Therapeutensuche während Therapie

Spezielle Fragen zur Lage in Deutschland
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Re: Therapeutensuche während Therapie

Beitrag Sa., 01.08.2020, 11:41

chrysokoll hat geschrieben:
Sa., 01.08.2020, 11:19
Meine Erfahrung:
Wenn man anruft und höflich sagt dass man gerne eine Sprechstunde wahrnehmen möchte bekommt man zeitnah auch eine. Therapeuten wissen schon auch was der Rahmen ist.
Na genau, Therapeuten kennen sicher den gesetzlichen Rahmen, deshalb muss man ihnen das sicher nicht extra auf die Nase binden im Sinne von: "und zwar bitte in 4 Wochen" ;-)

Ein Chef/in kann sagen:
"So das muss bis morgen um 11 Uhr fertig sein"
weil er/sie hat das Recht dazu.
Oder er kann sagen:
"Sagen Sie, wäre es möglich, dass Sie das morgen bis 11 Uhr fertig haben?"

Also höflich freundlich fragen, wie du es auch vorgeschlagen hast, hat sicher die höchsten Chancen auf baldige Erstgespräche :)

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chrysokoll
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Beitrag Sa., 01.08.2020, 11:47

ich würde das sicher nicht mit einem Chef / Angestelltenverhältnis vergleichen.

Und gerade da gibt es auch Situationen da müssen Dinge bis morgen um 11 fertig sein, um bei deinem Beispiel zu bleiben.
Nicht als bitte und wäre es vielleicht möglich, sondern als Fakt und Weisung.
Aber das ist nicht das Thema

Klar sollte man immer höflich bleiben, auch und grade wenn man Therapie sucht.
Aber meine Erfahrung ist schon indem man konkret nach der psychotherapeutischen Sprechstunde fragt zeigt man auch dass man die Rahmenbedingungen kennt.

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Jack85
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Beitrag Sa., 01.08.2020, 12:28

Ich hatte schon 4-5 Vorgespräche bei Therapeuten bei denen ichs dann lieber gelassen habe.
Bei dem einen (wo ich 12x war) hatte ich dann nach 4 Sitzungen das Gefühl das es passt.
Und dies war aber ein Trugschluss... . Er hat halt einfach extrem viel erzählt und auf wichtig gemacht etc.
Stichwort "Blender".
Hilft alles nichts, muss ich halt weiter probieren...

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Sonnena
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Beitrag Sa., 01.08.2020, 15:30

Hallo zusammen, zum Thema Therapiesuche :
Ich brauche dringend eine psychotherapeutische Behandlung,seit ca 3 Jahren bin ich auf der Suche. Bei den meisten antwortet AB(es gibt keine freie Plätze und auch keine Warteliste) 3 Therapeuten wollten erst mit mir arbeiten,hatten aber nach 3 Sitzungen gemeint,sie können mir doch nicht helfen....
Manchmal frage ich mich,warum muss man sich um einen Therapieplatz selbst kümmern?
Wenn ich die Diagnose'Blinddarmentzündung' bekomme, muss ich doch nicht losziehen ,mir einen Platz im Krankenhaus, einen Chirurgen suchen oder womöglich mich selbst operieren?

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Anna-Luisa
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Beitrag Sa., 01.08.2020, 16:01

Sonnena hat geschrieben:
Sa., 01.08.2020, 15:30
Manchmal frage ich mich,warum muss man sich um einen Therapieplatz selbst kümmern?
Wenn ich die Diagnose'Blinddarmentzündung' bekomme, muss ich doch nicht losziehen ,mir einen Platz im Krankenhaus, einen Chirurgen suchen oder womöglich mich selbst operieren?
Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Eine Blinddarmentzündung ist ein lebensbedrohlicher Notfall - eine schnelle Behandlung ist zwingend erforderlich.

