bei den Tätern zu suchen.
Das geht nicht von jetzt auf gleich, aber man kann das üben. Auch ich musste das lernen. DAs heißt nicht, dass alle meine Anteile das gelernt habe oder ich nicht mehr von Ängsten oder Flashbacks heim gesucht werde. Aber ich lasse es zu einem Großteil nicht mehr zu, dass diese Menschen mir auch mein jetziges Leben versauen. Und dafür muss man sein eigenes Leben irgendwann selbst in die Hand nehmen.
Es ist ja auch ein bisschen bequem immer den ewigen Schuldigen bei jemand anderem zu suchen, als selbst zu sagen: ich bin erwachsen, ich entscheide, wie mein jetziges Leben verläuft oder eben nicht verläuft.

Ich sage nicht, dass das einfach ist. Aber das ist halt der Weg, um endlich die Geister der Vergangenheit still zu bekommen. Oder zumindest leiser.
Ein Leben ohne Katze ist möglich...aber sinnlos.

„Aber ich wusste von Anfang an, dass die Arbeit mit Schizophrenen bedeutete, das Rätsel zu studieren, ein Mensch zu sein und seinen Verstand verlieren zu können". (Christopher Bollas)

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Beitrag So., 29.03.2020, 21:36

candykills, das ist ja das Verrückte. Ich weiß von den Worten her, dass die Eltern viel verbockt haben, doch ich bin nicht böse auf sie. Ich empfinde nichts für sie. Gleichzeitig bin ich aber immer noch gefangen in Ihnen oder so. Egal. Ich weiß dass ich für mein Leben Verantwortung trage- weiß nur nicht wie und was ich drauß machen soll und kann. Und was ich schaffen kann
Ich stecke in meiner eigenen Grube fest und es fehlt mir die Kraft mich frei zu schaufeln- zumindest fühlt es sich so an

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Philosophia
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Beitrag Mo., 30.03.2020, 08:01

Als allererstes würde ich so viel es geht Distanz zu deinen Eltern schaffen - und dann immer mehr nachspüren, wie sich das anfühlt. Meine Wut kam erst, als ich richtig gut Distanz hatte - vorher wäre die nicht möglich gewesen, weil ich zu nah und zu gefangen war.
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Beitrag Mo., 30.03.2020, 20:22

Philosophia. Ja, im Grunde hast du recht. Nur, mein Vater ist schon seit 18 Jahren tot und meine Mutter sehe ich kaum. Allerdings ruf ich sie immer wieder mal an, obwohl ich das laut Thera auch nicht sollte. Irgendwie mach ich das meistens, wenn grad nicht so doll geht.
Ich weiß ich muss erwachsen werden und ich will es ja auch, doch fühle ich mich innen gefangen und an Eltern gekettet. Papa ist einfach irgendwie im Alltag präsent und ich schaffe es einfach nicht mich davon zu befreien.
Voll verrückt

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Philosophia
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Beitrag Di., 31.03.2020, 07:43

Ja, ich weiß, dass das schwer fällt - vielleicht ist dies ja auch nicht dein Weg. Aber ich habe für mich gemerkt, wenn ich wirklich mein Leben haben möchte, muss ich anfangen, mein Leben zu führen - und mich auch fragen, wer da eine Rolle spielen soll und vor allem wer nicht. Da meine Familie mich krank gemacht hat, war klar, dass es ohne meine Familie weitergeht. Ich hätte auch die Wahl treffen können, den Kontakt zu halten wie bisher - das wäre meine Entscheidung gewesen und ich hätte damit höchstpersönlich erlaubt, dass alles beim Alten bleibt. Ich bin froh, dass ich mich dagegen entschieden habe und jetzt in schlimmen Zeiten wie die mit Corona von Menschen und Tieren umgeben bin, die mir gut tun.
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helgak62
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Beitrag Do., 02.04.2020, 22:07

Tupsy71 hat geschrieben:
So., 29.03.2020, 21:36
Ich weiß von den Worten her, dass die Eltern viel verbockt haben, doch ich bin nicht böse auf sie. Ich empfinde nichts für sie. Gleichzeitig bin ich aber immer noch gefangen in Ihnen oder so.
Genau das ist ja das Schwierige, sie haben viel verbockt, aber sie sind eben deine Eltern und auch wenn das viele nicht verstehen können, dann liebt man sie halt doch auf irgendeine Weise. Das ist dann das verwirrende, weil man nicht weiß, was man mit den ambivalenten Gefühlen anfangen sollte, und nichts zu empfinden ist halt dann eine Lösung.

