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Ekel nach Selbstbefriedigung

Fragen und Erfahrungsaustausch über sexuelle Problembereiche wie Sexualstörungen, rund um gleichgeschlechtliche Sexualität und sexuelle Identität, den Umgang mit sexuellen Neigungen wie Fetischismus, S/M usw. - ausser Aufklärungs-Fragen.
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Eliana_12
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Ekel nach Selbstbefriedigung

Beitrag Fr., 19.06.2020, 20:56

Peinliches Thema, aber ich bin mir sicher, dass der ein oder andere ähnlich empfindet.
Ich würde mich sehr über einen Austausch freuen.

Manchmal habe ich das Bedürfnis mich selbst zu befriedigen. So weit so gut.
Ich tue es, weil das körperliche Bedürfnis einfach da ist.
Aber danach empfinde ich immer sehr starke Ekelgefühle. Am liebsten würde ich ewig duschen und meine Bettwäsche sofort neu beziehen, um sich "sauber" zu fühlen. Hinterher hasse mich richtig dafür.
Mir ist bewusst, dass Selbstbefriedigung etwas Natürliches und Gesundes ist, aber ich kann dieses Gefühl von Ekel und "schmutzig sein" einfach nicht abstellen.
Ich möchte mich gerne selbst berühren können, ohne mich hinterher schrecklich zu fühlen.
Für mich wäre es ein Schritt in Richtung Heilung nach erlebtem Missbrauch.
Wenn das Thema nicht so peinlich wäre, dann würde ich es in der Therapie ansprechen, aber die Scham würde ich niemals überwinden können :anonym:

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Tupsy71
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Beitrag Sa., 20.06.2020, 15:18

Hallo Eliana. Verstehe deine Gedankengänge gut. Leider scheint es bei manchen durch den Missbrauch so auszuwirken, wie du es eben beschrieben hast. Damit meine ich, dass deine Reaktion "normal und verständlich " ist. Normal im Negativen Sinne.
Ich kenne das von mir auch. Ich hasse Sex und verabscheue es, wenn der Körper reagiert. Manchmal wollte er was und so wie du, gab ich ihm das fasenweise. Doch das war dann eben immer mit Schmerz verbunden und auch Verabscheuung mir gegenüber, weil ich Sex hasse, es aber doch sozusagen machte. Verrückt.
Kannst du mit einem Partner intim sein, ohne Ekel oder so?
Ich kann es nur zulassen, mag es aber gar nicht, obwohl Körper manchmal reagiert. Ich hasse es!!!!!!
Ich wünsche dir jedenfalls viel Kraft und bitte besprich es mit Thera. Kannst es ja schriftlich absenden und dann fängt der oder die Thera mit dem Thema an. Ist weniger peinlich.

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Anna-Luisa
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Beitrag Mo., 22.06.2020, 10:52

Eliana_12 hat geschrieben:
Fr., 19.06.2020, 20:56
Aber danach empfinde ich immer sehr starke Ekelgefühle. Am liebsten würde ich ewig duschen und meine Bettwäsche sofort neu beziehen, um sich "sauber" zu fühlen. Hinterher hasse mich richtig dafür.
Ich würde dir raten, es bleiben zu lassen. Du ekelst dich, möchtest am liebsten ewig duschen und hasst dich anschließend. Ich denke, dass du den positiven Aspekt überschätzt - und lieber etwas tun solltest, womit du dich gut fühlst.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
(Konfuzius)

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Sinarellas
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Beitrag Mo., 22.06.2020, 16:17

Das ist keine lösung sondern vermeidung Anna.
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Anna-Luisa
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Beitrag Mo., 22.06.2020, 16:32

Ich finde, es kann durchaus eine Lösung sein, Dinge bleiben zu lassen, die einem schlussendlich nicht gut tun.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
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Malia
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Beitrag Di., 23.06.2020, 13:52

