Neue Identität/Umfeld als Hilfe?

Alle Themen, die in keines der obigen Foren zum Thema "Psychische Leiden und Beschwerden" passen.

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Warkus
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Neue Identität/Umfeld als Hilfe?

Beitrag Sa., 14.03.2020, 09:50

Hallo was meint ihr könnten sich Krankheiten mit der Identität verbinden also ich meine damit das man immer wieder daran erinnert wird man sei krank und sich dann auch so fühlt wobei man in einem neuen Umfeld nicht mehr daran erinnert wird und sich nicht mehr krank fühlt und sich dann auch gesund verhält.

(Hinweis Admin: Betreffzeile von "Neue Identität" auf obige ergänzt, damit klarer wird, worum es eigentlich geht. Ich hoffe, das passt so für Sie.)

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Kaonashi
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Beitrag Sa., 14.03.2020, 10:05

Also ich würde sagen, dass man normalerweise eine Diagnose in einem anderen Umfeld nicht komplett loswird, es sei denn, es war wirklich nur das Umfeld, das einen krank gemacht hat, oder die Diagnose stimmt gar nicht. Ansonsten nimmt man sie immer mit, aber man kann sich schon in verschiedenen Umgebungen unterschiedlich fühlen. Ein Teil ist Wahrnehmungssache. Wahrscheinlich kann sich sogar jemand mit einer ganz eindeutigen Diagnose wie z.B. Querschnittslähmung in unterschiedlichen Umgebungen unterschiedlich krank fühlen.
Je nachdem auch, wie das Umfeld sich verhält und einem immer Rückmeldung gibt, ob man als krank oder als normal wahrgenommen wird. So kann das Umfeld auch Einfluss nehmen.


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Warkus
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Beitrag Sa., 14.03.2020, 11:36

Ja das mit der Rückmeldung meine ich, hatte halt im Leben wirklich einen Krankheitsschub der mich die Realität verschoben wahrnehmen hat lassen und nun ist es so dies gefühlt ausgenutzt wird z.b beklaut mich eine Person und ich werde daran erinnert das ich das ja nicht vernünftig analysieren kann also obwohl man es gestanden hat wird es nun abgestritten und es wird mir weniger geglaubt weil ich ja krank bin.
Oder gegen mich wird Gewalt angewendet welche dann verhamlost wird wenn ich aber Mal schreie oder verärgert was schreibe wird dies der Polizei vorgelegt bzw man zeigt mich wegen Körperverletzung an weil ich im Streit mit einem Kissen gehauen habe in der Trennung.
Das mir ein Zahn ausgeschlagen wurde wird dann als weniger schlimm angesehen bzw man sieht gerne meine Fehler und einigt sich dann wenn man so will darauf das ich schuld an allem habe. Der Dieb sagt dann so Sachen wie er sucht die Schuld immer zuerst bei sich das sollte ich auch Mal tun wobei diese Person das im Grunde nie getan hat sondern ich. Auf mich bezogen habe ich das Gefühl wenn ich in meiner Gegend bleibe werde ich immer in dieser Rolle bleiben da hilft eine Therapie nur halb aber eine Therapie um zu verstehen warum ich das entstehen lassen habe und dann in einer neuen Umgebung einen Neustart zu machen kann ich mir vorstellen. Ich bin leider schriftlich sehr schwach man könnte das bestimmt besser beschreiben.
Zuletzt geändert von Pauline am Sa., 14.03.2020, 16:25, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Absätze für bessere Lesbarkeit angebracht. Bitte darauf achten, danke.


No Twist
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Beitrag Sa., 14.03.2020, 15:57

Hallo, auf deinen letzten Beitrag gehe ich nicht ein, nur zu deiner Frage. Ich fühle mich in der Psychiatrie kränker als im normalen Leben. Ich hatte früher mal Freunde, selbst ohne Erkrankung, die um meine wussten und mir immer das Gefühl gaben, dass ich krank wäre. Mich in diese Rolle drängte. Dann habe ich aber auch Freunde, bei denen ich überhaupt nicht das Gefühl habe, dass ich in eine Rolle gedrängt werde. Wenn ich einen akuten Schub habe, bin ich krank, auch wenn ich das selbst nicht merke. Wer es nicht weiß, und mit mir zu tun hat, wenn ich nicht akut bin, merkt davon nichts. Und das hilft ungemein. Ich fühlte mich im Kontext eines früheren Freundeskreises immer in die Rolle der armen Irren gedrängt und das war ungewollt Teil der mich aufdiktierten Identität. Ich hab mich dann davon frei gemacht und nur noch mit Menschen zu tun, die wirklich mich sehen- ob gesund oder krank. Aber ja, ich glaube, Identität entsteht auch dadurch, wie dein Gegenüber dich sieht und damit wie er auf dich reagiert. So hab ich das zumindest erlebt und eingeordnet.


