Beziehung mit einem Workaholic

Liebeskummer und Liebessorgen aller Art, sowie Eifersucht und Trennungen sind die zentralen Themen in diesem Forumsbereich (Beitrags-Haltedauer: 6 Monate).
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Beziehung mit einem Workaholic

Beitrag So., 01.12.2019, 23:48

Hey ihr Lieben,

Ich bin seit 4 Monaten wieder mit meiner ersten grossen Liebe zusammen, die ich damals aufgrund seines Workaholicsyndroms und meinen damaligen Problemen verlassen musste. Ich wohnte in NRW und er in Hamburg. Wir waren damals 3 Jahre zusammen, bis ich aufgrund von fehlendem Kontakt und keinerlei Interesse am Melden seinerseits Schluss machen musste, obwohl ich wusste, dass er sehr an mir hängt. Ich konnte diese zusätzliche Belastung damals aber nicht ab, weil ich selbst mit 20 ein halbes Kind war und meine Vergangenheit in Form von Psychotherapie abschliessen musste.

Wir hatten nun 1 Jahr Pause und uns nochmal getroffen. Es war alles wie früher. Wir küssten uns und sind wieder zusammen gekommen. Ich hatte Angst, dass ich ihn mangels Kontakt wieder verlieren würde und so zog ich nach 1 Monat bei ihm ein in Hamburg und verließ meinen Verein, meine Familie und meine Heimat. Nur ist hier nun das Problem, dass ich quasi auf alles alleine gestellt. Ich gehe selber arbeiten, mache den Haushalt, wasche unsere Wäsche und erledige Einkäufe und alles andere. Warum? Weil mein Freund durch seine Arbeit keine Zeit hat, als ich 4 Wochen bei meiner Mum war, hat er es nichtmal geschafft seine Wäsche zu waschen, so dass ich 4 Tage lang Waschmarathon machen durfte...

Ich wusste zwar vor 3 Jahren schon, dass er Workaholic ist und dadurch keine Zeit hatte mich anzurufen und das einfach vergaß, mir wird nur jetzt wo wir zusammen wohnen erst bewusst wie weit dieses Workaholic bei ihm eigentlich ausgeprägt ist. Er vergisst Geburtstage seiner Schwester und seines Neffen. Er vergisst Sachen, die ich ihm 1 Tag vorher sagte. Dazu kommt, dass er zuhause nicht entspannen kann. Es dreht sich immer um die Arbeit, sein Handy bimmelt laufend, dort kann er dann dran gehen, aber wenn ich ihn anrufe dann ist er meistens auf der Arbeit und ignoriert meinen Anruf komplett. Es ist mittlerweile so extrem, dass seine Schwester den Kontakt zu ihm abbrechen will, weil sie denkt, dass er den Kontakt eh nicht möchte. Was natürlich nicht stimmt.

Ich weiß, dass er viel durchgemacht hat, aber ich komme auch einfach nicht an ihn ran. Ich habe ihm einen Brief geschrieben, wo drin stand, dass er vor mir kicht stark sein muss sondern weinen darf, wenn ihm danach ist und das ich bei ihm bin, aber auch darauf antwortete er nur sporadisch. Ich möchte ihm helfen, dass er endlich wieder Lebensfreude bekommt. Habe ihn auch gebeten sich mal 1 Woche frei zu nehmen und Weihnachten mit nach NRW zu fahren zu meiner Familie schließlich hat er noch 16 Tage Urlaub über. Aber auch da habe ich keine Chance. Er möchte sich die 16 Tage auszahlen lassen. Wir haben genug Geld und wissen langsam auch nicht mehr wie wir das alles ausgeben sollen, wie denn auch, wenn er nur am arbeiten ist? Ich würde gerne mit ihm so viele Sachen erleben und einfach das tun, was Paare machen... doch das ist ohne sein Handy und nur in einem bestimmten Zeitfenster von maximal 1-2 Std überhaupt nicht möglich.

