Lebensresort Ottenschlag

Kliniken u.a. in Österreich (keine generellen Fragen)
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lachansonette
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Lebensresort Ottenschlag

Beitrag Di., 25.01.2011, 16:01

Hallo ihr Lieben!

Möglicherweise bin ich ja mit partieller Blindheit geschlagen, aber soweit ich gesehn hab, gibts noch keine Erfahrungsberichte darüber. Und deshalb frage ich, schreie ichs in die Welt hinaus: Hats schon jemand ausprobiert? War da schon jemand? Wie hats Dir/Euch gefallen?

Es verbleibt, mit freundlich-nervösen Grüßen

das Singvögelchen

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Rezna
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Beitrag Fr., 20.05.2011, 19:40

Ich habe soeben einen Aufenthalt von sechs Wochen absolviert.
Die Anlage ist sehr neu, erst drei Jahre alt, und entsprechend modern. Ich kenne keine anderen Anlagen bezüglich Kur, Reha, Klinik, daher kann ich keine Vergleiche ziehen. Originell erscheint mir die Anlage aber nicht zu sein. In den ersten Tagen litt ich darunter, dass sie sehr anonym ist (alle Zimmer sehen exakt gleich aus, sogar die Bilder an der Wand - soweit ich andere Zimmer sehen durfte). Das ist sicher geschmackssache und empfindet jeder etwas anders. Sauber sind die Zimmer und auch gut ausgestattet. Es gibt einen Fernseher und einen Internetanschluß, den man beantragen und entsprechend zahlen muss. Es sind Einzelzimmer mit Balkon und Badezimmer. Soweit zu Anlage und Mobiliar.

Die Ankunft war für mich ein Schock, da ich dachte, man habe erst einmal die Zeit anzukommen. Doch bereits an der Rezeption wurde ich mit Informationen überfrachtet und bekam sofort drei Termine zugewiesen. Ich fragte mich, ob ich mir überhaupt alles merken kann. Man wird sofort gewogen, Blutdruck gemessen, EKG, nachdem man gerade mal schnell seine Koffer in sein Zimmer schmeissen konnte. Dannach gabs einen Vortrag, in dem man alles erfahren sollte, da ging es aber ausschließlich um den Essbereich, das Essen. Mit den Terminen nimmt man es sehr genau, wer zu spät kommt, dem wird hinterhertelefoniert und die Schwester geschickt, wer zu spät zu einer Therapie kommt, dem wird sie ersatzlos gestrichen.
In der Folge gibt es rund fünf bis sechs Termine pro Tag. Speziell am Anfang hat man viele Erstgespräche mit Fachärzten, Therapeuten, Psychologen, und schildert seinen Grund für die Anwesenheit sicher mindestens sechs mal - mintunter direkt hintereinander - und das habe ich als puren Streß erlebt, denn in den paar Minuten kann man nicht umfassend erklären, man ist von der Anreise noch erschöpft und hat immer das Gefühl, irgendwo missverstanden zu werden. Kann aber meine subjektive Wahrnehmung sein. Vor allem wurde man ebenso oft nach seinen Zielen gefragt, was in mir einen enormen Druck auslöste. Ich bekam das Gefühl, ich müsse nach diesen sechs Wochen funktionieren wie ein Rädchen. Ich hatte sogar Schuldgefühle, weil ich ahnte, dass ich vielleicht nicht perfekt funktionieren würde, trotz des Aufenthalts.
Da hier auch Stoffwechselpatienten behandelt werden, und Menschen die sich von Sportunfällen erholen, wurde ein Focus auf Physiotherapien gelegt, wie auch Massagen und Heilmoor und so weiter. Ebenso gab es eine Palette an Bewegungstherapien wie Nordic Walking und Kletterwand.
Ich habe sofort klar gemacht, dass ich keine Therapie wünsche, in welcher ich berührt werde oder nass gemacht werde. Das machte mir im Vorfeld schon große Sorgen, weil ich Angst hatte, man würde dazu gezwungen, damit habe ich aber meine Probleme. Es war aber kein Problem, die Therapien soweit an die eigenen Möglichkeiten anzupassen, und man wurde darauf hingewiesen, später, sollte man das wünschen, Therapien wegzustreichen oder auch hinzuzunehmen. Es gab dazu jede Woche Arzttermine, bei denen man das besprechen konnte.