Hallo, Eliana
jetzt will ich doch etwas zu deinem Thema schreiben, damit du nicht so allein mit Tupsy hier stehst.
Denn ich vermute, dass dein Problem hier noch viel mehr Menschen betrifft.
Für mich war alles, was mit Sexualität zu tun hatte, auch lange Zeit ekelerregend und selbst "so etwas" zu haben, hat nur ablehnende Gefühle ausgelöst.
Für mich wäre es ein Schritt in Richtung Heilung nach erlebtem Missbrauch.
Meine Erfahrung ist, dass es anders eher geht: die Erfahrungen aufarbeiten (und irgendwann trennen, was zu anderen gehört) und "nebenbei" mit dem, was "eigenes" ist, langsam anfreunden.
Alles wird wieder gut.
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Das Leben ist wie Fahrradfahren: um die Balance zu halten, muss man in Bewegung bleiben.

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Eliana_12
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Beitrag Fr., 26.06.2020, 19:50

Danke für all eure Antworten!

Tupsy, ich habe keinen Partner und bin daher nicht sexuell aktiv.

Anna, ich verstehe, dass es Sinn macht,es sein zu lassen, aber für mich ist das leider auch Vermeidungsverhalten.

Ich bin in Therapie und arbeite es gerade auf, Malia. Ich stehe gerade auf dem Schlauch sorry, aber was meinst du mit "eigenes?

LG an alle

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Malia
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Beitrag Sa., 27.06.2020, 08:39

was meinst du mit "eigenes?
Die Gefühle, die du nach der Selbstbefriedigung erlebst, gehören nicht zu deiner eigenen Sexualität, sondern wurden durch den Umgang mit dir durch andere Menschen verursacht (Missbrauch)
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chrysokoll
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Beitrag Sa., 27.06.2020, 12:56

es geht darum deine eigene Sexualität, deine eigene Lust zu finden und zu akzeptieren und zu leben.
Zu trennen was früher war und was du bist, was dein Körper möchte.
Und ja, das ist sehr sehr schwer, beschämend herauszufinden und herauszuarbeiten, aber es lohnt sich !

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Scars
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Beitrag Mo., 29.06.2020, 11:24

Wow, das ist mal erleuchtend. Das hat mich gerade echt berührt. Das was "Eigenes". Aber bei mir wäre die Scham viel viel viel zu groß, holla, schon allein der Gedanke... irgendwie auch die Angst, von Therapeutenseite noch mehr beschämt zu werden. Muss man da einfach ins kalte Wasser springen oder kommt irgendwann der Punkt, wo man sich sicher fühlt?

@Eliana: mir geht es auch so. Allerdings empfinde ich es insgesamt als störend, eine Mischung aus depressivem bis zu selbstverletzendem Verhalten, entgrenzt, insofern ist meine Aversion für mich da auch verständlich. Habe im Grunde kein körperliches Bedürfnis - ein Seelisches aber irgendwie schon. Allerdings mehr nach gemeinsamer Sexualität, eher ein Beziehungswunsch allgemein. Wie geht es dir da mit? Interessanterweise ist das für mich einerseits unmöglich, andererseits besser, weil da jemand ist und dieser jemand bisher immer wunderbare Menschen waren.
Anna-Luisa hat geschrieben:
Mo., 22.06.2020, 16:32
Ich finde, es kann durchaus eine Lösung sein, Dinge bleiben zu lassen, die einem schlussendlich nicht gut tun.
Das denke ich mir auch und halte das als kurzfristige Lösung auch für in Ordnung. Würde insgesamt dann allerdings dazu führen, dass ich für immer asexuelles, in Kartoffelsäcke gehülltes, nur partiell glückliches Single bleiben würde... schwierig! Ich weis auch gar nicht, ob man seine Triebe da dauerhaft einstellen kann?
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Eliana_12
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Beitrag Mo., 29.06.2020, 15:53

Scars hat geschrieben:
Mo., 29.06.2020, 11:24
schon allein der Gedanke... irgendwie auch die Angst, von Therapeutenseite noch mehr beschämt zu werden. Muss man da einfach ins kalte Wasser springen oder kommt irgendwann der Punkt, wo man sich sicher fühlt?