Er hat noch nichtmal eine richtige Führungsposition. Gut, er ist stellvertretender Standortleiter, aber das ist in dem Betrieb quasi eigentlich nur 2 Std Mehrarbeit und das auch nur, wenn der Standortleiter verhindert ist. Leider arbeitet mein Freund im Schichtdienst im Abschleppdienst, so dass er sich halt jede einzelne Fahrt, die die Arbeitskollegen nicht machen wollen ziehen kann und so werden aus geplanten 8-9 Std Arbeit ganz schnell 15 Std. Ein Tag war es so heftig, dass er erst nach 26 Std wieder zuhause war. Er gibt auch zu Workaholiker zu sein und das es ihn glücklich macht wenn er auf sein Konto guckt und wenn seine Kollegen und Kunden ihn so loben.

Das was ihm seine Arbeit gibt, kann ich ihm aktuell nicht geben. Therapie lehnt er aber ab. Er möchte nicht. Ich hab einfach Angst um ihn, er ist 25. Wenn er so weiter arbeitet, wird er irgendwann richtig in ein Loch fallen und ich möchte auch nicht von seiner Arbeitssucht so verdrängt werden. Ich weiß nur einfach nicht mehr wie ich ihm helfen soll... ich bin ratlos.

Es tut gut das nun hier zu schreiben. Vielleicht hat ja jemand von euch einen Rat. Schluss machen ist keine Option. Ich will ihn nicht nochmal verlieren.
Zuletzt geändert von Tristezza am Mo., 02.12.2019, 07:37, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Absätze zur besseren Lesbarkeit eingefügt.

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spirit-cologne
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 01:54

Hmmm, aber was für einen Rat erhoffst du dir da von uns?

Du wusstest, wie er tickt, bist trotzdem wieder mit ihm zusammen gekommen, bei ihm eingezogen und hast festgestellt, dass es immer noch so ist, wie du es dir gedacht hast bzw. noch schlimmer. Er findet's gut so, wie es ist und will nix ändern, was nicht verwunderlich ist, wenn das Verhalten wirklich einen suchtartigen Charakter hat. Was hast du erwartet? Du willst dich nicht trennen, dann wird dir nichts anderes übrig bleiben, als dich damit zu arrangieren und dir Beschäftigungen zu suchen, die du alleine machen kannst oder eben rumzusitzen und zu warten, bis er dich mal für eine halbe Stunde mit seiner Anwesenheit beehrt. Das ist der einzige Rat den ich dir geben kann.

Ihn kannst du jedenfalls nicht ändern und derzeit sieht es nicht so aus, als ob er was ändern wollte.
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 02:07

Ich will ihn auch nicht ändern, zumindestens nicht von seiner Art. Ich möchte einfach, dass er einsieht, dass man sich Sorgen macht und das diese ganze Arbeitszeit nicht gut für ihn ist. Es gibt so viele schöne Momente im Leben, die sollte man nicht nur in Arbeit stecken. Ich frag mich, ob es nicht einen anderen Weg gibt, wie man ihn bewegen kann sich Hilfe zu holen. Ich hab einfach angst davor, dass er irgendwann so überarbeitet ist, dass er das irgendwann nicht mehr aushält und komplett ohne Arbeit da steht und sich dann kaputt macht und in das selbe Loch fällt wie ich als ich damals psychisch die Schule abbrechen musste und erst 3 Jahre später wieder fortführen konnte. Existenzangst ist etwas, was ich ihm gerne ersparen möchte. Ich weiss halt nicht was ich mir erhoffe, aber vielleicht hat ja jemand Erfahrung damit.