Die Psychotherapien umfassen Einzelgespräch, Gruppentherapie, Ergotherapie, Musiktherapie und Maltherapie. Wie gut die einzelnen Therapien sind, hängt sehr stark von der Fähigkeit der Therapeuten ab. Ich hatte leider Pech in der Gruppentherapie, da unser Therapeut völlig ungeeignet für seinen Beruf war. Ebenso war es seltsam, dass er für einige aus der Gruppe auch der Einzeltherapeut war. Das ergab im Laufe des Aufenthaltes Probleme. Nicht nur von Seiten des Therapeuten war eine Befangenheit bemerkbar, auch Leute aus der Gruppe sprachen an, dass sie sich dadurch in der Gruppe befangen fühlten. Ich weiß nicht, ob so ein Vorgehen usus ist, kann es mir aber nicht vorstellen. Es war meine erste Gruppentherapie, und vermutlich würde mir diese für immer vergällt, wenn bereits erfahrene Leute aus der Gruppe nicht bestätigt hätten, dass normalerweise eine solche Therapie völlig anders verläuft. Der Therapeut schien unsicher und überfordert. Oft machten wir die halbe Zeit irgenwelche Übungen, bei denen wir die "Sonne fingen" und dergleichen, was eigentlich nicht nötig war, da wir genug Phyiotherapien hatten. Wirklich schlimm war aber, dass der Therapeut keine lebhaften Gespräche zu ließ. Die meiste Zeit referierte er in einschläferndem Monolog über ein Thema. Wir waren alle Burnout Patienten, und er betete endlos lang die zwölf Stadien des Burnouts herunter, und wir saßen da und versuchten, nicht einzuschlafen. Sobald ein Gespräch in Gang kam, unterbrach er und bat, dies in der Privtazeit weiterzuführen. Somit erschuf er ständig peinliches Schweigen... gegen Ende der sechs Wochen war die Gruppe überdrüssig und wollte nichts mehr sagen, da saßen wir dann Minutenlang im Kreis und schauten auf dem Boden. Dafür waren die Gespräche jenseits der Therapie umso lebhafter, wir verstanden uns gut und konnten uns gegenseitig weiter bringen. Ebenso hatte ich eine super Einzeltherapeutin.
»Nimm niemals Böswilligkeit an, wenn Dummheit hinreichend ist.« [Hanlon's Razor]
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Rezna
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Beitrag Fr., 20.05.2011, 19:43

Seltsam war, dass man jede Woche einem anderen Facharzt gegenübersaß. Ich weiß nicht, ob so etwas Absicht oder Personalprobleme sind, aber es verhinderte jede Form von Kontinuität. Zudem sind die Ärzte extrem unterschiedlich. Von der supernetten Psychiaterin, bei der selbst jemand ängstlicher wie ich über die Hürde springen konnte, bis zum überheblichen Psychiater der Fangfragen stellt und seine Patienten scheinbar absichtlich aus dem Gleichgewicht bringen will, und das auf eine teilweise unverschämte Art, war alles darunter. Man wusste aber nie, welchen Facharzt man vortreffen wird, und nicht nur mir ging es so, dass ich stets Angst vor diesen Terminen hatte, die einer Lotterie gleich kamen, ob man dannach ermutigt oder vernichtet sein wird.
Die kreativen Therapien fand ich allesamt sehr fruchtbar und teilweise sehr unterhaltsam, wobei mir vorkam, bei der Maltherapie lösten sich allgemein mehr Dinge.
Die Koordination der Therapien war mitunter ein bisschen seltsam. Beispielsweise hatte man Ergometertraining direk vor der Gruppentherapie, und es ist unangenehm, völlig verschwitzt mit den Anderen in einem Raum zu sitzen. Zwar konnte man sich entschuldigen und ein paar Minuten später kommen, um zu duschen, aber notwendig ist sowas nicht. Ebenso fanden Erstgespräche und Abschlußgespräche mitunter unlogisch koordiniert statt.
Mit der Gabe von Medikamenten scheint man auch hier etwas rasch zugange zu sein, wobei ich glaube, das ist generell die Krankheut von Psychiatern. Denn was sonst können sie schon tun? Die Gespräche führt der Therapeut... und neben der Diagnose ist eben nur die Medikamentenverabe ein Weg, sich einzubringen. Ich bin dahingehend ein eher schwieriger Patient, denn was ich nicht will, nehme ich eben nicht, auch wenn es verschrieben wird.

