Partnerschaft mit einer Überlebenden

Körperliche und seelische Gewalt ebenso wie die verschiedenen Formen von Gewalt (wie etwa der Gewalt gegen sich selbst (SvV) oder Missbrauchserfahrungen) sind in diesem Forumsbereich das Thema.
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Georg28
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Partnerschaft mit einer Überlebenden

Beitrag Sa., 26.11.2011, 04:12

Hallo an Alle,
ich bin eben auf dieses Forum gestoßen und glaube hier etwas Unterstützung finden zu können. Ich bin seit Mitte 2011 mit einer Überlebenden von 1-2 Fällen sexuellen Missbrauchs zusammen. Sie wurde mit 13 von einem Freund "geschockt" und mit 17 von einem Bekannten attackiert und intim berührt.
Heute leidet sie an gelegentlichen Angst- und Zitteratacken von wenigen Minuten. Einer der Trigger ist, Nachts draußen zu sein, d. h. es kann stundenlang alles gut sein, plötzlich schlägt aber etwas in ihr an, sie bleibt ganz still stehen und ich kann ihr nur noch helfen indem ich sie fest im Arm halte.
Bei Intimität die ins Sexuelle übergeht bekommt sie heftigere Attacken, sie drückt sich erst die Fingernägel in die Haut, schlägt sich dann mit dem Handballen gegen den Kopf, vermutlich um durch den Schmerz die Bilder zu vertreiben die ihr da wohl durch den Kopf gehen. Ich versuche natürlich sie davon abzuhalten, sie schlägt allerdings fast ohne Vorwarnung und blitzschnell zu. Oft versucht sie auch zu beißen, vermutlich gilt das ihr selbst, sie erwischt dabei aber mich. Meistens kann ich ihr davon ausweichen, es ist aber schwierig diese beiden letzten Reaktionen alle gleichzeitig im Griff zu haben. Mir ist noch nicht ganz klar wie viel sie bei solchen Anfällen mitbekommt, scheinbar nicht alles.
Sie lehnt es kategorisch ab, einen Therapeuten zu suchen, möchte es stattdessen alleine bzw. zusammen mit mir schaffen. Selbst dem Buch "Trotz allem" (Bass/Davis), das ich mir vor ein paar Tagen besorgt habe, steht sie kritisch gegenüber.
Erst gestern hat sie geleugnet, es sei jemals etwas geschehen. Sie macht sich Vorwürfe weil wir keinen Sex haben und das doch "doof" für mich sein müsste, sagt dass sie mich nicht deswegen verlieren will. Für mich ist das kein Problem, ich würde natürlich gerne, aber nicht solange sie es nicht genießen kann.
Ich schreibe hier zunächst mal nur um Feedback zu bekommen. Sie ist sehr auf Geheimhaltung bedacht, was ich verstehen kann. Nur wenige Wissen von ihrem Problem. Gestern hat sie mich z. B. darauf hingewiesen dass ich mich nicht mit dem Buch in der Öffentlichkeit sehen lassen soll, was für mich selbstverständlich war. Selbst jetzt gerade verwende ich Chrome im Privacy Mode, wie auch bei jeder Recherche.
Ich fürchte jetzt nicht, akute Probleme zu bekommen wegen der Konfrontation mit ihren Sorgen und meiner Isoliertheit. Ich bin ein sehr rationaler Typ, fast schon stoisch, d. h. Emotionen kommen nur schwer an mich heran. Wenn ich mir ihre Probleme bewusst mache heule ich allerdings auch schon mal öfter.
In dem Buch bin ich bisher bis Seite 125 gekommen. Seitdem ich es lese habe ich von ihr schon den Vorwurf bekommen wie ein Psychologe zu klingen.^^
Das Beste für sie an einer Beziehung ist das Kuscheln, gerne Stundenlang. Insofern hat sie mit mir den Richtigen gefunden bzw. ich die Richtige. Leider ist seit Beginn ihres Studiums kaum noch Zeit für solche Zweisamkeit, ganz im Gegenteil zum Anfang unserer Beziehung als wir uns 2-3 mal die Woche, oft für mehrere Tage sahen, auf dem Sofa kuschelten und eine Bones-Staffel nach der Anderen sahen.
Ich habe ihr übrigens sehr früh zu verstehen gegeben, dass sie alle Freiheiten hat die sie braucht, d. h. dass sie wenn ihr danach ist in kleinen Schritten Intimität ausprobieren kann, genauso aber auch damit wieder so weit sie will, auch bis auf Null zurück gehen kann und sich für nichts davon schämen braucht. Ich vergleiche das damit wie ich das erste mal Pilze auf Pizza (meinem Lieblingsessen) probiert habe: Erst als meine Eltern außer Haus waren, ich wusste dass kein Kommentar kommt wie viele Pilze ich aussortiere oder dass ich die Pizza wegwerfe, erst als ich diese Freiheit hatte konnte ich Pizza mit Pilzen probieren. Nach wenigen Pizzen hatte ich mich daran gewöhnt.

