Psychotherapeutensuche im nichtdeutschsprachig. Ausland

Spezielle Fragen zur Lage in anderen Ländern
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marcela
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Psychotherapeutensuche im nichtdeutschsprachig. Ausland

Beitrag So., 31.05.2009, 22:42

Könnte mir jemand Tipps geben, wie man eine(n) gute(n)/erfahrene(n) Psychotherapeuten/in im nichtdeutschsprachigen Ausland finden kann? Es geht um eine Freundin von mir, die seit einigen Jahren in Tschechien in der Hauptstadt Prag lebt und jetzt unter starken Depressionen leidet. Sie kann die Landessprache nicht so gut, dass eine Gesprächstherapie auf Tschechisch möglich wäre, also es müsste auf Deutsch oder Englisch sein. Die tschechischen Freunde und Bekannten können ihr da nicht weiterhelfen. Aber vielleicht jemand von euch?
frau_sonne

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ENA
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Beitrag So., 31.05.2009, 22:57

Hm,...ich selber war zwar noch nie in Tschechien, von daher jetzt wohl eher Gedankenanregungen...:
Gibt es da nicht vielleicht auch ein Gesundheitsamt, Ausländerberatungsstellen oder sonstige soziale Einrichtungen, wo sie zumindestens mal nachfragen könnte?... Wie siehts denn mit Arztpraxen aus? Kann sie da keine Hilfestellung/Adressen bekommen?
Außerdem gibt es, zumindestens hier in Deutschland, Therapeuten, die auch englisch-sprachige Therapie anbieten. Gibt es die denn dort drüben nicht? Prag ist doch eine große Stadt... .
Viele Grüße und Erfolg, Ena.

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R.L.Fellner
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Beitrag Mo., 01.06.2009, 05:11

Liebe Frau_Sonne,

ja, gerade im Ausland kann es schwierig sein, gut ausgebildete und vor allem auch nach unserem Verständnis ausgebildete PsychotherapeutInnen zu finden.
Meistens findet man dort zunächst nur Psychiater (die sich noch dazu meist im Sinne der amerikanischen und britischen PatientInnen ausschließlich auf die Verschreibung von Psychopharmaka konzentrieren) und Psychologen (zumeist eher beratend tätig, und nicht immer aus einem ausreichend verwandten Kulturkreis stammend, was einen großen Unterschied machen kann).

Um zumindest die fachlichen Qualifikationen sicherzustellen und als erste Anlaufstellen bezüglich Namen und Adressen gibt es für den europäischen Raum die Dachorganisation des EAP (European Association for Psychotherapy), die das "Gütesiegel" des ECP vergibt und die betreffenden TherapeutInnen in einer öffentlich zugänglichen und auf einzelne Länder einschränkbaren Datenbank auflistet. Ich habe diese hier verlinkt:
http://www.psychotherapiepraxis.at/psyc ... chte.phtml

Das weltweite Äquivalent ist das World Council for Psychotherapy (WCP), das das WCP-Zertifikat vergibt. Die betreffende Website ist ebenfalls auf der obigen Seite verlinkt.

Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen weiter!

Richard L. Fellner

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Cyberia
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Beitrag Mo., 01.06.2009, 11:33

Hallo,
fellner hat geschrieben:ja, gerade im Ausland kann es schwierig sein, gut ausgebildete und vor allem auch nach unserem Verständnis ausgebildete PsychotherapeutInnen zu finden.
Meistens findet man dort zunächst nur Psychiater (die sich noch dazu meist im Sinne der amerikanischen und britischen PatientInnen ausschließlich auf die Verschreibung von Psychopharmaka konzentrieren) und Psychologen
Na wenn dass nicht eine Deútsch-Überhöhung ohne Gleichen ist? Nicht mal die Briten und Amerikaner können uns das Wasser reichen, nich....?

Jetzt mal im Ernst: Ich sehe nicht unbedingt einen Grund warum tschechische TherapeutInnen nicht genauso fachlich kompetent, einfühlsam, empathisch, vernünftig etc..s ein sollten, wie Therapeuten aus einem deutschsprachigem Land.
Das größte Problem sehe ich hier eher in den sprachlichen Barrieren. Es muss eine gemeinsame Sprache gefunden werden, mit der man sich gut verständigen kann, sonst kann die Therapie wohl kaum klappen.
LG
Cyberia

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Carla1
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Beitrag Mo., 01.06.2009, 11:55

Das dürfte doch nicht allzu schwierig sein. Ich war zwar nur paar Tage in Prag, aber soweit ich mich erinnern kann, haben so ziemlich alle Leute, denen ich begegnet bin, relativ gut Englisch gesprochen. Viele konnten sogar Deutsch.

