Übertragung mit Folgen

Liebeskummer und Liebessorgen aller Art, sowie Eifersucht und Trennungen sind die zentralen Themen in diesem Forumsbereich (Beitrags-Haltedauer: 6 Monate).
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wildeskeks
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Übertragung mit Folgen

Beitrag Fr., 02.11.2018, 02:32

Hallo zusammen,

das wird ein langer Text, aber ich hoffe mir kann jemand helfen, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß und ich niemanden habe, mit dem ich über dieses Problem reden kann :-(

Es begann alles Anfang August. Ich war sehr verzweifelt, weil sich sehr viel Negatives ereignet hat und ich eine Abklärung bezüglich einer möglichen Depression und Burnout zu erhalten. Ich machte mir also einen Termin bei einer Psychotherapeutin aus und ging hin. Ich war sehr nervös, doch als sie die Tür öffnete, kippte ich beinahe aus den Socken. Sie sah umwerfend aus und hatte da schon eine immense Ausstrahlung! Ich war ich jedoch skeptisch, mich ihr gegenüber zu öffnen, da ich ein grundsätzliches Vertrauensproblem habe. Sie begegnete mir mit einer kecken, frechen Art und auch mit großer Herzenswärme, was ich sehr an einer Person wertschätze. Das gefiel mir einfach. In der ersten Einheit konnte sie mir bereits anhand meiner Aussagen bestätigen, dass ich an einer Depression leide. Ich machte mir also einen Folgetermin in 3 Wochen aus. Da war es dann jedoch nur eine halbe Stunde und ich kam mir schnell abgefertigt vor. Auch beim Folgetermin war es nicht besser. Ich schrieb ihr per SMS, dass sich so empfinde und das nicht in Ordnung ist. In der darauffolgenden Sitzung nahm sie sich viel Zeit für mich, gab mir den letzten Termin am Abend und erklärte mir, dass es ihr Leid tue, wenn ich so empfinde. Sie wolle das nicht und sie denkt, dass es mir wegen der 30 Minuten so vor käme. Daher haben wir uns nun auf stündliche Einheiten geeinigt. Mit jedem Termin bemerkte ich jedoch, wie überaus hübsch, kultiviert und herzlich diese Frau ist. Sie wirkt eine ungeheure Anziehungskraft auf mich aus und ihr Charakter unterstreicht dies nur noch weiter - zumindest was ich bisher von ihr kennen gelernt habe. Wir reden generell ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen - sofern es mir möglich ist - und tauschen auch mal private Meinungen aus. Es ist generell sehr angenehm mit ihr zu sprechen, da sie eine sehr angenehme Stimme besitzt (ala Hörbuch Krimi Vorleserin). Seitdem ich allerdings für sie schwärme, kann ich ihr kaum noch in die Augen sehen. Ich befürchte, dass sie mir meine Gefühle ansehen könnte und ich mache mir Vorwürfe, damit alles kaputt zu machen. Aber es passiert einfach. Es verwirrt mich zunehmends, da ich bisher nie Interesse an Frauen hatte - schon gar nicht an einer Frau, die doppelt so alt ist als ich. Aber ihre kultivierte Art, ihre wunderschönen, blauen Augen und ihr süßes Lächeln fesseln mich einfach. Sie hat auch zwei Hunde, die immer mit bei ihr sind, zu denen sie eine wundervolle Bindung hat. Da ich selbst Hundebesitzerin bin empfinde ich da natürlich erst recht tiefe Sympathie für sie.

Ein weiteres Problem ist die aktuelle Gesprächssituation. Sie hat festgestellt, dass mein Selbstwertgefühl sehr unter Ereignissen aus meiner Kindheit leidet und versucht mich aufzubauen. Nur wegen ihres Rates habe ich eine Ernährungsumstellung gemacht und bisher zum ersten Mal erfolgreich und mit Leichtigkeit durchgehalten. Sie gibt mir daher sehr viele Komplimente bezüglich meiner Figur, wie beispielsweise “Sie werden von Mal zu Mal hübscher!”, ”Sie sind richtig kurvig, weiblich und hübsch!”, “Sie wirken sehr attraktiv!” ...
Ich weiß, dass das meiner Selbstwertsteigerung dienen soll, jedoch stecke ich da in einer Zwickmühle fest. Einerseits will ich mich von ihren Worten beflügeln lassen, was ich zu Beginn auch tat. Dann kam allerdings eine große Verliebtheit über mich, die mich letztlich runter zog, weil ich weiß, dass das nicht auf fruchtbaren Boden trifft und hoffnungslos ist. Andererseits hinterfrage ich ihre Absichten und denke mir, dass es ihre Aufgabe ist, das zu sagen und zweifle daher an ihrer Ehrlichkeit. Natürlich sollte man nicht die Meinung über sich selbst von der einer anderen Person abhängig machen, jedoch ist das keine Option für jemanden mit sehr geringem Selbstwertgefühl.