Geht es jemandem von euch ähnlich? Wie sichert ihr euch dagegen ab, selbst "Schaden zu nehmen"? Wie findet ihr die Balance zwischen euren Bedürfnissen und denen des Partners/der Partnerin?

(Tut mir Leid dass der Post so lang wurde, ich habe nur das Gefühl das alles muss raus um meine Situation einigermaßen komplett zu beschreiben. Irgend etwas habe ich aber sicher noch übersehen.)
"..wenn man immer nur tut, was man schon kann, wird man immer bleiben, was man schon ist!"
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 04:25

Hi Georg

Du bist wirklich sehr fürsorglich. Da ihr erst seit Mitte Jahr zusammen seid, wird das sicher noch kommen mit dem Sexuellen. Deine Freundin wird einfach etwas länger Zeit brauchen, aber ihr seid ja noch frisch verliebt. Mit 17 war also das letzte missbräuchliche Erlebnis. Wie alt ist sie denn jetzt genau? Was meinst Du genau mit "geschockt"?

Viele Frauen bauen ihre sexuelle Beziehung zum Partner erstmal ausschließlich über seelische Nähe und Kuscheleinheiten auf, bis sie dann bereit werden für mehr. So wie Du die Anfälle Deiner Freundin beschreibst, würde ich jedoch schon eine Therapie empfehlen.

Lieben Gruß
Elana
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shouqici
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 08:41

Hallo Georg,

ich denke auch Du machst das ganz richtig - ich bin seit fünf Jahren mit einer Überlebenden verheiratet... Ob ich viel dazu helfen kann, bezweifle ich allerdings - die Geschichte meiner Frau war deutlich anders, und sie war schon selbst (mit Hilfe einiger Therapien, und zumindest theoretisch) damit klargekommen, als wir einander kennenlernten (in der Praxis sah das dann doch etwas anders aus) - aber Denken und Herangehensweise scheinen doch sehr ähnlich zu sein...

Liebe Grüße
() shouqici
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Geheimgeheim
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 10:38

Hallo!
Ich bin Betroffene. Bei mir hat es lange gedauert, bis mehr als Kuscheln ging. Ich habe allerdings nie geschlagen oder gebissen, sondern mich einfach ausgeklingt. Mein Mann wollte so wie Du, keinen Sex, den nicht auch seine Partnerin mag. Er hat sich über Jahre rangetastet und es passiert mir noch heute, das Bilder auftauchen, während wir intim sind. Er hat schnell rausgefuden, dass es vor der Dissoziation Anzeichen gibt, bei denen er sofort abbricht. Man kann diese als Übersprungshandlungen bezeichnen, kichern, sinnlose Bewegungen und ähnliches. Vielleicht hift Dir das etwas und Du achtest mal darauf, ob es bei Deiner Partnerin auch ein Frühwarnsystem gibt. Im Grunde genommen bist Du schon zu weit gegangen, wenn sie derart reagiert, wie Du es beschrieben hast.
Ich mache derzeit eine Emdr Therapie, die nun erste Erfolge zeigt. Es war aber kein einfacher Weg und sie muss dafür bereit sein. Natürlich ist es schade, wenn erst viele Jahre vergehen, bis ein Opfer in der Lage ist sich helfen zu lassen. Vielleicht solltest Du Dir noch mal gezielt zu diesem Thema Hilfe holen.
Du musst auch damit rechnen, dass erheblich mehr geschehen ist, als sie mitteilen kann oder ihr selbst bewußt ist.
Ich wünsche Euch beiden viel Kraft!
Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.
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Phönixia
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 14:11

