Tatortbesichtigung in Eigeninitiative

Körperliche und seelische Gewalt ebenso wie die verschiedenen Formen von Gewalt (wie etwa der Gewalt gegen sich selbst (SvV) oder Missbrauchserfahrungen) sind in diesem Forumsbereich das Thema.
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Charlie Foxtrott
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Beitrag Mo., 11.10.2021, 16:34

Ich wollte mich desensibilisieren mit dem Joggen. Ebenso mit dem Weintrinken im Gasthof gegenüber. Um meine Frage auf den Punkt zu bringen: Was, wenn 2 widerstrebende Reize aufeinandertreffen? Wäre es der (inzwischen sichere) Tatort oder der ehemalige Wohnort des Täters, dann wäre alles klar, ebenso, wenn der Täter ein Tattergreis im Rollstuhl wäre. Bin ihm zwar inzwischen auf Augenhöhe kräftemäßig, aber Restrisiko ist da.
"Voraussetzung für eine gute Gegenkonditionierung ist eine Abschwächung des angstauslösenden Reizes und eine hohe Motivation für den unbedingten Stimulus (lecker Essen :-D ).
Vorteil: sehr effektiv und langfristig wirksam
Nachteil: viele Wiederholungen erforderlich, gutes Timing, Risiko einer versehentlichen weiteren negativen Konditionierung!!! zit. nach Schroll: Verhaltensmedizin bei der Katze

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Sydney-b
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Beitrag Mo., 11.10.2021, 17:50

Wie gesagt, probiere es aus.
Anschließend weißt du mehr.

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Charlie Foxtrott
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Beitrag Do., 14.10.2021, 10:08

Tja, gut gesagt mit dem Ausprobieren. Aber nur mit vertretbarem Risiko (real vor Übergriffen und mental). Mit den Orten ist das m.E. so eine Sache. Hier in der Gegend gibt es bspw. einen See, an einem Ufer die Reichen und Schönen, am anderen Multiproblemklientel aus dem Brennpunktviertel, das massiv Frauen belästigt. Und je nachdem, an welchem Ufer bzw. zu welcher Tages- und Jahreszeit dort jmd. spazieren geht, kommt mensch zu ganz unterschiedlichen Schlüssen.

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chrysokoll
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Beitrag Do., 14.10.2021, 12:24

Ja Charlie, Menschen kommen zu unterschiedlichen Schlüssen, auch bei identischen oder vergleichbaren Situationen, Orten usw.

Mir fällt auf dass du ganz oft "man" schreibst statt von dir selber.
Und ganz oft irgendwelche Beispiele bringst, die nichts mit dir zu tun haben, die du aber für allgemeingültig hältst.
Ich finde das falsch und ich glaube du tust dir damit keinen Gefallen.

Du hast schlimmes erlebt (wie ganz viele hier, wie ich übrigens auch) und marschierst jetzt ruhelos, getrieben und mit einer ganz negativen Weltsicht durchs Leben. Das ist schade und das schadet dir.

Ich denke du würdest dir selber helfen wenn du Entscheidungen triffst und Prioritäten setzt.
Nein, der See spielt jetzt überhaupt keine Rolle, auch die alten Orte nicht, nein du musst da nicht jetzt joggen usw.

Warum konzentrierst du dich nicht jetzt auf zentrale Punkte? Z.B. die Suche nach einer neuen, geeigneten Therapie.
Und auch da mit Entscheidung: Kasse, neue Therapierichtung, gleich selber finanziert.
So verhedderst und verstrickst du dich nur und kommst nie zum Ziel

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Charlie Foxtrott
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Beitrag Do., 14.10.2021, 16:49

Ach chrysokoll, man = ich, Kritik angekommen.
Das Forum ist öffentlich, daher nehme ich mir die Freiheit, in manchen Dingen abstrakt zu bleiben, zu verfremden und in Analogien zu reden.
Doch, der See ist wichtig für mich, der Täterwohnort auch. Mit welchem Recht sollte ich mich aus der Welt drängen lassen?

negative Weltsicht: Danke fürs Feedback, halte mich eigentlich für einen lebensbejahenden Menschen, kann vllt. sein, weil ich (wollte gerade man schreiben :lol: ) nat. in Forum und Therapie nicht gehen, um sich ggs. zu erzählen, wie schön gerade alles läuft. Dafür gibts andere Orte.