Ich habe auch bereits über das Phänomen der Übertragung gelesen. Ich grüble allerdings bereits seit Wochen, was ich bloß auf sie übertragen könnte und welcher unerfüllte Wunsch in meinem Unterbewusstsein dahinter steckt. Ich komme aber nicht dahinter. Ich weiß nur, dass ich sehr für sie schwärme - mehr als bisher für jeden Mann. Ich möchte möglichst stabil und stark wirken, um ihr zu imponieren, allerdings geht das auf Kosten meiner Therapie, in der ich meiner Gefühle doch eigentlich freien Lauf lassen sollte.

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wildeskeks
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Beitrag Fr., 02.11.2018, 02:34

Ich weiß nicht, wie ich mit dieser Gesamtsituation umgehen soll. Mich verwirren zum Einen diese Gefühle - ich beginne meine Sexualität zu hinterfragen. Zum Anderen würde mich das Gefühl dieser “Verliebtheit” sehr beflügeln, doch der Realist/Pessimist in mir zerstört diese Träume und holt mich auf den Boden der Tatsachen, was alle positiven Empfindungen zerstört. Der Optimist/Stalker weiß bereits, dass sie single ist und aktuell nicht die beste Meinung von Männern hat und viel mit Freundinnen unternimmt und malt sich daher Chancen aus :tippen: :lol:

Ich weiß nicht, ob ich es ihr sagen soll. Ich will nicht alles am Ende verlieren, weil sie seit langer Zeit der erste Mensch ist, dem ich fast uneingeschränkt vertraue, offen meiner Gefühle freien Lauf lassen darf/kann und verstanden werde.

Weiß da jemand Rat für mich? Wie ich es ihr sagen soll? Ob ich es ihr sagen soll? Oder wie ich diese Verliebtheit als positive Energie nutzen kann (ohne dass es wieder umschlägt und mich hinunter zieht, weil “du hast keine Chance bei ihr”, usw.)

Vielleicht hat da jemand Erfahrungswerte, die er oder sie mit mir teilen kann. Ich bin wirklich sehr dankbar für jede Meinung.

Liebe Grüße
wildeskeks


Jenny Doe
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Beitrag Fr., 02.11.2018, 05:14

Hallo wildeskeks
doch als sie die Tür öffnete, kippte ich beinahe aus den Socken. Sie sah umwerfend aus und hatte da schon eine immense Ausstrahlung! (...) Ich habe auch bereits über das Phänomen der Übertragung gelesen. Ich grüble allerdings bereits seit Wochen, was ich bloß auf sie übertragen könnte
Für mich liest sich Dein Posting nicht wie Übertragung, sondern wie Verliebsein auf den ersten Blick. Du fühltest dich ja schon in dem Moment zu ihr hingezogen, in dem sie die Türe öffnete. So was kann passieren. Auch das Aussehen des Therapeuten kann was mit einem machen. Du fühlst Dich von ihr angezogen.
Klar, du kannst dich jetzt mit der Frage beschäftigen, warum Dich eine Person mit dieser Ausstrahlung anzieht. Du kannst psychologische Erklärungen suchen, deine Kindheit umgraben, ... Vielleicht findest du welche, vielleicht ist es aber auch so wie in der Realität, dass es Menschen gibt, in die man sich bei deren Anblick sofort verliebt und Menschen, bei denen solche Gefühle nicht entstehen.