Die Gegend an sich ist sehr schön, allerdings auch sehr abgelegen. Ottenschlag ist schon ein größerer Ort in einer halben Stunde Fahrt-Umgebung, und entsprechend schlecht ist die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmittel - an Wochenenden und Feiertagen gibt es faktisch keine Möglichkeit, weg zu kommen, ausser mit dem eigenen PKW. Das ist zubedenken, wenn man selber oder der Besuch kein Auto hat. Weiters ist es meistens windig und kalt. Der Frühling hat hier mit mehr als einem Monat Verzögerung eingesetzt. Was in Ottenschlag gerade so am aufblühen ist, ist in Krems etwa schon verblüht. Für den April/Mai Winterkleidung mitnehmen, ist also ein guter Tipp - da es da durchaus noch Schneien kann.

Habe ich etwas vergessen? Einfach nachfragen. Es gibt Saunabereiche, Hallenbad, Freibad und ein Fitensscenter. Nicht alles ist für alle Zugänglich, da muss man sich teilweise den Zutritt erkaufen. Da ich diese Anlagen nicht benötigte, weiß ich darüber wenig.

Fazit: Ich betonte es immer wieder, und auch im Nachhinein sehe ich es so: Es sind Laborbedingungen. Ich denke nicht, dass das, wie man dort agiert auch so in das reale Leben integrierbar ist. Die Menschen unterschreiben einen Verhaltenskodex, der in der freien Wildbahn nicht existiert. Ich habe oft gesagt: Hier herinnen haben sich alle verpflichtet, Delphine zu sein, aber draussen ist es ein Haifischbecken. Wieviel ich wirklich für mich mitgenommen habe und in mein Leben integrieren kann, werde ich erst in den nächsten Monaten beantworten können. Definitiv aber stehe ich doch mehr zu mir und bin bereit, mir die Zeit dich ich noch zur Genesung brauche, zu erkämpfen. Ich konnte keines meiner Ziele erreichen, habe aber andere Fortschritte gemacht und zumindest Ideen, wie ich meine Ziele in den nächsten Monaten erreichen könnte.

Ich habe sicher einiges vergessen zu erwähnen, und trage es nach, wenn es mir einfällt. Ansonsten: einfach Fragen.
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unser
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Beitrag Sa., 21.05.2011, 09:54

Hallo !

Mich hätte bitte gerne über die erlaubten WE Ausgänge Bescheid gewusst !
Da hier schon viel über Hall, Podersdorf, Klagenfurt u. Radegund zu lesen war.

Grüsse

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Liliee
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Beitrag Sa., 21.05.2011, 11:30

Hallo,

auch ich war letztes Jahr für sechs Wochen im Lebensresort Ottenschlag. Dass was mich total gestört hat war, dass wir immer einen anderen Arzt zu den Gesprächen bekammen, so musste man Dinge vier fünf mal erzählen, es entsteht keine richtiger Bezug zum Arzt. In den letzten Kontrollarztbesuchen lächelte ich oft nur mehr und erzählte was sie hören wollten, einfach weil ich nicht schon wieder von vorne beginnen wollte. Das hat für mich überhaupt keinen Sinn, wie will da ein Arzt feststellen ob es einem besser geht, welche Fortschritte man gemacht hat?

Es gab Massagen (Hydrojet und Rückenmassage, Unterwassermassage), Maltherapie, Ergotherapie, Einzel- und Gruppenpsychotherapie, Kletterwand, Nordic Walking, ... und ein Hallenbad und eine Sauna mit Wiehrlpool.

Der Essensplan wird alle drei Wochen wiederholt - also bei sechs Wochen Aufenthalt weiß man schon was als nächstes kommt

Ich hatte an und für sich Glück bei meiner Einzel-Psychotherapeutin, bei der ich auch wirklich mich so zeigen konnte wie ich mich fühlte. Die Gruppentherapien haben mir weniger gebracht, da jeder mit unterschiedlichen Dingen / Problemen kam, und mir die Probleme anderer nicht weiterhalfen. Weniger sinnvoll fand ich Spiele wie im Wald ein Gebilde aus Zweigen, Blättern und Moos zu bauen, oder einen Ball auf einem großen Tuch, wo jeder ein Ende nahm, herumzuschupsen. Die meisten fühlten sich jedoch wohl in der Gruppe.