Zu meiner obigen Frage der Konkurrenz zw. negativen und positiven Reizen habe ich mal Onkel Pawlow bemüht: Nennt sich Pawlowsches Paradoxon, Ergebnis: Hund fällt bewusstlos um (will ich nicht), wird ängstlich oder aggressiv ("negative Weltsicht"). Nix mit Extinktion. Für weitere Gedanken in der Richtung wäre ich dankbar.

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Sydney-b
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Beitrag Do., 14.10.2021, 17:00

Irgendwie ist es schwer zu blicken, was du eigentlich wirklich willst.
Schreiben User, gehe lieber nicht und nennen Gründe, warum sie so denken, kommt von dir das genaue Gegenteil.
Sagen User: dann probiere es doch aus, kommen von dir Gründe, warum du es doch nicht willst.

Und jetzt willst du noch weitere Gedanken der User dazu....

Irgendwie dreht sich das hier im Kreis.

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candle.
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Beitrag Do., 14.10.2021, 17:07

Aber du kannst doch deine Reaktionen nicht ständig mit denen von Hunden und Katzen vergleichen? Was soll das bringen?

candle
Now I know how the bunny runs! Bild

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Sadako
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Beitrag Do., 14.10.2021, 17:59

Charlie, du versuchst deine Traumafolgen jetzt irgendwie in Eigenregie zu überwinden. Dazu nimmst du dir teilweise absurde Beispiele aus der Zoologie vor und versuchst das auf deine Situation zu übertragen. Finde ich gewagt.
Ich erlebe dich hier weiterhin als im Kampfmodus. Dir ist Unrecht geschehen und du willst nicht mehr unter den Folgen leiden. Die Hilfe, die du bisher bekommen hast, war nicht hilfreich für dich. Du bist jetzt ungeduldig und willst es wissen. Das ist kurz gefasst mein Eindruck von dir.

Das du dich so fühlst ist nachvollziehbar. Ich glaube trotzdem nicht, das dein Vorgehen klug ist.
Von Trauma zu heilen bedeutet viel mehr als die Angst vorm Tatort oder vorm Täter zu verlieren. Es gibt so viele Ebenen. Den Schmerz und den Kummer akzeptieren. Sich mit Verlust auseinanderzusetzen. Das ist oft auch innere Aussöhnung mit sich selbst dabei.
Eine gelungene Konfrontation ist nicht einfach nur an diesen Ort zu gehen und nicht auseinander zu fallen. Es geht darum die Gefühle, die im Trauma zu überwältigend waren, zu spüren ohne davon total geflutet zu werden. Das ist das Heilende daran - nicht den Negativreiz im Gehirn irgendwie zu überschreiben. Wir sind keine Ratten sondern sehr komplexe Lebewesen.

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Charlie Foxtrott
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Beitrag Fr., 15.10.2021, 09:36

Sadako hat geschrieben: Do., 14.10.2021, 17:59 Von Trauma zu heilen bedeutet viel mehr als die Angst vorm Tatort oder vorm Täter zu verlieren. Es gibt so viele Ebenen. Den Schmerz und den Kummer akzeptieren. Sich mit Verlust auseinanderzusetzen. Das ist oft auch innere Aussöhnung mit sich selbst dabei.
Es geht darum die Gefühle, die im Trauma zu überwältigend waren, zu spüren ohne davon total geflutet zu werden. Das ist das Heilende daran - nicht den Negativreiz im Gehirn irgendwie zu überschreiben. Wir sind keine Ratten sondern sehr komplexe Lebewesen.
Bingo, daran mangelt es. Und wie geht das?

Was ist so schlimm daran, Pro und Kontra abzuwägen? Das hat m.E. nichts mit Widesrprüchlichkeit zu tun.
Warum soll ich mich nicht mit Laborratten vergleichen, VT ist doch ne Naturwissenschaft? Mehr Fachkenntnisse habe ich leider nicht und der Thera hat mich ja mittendrin hängenlassen.

Dass ich möglichst viel in Eigeninitiative erreichen will, hängt damit zusammen, dass mir eine Rehaklinik das genau so beigebracht hat. Würde ich die HIlfe des Theras in Anspruch nehmen, hiesse das, mir mangelte es früher an mütterlicher Untersützung und ich will den Thera als Mutterersatz. Selbst notwendige Bescheinigungen für die KK wurden uns da nicht ausgestellt, um unsere Eigeninitiative zu fördern.