Ich würde dir empfehlen mit ihr darüber zu reden, aus mehreren Gründen:
Du bist jetzt natürlich sehr empfänglich für jede positive Rückmeldung von ihr, auch wenn sie dir diese gewiss nur aus therapeutischen Gründen gibt, nicht aus persönlichen Gründen. Denn sie darf nichts mit dir anfangen, sie würde sich strafbar machen wenn sie Deine Gefühle erwidern würde. Ich sehe die Gefahr, dass all die Fortschritte, die du jetzt erzielst um ihr zu gefallen, nach Therapieende, wenn sie nicht mehr da sind, dahin sind. Veränderungen sollten erfolgen, weil man es selber will und nicht um dem Therapeuten zu gefallen. Wenn die Therapie irgendwann zu Ende ist, dann ist die Therapeutin weg und mit ihr ihre dich bestärkende Wirkung.
Wie du selber festgestellt hast kann das Gefühl von Verliebtsein beflügeln. Wenn man verliebt ist, dann ist die Welt Rosa und die Probleme, die man hat, lösen sich scheinbar in Nichts auf. So fühlt sich das jetzt erst mal an wie "Die tut mir gut, mir geht es besser". Aber irgendwann ist sie weg. Wenn die Therapie mal zu Ende ist und das Gefühl der Verliebtheit wieder abflacht, dann sehe ich die Gefahr, dass dann auch deine negativen Gefühle wiederkommen. Eine Therapie auf der Basis solcher Gefühle hat keine Langzeitwirkung.
Das andere ist, dass Du jetzt mit dir unbekannten Gefühlen konfrontiert wirst. Dass es dich erschreckt, dass du plötzlich solche lesbischen Gefühle fühlst, ist verständlich. Das bringt dich in einen Konflikt, in eine neue Auseinandersetzung mit dir selbst und deiner Identität. Da kann es hilfreich sein einen Therapeuten zu haben, mit dem man darüber reden kann. In deinem Fall ist es natürlich schwieriger, weil die Gefühle ja deine Therapeutin betreffen.
Ich weiß nicht, ob ich es ihr sagen soll. Ich will nicht alles am Ende verlieren
Die Gefahr besteht. Es wird sich etwas verändern, wenn Du es ihr sagst. Vielleicht wird sie vorsichtiger. Vielleicht ändern sich aber auch deine Gefühle, wenn dein Verliebtsein auf realistischen Boden fällt. Wenn sie dir klar sagt, dass sie deine Gefühle nie erwidern wird, dann, so kann ich mich vorstellen, werden sich auch deine Gefühle verändern. Sie werden realistischer. Es kann passieren, dass es nach einer Aussprache nicht mehr so schön ist wie jetzt, Deine Therapie nicht mehr so schön beflügelnd wirkt. Doch dafür hättest du aber die Chance an deinen eigentlichen Problemen und Gefühlen zu arbeiten, bei dir anzukommen und zu bleiben und zu lernen die Dinge, die du tust, für dich zu tun und nicht für andere.

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amarok
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Beitrag Fr., 02.11.2018, 11:16

Hi wildeskeks

ich denke ähnlich wie Jenny Doe. Und auch ich würde es Deiner Therapeutin sagen oder auch mal vorab per Mail schreiben, wenn das für Dich einfacher ist. Denn wahrscheinlich hat es ja genau mit dem zu tun, weshalb Du in der Therapie bist, auch wenn Du es im Moment noch nicht siehst. Vielleicht kannst Du ja auch einfach einmal das Thema Übertragung ansprechen und schauen wie sie reagiert. Wenn man mit dieser Verliebtheit erwachsen und respektvoll umgeht, kann es sogar positiv für die Therapie sein. Denn etwas vom Wichtigsten überhaupt für den Erfolg einer Therapie, ist die positive therapeutische Beziehung zwischen Therapeut und Klient/in.

Bei mir ist es etwa in der 6. Therapiestunde passiert, dass ich zuerst in ein unheimliches Tief gefallen bin, weil mir endlich jemand vorbehaltlos zuhörte. Ich bin voll in meine Kindheit hinein gegangen, um mich endlich spüren zu können und das wühlte vieles wieder auf. Er nahm mich so wie ich bin und wumm ... gingen meine Gefühle in den 7. Himmel. Es war ein Hochgefühl, wie wenn ich Drogen genommen hätte und das ging eine geschlagene Woche so. Den Mut es meinem Therapeuten zu sagen, hatte ich nicht, deshalb schrieb ich ihm. Er hat so souverän reagiert und es half mir sehr, dass ich es in den folgenden Monaten auch immer wieder ansprechen durfte. So konnte ich es mindestens mal akzeptieren und merkte bald, dass es bei mir einfach eine starke kindliche Liebe war. Denn wenn ich die Augen zu machte, sah ich mich als kleines Mädchen auf seinen Beinen sitzen, den Kopf an seine Schulter lehnend, während wir ein Kinderbuch zusammen anschauten. Als ich ihm das sagte, lächelte er nur.