Ich bin froh, dass Patienten den Therapeuten frei wählen dürfen. Wenn drei es abgelehnt haben dich zu behandeln, wäre es gut, wenn du wüsstest warum. Kennst du den Grund?

Wer sollte dir denn deiner Meinung nach einen Therapeuten suchen?
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
(Konfuzius)

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Sonnena
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Beitrag Sa., 01.08.2020, 20:13

Ja,auf den ersten Blick ist Depression nicht lebensbedrohlich.Trotzdem nimmt alle 52 min sich ein depressiver Mensch das Leben.
Ich finde es auch sehr gut,dass Patienten sich die Therapeuten aussuchen dürfen. Nur gibt es leider viel zu wenig freie Plätze Natürlich kann und muss niemand für mich suchen.
Ich fühle mich aber allein gelassen und sehr traurig

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chrysokoll
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Beitrag Sa., 01.08.2020, 20:19

das kann ich gut verstehen, aber was hast du bisher unternommen um einen (passenden) Therapieplatz zu bekommen?

Hausarzt, Psychiater, Ambulanz, Ausbildungsinstitut, Krankenkasse / kassenärztliche Vereinigung?

Wenn es dir sehr schlecht geht wäre ein Klinikaufenthalt sinnvoll oder zumindest eine Tagesklinik

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Anna-Luisa
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Beitrag Sa., 01.08.2020, 20:20

Sonnena hat geschrieben:
Sa., 01.08.2020, 20:13
Ja,auf den ersten Blick ist Depression nicht lebensbedrohlich.Trotzdem nimmt alle 52 min sich ein depressiver Mensch das Leben.
Aber das entbindet nicht von Eigenverantwortung. Wenn du in einer Krise steckst, in der du dir etwas antun könntest kannst du den Notruf wählen. Dann wird dir umgehend geholfen - wenn auch nicht in Form einer Therapie.

Weißt du denn, warum dich die drei Therapeuten als Patientin abgelehnt haben?

Du kannst dir für einen Termin bei einem Psychotherapeuten eine Überweisung mit Dringlichkeitsvermerk bei deinem Hausarzt holen - sofern er es als dringlich ansieht. Der Nachteil wäre jedoch, dass dir dann ein Psychotherapeut zugewiesen wird - von einer Vergabestelle, der du telefonisch den Code der Überweisung durchgibst.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
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Beitrag So., 02.08.2020, 09:40

Jack85 hat geschrieben:
Sa., 01.08.2020, 12:28
Ich hatte schon 4-5 Vorgespräche bei Therapeuten bei denen ichs dann lieber gelassen habe.
Bei dem einen (wo ich 12x war) hatte ich dann nach 4 Sitzungen das Gefühl das es passt.
Und dies war aber ein Trugschluss..
Ich möchte dir da ein Kompliment aussprechen, dass du relativ schnell (nach 12x) draufgekommen bist, dass es für dich doch nicht passt. Manche Menschen vertun viel Zeit in sinnlosen Therapien und kommen viel später drauf - leider.
Jack85 hat geschrieben:
Sa., 01.08.2020, 12:28
Hilft alles nichts, muss ich halt weiter probieren...
Kann dich nur darin bestärken, auch wenns zunächst mühsam ist.
Es entspricht meiner eigenen Erfahrung, dass da draussen auch viele unfähige Therapeuten herumlaufen oder welche, die einfach nicht zu einem passen. Du machst ja auch nicht jeden x-beliebigen Menschen zu einem Freund, sondern da muss die Chemie halt einfach passen.

Es kann auch sein, dass eine bestimmte Psychotherapieform besser für dich passt als eine andere. Ich kann zum Beispiel mit reinen "Gesprächstherapien" überhaupt nichts anfangen, da hätte mir wohl kaum ein Therapeut weiterhelfen können, weil das nicht tief genug geht, mir persönlich liegen körperorientierte Therapieformen viel viel mehr.