Hallo Georg,
Sie lehnt es kategorisch ab, einen Therapeuten zu suchen, möchte es stattdessen alleine bzw. zusammen mit mir schaffen
Das halte ich für eine sehr schlechte Idee! Wie stellt sie oder ihr euch das denn vor?

Bei Intimität die ins Sexuelle übergeht bekommt sie heftigere Attacken, sie drückt sich erst die Fingernägel in die Haut, schlägt sich dann mit dem Handballen gegen den Kopf, vermutlich um durch den Schmerz die Bilder zu vertreiben die ihr da wohl durch den Kopf gehen. Ich versuche natürlich sie davon abzuhalten, sie schlägt allerdings fast ohne Vorwarnung und blitzschnell zu. Oft versucht sie auch zu beißen, vermutlich gilt das ihr selbst, sie erwischt dabei aber mich. Meistens kann ich ihr davon ausweichen, es ist aber schwierig diese beiden letzten Reaktionen alle gleichzeitig im Griff zu haben. Mir ist noch nicht ganz klar wie viel sie bei solchen Anfällen mitbekommt, scheinbar nicht alles
Bei solchen "Aussetzern" braucht sie eine professionelle Therapie!
Warum will sie denn nichts tun, wenn sie doch weiß dass sie diese Probleme hat und sie euch beide belasten?
Es wäre schon ein Zeichen von Respket dir gegenüber, wenn sie ernsthaft die Dinge in Angriff nehmen würde.
Denk auch ein bisschen an dich selbst. "Krank" hin "Krank" her, sobald es zu physischen Übergriffen dir gegenüber kommt (ob gewollt oder ungewollt egal) muss du sagen, dass sie sich helfen lassen soll.
Dass du nicht ein Prellbock bist, an dem sie ihre Probleme ausagieren kann. Das hilft keinem. Das wird dich mit der Zeit selber fertig machen. So "stoisch" du jetzt auch sein magst.
Du kannst dabei nur unterstützend sein, aber ihr nicht helfen!!

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Georg28
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 15:07

Hallo Elena, danke für deine schnelle Antwort!
Elana hat geschrieben:Deine Freundin wird einfach etwas länger Zeit brauchen, aber ihr seid ja noch frisch verliebt.
Die Zeit lasse ich ihr auch, es ist ehr so dass sie sich nicht die Zeit lässt und möchte "dass es einfach aufhört". :-/
"Frisch verliebt" kann man übrigens nicht sagen, wir sind beide sehr sachliche Typen, z. B. auch Atheisten. Sie meinte sogar diese Rosa Brille hätte sie bei mir nicht gehabt was ihrer Meinung nach aber auch gar nicht so schlecht war, zwecks klarerem Blick auf unsere Situation.
Elana hat geschrieben:Mit 17 war also das letzte missbräuchliche Erlebnis. Wie alt ist sie denn jetzt genau? Was meinst Du genau mit "geschockt"?
Stimmt, das fehlte noch. Sie ist jetzt 21. "Geschockt" heißt, dass sie bei einem Freund zu Besuch war, der ihr mit ihrem Einverständnis (sie hat ihm da vertraut) die Hände vor ihr gefesselt und ihr die Augen verbunden hat. Dann hat er ihr gesagt sie soll die Hose runterlassen, die sie aber in dem Moment panisch festgehalten hat. Er hatte da wohl mal was gesehen und keine Ahnung was er anrichtet nehme ich an. Er hat dann auf ihren Wunsch abgebrochen. ("Dann eben nicht").
Alle Angaben ohne Gewähr, so habe ich es mir gemerkt, Details können verkehrt sein.
Elana hat geschrieben:Viele Frauen bauen ihre sexuelle Beziehung zum Partner erstmal ausschließlich über seelische Nähe und Kuscheleinheiten auf, bis sie dann bereit werden für mehr. So wie Du die Anfälle Deiner Freundin beschreibst, würde ich jedoch schon eine Therapie empfehlen.
Klar dass sich eine Beziehung entwickeln muss, aber hier ist das natürlich nochmal eine ganz andere Geschichte. Wie gesagt lehnt sie leider eine Therapie komplett ab.
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 15:23