@Kampfmodus: Ist doch die natürliche Reaktion auf Doppelbindung. Unterwürfigkeit (die andere Variante) hat mir beim Thera zeitweise was gebracht, aber nicht von Dauer. Bleibt ja nur Aggression.

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Sadako
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Beitrag Fr., 15.10.2021, 14:52

Du hast offensichtlich einige nicht sehr förderliche Erfahrungen mit Therapien gemacht, Charlie.
Ich vermute, dass du zum Beispiel diese übersimple Deutung, dass du den Therapeuten als Mutterersatz siehst, sobald du um Unterstützung bittest, selbst nicht richtig findest.
Mir kommt es so vor, wie wenn du dich völlig im Stich gelassen fühlst und aus Hilflosigkeit und Trotz Dinge machst, die irgendwie mit dem unguten Verhalten bzw. Botschaften der Therapeuten konform gehen. Dinge, die dir aber nicht gut tun.
So wie ein Kind was sich „absichtlich“ Frostbeulen und Lungenentzündung holt, weil die Mutter es nicht warm genug angezogen hat.

Du fragst, wie das geht, sich mit Kummer und Verlust nach Trauma auseinanderzusetzen.
Es gibt wahrscheinlich keine allgemeingültige Antwort.

Für mich ist wichtig, dass ich mir selbst freundlich entgegentrete. Auch ,wenn ich es nicht so hinbekomme, wie ich es wünsche.
Ich habe für diese Akzeptanz eine Therapeutin gebraucht, die genau das gemacht hat, was ich noch nicht konnte. Mich verstehen, mir Wertschätzung gegenüber bringen, fürsorglich sein, an mich glauben und die Hoffnung hochhalten.
Alles das konnte ich nicht mehr und sie hat das mit mir und oft zu erst mal für mich gemacht.
So habe ich die Kraft gesammelt, mich mit dem Mist zu beschäftigen, ohne dass mich alles wieder genau so platt macht wie früher.
Nebenbei haben wir an Techniken geübt, wie ich mich wieder einfangen kann, wenn es schlimm wird …

Das ist mein Weg, Charlie. Vielleicht gibt es andere, jeder Mensch ist unterschiedlich und braucht unterschiedliche Dinge.
Ich bin mir allerdings sicher, dass simple Verhaltensmodifikation im Sinne von Skinner und Co nicht ausreichend ist, um ein Trauma bearbeiten zu können.

Es tut mir leid, dass du bisher so bescheidene Erfahrungen mit deinen Therapieversuchen gemacht hast und ich hoffe, du hast Mut für einen neuen Start und findest dann jemand, der dich wirklich unterstützt und dich dabei nicht permanent abwertet.

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shelpy76
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Beitrag Sa., 16.10.2021, 23:47

Hallo,
ich wohne nicht weit von den Orten entfehrnt und fahre jeden Tag zur Abendschuler da vorbei. Auch wenn ich denke, der lebt nicht mehr, ziet es mich öfter dahin. Nein, noch bin ich da nicht hin. Aber vielleicht hat es was mit Abshluss zu tun. Ich habe ja auch an dem Ort nicht nur den Mißbrauch erlebt, sondern im Gegenteil ein feies Leben. Es war ein Bauernhof, ich hatte immer eine Bindung zu den Tieren. Es gab da ein männlches Kalb mit dem ich von Kälbchen auf immer eine Sellenverwandschaft? hatte. Alter wurde er wild sogar oft gegen dem Bauer, aber ich habe ihn auch da noch herumgeführt und konnte jeder Zeit zu ihm, Ungestüm, wie man als Kind eben ist. Es war ein Gefühl von Einklang.
Leider wurde er geschlachtet, aber das wurde erst klar, wie ich nicht so wollte wie mein damaliger Beiniger (Mensch) es wollte. Vorwand war der Stier ist krank, dabei wurde eine Zeitlang davor on einem Brachtzuchtbullen die Rede gewesen.
Also war ich Schuld, dass "Gittano" sterben musste. Seit dem habe ich nichts mehr gefragt, sondern mich gfügt.
Lg
Shelpy
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We stand on wings of hope and our star will rise again