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spirit-cologne
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 02:34

Aber du kannst ihm auch nicht abnehmen, seine eigenen Erfahrungen zu machen. Wenn du mit einem Alkoholiker sprichst, bringt das auch nix, ihm vor Augen zu halten, welche negativen Konsequenzen bzw. Gefahren mit dem Alkoholkonsum verbunden sind. Das sehe ich in dem Fall von deinem Freund nicht anders. Wahrscheinlich wird er die negativen Konsequenzen erst selbst spüren müssen, ehe in ihm die Einsicht und Bereitschaft zu einer Verhaltensänderung besteht. Wir Menschen sind so gestrickt. Wir verdrängen mögliche langfristige negative Konsequenzen, so lange noch nichts von ihnen spürbar ist.
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Nico
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 05:58

Du willst ihn nicht ändern, er soll nur endlich so werden wie du ihn willst..... ;)

Er ist ein Arbeitstier und holt sich aus seiner Arbeit genau das was für ihn wichtig ist ( Lob von den Kunden und ein dickes Konto) damit befriedigt er seine Bedürfnisse und solange er nicht jemanden kennen lernt, der dies auf andere Art aber genauso effizient tut, wird er dabei bleiben.
Du bist es nicht der dies zustande bringt, also wirst du ihn auch vor nix abhalten können.
Wenn ich alt bin, möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich!

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Beitrag Mo., 02.12.2019, 06:07

Das ist Schwachsinn das er so werden soll wie ich ihn haben will. Er ist toll so wie er ist, ich hätte nur einfach gerne mehr Zeit mit ihm und kann seine innere Anspannung und Überbelastung deutlich spüren. Workaholic kann extrem Gefährlich werden, wenn man übertreibt, zumal er gar keine Freizeitaktivitäten mehr wahr nimmt, sich sozial von seinen Freunden und seiner Familie distanziert und immer mehr Probleme auftreten. Es sind einfach Sorgen da wie lange er das überhaupt mitmacht. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich ihn ändern will, ich will lediglich, dass er Freude am Leben hat und sich zwischendurch auch mal eine Pause gönnt.

Und ja, dafür kämpfe ich. Eben, weil er mir nicht egal ist und ich ihm nicht dabei zu schauen will wie er alles verliert was um ihn herum ist.

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Nico
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 06:18

Hamburgerin123 hat geschrieben:
Mo., 02.12.2019, 06:07
Das ist Schwachsinn das er so werden soll wie ich ihn haben will.. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich ihn ändern will, ich will lediglich, dass er Freude am Leben hat und sich zwischendurch auch mal eine Pause gönnt.
:jo:
eben ;)

Natürlich wird er es ( so wie du das beschreibst) möglicherweise übertreiben und zusammenbrechen.
Aber du wirst das nicht verhindern können, dazu bist du ihm nicht wichtig genug.
Wobei es nicht sicher ist, ob es überhaupt etwas gibt was ihm wichtig genug wäre.....
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Rosenstock
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 08:22

Servus,
Ganz ehrlich, was willst du von ihm? Du rennst da einem Ideal nach, dass er einfach nicht ist. Er ist sicherlich ein luebevoller, netter,..., wenn er sich die Zeit nimmt. Er nimmt sich aber nicht die Zeit!
Es ist ihm schlichtweg egal, wie es dir geht und was du möchtest. Er hat seine Bedürfnisse und die befriedigt er.
Ich denke, du musst bei dir ansetzen. Such dir Freunde, bau ein eigenes Leben auf. Such dir ein Hobby, schau auf dich. Er wird so bleiben, wie er ist, du kannst nur für dich schauen, wie kannst du mit der Situation umgehen. Wenn er seine Wäsche nicht wäscht, who cares. Du bist nicht seine Putzfrau, dann liegt sie halt. Ich würde nie auf die Idee kommen, extra Waschschichten einzulegen, nur weil mein Mann es nicht schafft, während meiner Abwesenheit mal die Maschine einzuschalten. Dann luegt es halt im Wäschekammerl, natürlich wasche ich Sachen für meinen Mann mit, aber in dem Fall würde ich nicht extra Schichten einlegen.
Darf ich fragen, was du den ganzen Tag tust? Gehst du arbeiten? Hast du Hobbies?
Übrigens: ob er wirklich mal in ein Loch fällt oder nicht, kann man nicht voraussehen. Und wenn das Loch dann mut Geld gepflastert ist, wird es auch für ihn passen.
Langer Rede kurzer Sinn: Arrangier dich mit der Sotuation ider ändere etwas in deinem Umfeld.
Lg Rosenstock