Die Ergotherapie war für mich auch eher nicht so zielführend, es war einfache Beschäftigung - Körbe flechten, Tonarbeiten, ....

Die Maltherapie war eine interessante Erfahrung, jedoch auch eher wenig zielführend, viell. auch deshalb weil ich aus Bildern so und so nicht viel lesen kann.

Ich fühlte mich während des Aufenthaltes etwas einsam, obwohl ich mich mit meinen Gruppenmitgliedern sehr gut verstand und wir auch Dinge gemeinsam unternahmen (wie den Ort erkunden, Cafe,...). Ich hatte einen direkten Vergleich zu einer Klinik wo einfach mehr Gemeinschaft entstand, weil man dort in Mehrbettzimmern schlief und es einen Gemeinschaftsraum gab. In Ottenschlag hat jeder ein Einzelzimmer, und es gibt keinen Gemeinschaftsraum, es zerstreut sich sehr - es gab viele verschiedene Gesichter. Mir war zwischen den Therapien einfach langweilig, weil die anderen aus der Gruppe andere Therapien hatten.

@unser
Die ersten drei Wochen hat man keinen Ausgang, dann darf man einen Ausgang übers Wochenende beantragen. An den Sonntagen darf man sich zum Mittagessen abmelden, und somit den ganzen Tag wo anders verbringen.

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Rezna
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Beitrag So., 22.05.2011, 09:51

Wie Liliee schon sagte: Ab dem dritten Wochenende, darf man daheim übernachten. Allerdings - und das wurde in unserer Gruppe zu einem problem: Man muss dies bis zum Dienstag derselben Woche beim Facharzt beantragen. Oft hat man den Facharzttermin aber erst später, gar am Freitag - und da werden sie dann happig und weisen darauf hin, das bis Dienstag zu sagen. Wenn der Klient weiß (man bekommt ja einen Therapieplan), dass er nächste Woche wieder erst am Mittwoch beispielsweise einen Termin hat, und also daher schon für das darauf folgende Wochenende seine Heimfaht anspricht - heisst es wiederum, das werde erst in der Woche entschieden, in der man wegfahren will. Leicht wird es einem durch diese und ähnliche bürokratische Hürden nicht gemacht.

Weiters gibt es immer wieder organisierte Ausflüge, denen man beitraten kann, die sich zwischen kostenlos im Haus (Line-Dance oder Lichtbildvortrag) und kostenpflichtig (Stadtfahrt nach Krems/Zwettl oder einer nahen Sehensürdigkeit) belaufen. Auch hier: oft überschneiden sich hier Termine und man kann theoretisch an einigen dieser Ausflüge nicht mit machen. Ich habe mich jedoch oft schon vier Tage vor einem solchen Ausflug den ich wahrnehmen wollte an der Therapierezeption gemeldet und diesen Termin verschieben lassen. War kein Problem. Andere meinten, bei ihnen habe es Probleme gegeben.

Was du ansprichst mit den Ärzten, Liliee, hat mich auch total genervt. Ich habe dann teilweise weniger als drei Minuten bei einem Arzt gebraucht, weil ich nur noch knapp auf Fragen geantwortet habe und das wars. Erst beim Abschlußgespräch redete ich dann wieder mehr - wobei es dann auch nicht mehr so sinnvoll war. Auf der anderen Seite gestehe ich, war ich froh, dass ich dann andere Ärzte bekam, als auf der Therapiekarte vermerkt, denn diesen hatte ich beim Erstgespräch und der hat mich fertig gemacht mit seiner Art. Nun. Einersets hatte ich so jedes mal die Angst, beim nächsten Termin wieder ihn zu haben, weswegen ich oft stundenlang im Kreis lief und mir im Kopf zusammendachte, was ich sagen sollte: Es war als würde ich in den Krieg ziehen und alle Gschütze auf fahren, meine Verteidigung positionieren - nur um da heil wieder heraus zu kommen. Andererseits war das dann jedes mal umsonst und therapierfolgstechnisch wäre der Zusammenprall der Protagonisten und Antagonisten zumindest gegen Ende hin sinnvoll gewesen, weil ich mich meinem Gegner in einem fullminanten Endfight hätte stellen können.