Auch ich habe im Internet Informationen über ihn gesucht, weil er kaum etwas von sich erzählte (was schlussendlich auch gut war). Ich musste einfach wissen, wer er war und ob ich ihm vertrauen konnte. Ich selber habe nie gelernt Grenzen zu setzen und liess alles ungefiltert an mich heran. Da ich nun mit diesem "Stalken" ihm sozusagen "auf seine Füsse" trat und er mir mit viel Empathie seine Grenzen zeigte, lernte ich auch meine Grenzen kennen und verteidigen. Ich mag ihn immer noch sehr, aber es ist inzwischen keine Liebe mehr, sondern einfach grosse Sympathie und Respekt.

Vielleicht hilft Dir das einwenig .... und halte durch, auch wenn es sehr viel Kraft braucht.

Lg. amarok
:-) bleib bei Dir :cool:

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wildeskeks
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Beitrag Fr., 02.11.2018, 18:05

Hallo,

vielen Dank für eure raschen Antworten. Hat mich echt gefreut, ehrliche Meinungen dazu zu lesen.
Jenny Doe hat geschrieben:
Fr., 02.11.2018, 05:14
Für mich liest sich Dein Posting nicht wie Übertragung, sondern wie Verliebsein auf den ersten Blick. [...] Denn sie darf nichts mit dir anfangen, sie würde sich strafbar machen wenn sie Deine Gefühle erwidern würde.
Ich habe nachgelesen. Daran hatte ich zuerst nicht einmal gedacht, wenn es auch gleich wirklich Sinn macht, dass es dafür Gesetze gibt. Irgendwie finde ich, macht es das zwar etwas leichter, sich vor Augen zu führen, dass es nicht sein kann. Auf der anderen Seite tut es nur noch mehr weh, weil man weiß, dass man seine Liebe/Verliebtheit komplett deplatziert ist :cry:
Jenny Doe hat geschrieben:
Fr., 02.11.2018, 05:14
Das andere ist, dass Du jetzt mit dir unbekannten Gefühlen konfrontiert wirst. Dass es dich erschreckt, dass du plötzlich solche lesbischen Gefühle fühlst, ist verständlich. Das bringt dich in einen Konflikt, in eine neue Auseinandersetzung mit dir selbst und deiner Identität. Da kann es hilfreich sein einen Therapeuten zu haben, mit dem man darüber reden kann. In deinem Fall ist es natürlich schwieriger, weil die Gefühle ja deine Therapeutin betreffen.
Ja, da hast du Recht. Es hat mich sehr erschreckt und zuerst wollte ich das verdrängen. Ich kenne zwar ein paar offen lebende Homosexuelle (nur Bekannte) und finde es auch schön, dass sich diese Menschen gefunden haben. Ich bin auch total vorurteilsfrei was das anbelangt, aber ich dachte immer von mir, fix heterosexuell zu sein. Das ist total neu für mich und verwirrt mich. Und niemanden zu haben, um darüber zu reden ist schwer für mich. Ich würde gerne mit meiner Therapeutin darüber reden, aber dann müsste ich ja ein Geständnis ablegen ... ich wüsste nicht, wie ich das Thema sonst distanziert angehen soll.
Jenny Doe hat geschrieben:
Fr., 02.11.2018, 05:14
Die Gefahr besteht. Es wird sich etwas verändern, wenn Du es ihr sagst. Vielleicht wird sie vorsichtiger. Vielleicht ändern sich aber auch deine Gefühle, wenn dein Verliebtsein auf realistischen Boden fällt. Wenn sie dir klar sagt, dass sie deine Gefühle nie erwidern wird, dann, so kann ich mich vorstellen, werden sich auch deine Gefühle verändern. Sie werden realistischer.
Davor fürchte ich mich sehr, um ehrlich zu sein. Ich hatte vor 4 Jahren die Beziehung zu meinem damaligen Partner beendet, weil dieser etliche Substanzen missbrauchte, verkaufte und mich bereits seit Monaten belog und betrog. Ich bekam davon nichts mit, weil wir nicht zusammen lebten und er so genügend Zeit und Alibis hatte, das alles zu planen und durchzuführen. Es traf mich wie der Blitz aus heiterem Himmel. Es war noch dazu kurz vor Weihnachten. Damals kam Vieles zusammen (Probleme in der Familie, Todesfälle, etc.) und ich wusste, ich musste das Beenden, sonst zieht er mich noch weiter runter. Das tat ich auch. Nach einigem Telefonterror seinerseits hatte ich beschlossen mein Handy abzuschalten. Da saß ich nun und war total am Ende. Ich ging außer Haus und suchte einen Ort auf, an dem ich mich als Kind immer wohl fühlte. Damals war ich knapp davor, mir das Leben zu nehmen. Es endete Gott sei Dank "nur" mit Selbstverletzung. Das weiß jedoch bis heute niemand. Ich bin damals so tief gefallen, weil ich zu meinem Partner eine ähnliches uneingeschränktes Vertrauen hatte wie zu meiner Therapeutin jetzt. Ich dachte damals, niemals wieder etwas empfinden zu können, geschweige denn je wieder Liebe zu empfinden. Und als ich das erste Mal vor meiner Therapeutin stand, kamen so viele schöne Gefühle hoch ... es freute mich, aber gleichzeitig tut es weh zu wissen, dass es nichts wird und vergebens ist.
Lange Rede, kurzer Sinn: ich fürchte, dass ihre Zurückweisung mich an diesen Punkt zurück wirft und ich wieder so tief falle wie damals :cry:

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wildeskeks
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Beitrag Fr., 02.11.2018, 18:17

amarok hat geschrieben:
Fr., 02.11.2018, 11:16
Bei mir ist es etwa in der 6. Therapiestunde passiert, dass ich zuerst in ein unheimliches Tief gefallen bin, weil mir endlich jemand vorbehaltlos zuhörte. Ich bin voll in meine Kindheit hinein gegangen, um mich endlich spüren zu können und das wühlte vieles wieder auf. Er nahm mich so wie ich bin und wumm ... gingen meine Gefühle in den 7. Himmel. Es war ein Hochgefühl, wie wenn ich Drogen genommen hätte [...] So konnte ich es mindestens mal akzeptieren und merkte bald, dass es bei mir einfach eine starke kindliche Liebe war.
"wie im Drogenrausch" - das trifft es auf den Punkt :-P :-D
Ich finde außerdem die Schilderung deiner Gefühle total schön. Diese Einsicht und Erkenntnis über sich selbst zu haben und dazu einen Therapeuten, der das schön findet und schmunzeln muss, ist einfach schön :->
Ich fände es wirklich schön, wenn es bei mir auch so sein könnte, ich fürchte nur, dass das bei mir noch etwas Zeit und Geduld benötigen wird.
amarok hat geschrieben:
Fr., 02.11.2018, 11:16
Ich selber habe nie gelernt Grenzen zu setzen und liess alles ungefiltert an mich heran.
Das hat sie mir auch bereits gesagt. Ich lasse alles ungefiltert an mich heran und das ist mitunter eine der Auswirkungen meiner Depression. Es kränkt mich alles sehr schnell und trifft mich mitten ins Herz, weil ich es nicht filtern kann. Zudem sagt "der kleine Teufel auf meiner Schulter", dass jeder mir nur Böses will und mir einredet, dass alles schlecht ist. Es ist sehr schwer für mich, dagegen anzukämpfen. Ich nehme SSRIs, aber sie zeigen nicht die Wirkung, die ich mir erhofft habe. Ich weiß auf Verstandsebene, dass es Manche einfach nicht so meinen, aber die Gefühlsebene schreit wie ein kleiner Nazi und das alles Böse ist und mir schaden will. Bei ihr ist meine Verstandsebene zum ersten Mal seit langem wieder stark genug und ich fühle mich wohl und verstanden von ihr. Das ist wohl auch der Zustand, den man in einer Therapie möchte und der mich aus der Bahn wirft, weil ich es schon nicht mehr gewöhnt bin, so vorurteilsfrei und ohne Vorbehalte aufgenommen zu werden. Ich fürchte das Vertrauen in andere Menschen komplett zu verlieren, wenn ich bei ihr nun auf "Gegenwehr" stoße und abgewiesen werde. Ich weiß einfach nicht, wo ich dann Halt finden soll :-(