@Georg: Wenn sie auch so sachlich ist, könntet ihr ev. ganz bewusst sachlich die erogenen Zonen erforschen. Es geht darum, dass sie die Angst verliert vor dem Männlichen. Also wäre es z. B. gut, wenn Du in dieser Sache nicht führst, sondern sie ganz allein. Sie soll Dich ausziehen, berühren, an Dir experimentieren und sich in keinem Moment so fühlen, als hättest Du irgendwie Macht über sie. Das wär ganz wichtig. So kann sie es ev. dann auch als sinnlich erleben, denn sie behält die Oberhand über die Situation, kann jederzeit abbrechen, sich das "sinnliche Ereignis" neugierig betrachten, ohne selbst zu sehr involviert zu werden, eben weil es noch nicht zu sehr "zur Sache geht" - sprich: Vorspiel - Vorspiel - Vorspiel, wobei allein sie die Akteurin ist und Du an Dir geschehen lässt.
Lieben Gruß
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Nico
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 15:26

Wenn du wirklich so ein sachlicher Typ bist, frage ich mich, warum du dich auf so eine Beziehung ueberhaupt einlaesst ? Du bist 28 und mit diesem Alter beginnt man ueblicherweise schoen langsam fuer die Zukunft zu planen, daher verstehe ich dein stoisches Verhalten vor allem im Hinblick, dass sie jegliche Therapie ablehnt, ueberhaupt nicht. Was steckt bei dir dahinter, dass du dich gerade fuer sie als Partnerin entscheidest ?
Wenn ich alt bin, möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich!

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Georg28
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 15:42

Wow, so viel Feedback, danke!

Geheimgeheim:
Ich weiß dass ich in solchen Momenten schon zu weit gegangen bin, genauer gesagt wir. Ich frage immer wieder mal nach wenn ich mir nicht sicher bin ob alles ok ist und versuche Anzeichen zu finden, dann ist es aber meistens schon zu spät. Intimität hat es nun mal an sich dass man sich schnell mitreißen lässt, auf beiden Seiten. Bisher gab es keine Anzeichen dass ihr noch mehr passiert ist, ich bin bei sowas aber schon sehr wachsam. Ich habe schon an mir gemerkt dass ich beim Lesen eines Threads oft schon früh merke dass da was war, derart sensibilisiert bin ich inzwischen. Gestern ist mir aufgefallen dass ein Freund von mir auch Anzeichen hat. Wir finden es immer lustig wenn er so völlig angespannt ist wenn ihn eine Freundin umarmt, gestern habe ich dann überlegt ob das vielleicht doch gar nicht so lustig ist. Aber das wäre was für einen anderen Thread.