Normalerweise haben die Botschaften/Konsulate doch auch Listen mit deutschsprachigen Ärzten usw. Das wäre vermutlich der einfachste und schnellste Weg.

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R.L.Fellner
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Beitrag Di., 02.06.2009, 04:51

Hallo Cyberia,

Sie haben mich komplett mißverstanden - tut mir leid, wenn ich mich da offensichtlich unklar ausgedrückt habe.

Worauf ich mich bezog, das sind kulturelle Unterschiede, auch kulturspezifisch unterschiedliche Erwartungshaltungen und Bedürfnisse bezüglich Psychotherapien. Selbst zwischen Deutschland und Österreich (!) existieren feine Unterschiede zwischen der Art, wie Psychotherapien i.d.R. verlaufen und der Art, wie KlientInnen sich in Psychotherapie begeben, wie ich aus vielfacher eigener Erfahrung (deutsche KlientInnen in Österreich, internationale KlientInnen und kollegiale Erfahrungen in Europa und Asien) berichten kann. Meist bedarf es im Ausland erst einer Art von beidseitiger "Anpassungsphase" im Zuge der Therapie - und diese läßt sich erfahrungsgemäß mit einer schon im Vorfeld auf einen möglichst sprachlich (idealerweise selbe Muttersprache des/der Therapeuten/in) und kulturell (PTh aus selbem Land oder einem zumindest möglichst ähnlichen Kulturkreis) passenden Therapeuten häufig geringer halten und Enttäuschungen, Mißverständnisse und andere Hindernisse eher vermeiden.

Freundliche Grüße,
R. L. Fellner

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Carla1
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Beitrag Di., 02.06.2009, 12:06

Dass sich die kulturellen Unterschiede auch in Psychotherapien niederschlagen, kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen, da ich in 3 verschiedenen Ländern Psychotherapien gemacht habe. Allerdings muss sich das nicht unbedingt negativ auswirken. Die mit Abstand beste Erfahrung habe ich z.B. in Südamerika gemacht. Der Thera war wesentlich offener, lockerer, warmherziger, direkter,... als alle anderen, bei denen ich hier in Europa in Therapie war. Das hat sich dann auch irgendwie auf mich übertragen. Für mich war das genau das Richtige. Allerdings hatte ich zu der Zeit schon lange in dem Land gelebt. Daher war ich mit der Kultur und Mentalität bereits vertraut und habe die Landessprache fliessend gesprochen.

LG
Carla

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ENA
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Beitrag Di., 02.06.2009, 21:10

Hallo Herr Fellner, Hallo Carla 1!
Das ist ja ein sehr interessantes Thema!!!
In wie fern unterscheiden sich den Psychotherapien in anderen Ländern durch kulturelle Einflüsse und was für daraus resultierende Erwartungshaltungen gibt es?
Ich wüsste noch nicht mal, wie sich das zwischen Deutschland und Österreich unterscheiden könnte,...außer das Kassensystem, wie ich hier aus einigen Beiträgen gelesen habe.

Hallo Frau Sonne!
Konnten wir Euch schon ein bisschen weiterhelfen? ,

ENA

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marcela
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Beitrag Di., 02.06.2009, 22:53

Vielen Dank für die Antworten. Es hat mich doch ein wenig überrascht, gleich eine Grundsatzdisskussion über kulturelle Unterschiede in der Psychotherapie ausgelöst zu haben.

Ich selbst würde auch eine TherapeutIn aus dem gleichen Sprach- und Kulturkreis bevorzugen, zwischen Deutschen und Österreichern sähe ich da eigentlich keine Probleme. Ich habe meiner Freundin auch schon geraten, sich bezüglich einer Psychotherapie in die nächstgelegene deutschsprachige Stadt zu begeben, das wäre in diesem Fall Dresden. Allerdings ist es auch eine Kostenfrage, da eine selbst finanzierte Psychotherapie in Tschechien sicherlich viel billiger ist.
Also, wir suchen hier noch weiter, die Liste des EAP ist sicherlich ein guter Ausgangspunkt.

frau_sonne


Unautre
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Beitrag Fr., 04.05.2012, 18:31

Ist ja erstaunlich, wie langlebig die Beiträge dieses Forums sind.
Ich bin einverstanden, dass die EAP-Liste eine gute Referenz ist.
Hier eine Liste, um Therapeuten in Prag zu suchen: aerztesuche.die-endverbraucher dot de
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