Jenny Doe
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Beitrag Sa., 03.11.2018, 05:38

Hallo wildeskeks
Ich bin damals so tief gefallen, weil ich zu meinem Partner eine ähnliches uneingeschränktes Vertrauen hatte wie zu meiner Therapeutin jetzt. (...) Lange Rede, kurzer Sinn: ich fürchte, dass ihre Zurückweisung mich an diesen Punkt zurück wirft und ich wieder so tief falle wie damals
Das kann passieren, ... aber ich sehe genau darin auch eine Chance für Dich. Denn da scheint sich was zu wiederholen bei Dir. Da scheint ein Problem von dir zu liegen. In deiner Therapie hättest Du jetzt die Chance an diesem Problem zu arbeiten, damit es dir nicht noch ein drittes Mal passiert.
Seh es mal so: Es ist doch keine Dauerlösung, wenn Du auf Zurückweisungen mit Selbstverletzung reagierst und auf Beziehungen mit dich selbst verlieren. Wenn du das Problem jetzt in Deiner Therapie angehst, dann hast Du eine Chance zukünftig Partnerschaften führen zu können, in denen Du dich nicht selbst so verlierst und in denen Du mit Zurückweisungen anders umgehen kannst als mit Selbstbestrafungen.
Schämen brauchst du dich nicht. Du bist nicht die erste Klientin, die sich in ihren Therapeuten verliebt und du bist auch nicht die erste Klientin, bei der persönliche Probleme auch in der Beziehung zum Therapeuten Niederschlag finden. Solche Probleme ihrer Klienten kennen Therapeuten.

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amarok
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Beitrag Sa., 03.11.2018, 14:15

Oft überträgt man das gleiche Beziehungsschema zu den Eltern, auch auf die eigene Partnerschaft. Es ist etwas, was das Gefühl kennt und was ihm sehr vertraut ist. Deshalb sucht man sich auch unbewusst einen Partner aus, um den man zum Beispiel kämpfen musst für seine Liebe und Anerkennung und gar nicht merkt, dass man wieder zu kurz kommt und im gleichen Trott ist, wie damals.

… jetzt „spinne ich einfach mal den Faden“ weiter: Und plötzlich tritt eine Therapeutin in das Leben, welche eine grosse Sehnsucht nach Angenommen und Gehaltenwerden auslöst. Ohne dass man etwas dagegen unternehmen kannst, löst es ein riesiges Liebesgefühl und ein starkes Vermissen zwischen den Stunden aus? Diesem Gefühl ist es egal, ob es eine weibliche oder männliche Person ist, denn es zählt nur das was Du bei ihr spürst ! Mein Therapeut zum Beispiel ist schwul und schon länger in einer festen und zufriedenen Beziehung. Aber meiner kindlichen Liebe zu ihm war das völlig egal, für mich ist er einfach als Mensch wichtig und er akzeptiert mich so wie ich bin. Ich hatte sogar ganz kurz sexuelle Fantasien, welche aber bald wieder weg waren, denn ich respektiere ihn sehr.

Deine Therapeutin ist ja schon etwas älter und deshalb nehme ich an, dass sie auch schon einige Erfahrungen mit dem Thema Übertragungs-Liebe hat. Ich könnte mir denken, dass sie bereits gemerkt hat, dass die therapeutische Chemie zwischen euch stimmt. Und vielleicht ahnt sie schon, dass da von Dir aus mehr ist, will aber nicht „mit der Türe ins Haus fallen“ und wartet deshalb noch mit dem „Ansprechen“. Klar könnte sie auch schockiert sein und Dich an einen anderen Therapeuten weiter vermitteln, weil sie damit nicht umgehen kann und somit die Therapie ins stocken gerät. Aber das macht eine Therapeutin nur im äussersten Notfall, denn es geht um die Berufsethik und das Ziel, ihren Klientinnen helfen zu können und sie nicht ihrem Schicksal zu überlassen.