Phoenixia, ich stelle mir das gar nicht vor, sie ist diejenige die es ohne Profi schaffen möchte, ich kann sie aber auch nicht zu einer Therapie zwingen. Als Ausweg habe ich mir deswegen diesen Wälzer von Buch gekauft in der Hoffnung dass ich so das Beste draus machen kann. Ich habe die Hoffnung dass wir darüber irgendwann so weit kommen dass sie doch eine Therapie zulässt. Bei jeder Sitzung dabei zu sein hatte ich ihr übrigens von Anfang an zugesagt was sie dann auch unbedingt wollen würde. Aber momentan lehnt sie es noch komplett ab.
Danke dass du mir rätst auch an mich zu denken, auch solches Feedback ist hilfreich. Ich versuche da einen guten Kompromiss zu finden. Bisher wurde ich auch nicht verletzt, ich komme einfach nur sozusagen zwischen die Fronten in Ihr. Sie reagiert sich auch nicht an mir ab, ihr Unterbewusstsein versucht in dem Moment vermutlich nur, Schmerzen zu generieren die ausreichen um ihr Hirn von den Erinnerungen abzulenken. Als Prellbock fühle ich mich hier nicht. Meine größte Sorge ist in solchen Momenten die Frage ob es richtig ist sie in solchen Momenten festzuhalten da sie dann ja den Erinnerungen ausgeliefert ist was ihr sichtliche Schmerzen bereitet. :(

Mir ist in den letzten Wochen klar geworden dass sie bisher wohl teilweise so experimentierfreudig war um mich nicht zu verlieren. Spätestens seit sie meinte sie wolle nie wieder einen Zitteranfall ist mir klar dass ich jetzt sehr lange keine Intimität (d. h. nur noch kuscheln) mehr zulassen werde, auch wenn sie das möchte. Zu ihrem Schutz. Wenn sie wirklich intim werden möchte werde ich evtl. vorraussetzen dass wir vorher mit dem Buch oder einem Psychologen Fortschritte machen. Mal sehen. Leider helfen Beteuerungen dass ich sie nicht im Stich lassen werde nur begrenzt um ihr Sicherheit zu geben. :-/

Danke euch allen für eure Meinung und Unterstützung! Ihr seid die Besten!
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Georg28
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 15:46

Wow, Leute, danke für das schnelle Feedback!
Ich habe leider keine Zeit mehr, würde am liebsten sofort antworten, habe aber heute noch so viel zu tun. Ich denke ich komme am Montag wieder dazu zu antworten, evtl. schon Sonntag Abend. Heute Abend hole ich meine Freundin vom Bahnhof ab und ab dann ist morgen den ganzen Tag Kuscheln angesagt. Nur Kuscheln

Vielen Dank jedenfalls, ich melde mich wieder und lasse euer Feedback schon mal auf mich wirken! Tut mir wirklich Leid dass die Zeit jetzt so knapp ist.
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 16:00

@Georg: Was mir noch auffällt bei Deiner Beschreibung: Es ist einfach alles zu ernst. Das macht frau auch Angst. - Ihr müsst das Sinnliche viel lustiger angehen, dann ist es für die Frau auch nicht so mit Anspannung verbunden. Ich hab ja selbst auch Distanzierungsprobleme, mein Vater war sehr jähzornig, meine Brüder auch, deshalb hatte ich lange Angst vor dem Männlichen. - Meine erste beziehungsmäßige Wahl traf denn nicht zufällig einen Mann, der mir eher wie ein Junge vorkam in seinem Verhalten. Das nahm mir die Angst vor dem Sexuellen und ich fand es schön mit ihm. Aber trotzdem brauchte ich Jahre, um meine Angst vor der männlichen Stimme und der Unberechenbarkeit des Männlichen loszuwerden. Wenn ich von einem Mann angebaggert wurde, der mir gefiel, war das zwar toll, aber irgendwie auch sehr beunruhigend und unberechenbar. Deshalb versuchte ich dann immer, eine emotionale und sachliche Basis aufzubauen, um zu sehen, ob der Mann in sich zuverlässig, ruhig und vertrauenswürdig ist. Ich denke, Deine Freundin hat sicher nicht zufällig Dich als Partner gewählt. Du nimmst Dich da wirklich sehr zurück. Es liegt an Dir, ihr zu vermitteln, dass Männlichkeit, auch in ihrer Begehrlichkeit, nichts Beängstigendes sein muss. Wenn sie merkt, wie viel zuverlässige Liebe dahintersteckt, es keine Forderung ist, sondern wirklich seelisch, dann kann sie sich auf diesem für sie gefährlichen Bereich langsam weiterbewegen.