Liliee, ich hätte oft gerne Mäuschen in anderen Gruppentherapien gespielt, um zu wissen, was dort so gemacht wird. Wie schon beschrieben waren das bei uns die meiste Zeit zähe, zehrende Befindlichkeitsrunden, bei denen - sobald eine fruchtbares Gespräch hätte entstehen können, der Therapeut einlenkte und wieder peinliches Schweigen erzeugte - wie andererseits eben ewige Monologe... nach Woche drei erklärte der Therapeut, er habe jetzt ein Buch über Burnout gelesen. In diesem Moment wurde mir schlecht, weil das implizierte, dass er sich damit bisher nicht auseinander gesetzt hat - und das, während er gerade eine Gruppe Burnoutpatienten behandelte. In der Folge gab es dann diesen ominösen Vortrag über die zwölf Stadien, bei dem wirklich jeder zwischen Lähmung und Aggression auf seinem Sessel dahinfaulte. Als dann einige der Kragen plazte und sie das ansprachen (sogar ich, die mich eher zurückhält, sagte dann was) schob der Therapeut das weg, war völlig überfordert, konnte nicht darauf eingehen, würgte alles ab und wieder: peinliches Schweigen. Das war beinahe eine Kunst, unsere Gruppe so zu lähmen, da wir sonst viel gemeinsam gemacht haben, gelacht haben.

Ich war heilfroh, dass es Einzelzimmer waren. Bei Mehrbettzimmern wäre ich gar nicht erst hin gefahren! Es stimmt allerdings, das mit dem Verlaufen. Es gibt zwar eine große Lobby, ein Cafe, und mit etwas glück sitzt immer irgendwo wer aus der Gruppe zu dem man sich setzen kann, ich bin aber auch öfter Gesellschaft suchend, herumgelaufen und habe niemanden aus der Gruppe gefunden - bin mir dann blöd vorgekommen und habe mich für den Rest des Tages zurückgezogen. Nach einiger Zeit aber war mir klar: WILL ich Gesellschaft, muss ich das artikuieren, und so fragte man eben beim Essen jemanden (oder allgemein) etwas gemeinsam zu machen - und vereinbarte Treffzeiten.

Ich denke aber tatsächlich, das sinnvollste waren die Gespräche die jenseits der Therapien mit den anderen aus der Gruppe geführt wurden. Die so genannten "Lift-Gespräche" die sich oft in Stunden ausweiteten. Ebenso hat mich sicher das Lachen am meisten vorangebracht. Wir hatten einen excellenten Komiker (der sollte Kabaretist werden) in der Gruppe, der hat die Gruppentherapie auf den Arm genommen und da haben oft nicht nur wir Tränen gelacht, sondern auch andere in der Nähe, die mitgehört hatten. So viel gelacht, so intensiv gelacht, wie in diesen Wochen habe ich schon ewig nicht mehr, vermutlich sogar noch nie.
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Beitrag So., 22.05.2011, 10:28

War der Name des Lustikus Josy ?

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Rezna
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Beitrag So., 22.05.2011, 11:16

Nein.
Es sei den, es gibt da etwas, dass ich nicht weiß.
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Beitrag So., 22.05.2011, 11:30

Danke für die schnele Antwort !

Also das schockt mich schon mit den 3 Wochen und dann noch so in die Art unsicher. das ist sehr schlecht.
Gut das du es soweit überstanden hast.
Das wäre für meine Nerven glaub ich nicht`s.
Ich war 6 Wochen Psychosomatische, aber da hab ich es zum glüch viel besser gehabt.

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zebra
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Beitrag Di., 09.08.2011, 09:03

Hallo,

Ich habe für Dezember einen Termin für einen 6-wöchigen Aufenthalt in Ottenschlag bekommen und bin nun nach den Schilderungen sehr niedergeschlagen, zumal mir von meiner Therapeutin und dem Hausarzt das Resort als eines der besten in Österreich empfohlen wurde.

Gibt es vielleicht noch andere Foris hier, die dort schon gute Erfahrungen gemacht haben? Momentan habe ich eher das Gefühl, dass ich da gar nicht hin will.

Ich hätte eine Frage: Gibt es dort die möglichkeit zu waschen oder wie habt ihr das über die 6 Wochen mit Eurer Wäsche gehalten. Man kann ja gar nicht soviel mitnehmen, bzw. hat gar nicht soviel, dass man über die Zeit durchkommt. Und nach 3 Wochen erst nach Hause? Ich dachte, dass ich da jedes Wochenende heimfahren könnte.

