Wenn ein naher Angehöriger an einer todbringenden Krankheit leidert...

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decordoba
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Wenn ein naher Angehöriger an einer todbringenden Krankheit leidert...

Beitrag Do., 04.02.2016, 08:03

--- wie geht man damit um?

Asche zu Asche – Staub zu Staub!

Die Göttin – Mutter Natur – hat es vorherbestimmt: „Jeder Mensch muss sterben – früher oder später!“

Wie geht ihr damit um, wenn ein Mensch aus der engen Familie an einer todbringenden Krankheit leidet? Wie erscheint die Sache, wenn man selber davon betroffen ist?

Wie es bei mir üblich ist, beginne ich mit einem fiktiven Fallbeispiel:

Ein Bauer übergab seinen Hof an seinen Sohn und ging in die Rente – er war Mitte 60. In Österreich gab es folgenden Spruch für diesen Vorgang: „Übergeben – nimmer leben!“
Bald erfuhr der Altbauer, dass er Krebs hatte. Damals ersetzte das Dorfwirtshaus noch den Psychologen. Der Mann ging zum Wirt und offenbarte seinen Kumpanen sein Leid und die Dramatik seiner Lage. Die Tränen rannen ihm über die Wangen. „Zehn Jahre – möchte ich noch haben!“ Er ahnte es, er hat die 10 Jahre nicht mehr durchgehalten.

Die Kirche hat damals auch noch mitgemischt. Es gibt das Sterbesakrament der Katholiken – als „Versehen“ benannt. Vornehm ausgedrückt (gräflich) heißt das: „Versehen mit den Tröstungen der Kirche – hat mein Gatte seinen nunmehr letzten Weg angetreten!“

Ich habe noch weitere Fallbeispiele zu diesem Thema und werde diese möglicherweise später anfügen. Einige davon sind heftig, später lesen das nur mehr wenige Leute, somit bleibt ihr davor verschont.

Statuette der Göttin Astarte - gefunden in Israel:
http://www-tc.pbs.org/wgbh/nova/assets/ ... u-merl.jpg
Im Mittelalter haben die Katholiken die Göttin Astarte in den Dämon Astaroth umgewandelt. Das war eine verkrüppelte Gestalt – auf einem Hund reitend.

Skulptur der Göttin Ishtar – gefunden im Irak? (entspricht der Astarte)
https://esoterx.files.wordpress.com/201 ... lonian.jpg

hier sieht man die Mutter Maria mit dem Jesuskind – das ist eine Fortführung der Tradition einer heidnischen Göttin:
http://www.godlikeproductions.com/sm/cu ... 8004a1.jpg

(das sind alles Beispiele für die Göttin Mutter Natur – Fruchtbarkeitsgöttin, für das Sterben auch zuständig).

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hawi
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Beitrag Do., 04.02.2016, 09:53

decordoba hat geschrieben:Wie geht ihr damit um, wenn ein Mensch aus der engen Familie an einer todbringenden Krankheit leidet? Wie erscheint die Sache, wenn man selber davon betroffen ist?
Hallo decordoba!
Ich hab hier zum gesamten Themenbereich schwere Krankheit, Trauer, Tod, bereits mehrfach was beigetragen, immer auch selbst Erlebtes noch mal erinnert, hinterfragt.
Womöglich das ja bereits Teil einer Antwort. Aber bezogen aufs danach. Nicht ständig, aber nun Jahre, Jahrzehnte später, ich erinnere mich halt. Grad wenn es nun andere, nicht mehr mich selbst direkt trifft, betrifft.
Als ich direkt betroffen war?
Ich frag mich grad, ob die Frage, „wie geht ihr damit um“ für mich so überhaupt zu beantworten ist.
Mir zu ……
Im nachhinein meine ich, ich ging damit erst mal gar nicht um. Wollte nicht, konnte nicht.
Mag sich noch in Phasen aufteilen lassen, aber ganz allgemein? Eher ein „klammern“ an alltäglich Gewohntes.
Vieles das so andere (mehr) Bedeutung bekam, als sonst Alltägliches hat. Weils es auf einmal halt völlig andere Bedeutung bekommt.
Ich weiß nicht mal, ob der Unterschied überhaupt so groß ist? Plötzlicher Tod oder langsames Sterben?
Beides natürlich schon sehr verschieden, auch für die Nahestehenden. Aber im Umgang damit?
Der „alte“ Alltag ist in beiden Fällen dahin.
Und die Auseinandersetzung mit dem Tod? Mag anderen anders gelingen, bei mir? Sie begann, soweit ich es beurteilen kann, erst hinterher. Und ich zweifle, ob sie für mich endet. Glaub ich nicht. Übers Erinnern geh ich nun damit um, auch mal hier schreibend, manchmal nur für mich denkend, aber auch mal in Gesprächen.