Candykills
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Beitrag Sa., 14.03.2020, 17:09

Sich selbst nimmt man immer mit, egal wohin man geht....
Ein Leben ohne Katze ist möglich...aber sinnlos.

„Aber ich wusste von Anfang an, dass die Arbeit mit Schizophrenen bedeutete, das Rätsel zu studieren, ein Mensch zu sein und seinen Verstand verlieren zu können". (Christopher Bollas)

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Beitrag Sa., 14.03.2020, 18:45

Sehr interessante Frage auf die es keine allgemein gültige Antwort gibt, es hängt davon ab um welche Krankheit/Störung es
geht, wie lange man das schon hat, wie alt man ist und wie sehr man die Krankenrolle schon verinnerlicht hat. Ich habe oft
überlegt, woanders neu anzufangen.


Fighter1993
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Beitrag Di., 24.03.2020, 11:16

Spannend, ich befinde mich derzeit in einem Übergang zu einem Neuanfang. Ich werde ab April in einer anderen Kita bei einem anderen Träger arbeiten und natürlich kennt mich das Team und alle mit denen ich dort zu tun haben werde nicht. Das ist für mich eine riesige Chance, weil ich vieles, was ich beim letzten Arbeitgeber getan habe, anders machen kann. Der letzte Arbeitgeber hat halt leider auf meine komplette psychische Entwicklung miterlebt und entsprechend darauf reagiert - sprich meine Defizite gesehn und sie versucht zu kompensieren. Der Dank war dann die Aussage "Ist wohl das beste wenn du kündigst, du hast eh nur genommen und nichts für das Team gegeben".
Und jetzt mit dem neuen Team kann ich - um es mit den Worten meiner Therapeutin zu sagen - mich neu erfinden. Und ich selbst merke, dass ich mich nicht mehr über meine Vergangenheit identifizieren muss, wie ich es bisher tat. Weil ich mir mittlerweile im alten Umfeld neue Eigenschaften angeeignet habe, mich mehr gefunden habe und jetzt nicht mehr sagen muss, was damals passiert ist, sondern sagen kann, wer ich aktuell bin, was mich ausmacht und wer ich bin.
Beim alten Arbeitgeber war es tatsächlich oft so, dass ich bei vielen Dingen außenvor gelassen wurde, weil ich ja die bin, die diese Geschichte mitsich rumträgt. Wer ich aber in der Zwischenzeit geworden bin, das wurde nicht gesehen oder immer wieder abgeschwächt und kleingeredet. Jetzt stehen mir sogesehen alle Türen offen und ich kann neu anfangen ohne meine Geschichte auspacken zu müssen. Das fühlt sich gut an und ich freue mich wirklich sehr darauf.

Und nicht nur im beruflichen Kontext merk ich das, ich stell das auch immer wieder fest, wenn ich im Urlaub bin. Wo mich niemand kennt, kann ich sein wer ich will. Ich laufe im Sommer an der Nordsee in Shorts und barfuss rum, hier zuhause muss es richtig brütend heiß sein, bis ich mal kurze Hosen trage geschweige denn auf Flip Flops umsteige. Weil das hier nicht zu meiner Rolle passt. Wenn ich an der Nordsee bin, kann ich stundenlang spazieren, wandern, beobachten und fotografieren. Dinge, die ich hier niemals so ausgedehnt tue, wie dort. Also ja, das Umfeld prägt Rollen und es kann durchaus auch schwer sein, im selben Umfeld in neue Rollen zu schlüpfen. Zumindest für mich. Daher war und ist mein Plan bisher auch der: Therapie jetzt hier vor Ort um alles verstehen zu können und dann, wenn genug finanzielle Rücklagen da sind, Koffer packen und Neuanfang starten.

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chrysokoll
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Beitrag Mo., 30.03.2020, 21:18

man kann nicht vor sich selber davon laufen.
Schon gar nicht vor seiner Krankheit, seiner Psyche. Die ist immer dabei

Natürlich kann ein neues Umfeld eine Chance sein, ein Neuanfang.
Oder eben einfach besser für einen geeignet sein. Was das genau ist sollte man aber vorher ehrlich und genau und eventuell mit Hilfe anschauen, sonst wiederholt man die Dinge oder ist einfach nur allein