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Sinarellas
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 08:39

Klingt für mich weniger nach Workaholic, eher nach einer narzistischen Persönlichkeit.
Ihr habt beide gänzlich unterschiedliche Vorstellungen von eurer Beziehung, er möchte sich selbst verwirklichen und nimmt sich selbst so wie du ihn beschreibst an erster Stelle, du möchtest Gemeinsamkeit und er kommt fü dich scheinbar an erster Stelle, das kann nicht gut gehen.
Wenn er noch nichtmal die einfachsten Aufgaben hinbekommt wie Wäsche waschen, will ich meinen, gibt er allem anderen ausser sich selbst mit seiner Selbstverwirklichung / Arbeit in seinem Fall, eine geringere Priorität. Das klingt für mich eher nach einer Charaktereigenschaft, als dass sich daran etws je ändern könnte.

"Er ist toll so wie er ist, ich hätte nur einfach gerne mehr Zeit mit ihm und kann seine innere Anspannung und Überbelastung deutlich spüren. "
Er ist toll so wie er ist, ABER er macht seine Wäsche nicht, ich tue viel mehr als er, er schenkt mir viel zu wenig Aufmerksamkeit, wir brauchen mehr Zeit die er uns so nicht gibt etcpp
---> Nein er ist für dich NICHT toll so wie er ist. Sonst hättest du den Text nicht geschrieben.

Du willst ihn ändern. Das wird dir nicht gelingen, daher verabschiede dich von dem Gedanken.
Du musst für dich überlegen:
Komme ich in Zukunft mit seiner Prioritätenliste klar? Was mache ich wenn ich nicht klar komme?
Wieviel Zeit / Energie / Geduld will ich investieren um es für mich passender zu gestalten, was wenn das nicht gelingt ?
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Hamburgerin123
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 21:21

Hey,
ich arbeite mit einer 50% Stelle. Kenne aber dadurch, dass ich erst vor 4 Monate hochgezogen bin noch nicht so dermaßen viele Leute. Ich bin aber ein geselliger Mensch, dadurch wird das noch. Ich werd mir hier auch einen neuen Verein suchen. :)

Naja also hauptsächlich möchte ich mehr Zeit mit ihm. Das mit dem Haushalt stört mich nicht so extrem. Die Waschmaschine wäscht ja quasi von alleine und da wir jetzt nicht die Menge an qm haben und er ohnehin kaum zuhause ist fällt jetzt nicht so viel an. Vielleicht hab ich auch eine Rosarote Brille auf, aber ich möchte die Beziehung und ich möchte auch ihn. Mag vielleicht auf den Blick erstmal merkwürdig klingen, aber durch ihn hab ich es geschafft meine Vergangenheit abzuschließen. Abstand zu gewinnen von der Belastung aus der Heimat. Er hat damals bevor er so wurde (das erste 3/4 Jahr damals ohne die Arbeit) auch so enorm viel für mich gemacht und mich bei fast allen Therapien, die ich hatte begleitet. Er war damals einfach glücklicher, wirkte ausgeglichener und fröhlicher. Seitdem er aber vor 2 Jahren aufgrund des Todes seiner Mum in die eigene Wohnung zog wirkt er überfordert und verliert sich in seiner Arbeit. Ich glaube auch nicht, dass er narzistisch ist. Er ist aber noch wahnsinnig jung, weshalb ich die Hoffnung habe, dass es besser wenn er sich auch wie ich damals eine Therapiestelle holen würde. Nur ist es wahnsinnig schwer ihn überhaupt davon zu überzeugen, dass das was er da gerade macht zu viel ist. :/

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candle.
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 21:44

Hallo!