Heute sagt mir das halt was. Aber was mich betrifft so, dass ich mich immer mal neu und anders auch dies und das frage, ohne endgültige Antworten zu haben, zu finden. Kann und/oder will ich womöglich auch gar nicht finden.

LG hawi

PS: Ich hab und brauche weder die Göttin Natur, noch anderen religiös spirituelle Glaubensgerüste.
Rituale scheinen mir einerseits durchaus angebracht, hilfreich, soweit sie den Umgang mit Tod „fördern“, vielleicht sogar früher, besser schaffen. Ganz ohne „Vorbild“ ist so was auf jeden Fall schwieriger zu erreichen.
Nachteil aber dabei, dass es als Konvention halt auch (zusätzlich) belasten kann.
„Habe keine zu künstliche Idee vom Menschen,
sondern urteile natürlich von ihm,
halte ihn weder für zu gut noch zu böse.“

Georg Christoph Lichtenberg

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Myhre
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Beitrag Do., 04.02.2016, 10:09

Ich kann das auch nicht pauschal beantworten.
Ich bin anders damit umgegangen als meine Tochter starb.Da fühlte ich mich verantwortlich und war traurig Krankheit vererbt zu haben.
Als meine Opas starben war das ganz anders und eher ein Verlust der männlichen Bezugspersonen in der Familie,die nicht mitgemischt haben.
Meine Mutter ist schon lange krank und das zieht sich hin,aber es quält mich nicht so,da sie schon immer sterben wollte und unzählige Male Suizidankündigungen gemacht hat.
Es ist von Person zu Person anders und tut anders weh,beeinträchtigt mal mehr mal weniger,auch wenn das alles Familienmitglieder sind.

Warum du jetzt die unterschiedlichen Glaubensbilder aufgezählt hast erschliesst sich mir nicht.
Die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran bemessen wie Tiere behandelt werden.
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decordoba
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Beitrag Do., 04.02.2016, 10:34

Myhre hat geschrieben:
Warum du jetzt die unterschiedlichen Glaubensbilder aufgezählt hast erschliesst sich mir nicht.
Natürlich besteht ein Unterschied, ob man das Sterben eines alten womöglich sehr kranken Menschen erwartet; oder ob eine Person aus der Mitte des Lebens gerissen wir, oder ob ein Kind stirbt.

Im ersten Fall nimmt man es gefasst, in den anderen beiden Fällen kann man es nicht fassen. Man kann sich kaum damit abfinden und hadert mit dem Schicksal, manchmal macht man sich Selbstvorwürfe, man fühlt sich schuldig und man wird beschuldigt - das kommt auch vor.

Zu den Glaubensbildern: die Religionen waren seit Menschengedenken für Geburt und Tod zuständig. Ich denke - die Leute haben das gebraucht, das war eine Hilfe für sie in ihrer scheinbar trostlosen Lage.

Ich habe die Bilder der Astarte eingefügt, weil das die ältesten Religionen sind, die wir kennen. Damals hatte die Mutter-Göttin eine hohe Rangordnung. Sie brachte das Leben und auch den Tod!

Ich persönlich finde die Re-Inkarnation der asiatischen Religionen hilfreich und tröstend, wenngleich das auch eine Imagination ist.

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Nico
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Beitrag Do., 04.02.2016, 10:39

decordoba hat geschrieben:
Natürlich besteht ein Unterschied, ob man das Sterben eines alten womöglich sehr kranken Menschen erwartet; oder ob eine Person aus der Mitte des Lebens gerissen wir, oder ob ein Kind stirbt.