Du wirst selber den geeigneten Zeitpunkt finden, wann Du es ansprechen kannst. Und wenn sie positiv darauf reagiert, wird es eine wunderschöne therapeutische Beziehung, mit Höhen und Tiefen, die ihr zusammen durchsteht. Dann kannst Du von ihr lernen, wieder zu vertrauen und einen gesunden Egoismus aufzubauen. Ich weiss, es braucht sehr viel Mut, aber Du schaffst das, irgendwann. :ja:
:-) bleib bei Dir :cool:

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wildeskeks
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Beitrag So., 09.12.2018, 15:18

Hallo,

ich hab ihr meine Gefühle zwar nicht komplett gestanden, aber sie unterbrach mich ohnehin bereits als ich ihr sagte dass ich sie sehr gerne mag. Ihre Worte waren, dass sie nicht meine Freundin sei, sondern meine Therapeutin. Ich kam mir vor den Kopf gestoßen vor... Ich habe Schmetterlinge im Bauch und fühlte mich seit langer Zeit wieder belebt und gut und nun das... Mir hilft leider auch nicht, dass es Übertragung ist (oder auch nicht) - ich weiß was ich fühle und ich bin sehr verliebt. Aber ich kann mit niemandem darüber reden und sie hat sich ja bereits von mir distanziert und seit dem war es nie wieder Thema. Aber ich denke jeden Tag an sie... mehrfach. Sie taucht auch in meinen Träumen auf. Selbst der Umgang mit attraktiven Männern lenkt mich nicht im geringsten ab. Habt ihr da einen Rat für mich? Ich muss wohl diese Verliebtheit ablegen aber wie??? :cry:


MariJane
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Beitrag So., 09.12.2018, 15:32

Mhm, sie hat sich da klar positioniert. Bisschen schroff, finde ich. Ich finde, man soll seinen Therapeutin oder seine Therapeutin durchaus mögen, sonst bringt das ja alles nichts. Naja, ich weiß nicht, was du gesagt hast, aber vielleicht hat sie den Braten gerochen und deshalb so reagiert? Du weißt jetzt zumindest sehr genau, woran du bist: Sie ist deine Therapeutin und der Rahmen ist ihr wichtig. Und wie wird man verliebtsein los? Weiß ich nicht- vielleicht indem man dem MEnschen einfach aus dem Weg geht? Vielleicht eine Therapiepause, damit du wieder bei dir bist? Mehr fällt mir ad hoc auch nicht dazu ein.

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amarok
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Beitrag So., 09.12.2018, 20:40

Wenn Du von ihr träumst und an sie denkst, was stellst Du Dir für eine Situation vor? Was für eine Sehnsucht hast Du in Dir drin, die Du so gerne mit ihr teilen würdest? Wo könntest Du Dich einfach fallen lassen?

Ich kann Dir einfach mein inneres Wunschbild als Beispiel sagen: "Ich sah mich als kleines Mädchen ihm auf dem Schoss sitzend, mein Köpfchen an seine Schulter gelehnt und mich an ihn angekuschelt. Zusammen schauten wir ein Kinderbuch an." In so einem Moment fühlte ich mich einfach wohl, gehalten und beschützt. Es war nur ein Wunsch-Traum, aber es spiegelte in mir drin, die unendliche kindliche Sehnsucht nach "geliebt werden", was ich in der Kindheit so vermisste.

Vielleicht findest Du so erst mal heraus, woher diese Gefühle kommen?
:-) bleib bei Dir :cool:

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Beitrag So., 09.12.2018, 23:14

Hallo,

Danke für eure Antworten. Ja ich verstehe, dass der Rahmen wichtig ist und sie ihn allein schon rechtlich gesehen einhalten muss. Aber ich bekomme dieses Verliebtsein trotz der doch härteren Abfuhr nicht weg.

In meinen Träumen gehe ich mit ihr ins Kino oder fein essen. Oder wir sitzen vor dem Kamin in einer verschneiten Almhütte und kuscheln uns eng an einander. Sie streichelt mein Gesicht und sieht mich mit diesen wunderbaren, schönen Augen an und ich sehe eine tiefe Verbundenheit darin. Ich habe auch Träume wo es dann mehr ins Erotische geht. Ich weiß nicht ob da ein versteckter Wunsch dahinter ist und falls ja welcher ... Ich komme mir einfach vor als hätte Armor mir einen Pfeil verpasst und lacht sich jetzt krumm. Ich kam mir so blöd vor als ich bei ihr das Thema nur anriss - dabei sagte ich nichts von meinen erotischen Träumen oder so, nur dass ich sie sehr gerne mag. Und ich bekam gleich so eine "verpasst" :-(
Es hilft nur nichts wenn ich einfach verliebt bin und ich das nicht mehr los werde. Ich hab mir das wahrhaftig nicht ausgesucht dass ich nun jeden Abend mit gebrochenem Herzen da sitze und nur noch Trübsal blase sobald ich an sie denken muss :cry:
Ich weiß einfach nicht mehr weiter und der Mensch an den ich mich bei so einem Gefühl wenden soll ist genau der, zu dem ich nicht gehen kann. Das zerreißt mich innerlich fast :cry:

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mondlicht
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Beitrag Mo., 10.12.2018, 02:12

Hallo Wildeskeks,

könntest du dir vorstellen, diese therapeutische Beziehung zu beenden?

Ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen - mir ist es leider nie gelungen, eine solche "Übertragungsliebe" innerhalb der Beziehung aufzulösen. Therapeut_innen sagen meist, das sei normal, das gehe vorbei. Tatsache, dass viele Patient_innen weiter hingehen, die Verliebtheit aber nicht aufhört. Dafür kann es sehr unterschiedliche Gründe geben, die allesamt therapeutischen Stoff hergeben. Aber das ändert eben trotzdem nichts an dieser misslichen Lage, unglücklich verliebt zu sein.

Das ist meine Sicht - bei dir kann sich das ganz anders darstellen und entwickeln. Bist du denn sonst auch ein Typ, der sich unglücklich verliebt und romantisch festhält an den eigenen Träumen? Wie sieht dein Beziehungsleben aus - im weitesten Sinne? Kannst du Menschen, die dich interessieren, für dich gewinnen, sie kennenlernen? Kannst du dich in zwischenmenschlichen Beziehungen zeigen und spiegeln? Traust du dich, dich zu verlieben und intime Beziehungen einzugehen? Du musst die Fragen hier nicht beantworten, aber wenn du sie für dich überwiegend mit "Nein" beantworten würdest, dann kann ich dir von dieser Therapie nur abraten. Die Gefahr, dass du in dieser Parallelbeziehung kompensierst, was du nicht leben kannst, ist dann groß. Die Gefahr, dass du dich in der therapeutischen Beziehungen verlierst und dich nicht mit dir beschäftigst, ist ebenfalls groß.

Ich kann gut mitfühlen, was du gerade durchmachst. Aber es wird vergehen, die Frage ist nur, wann.

Liebe Grüße!

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amarok
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Beitrag Mo., 10.12.2018, 13:03

ok dann ist es wohl bei Dir etwas anders, als bei mir, irgendwie erwachsener. Oder anders gefragt, hat es vielleicht irgendetwas mit Deiner Beziehung zu Deiner Mutter zu tun?

Die Reaktion Deiner Therapeutin finde ich auch nicht gerade empathisch, da sie ja weiss, dass es für Dich nicht einfach ist mit Kritik umzugehen. Und wenn Du sie nochmals darauf ansprichst, so indem Sinn: "Dass Du weisst, dass Deine Gefühle nicht erwidert werden, aber sie Dir doch helfen soll, heraus zu finden, woher diese kommen." Veilleicht merkt sie dann, dass Du sehr Erwachsen damit umgehen kannst und sie sich nicht in die Enge gedrückt fühlen muss. Keine Ahnung, ob Dich das einen Schritt weiter bringt. Das kannst nur Du entscheiden. Viel Glück !
:-) bleib bei Dir :cool:


Sehn-Sucht
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Beitrag Mo., 10.12.2018, 15:52

Hi wildeskeks,

ich möchte dir dringend empfehlen, dir einen anderen Therapeuten zu suchen! Wie mondlicht sagte: die Verliebtheit, diese Gefühle bleiben.

Ich selbst stecke seit 3!! Jahren fest, und ich war damals, als ich das (die Übertragungsliebe) aussprechen konnte, fest davon überzeugt, dass ich das in wenigen Monaten überwunden haben werde.

Ich würde es inzwischen bei mir eher als tiefe Sehnsucht nach ihr beschreiben, aber diese Gefühle bleiben sehr, sehr intensiv und begleiten mich teils über lange Strecken des Tages. Verrückt.

Tu es dir nicht an, du investierst viel Geld und Lebenszeit.