Eigentlich fürchte ich mich jetzt schon vor dem Aufenthalt dort wenn keiner was positiveres zu berichten hat.

Liebe Grüsse an alle!
Zebra

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Liliee
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Beitrag Mi., 10.08.2011, 17:33

Hallo zebra!

Also es gibt die Möglichkeit die Wäsche waschen zu lassen, ist eine Hotelleistung und daher sündteuer. Eine Waschmaschine, die Gäste selber benützen können, gab es damals (voriges Jahr) nicht. Die meisten haben sich ein Waschmittel gekauft (ein Spar ist nicht weit weg) und haben im Bad im Waschbecken die Wäsche händisch ausgedrückt. Als das eine Reinigungskraft sah, hat sie mir ein größeres "Lavoar" (Bottich?) angeboten.

Da ich nicht weit nach Hause hatte, habe ich mich die letzten drei Wochen, jeden Sonntag vom Mittagessen abgemeldet (was man darf) und bin für den ganzen Tag nach Hause gefahren - vielleicht geht das bei dir ja auch?

Vielleicht hat sich schon wieder einiges geändert in Ottenschlag, seit dem ich das letzte mal dort war, ich täte sagen, dass du es auf dich zukommen lassen solltest, vielleicht kommst du ganz gut klar mit dem Therapieangebot und den Therapeuten und Ärzten, vielleicht erwischt du eine ganz nette Gruppe, wo du gut reden kannst.

Leider weiß ich von anderen Reha-Kliniken in Österreich so gut wie nichts, kann daher nicht sagen, dass es wo anders besser ist. Manche sagen, dass es in Bad Hall recht gut sein soll.

Alles Gute, LG

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zebra
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Beitrag Do., 11.08.2011, 13:00

hallo liliee,

danke für deine nette antwort!
wenn ich das weiss, dann nehme ich mir gleich waschpulver von daheim mit. aber damit hätte ich nicht gerechnet, dass man da so improvisieren muss. und die teure hotelwäsche werde ich sicher nicht in anspruch nehmen. die zuzahlung zur kur kostet sowieso schon genug.

konntest du dich richtig erholen dort und abschalten? ich habe nur noch zweifel seit ich das alles hier gelesen habe. stress mit den therapeuten, dann noch selbst wäsche waschen... tztztz

naja, ich lass es auf mich zukommen. wenn ich mich dort unwohl fühle, dann kann ich immer noch krank werden und nach hause fahren denk ich mir.

liebe grüsse
zebra

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Liliee
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Beitrag Do., 11.08.2011, 19:45

Hallo zebra,

erholen kann man sich sicher dort. Es gibt dort eine kleine Sauna (ohne Aufpreis), die für mich nicht so toll war. Wir (aus unserer Gruppe) haben uns alle eine Wochenkarte für die andere Sauna gekauft. Dort ist fast niemand, also eine angenehm warme Saune, eine richtig heiße Sauna, eine Infrarotkabine, und ein kleiner Whirlepool im Hotel, draußen gibt es dann noch eine finnische Sauna. Und drinnen noch einen Liegeraum, mit wunderbaren gepolsterten Liegen - sehenswert! Man ist dort aber fast alleine, weil es vielleicht nicht alle wissen, bzw. nicht jeder noch was bezahlen möchte dafür. Aber es war nicht so teuer glaub ich.

Ich hatte auch eine wunderbare Gruppe erwischt, mit jeden konnte man gut reden, und wir haben auch nebenbei Dinge unternommen - Cafe und Disco besuchen, Spaziergänge durch den Ort, oder durch den Wald, Sauna und ja es gibt da auch noch das Line Dance einmal in der Woche. Ach ja, einmal haben wir uns im Wald verlaufen - also aufpassen wo man hingeht - sind dann nach langem maschieren - der Wald dauerte ewig, an eine Straße gekommen, und per Anhalter zurückgefahren. Mein Problem war, dass ich für diese Gruppe etwas zu jung war, die meisten sind so in deinem Alter, also wird dass kein Problem sein.

Meine Therapeutin war auch gut, ich konnte sogar zusätzliche Stunden beantragen, weil ich dachte ich brauche das.