Im ersten Fall nimmt man es gefasst, in den anderen beiden Fällen kann man es nicht fassen. Man kann sich kaum damit abfinden und hadert mit dem Schicksal, manchmal macht man sich Selbstvorwürfe, man fühlt sich schuldig und man wird beschuldigt - das kommt auch vor.
.
Warum fragst du eigentlich, wenn du angeblich eh ganz genau weißt wie "man" reagiert ?
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Beitrag Do., 04.02.2016, 10:54

hawi hat geschrieben: Als ich direkt betroffen war?
Ich frag mich grad, ob die Frage, „wie geht ihr damit um“ für mich so überhaupt zu beantworten ist.
....
PS: Ich hab und brauche weder die Göttin Natur, noch anderen religiös spirituelle Glaubensgerüste.
Rituale scheinen mir einerseits durchaus angebracht, hilfreich, soweit sie den Umgang mit Tod „fördern“, vielleicht sogar früher, besser schaffen. Ganz ohne „Vorbild“ ist so was auf jeden Fall schwieriger zu erreichen.
Nachteil aber dabei, dass es als Konvention halt auch (zusätzlich) belasten kann.
hallo hawi,

Ich würde das so sehen: Es gibt mehrere Varianten, damit umzugehen. Aus heutiger Sicht erscheint mir eine Phase mit wochenlanger intensiver Trauerarbeit als gute Option.

Man kann sich auch mit Psycho-Pillen ruhigstellen. Dann kommt der Schmerz später - man kommt daran nicht vorbei!

Noch ein Beispiel: In meiner (Groß)familie ist ein Mädchen im Vorschulalter an Leukämie gestorben. Das Sterben des Kindes war für die Eltern entsetzlich, weil sie trotz aller Mühe nicht helfen konnten.
Als das Kind gestorben ist, hat die Mutter Tag und Nacht geweint, so lange - bis sie nicht mehr weinen konnte! Die Tränen waren versiegt. Bei der Beerdigung war ich dabei, die Mutter hat sich dem Schicksal ergeben, sie zeigte keine Gefühlsregung mehr - Demut vielleicht!

Zu den Religionen:
Ich bin zwar Katholisch (Kirchensteuer zahlend), aber ich bin nicht praktizierend. Ich habe eine große Distanz zu manchen Priestern, würde aber schon meinen, dass wieder andere Pfarrer die Seelsorge im Trauerfall sehr ernst nehmen und versuchen, die Trauerfamilie so gut als möglich zu trösten, zu begleiten. Die Rituale der Katholiken erfüllen genau so den Zweck wie bei anderen Religionen.

Ich habe hier zwar die alten Götter erwähnt, die bei den Germanen und Kelten ähnlich aufgestellt waren. Tatsächlich fühle ich mich aber mehr zu den Schamanen (in irgend einer Form) hingezogen. Allerdings habe ich diese im Trauerfall noch nie erlebt, bei anderen Ritualen schon.

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decordoba
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Beitrag Do., 04.02.2016, 11:02

Nico hat geschrieben:
Warum fragst du eigentlich, wenn du angeblich eh ganz genau weißt wie "man" reagiert ?
Du hast meinen Text falsch interpretiert!

Auch wenn ich selber eine Meinung dazu habe, ist es mir nicht verboten, zu fragen, wie das andere Leute halten.

Ich suche nicht aktuell einen guten Rat - um mich von den Foristen beraten/trösten zu lassen.

Warum? Weil ich derzeit nicht in der Situation bin, Trauerarbeit leisten zu müssen.

Aber mich beschäftigen diese Gedanken an das Sterben, deshalb bringe ich meine Gedanken zu Papier - ich meinte natürlich in meinen PC-Tower. Das erleichtert mich (das Schreiben dieses Textes), zumal es mich selber in einigen Jahren auch betreffen wird.

Gut - wem meine Gedanken nicht gefallen - der muss sie auch nicht lesen. Das ist Jedem freigestellt.