Wie viel bzw. wie wenig, in welcher Form,... Kontakt gut für einen selber ist, muss man wohl ausprobieren und selber entscheiden. Ich empfinde es erleichternd, dass mein Vater tot ist und es damit keine Kontaktmöglichkeit mehr gibt. Mit meiner Mutter ist es viel schwieriger. Ich suche keinen Kontakt zu ihr, aber sie sucht ihn alle paar Monate und das erlebe ich belastend genug. Nur ganz einen Strich darunter ziehen schaffe ich nicht. Ich wünsch dir, dass du für dich die passende und dir gut tuende Lösung findest.

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Beitrag Fr., 03.04.2020, 07:34

Ist doch aber blöd, erst auf den Tod der Eltern zu warten, bevor man sein eigenes macht - um es mal ganz drastisch zu sagen..
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helgak62
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 10:22

Naja, man könnte ja auch den Tod herbeiführen. ;)
Natürlich empfehle ich keinem darauf zu warten und nichts zu tun. Aber es kann eine Perspektive sein.

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Philosophia
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 12:02

Na ja, hihi, jo, aber du weißt, wie ich das meine - jetzt leben ohne die Eltern, als immer im emotionalen Gefängnis bis zu deren Ableben hocken. Ich mein, sonst stirbt man, wenn man Pech hat, noch vor dem Eltern.
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Beitrag Di., 07.04.2020, 18:40

Philosophia hat geschrieben:
Di., 31.03.2020, 07:43
Ja, ich weiß, dass das schwer fällt - vielleicht ist dies ja auch nicht dein Weg. Aber ich habe für mich gemerkt, wenn ich wirklich mein Leben haben möchte, muss ich anfangen, mein Leben zu führen - und mich auch fragen, wer da eine Rolle spielen soll und vor allem wer nicht. Da meine Familie mich krank gemacht hat, war klar, dass es ohne meine Familie weitergeht. Ich hätte auch die Wahl treffen können, den Kontakt zu halten wie bisher - das wäre meine Entscheidung gewesen und ich hätte damit höchstpersönlich erlaubt, dass alles beim Alten bleibt. Ich bin froh, dass ich mich dagegen entschieden habe und jetzt in schlimmen Zeiten wie die mit Corona von Menschen und Tieren umgeben bin, die mir gut tun.
philosophia: Ja, meine Familie hat mich auch krank gemacht, doch dort im Ort leben auch noch meine Geschwister und zu denen will ich den Kontakt nicht abbrechen. Sind ja alle viel jünger als ich und daher eben meine Kleinen Geschwister , die ich bissi mit groß gezogen hab. (sind heute alle längst erwachsen- trotzdem sind es meine kleinen Geschwister)

Ich weiß nicht, ob ich zu einer Entscheidung fähig bin. Ich weiß nur, dass die Vergh. und alles drum herum noch immer verdammt weh tut. Der Druck in der Brust kaum auszuhalten ist und ich einfach mit allem immer noch nicht klar komm. Ich schaffe es einfach nicht im Hier und Jetzt zu sein, da zu viel gibt, was triggert. Ich weiß, dass ich schon viel besser funktioniere als vor 10/15 Jahren, doch es tut noch immer sehr weh usw,

Ich will nicht jammern und ich will auch keine Ausreden finden oder so. Es ist einfach nur so, dass ich es nicht schaffe, all das abzuschalten, hinter mir zu lassen usw.. Es gelingt mir einfach nciht.

Warum tut es immer noch sooo weh und macht so Druck?