Allerdings empfinde ich es insgesamt als störend, eine Mischung aus depressivem bis zu selbstverletzendem Verhalten, entgrenzt, insofern ist meine Aversion für mich da auch verständlich. Habe im Grunde kein körperliches Bedürfnis - ein Seelisches aber irgendwie schon. Allerdings mehr nach gemeinsamer Sexualität, eher ein Beziehungswunsch allgemein. Wie geht es dir da mit?

Ich weis auch gar nicht, ob man seine Triebe da dauerhaft einstellen kann?

Also ich habe schon einmal über das Thema Sexualität mit meiner Therapeutin gesprochen. Ich fühle mich auch sicher dabei - Sie weiß, dass ich keine romantische Beziehungen zulassen kann, sie weiß auch, dass ich "kein Interesse" am anderen (oder am gleichen) Geschlecht habe etc. Sie weiß auch, dass mich manchmal allein die körperliche Nähe triggert.
Ich denke schon, dass man mit viel Vertrauen ein Stück weit die Scham in der Therapie überwinden kann. Aber detailliert über das Thema Selbstbefriedigung zu sprechen ist nochmal eine viel größere Hürde, die es zu überwinden gilt, weil Scham so komplex ist.
Ich muss an dieser Stelle an ein Zitat von Leon Wurmser denken: "Die Scham ist die Wächterin der Würde." Und ich bin mir sicher, dass die Würde vieler Missbrauchsopfer verletzt wurde, umso größer ist die Angst vor potenzieller Beschämung seitens der Therapeuten. Scham kann durchaus schützend sein, aber manchmal ist sie auch destruktiv.
Wenn das Vertrauen zum Therapeuten da ist, kann man durchaus "ins kalte Wasser springen", aber ohne ausreichend Vertrauen finde ich das "gefährlich".

Für mich hat es auch etwas selbstverletzendes. Ich habe auch manchmal einen Beziehungswunsch, aber der ist nie mit sexuellem Begehren verbunden. Ich möchte einen Partner, mit dem ich alles teilen kann, aber ich möchte keinen Sex. Sexuelles Begehren, Anziehung zu anderen etc. empfinde ich überhaupt nicht. Meine Angst vor Nähe ist viel zu groß.
Nur das körperliche Bedürfnis nach Befriedigung ist da. Ich glaube nicht, dass man (alle nicht asexuellen Menschen) seine Triebe dauerhaft einstellen kann- Der Mensch ist nun mal ein sexuelles Wesen.

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Scars
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Beitrag Mo., 29.06.2020, 20:30

Eliana_12 hat geschrieben:
Mo., 29.06.2020, 15:53
Ich habe auch manchmal einen Beziehungswunsch, aber der ist nie mit sexuellem Begehren verbunden. Ich möchte einen Partner, mit dem ich alles teilen kann, aber ich möchte keinen Sex. Sexuelles Begehren, Anziehung zu anderen etc. empfinde ich überhaupt nicht. Meine Angst vor Nähe ist viel zu groß.
Das geht mir grundsätzlich genauso, ich empfinde auch keine sexuelle Attraktion. Ist mir schleierhaft, wie man irgendwen „heiß“ finden kann. Wiederum ist meine Angst vor Nähe deutlich gesunken und der Wunsch hat sich vergrößert. Allerdings habe ich irgendwie kein Konzept dafür und bin auch insgesamt eher „unbrauchbar“.

Bzgl Therapie: wenn man genügend Vertrauen hat, muss man ja nicht mehr ins kalte Wasser springen.^^ In dem Ausmaß wie du schreibst kann ich mir das auch noch vorstellen beziehungsweise merkt man das ja auch. Aber die tiefere Auseinandersetzung mit anderen Themen z.B. Körperlichkeit (Weiblichkeit), oder eben der doch vorhandene Wunsch, verpasste Dinge auch... das stelle ich mir irgendwie unmöglich vor. Zu intim.
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