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Nico
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Beitrag Do., 04.02.2016, 11:08

Ich habe deinen Text zitiert und bei soviel " man" gebe ich zu bedenken, dass "man" auch hier liest bzw. antwortet, also erübrigt es sich doch eigentlich, oder ?

Dass mir deine Gedanken nicht gefallen würde ich nicht behaupten, du bringst schon recht interessante Themen, deine Herangehensweise gefällt mir schon etwas weniger, weil du immer sehr ungenau und allgemein bleibst.
Da weiß (man) ich nie so genau auf was du eigentlich hinaus willst, mir liegt die gerade Linie besser.
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decordoba
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Beitrag Do., 04.02.2016, 18:49

Ich bringe noch einmal die Religion ins Spiel, wenngleich hier die Meinung vorherrscht, die sollte man von dieser Fragestellung heraushalten.

Wenn Menschen in der Mitte des Lebens unheilbar erkrankt sind und mit dem Tode in absehbarer Zeit rechnen müssen, wollen sie oft noch nicht sterben, sie haben noch so viel zu tun, sie haben vieles versäumt, sie fühlen sich verpflichtet, für die Familie weiter da zu sein, sie wollen die Angehörigen nicht schutzlos zurücklassen.

Religiöse Leute versuchen durch Beten das Unheil abzuwenden. Sie haben das bei ihren Eltern gesehen, die haben in der Notlage den Rosenkranz gebetet. Das wollen sie nun auch tun, die Kinder werden genötigt, daran teilzunehmen, auch wenn sie das nicht gewohnt sind. Die Kinder sind skeptisch. Dann stirbt der Elternteil doch, daraus wird die Erkenntnis abgeleitet, dass diese Religion absolut nichts wert ist. Ein gutes Argument, zum frühest möglichen Zeitpunkt die Religionsgemeinschaft aufzukündigen.

Natürlich versuchen sie Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, um doch noch eine Heilung zu erzwingen. Da fährt man zum Heilpraktiker bis zu 200 Kilometer weit, weil der Typ so gut sein soll. Dann wird teure Heilpraktiker-Medizin gekauft und eingenommen. Was ändert das? Nicht viel - das bringt die Nebenwirkungen der doppelten Anzahl von Medikamenten/Drogen.

Da kommen allerhand heilkundige Personen aus dem Umfeld der Familie, bringen dies und das Wundermittel (Zauberei). Wenn das so einfach wäre? Eine lebensverlängernde Medizin.

Wenn nun ein Angehöriger nun diesen Versuchen skeptisch gegenüber steht - nur auf die Schulmedizin setzt - wird er als Unhold hingestellt. Eigentlich wird er als Schuldiger/Schuldige ausgemacht, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Stirbt der Patient - hat man dan gleich einen Schuldigen. Der darf dann zu seinem Leid auch gleich die Schuld mit ausbaden.

Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, wenn sich die zurückgebliebenen Angehörigen in die Psychopharmaka flüchten. Sie können es sich nicht leisten, schwach zu werden, sie dürfen sich nicht vom Leid niederwerfen lassen. Sie müssen funktionieren. Irgendjemand muss das Geld für die Familie verdienen, damit nicht alles vor die Hunde geht.

Eine Impression - expressionistisch dargestellt - oder ist es naturalistisch. Das ist eine rhetorische Frage, kann nicht beantwortet werden.

Ich kenne mindestens 2 Fälle die ähnlich nach diesem Schema abgelaufen sind. Wahrscheinlich werden die Foristen weitere solche Fälle in ihrem Umfeld kennen.

Man kann auch nicht die Frage stellen: "Was hätte man/frau tun sollen?" Warum? Ab einem bestimmten Stadium der Krankheit ist jede Maßnahme zwecklos. Da kann der Arzt nur mehr das Leiden und Sterben erträglicher machen.


Widow
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Beitrag Fr., 05.02.2016, 02:46

decordoba hat geschrieben: Ab einem bestimmten Stadium der Krankheit ist jede Maßnahme zwecklos. Da kann der Arzt nur mehr das Leiden und Sterben erträglicher machen.
Du gehst offenbar davon aus, dass es ärztlich feststellbar ist: Das "Stadium" der Krankheit und überhaupt die "Krankheit".