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Beitrag So., 02.08.2020, 09:45

...und bis du einen Psychotherapeuten gefunden hast, es gibt mittlerweile auch extrem viele Videos, z.B. auf youtube zu allen möglichen Themen, wo ich selber zu meinen eigenen Schwierigkeiten sehr viel mitgenommen hab - ganz ohne Therapeut. Also vielleicht kannst du so die Zeit überbrücken, gib doch mal ein paar Suchbegriffe ein.

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Beitrag So., 02.08.2020, 09:54

Sonnena hat geschrieben:
Sa., 01.08.2020, 15:30
Manchmal frage ich mich,warum muss man sich um einen Therapieplatz selbst kümmern?
Also ich verstehe schon deine Frage.
Und auch deine Frustration. Das System ist derzeit so, dass man quasi allein ausziehen muss in die weite Welt und dort einen Therapeuten für sich auftreiben muss. Und das als Laie. Es gibt mittlerweile soviele verschiedene Psychotherapie-Verfahren. Woher soll denn ein Laie wissen, welche Therapie für einen die richtige ist, wie man so eine Suche angeht? Man sieht ja, dass das nicht so einfach ist allein anhand der Fragen, die Jack gestellt hat.

Man könnte sich ja auch ein System vorstellen, wo man zu einer Institution geht, die einen unterstützt, einen Therapeuten zu finden. Wo man hingeht, grob umreisst, um was es geht und die schlagen dann geeignete Therapeuten vor.
Es gibt ja auch eine Bundesagentur für Arbeit/AMS um Leute zu unterstützen, einen Job zu finden, also warum nicht auch für Therapeuten?

Aber im Augenblick gibt es das leider nicht, aber immerhin, liebe Sonnena, gibt es dieses Forum, hier kannst du dir auch viel Unterstützung und Tipps holen :)

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chrysokoll
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Beitrag So., 02.08.2020, 11:52

Ja, man muss und vor allem man DARF sich allein einen Therapeuten suchen.
Wie sollte das sonst gehen?

Und die allermeisten Menschen sind dazu auch in der Lage.
Wer in der Lage ist hier zu schreiben, im Internet das forum zu finden, sich anzumelden etc. - warum bitte sollte so jemand nicht in der Lage sein zu recherchieren wie das geht mit der Therapiesuche, welche Therapeuten es gibt?

Bei Bedarf gibt es da sehr wohl vielfältige Hilfe, z.B. Beratungstellen, Hausarzt (auch solche für psychosomatische Grundversorgung), Psychiater, Selbsthilfegruppen, regionale Foren und und.

Sehr aktiv helfen können auch Ambulanzen und Ausbildunginstitute. Also Möglichkeiten gib es da schon.

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Sonnena
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Beitrag So., 02.08.2020, 16:02

Hallo zusammen, danke für eure Tipps, ist mir sehr wichtig.
Es ist nicht so,dass ich nichts gegen meine Depressionen unternehme. Jeder Tag ist ein Kampf.
Im letzten Jahr war ich mit Abstand von 7Monaten 2×8 Wochen in einer Psychosomatischen Klinik, bin in Behandlung bei einem Psychiater und nehme Antidepressiva. Außerdem lese ich sehr viel,informiere mich über meine Krankheit. Ich denke manchmal,dass ich schon selbst therapieren könnte.
Ein Paar mal habe ich sogar bis zu Psychotherapeuten geschafft,aber anscheinend ist meine"larvierte Depression"nicht einfach zu behandeln.
Bin mittlerweile fast überzeugt,dass man am besten sich selbst helfen kann.
Und irgendwie geht das Leben weiter.

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Beitrag So., 02.08.2020, 20:59

"ein paar Mal habe ich es bis zum Psychotherapeuten geschafft" klingt aber jetzt nicht als würdest du seit Jahren verzweifelt einen Therapieplatz suchen und keinen finden.

Und wenn du meinst dich selber am besten therapieren zu können ist das auch keine Motivation zur Suche, oder?