Ich sehe da auch nicht, wie die Vorschreiber, eine große Chance auf eine Beziehung wie du sie dir wünscht.

Ich sehe ihn aber auch nicht als Workaholic, eher als jemanden, der weg läuft. Ich habe den Eindruck, dass er es Zuhause nicht aushält und in die Arbeit flüchtet, zumal er ja jegliches Privatleben völlig vernachlässigt.

Und da ich nun schon einige Jahre auf der Welt bin und somit Menschen habe "groß werden" sehen, kann ich sagen: Sie verändern sich nicht. Da müßten dann nochmal einschneidende Erlebnisse kommen, die aber auch nicht jeden bewegen was zu ändern.

Mache dich selbständig, suche dir eine Wohnung und dann wirst du sehen wie sehr er mit dir zusammen sein will und ob sich was bewegt.

Liebe Grüsse!
candle
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cinikus
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 23:04

Spannend, diese vielen Ansichten.

Meine ist: Möglicherweise ist er schon im Burnout. Wobei die Grenzen da ab einem gewissen Punkt natürlich verschwimmen. Beziehungsweise Workaholism nicht selten im Bournout endet.
Hamburgerin123 hat geschrieben:
So., 01.12.2019, 23:48
Ich habe ihm einen Brief geschrieben, wo drin stand, dass er vor mir kicht stark sein muss sondern weinen darf, wenn ihm danach ist und das ich bei ihm bin, aber auch darauf antwortete er nur sporadisch.
Er kann damit so wenig anfangen, wie ein Spieler, Alkoholiker und Drogensüchtiger damit was anfangen könnte. Von einem solchen Denken ist er meilenweit entfernt. Das ist für ihn einfach eine komplett fremde Sprache. So, wie du ihn beschreibst, erreichst du ihn nicht mehr. Er muss ungespitzt mit dem Kopf in den Boden einfahren, wie jeder Süchtige (und Burnoutler). Vorher wird er keine Ruhe geben. Die Chancen stehen gut, dass er auch danach keine Ruhe gibt und die Erfahrung noch ein paar Mal machen muss. Zu hoffen ist nur, dass er dabei irgendwie noch gesund bleibt. Ich habe Leute kennengelernt, die waren nach dem dritten Anlauf mit 30 Jahren auf dem Stand eines 70-Jährigen, und obwohl die nicht mal mehr gehen, geschweigedenn ein fruchtbares Gespräch führen konnten, waren sie noch voll im Mindset des Workaholisms. Das ist tragisch. Für mich war es ein Schuss vor den Bug, eine Warnung, ich war auf demselben Weg. Aber ich merke auch bei mir, dass ich nach wie vor die Tendenz habe, wenn sich die Gelegenheit bietet. Es IST eine Sucht. Ja. Nur leider eine, die bis zu einem gewissen Grad gesellschaftlich gewollt und, noch schlimmer, anerkannt ist. Das macht es noch schwerer, da rauszukommen. Sorry. Bad News.
Hamburgerin123 hat geschrieben:
So., 01.12.2019, 23:48
Weil mein Freund durch seine Arbeit keine Zeit hat, als ich 4 Wochen bei meiner Mum war, hat er es nichtmal geschafft seine Wäsche zu waschen, so dass ich 4 Tage lang Waschmarathon machen durfte...
Wer hat denn in diesem einen Jahr, in dem ihr getrennt wart, seine Wäsche gewaschen? Du bist in diesem Fall wie die Frau des Alkoholikers, die die leeren Flaschen wegräumt, damit der Alkoholiker die Konsequenzen seines Tuns nicht sehen muss. Das hilft ihm, länger in seinem Modus zu verweilen und noch einmal mehr Gas zu geben. Mal ausgebremst werden, weil er nichts zum Anziehen hat, wäre doch eine Sekunde zum Innehalten. Wird nur homöopathisch sein, aber ein Süchtiger sammelt meistens jemanden um sich herum, der ihm hilft, seiner Sucht zu fröhnen. Kämpfst du jetzt auch SEINEN Kampf um den Kontakt mit der Schwester? Hat es Konsequenzen, wenn er nicht ans Telefon geht? Oder merkt er an den ständigen Kontaktversuchen deinerseits, dass eh noch alles gut ist. Männer sind da manchmal so gestrickt, dass nicht der Inhalt einer Nachricht zählt, sondern die Kontaktaufnahme an sich, egal, wie böse oder verletzt sie ist. Da kommt nur an: Sie ist noch da, sie redet noch mit mir, alles gut.
Auch der Anblick des Schlechten kann eine Schulung für das Gute sein! Niccolò Tommaseo