Ja. Das wird ja auch allerorten kolportiert und in den Medien transportiert.

Was mein Mann und ich erlebt haben, sah ganz anders aus.

Schon bei der allerersten Histologie irrten die Pathologen: Sie sahen keine Krebszellen, da wo der Gastroenterologe beim Blick in den Darm eine verdächtige "polypöse Struktur" gesehen hatte, und da, wo ein Jahr später ein sechs Zentimeter großer Tumor von der bösartigsten Sorte war.
Und auch danach, bei der zweiten, der "tödlichen" Diagnose, hieß es: Das können Sie überleben. Und danach, beim Weg zu diesem Überleben, hieß es von einem Arzt: DA IST NICHTS. Vom andern: Da ist was ganz anderes. Und vom fünften: Der Krebs ist aber rechts oben (statt links unten) und mitihin in einem völlig anderen Organ als bislang.

- Das glaubst Du nicht, nicht wahr?
Wenn Du magst: Ich habe sämliche Arztbriefe hier. Aus fünf verschiedenen Krankenhäusern und von insgesamt etwa 15 bis 20 verschiedenen Ärzten, auch mehreren aus zertifizierten Darmkrebszentren und spezialisierten onkologischen Praxen. Kannst gern nachlesen.


Vielleicht begreifst Du, dass ich Deine Frage für naiv halte.
Denn: Nein: So "einfach" ist es manchmal nicht: Manchmal steht keineswegs fest, ob jemand an einer "todbringenden" Krankheit leidet.
Ich persönlich denke, dass diese Unsicherheit sehr viel häufiger Fakt ist, als uns die Medien (und die Ärzteschaft) glauben machen.

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decordoba
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Beitrag Fr., 05.02.2016, 04:19

Widow hat geschrieben:
decordoba hat geschrieben: Ab einem bestimmten Stadium der Krankheit ist jede Maßnahme zwecklos. Da kann der Arzt nur mehr das Leiden und Sterben erträglicher machen.
Du gehst offenbar davon aus, dass es ärztlich feststellbar ist: Das "Stadium" der Krankheit und überhaupt die "Krankheit".
Natürlich ist kein Fall genau wie der andere. Ich kenne wenige Fälle, in denen eine Person scheinbar unheilbar an Krebs erkrankt ist und dann doch nicht gestorben ist, obwohl sie "austherapiert" war. Beispielsweise kenne ich 2 Frauen, bei denen das der Fall war, und sie leben beide heute noch.

Ich habe mich anscheinend unklar ausgedrückt. Ich meinte nicht das Todesurteil der Ärzte, ich meinte vielmehr die faktische Unheilbarkeit und das baldige Ende - vom Schicksal vorherbestimmt.

Anders gesagt: Es stand mit der ersten Diagnose schon fest, dass diese Krankheit unheilbar ist und in kurzer Zeit zum Tode führen wird. Nur sagen das die Ärzte in vielen Fällen den Angehörigen nicht. Sie wollen ihnen die letzte Hoffnung nicht nehmen.

Noch ein Erklärungsversuch: Es wird ein Tumor festgestell, es wird gleichzeitig festgestellt, dass dieser Tumor schon gestreut hat (Metastasen). Da kann ein Onkologe und auch ein Hausarzt schon abschätzen, dass das Schicksal besiegelt ist (mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 %). Wenn der Hausarzt Charakter hat, sagt er den Angehörigen: "Der Patient stirbt".

Gewiss werden die diversen Arten der Chemotherapien (Immuntherapie?) immer besser, und es können scheinbar unheilbare Tumorerkrankungen doch noch geheilt werden.

Jeder von uns kennt viele solche und auch andere Fälle - daher kann ich mir ein Aufzählen von Fallbeispielen sparen.

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hawi
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Beitrag Fr., 05.02.2016, 08:49

decordoba hat geschrieben:Ich bringe noch einmal die Religion ins Spiel, wenngleich hier die Meinung vorherrscht, die sollte man von dieser Fragestellung heraushalten.
decordoba,

das Zitat, aber auch manch andere deiner Formulierungen?
Gar nicht so sehr, dass du arg verallgemeinerst, eher wie du das schreibst? Grad bei einem so persönlichen Thema, für jeden, den es betrifft, also wohl für fast alle, erreichst du so kaum jemanden, meine ich.
Und ob du dann überhaupt das Thema (für dich persönlich) erreichst? Ich zweifle.