Gute Idee, ihr Zeit zu geben, sie ist ja nicht aus Eis, vielleicht wird dann ihr eigenes Wollen stärker und sie kann ihre Grenze überwinden.

Lieben Gruß
Elana
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 16:02

@Georg
ich stelle mir das gar nicht vor, sie ist diejenige die es ohne Profi schaffen möchte, ich kann sie aber auch nicht zu einer Therapie zwingen. Als Ausweg habe ich mir deswegen diesen Wälzer von Buch gekauft in der Hoffnung dass ich so das Beste draus machen kann. Ich habe die Hoffnung dass wir darüber irgendwann so weit kommen dass sie doch eine Therapie zulässt. Bei jeder Sitzung dabei zu sein hatte ich ihr übrigens von Anfang an zugesagt was sie dann auch unbedingt wollen würde. Aber momentan lehnt sie es noch komplett ab.
Danke dass du mir rätst auch an mich zu denken, auch solches Feedback ist hilfreich. Ich versuche da einen guten Kompromiss zu finden. Bisher wurde ich auch nicht verletzt, ich komme einfach nur sozusagen zwischen die Fronten in Ihr. Sie reagiert sich auch nicht an mir ab, ihr Unterbewusstsein versucht in dem Moment vermutlich nur, Schmerzen zu generieren die ausreichen um ihr Hirn von den Erinnerungen abzulenken. Als Prellbock fühle ich mich hier nicht. Meine größte Sorge ist in solchen Momenten die Frage ob es richtig ist sie in solchen Momenten festzuhalten da sie dann ja den Erinnerungen ausgeliefert ist was ihr sichtliche Schmerzen bereitet. :(
Oh mein Gott! Was machst Du denn da. Ich muss auch fragen, was stimmt den nicht mit DIR????

Du willst ihren persönlichen "Dr. Freud" spielen? Mit Hilfe eine Wälzers und einer selbstzusammengestricken "Verhaltenstherapie" abgeileitet von deiner persönlichen Erfahrung, wie man sich an Pilzgeschmack gewöhnt!? Und das bei sexuellem Missbrauch?
Hör auf mit diesem Schwachsinn, dass ist nicht verantwortungsvoll sondern verantwortungslos!
Und hör auf darüber spekulieren, was in ihrem Unterbewusstsein vor sich geht (ich fass es nicht.... )

Mein Rat: Sie soll wenigsten in einer Klinik, bei einem Psyichater oder PT mal ein Gespräch führen.
Die werden ihr dann besser sagen können, wie man weiter macht, wenn sich der Patient (noch) nicht bereit fühlt für eine Therapie. Die wissen, wie man dann vorgeht.
Kannst du sie wenigsten zu einem Gespräch überreden?


Proserpina
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Beitrag Sa., 26.11.2011, 17:41

Helfersyndrom - ganz schlecht. Nicht nur für Dich, Georg, sondern auch für sie. So lange sie nicht in eine Lage kommt, dass sie einsieht, sich professionell helfen lassen zu müssen, so lange geht das Geeier weiter. Du unterstützt und verlängerst ihr Leiden, indem Du den verständnisvollen Retter mimst. Du könntest Dich mal um Dein Selbstwertempfinden kümmern, da scheint etwas Defizite aufzuweisen, die Du nun auf diese Weise zu kompensieren suchst - auf ihre Kosten (und Deine sowieso).