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lisbeth
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Beitrag Di., 03.12.2019, 06:30

cinikus hat geschrieben:
Mo., 02.12.2019, 23:04
Wer hat denn in diesem einen Jahr, in dem ihr getrennt wart, seine Wäsche gewaschen? Du bist in diesem Fall wie die Frau des Alkoholikers, die die leeren Flaschen wegräumt, damit der Alkoholiker die Konsequenzen seines Tuns nicht sehen muss. Das hilft ihm, länger in seinem Modus zu verweilen und noch einmal mehr Gas zu geben. Mal ausgebremst werden, weil er nichts zum Anziehen hat, wäre doch eine Sekunde zum Innehalten. Wird nur homöopathisch sein, aber ein Süchtiger sammelt meistens jemanden um sich herum, der ihm hilft, seiner Sucht zu fröhnen. Kämpfst du jetzt auch SEINEN Kampf um den Kontakt mit der Schwester? Hat es Konsequenzen, wenn er nicht ans Telefon geht? Oder merkt er an den ständigen Kontaktversuchen deinerseits, dass eh noch alles gut ist. Männer sind da manchmal so gestrickt, dass nicht der Inhalt einer Nachricht zählt, sondern die Kontaktaufnahme an sich, egal, wie böse oder verletzt sie ist. Da kommt nur an: Sie ist noch da, sie redet noch mit mir, alles gut.
Das hier ist glaube ich ganz enorm wichtig. Du ermöglichst ihm seine Arbeitssucht ja mit und unterstützt sein Verhalten auch noch. So lange du ihm hilfst, sein System aufrecht zu erhalten, gibt es beim ihm überhaupt keinen Grund, etwas zu verändern. So hart es klingt: Er muss knallhart mit den Konsequenzen seines Handelns (und Nicht-Handelns) konfrontiert werden. Denn du bildest hier den Puffer, der es ihm erspart, den harten Boden der Realität überhaupt zu spüren. Und das
nennt sich Co-Abhängigkeit.
In dem Maß wie wir anfangen, Fragen anders zu stellen, werden wir auch neue Antworten finden.

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Coriolan
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Beitrag Di., 03.12.2019, 09:49

Hamburgerin123 hat geschrieben:
So., 01.12.2019, 23:48
Ich hatte Angst, dass ich ihn mangels Kontakt wieder verlieren würde und so zog ich nach 1 Monat bei ihm ein in Hamburg...
Wow! Er schafft es nicht, den Kontakt aufrecht zu erhalten und deswegen ziehst du zu ihm?!

Er hat keinen Grund, was zu ändern, denn anscheinend ist der Leidensdruck nicht hoch genug (wenn er denn überhaupt welchen hat) und du unterstützt ihn ja sogar noch. NIEMAND ist unersetzbar auf der Arbeit - klar: es fühlt sich toll an, wenn einem die Kollegen auf den Rücken klopfen, weil man so d... ist und immer einspringt, aber meiner Meinung nach ist niemand unersetzlich auf der Arbeit und in der Regel steht und fällt der Betrieb auch nicht mit einem Mitarbeiter. (Abgesehen natürlich von 1-Mann-Betrieben). Für ihn ist das doch prima - du managt den Haushalt, wartest brav auf ihn zuhause und lässt dich auch noch insofern abspeisen, dass er nicht einmal ans Telefon geht, wenn du anrufst.