Ach ja, es gibt da noch ein Schwimmbad, aber ist nur die ersten paar mal interessant außer du schwimmst gerne. Die Disco war auch ganz interessant, die ganzen älteren Gruppenmitglieder sind wieder aufgeblüht, weil sie wieder mal tanzen konnten - nur die Musik war nicht immer so gut. Aber lange geblieben sind wir eh nie, weil wir bis um 10 Uhr (glaub ich) wieder im Hotel sein sollten. Und ja, es war eine ganz kleine "Disco" - mehr so eine kleine Bar.

Ich würde mir im Nachhinein ein paar Bücher mitnehmen, aber ja damals, konnte ich mich ja nicht mal richtig auf lesen konzentrieren, also naja, zum erholen ist es sicher gut, manchen tut es gut mal in ein ganz anderes Umfeld zu kommen. Sechs Wochen klingen am Anfang so lange, aber sie vergehen im Nachhinein gesehen dann doch wieder schnell. Andere haben sich Nordic Walking Stecken oder ein Fahrrad mitgenommen - denn Wald erkunden Viel zu sehen gibt es dort nicht - Wald und einen See.

Zum Erholen ist es sicherlich gut, nur die Therapien selber, naja mir haben sie nicht so viel gebracht, und ja das mit den versch. Ärzten und mit den seltsamen Therapieplan bei dem man einerseits viel Zeit dazwischen hat, andererseits fast gar keine, naja, dass wurde schon erwähnt. Und naja, die Wochenenden waren schon sehr lang, weil was tut man, wenn man therapiefrei hat, und man nirgendwo hinfährt, oder keinen Besuch bekommt?? Die anderen aus der Gruppe sind alle unterwegs. Naja, vielleicht wenn du einen Laptop zu Hause hast, den haben auch einige mitgenommen. Mein Problem war eben auch, dass ich mich etwas verlassen gefühlt habe, aber ja, andere sind froh wenn sie etwas für sich sein können.

Am Besten ist es du machst deine eigenen Erfahrungen. LG

PS: oh, hab gerade gemerkt, dass du ja den Termin für Dezember hast - naja, dann wird dass mit dem Fahrrad nichts - wohl besser Langlaufschi? Und vom Wald wirst du wohl auch nicht so viel sehen, der wird tief verschneit sein - die Ortschaft liegt schon etwas höher, und es war auch schon für die Jahreszeit die ich dort war (Mai-Juni) etwas kälter als gewohnt, brauchte fast eine Winterjacke an manchen Tagen vor allem am Morgen, aber gegen Ende Juni war es dann schon warm fürs Baden draußen.

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zebra
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Beitrag Fr., 12.08.2011, 07:21

hallo liliee,

danke für deinen weiteren ausführlichen bericht.

im winter stell ich es mir ja nicht so prickelnd vor dort, weil es sicher wahnsinnig kalt ist und man nicht so viel im freien unternehmen. bin eine leidenschaftliche nordic-walkerin... langlaufschi hab ich leider keine!

sauna ist überhaupt nicht mein ding. schwimmen schon eher. naja und mit lesen läuft es leider bei mir im moment gar nicht. war eine leseratte und kann mich zur zeit null konzentrieren. schaffe grad mal einen kleinen zeitungsartikel und da weiss ich meist dann gar nicht was drin stand .

da hilft es nur positiv zu denken und darauf zu hoffen, dass man mit netten leuten zusammenkommt und da die zeit angenehm verbringen kann.

danke dir für den austausch und vielleicht lerne ich ja noch jemand kennen, der auch schon mal dort war.

alles gute für dich!
zebra

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Bout
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Beitrag Mi., 24.08.2011, 14:46

Hi!
Meine Therapeutin hat mir empfohlen eine Kur wegen Burnout in Anspruch zu nehmen und mich entsprechend mit meinem Arzt in Verbindung zu setzen.
Dieser hat mir nun Ottenschlag empfohlen da es ganz neu und ach so toll sein soll.
Nach euren Berichten bin ich jetzt am überlegen ob das das richtige für mich ist!

Hat jemand von euch Erfahrung mit anderen Einrichtungen die bei Burnout zu empfehlen sind??

Da eine meiner letzten Erlebnisse die mit Entspannung zu tun hatte (vor ca 3 Jahren) mit warmem Wasser zu tun hatte, wäre meine Hoffnung das eine Therme o.ä. eventuell die Wahrscheinlichkeit von Entspannung ermöglichen würde.