My2cent

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shouqici
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Beitrag So., 27.11.2011, 05:15

Hallo Georg,

dass Deine Freundin gern und viel kuschelt, dass sie da zu Dir kommt, dass sie ihre konkreten Erfahrungen mit Dir teilt (auch wenn das möglicherweise nicht alles war), dass sie (wenn überhaupt) Deine Begleitung bei der Therapie wünscht - das alles sind große Fortschritte und noch größere Vertrauensbeweise. Dass Du nicht der Therapeut bist und einen solchen auch nicht ersetzen kannst, weißt Du, und sie weiß das wohl auch. Natürlich machst Du Dir Gedanken darüber, was in ihrem Kopf vorgeht - aber das sind eben Deine Gedanken und nichts sonst...
Eine ebenfalls betroffene Freundin (mit der ich mich erstmals mit dem Thema intensiver beschäftigt habe) hat mir vor vielen Jahren ein Buch geschenkt, das für Dich vielleicht auch wichtig sein könnte: 'Verbündete - Ein Handbuch für Partnerinnen und Partner von Überlebenden sexueller Gewalt' von Laura Davis. Sie selbst war schon jahrelang in Therapie, konnte aber der Therapeutin (und sich selbst) gegenüber nicht artikulieren, was 'damals' eigentlich geschehen war - auch als sie schon intime PartnerInnen hatte. Therapie ist zweifellos wichtig, aber 'zuerst mal Therapie, und alles Andere erst nachher' scheint mit also nicht in jedem Fall das Gelbe vom Ei zu sein.
Meine persönliche Erfahrung ist, dass man sich an Sex natürlich (von beiden Seiten) langsam und vorsichtig 'herantasten' muss, dass der aber nicht unbedingt das größte Problem ist. Bei meiner Frau waren es die unbewussten, 'eingeschliffenen' Erfahrungen von früher, die sie mitbrachte und die lange Zeit brauchen, bis sie relativiert werden können (auslöschen lassen sie sich nicht...). Heute lachen wir darüber, aber damals war ihr todernst was sie mir nachträglich erzählte - bevor sie das erstemal zu mir kam, klemmte sie vorsichtshalber die Häkchen an ihrem BH mit der Zange zu, damit ich den nicht aufhaken könnte. Und die erste Zeit als sie bei mir übernachtete, reagierte sie jedesmal mit Panik, wenn ich sie im Schlaf auch nur streifte... Heute ist es umgekehrt - wenn sie schlecht träumt (alte Erinnerungen kommen immer wieder hoch, und da bin ich natürlich sensibilisiert) und ich die Hand 'rüberlege oder ihre Hand nehme, dann beruhigt sie sich schnell wieder, ohne dabei aufzuwachen.

LG shouqici
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Beitrag So., 27.11.2011, 19:34

Elana hat geschrieben:@Georg: Wenn sie auch so sachlich ist, könntet ihr ev. ganz bewusst sachlich die erogenen Zonen erforschen. Es geht darum, dass sie die Angst verliert vor dem Männlichen. Also wäre es z. B. gut, wenn Du in dieser Sache nicht führst, sondern sie ganz allein. Sie soll Dich ausziehen, berühren, an Dir experimentieren und sich in keinem Moment so fühlen, als hättest Du irgendwie Macht über sie. Das wär ganz wichtig. So kann sie es ev. dann auch als sinnlich erleben, denn sie behält die Oberhand über die Situation, kann jederzeit abbrechen, sich das "sinnliche Ereignis" neugierig betrachten, ohne selbst zu sehr involviert zu werden, eben weil es noch nicht zu sehr "zur Sache geht" - sprich: Vorspiel - Vorspiel - Vorspiel, wobei allein sie die Akteurin ist und Du an Dir geschehen lässt.
Danke, genau das war nämlich auch mein Ansatz. Den habe ich sogar so korrekt umgesetzt dass sie sich sorgen machte mir würde es nicht gefallen weil ich nicht aktiv wurde.

Dieses Wochenende war übrigens lediglich gemeinsames Kochen, Essen, "Bones" schauen und ganz viel Kuscheln angesagt. Das einzige Mal dass sie Probleme hatte war als ich sie am Bahnhof abgeholt habe. Durch die Kälte musste sie Zittern und hat dadurch Panik bekommen. Es hat ein paar Minuten gedauert bis sie sich gefangen hatte. :(
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