Das Verhalten der Schwester kann ich komplett nachvollziehen, denn es ist auch eine Frage, wie wichtig mir etwas ist und einen Geburtstagsanruf kann ich notfalls selbst auf dem Weg zur Toilette tätigen. Vergessen ist das eine - angeblich "keine Zeit" zu haben, das andere. Bös gesagt: Macht er auch in die Hose, weil er keine Zeit für einen Toilettengang hat?

Schluss machen ist für dich keine Option, Therapie lehnt er ab.

Damit ist eigentlich klar: Es geht so weiter, denn du wirst ihm vermutlich nicht helfen können und wenn er keinen Änderungsbedarf sieht, wird sich eh nix ändern. Veränderungen funktionieren nur, wenn man das selbst möchte und für ihn scheint's ja so einigermaßen zu passen.

Ist halt die Frage, wie lange du deine Bedürfnisse hintenanstellen möchtest - wo ist deine Selbstachtung?

Ok - es liest sich jetzt natürlich hart - irgendwas wird er an sich haben, dass du ihn liebst und so viel für ihn tust, aber es wirkt nicht so, als käme da viel von ihm zurück.
[...] und ich möchte auch nicht von seiner Arbeitssucht so verdrängt werden.
Bist du das nicht schon längst?
Ich weiß nur einfach nicht mehr wie ich ihm helfen soll... ich bin ratlos.
Dazu müsste er sich auch helfen lassen wollen.
Wenn man keine Ahnung hat: einfach mal Fr... halten (D. Nuhr)

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Beitrag Di., 03.12.2019, 11:38

Er hat Dir in einer sehr schweren Zeit beigestanden, hat Dich " gerettet" . Nun nimmst Du an, dass es ihm mit seinem derzeitigen Leben genauso beschissen geht, wie Dir mit Deinen Themen seinerzeit. Tut es offensichtlich nicht. Dir geht es beschissen damit. Dir. - WEIL ER IST EIN ANDERER MENSCH. Wie er empfindet, ob überhaupt Leidensdruck da ist - aus Deinen Schilderungen lese ich nichts raus.
Ich möchte Dir ein paar Fragen mit auf den Weg geben:

Willst Du ihn jetzt retten, glaubst vlt. ihm für seinen damaligen Beistand das schuldig zu sein?
Warum soll er unbedingt den gleichen Weg wie Du gehen? Jeder Mensch hat das Recht seinen Weg auf seine Weise zu gehen.

Das hier als heeres Ziel " Ich will IHM doch nur helfen " genannte Motiv könnte nur ein vordergründiges Motiv sein. Willst
Du nicht vielmehr damit DIR helfen, weil Du glaubst, ohne ihn geht's nicht ( "aber durch ihn hab ich es geschafft meine Vergangenheit abzuschließen. Abstand zu gewinnen von der Belastung aus der Heimat" ) DU brauchst ihn?

Auf den Lebensstil des Freundes mag ich nicht eingehen. Ob und was er macht - seine Sache, kann man viel vermuten. Ich finde das nicht zielführend im Sinne der TE.

Liebe TE: Da Du in einem Psychotherapie Forum schreibst > Bist Du noch in Therapie? Könntest Du Deinen Leidensdruck mit jmd. besprechen?
Denn das möchte ich gerne noch sagen: Ich sehe und spüre aus Deinen Zeilen Deine Verzweiflung, Deine Traurigkeit und auch die Hilflosigkeit. Das fühlt sich schlimm an, gell. Vielleicht magst Du ja nach letzerem bei Dir nachforschen?

Auf jeden Fall Alles Gute von mir.

PS: Warum ich hier mitsenfe? Eigene Problematik, Co-Abhängigkeit, das ganze Programm;)