Natürlich ergeben sich auch hier Gemeinsamkeiten, könnten sich welche finden.
Ich fand ein wenig davon bereits in Myhres Beitrag.
Zumindest dachte ich selbst an die diversen Sterbefälle, die mich bislang betrafen. Aus heutiger Sicht? Betroffen war ich in dem Moment zwar immer, aber das Maß der Betroffenheit war bereits damals verschieden.
Heute sind die meisten Fälle eher verblasst, schlicht Vorfälle. Welche sind warum heute immer noch „wichtig“?
Zwei sind „einfach“. Schon deshalb wichtig, weil es da um meine Eltern handelt.
Ein dritter Fall passt da aber nicht rein. Geht noch nicht mal um einen mir damals wirklich nahe stehenden Menschen, „nur“ um einen Menschen, der einer Freundin von mir nahe stand. Und der? Der starb durch einen Verkehrsunfall. Lässt sich nun verallgemeinern, dass mich grad diese Todesursache arg beeindruckt? Scheint nicht der Fall zu sein, denn mindestens ein weiterer Fall geschah in meiner Umgebung, und der ist mir mittlerweile eher nicht mehr nah.
Faktoren, die Bedeutung haben können, die zur eigenen Betroffenheit gehören können, ließen sich so sicher finden. Auch Faktoren zu anderen Teilbereichen. Aber für mich gedacht vom speziellen (persönlichen) zum allgemeinen. So herum? Was sich dann findet, wird sicher oft recht banal sein. Aber so herum passt das Banale dann zu mir, meiner Erfahrung, meinem höchstpersönlichen Empfinden.

Du schreibst grad weitgehend anders herum. Sehr allgemein, für mich recht banal klingend. So fern von persönlichem Erleben, Empfinden, dass ich nichts finde, das mir passt.
Kann natürlich an meiner „Religiosität“ liegen? All die Verallgemeinerungen, die Religionen für dies Thema bieten, halt meist nicht meins. Umgekehrt habe ich meist kein Verständigungsproblem mit recht religiösen Menschen zu grad diesem Thema, wenn es eben nicht um allgemeine Glaubenslehren geht sondern um das höchstpersönliche Erleben, Verarbeiten.

Wenn du nun schreibst, hier herrsche die Meinung vor, Religion sei etwas, das nicht hierher passe, gehöre?
Ich hab das hier so bislang nicht raus gelesen!
Allerdings lese ich dich grad so, dass es dir mehr was in Richtung Spiritualität geht, um eine Geisteshaltung gegenüber Tod und Sterben allgemein. Sähe ich dann eher als ein Thema, das zu einem anderen Teil des Forums passt. Könnte auch hierher passen, nur dann etwas anders formuliert, z.B. inwieweit welche Spiritualität „hilfreich“ für Menschen ist, sein kann, die Nahestehende durch Krankheit, Tod verlieren, verloren.

Wäre dies in etwa das Thema, dann würde hier sicher anders geschrieben, Es ginge ja nicht so sehr darum wer woran nach welcher Leidenszeit starb. Es ginge um den (erleichternden?) Glauben der Hinterbliebenen.

LG hawi
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decordoba
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Beitrag Fr., 05.02.2016, 09:52

(dieser Eintrag ist Off Topic)
hawi hat geschrieben:
decordoba hat geschrieben:Ich bringe noch einmal die Religion ins Spiel, wenngleich hier die Meinung vorherrscht, die sollte man von dieser Fragestellung heraushalten.
decordoba,
...................
das Zitat, aber auch manch andere deiner Formulierungen?
Gar nicht so sehr, dass du arg verallgemeinerst, eher wie du das schreibst?
...................
Du schreibst grad weitgehend anders herum. Sehr allgemein, für mich recht banal klingend. So fern von persönlichem Erleben, Empfinden, dass ich nichts finde, das mir passt.
Kann natürlich an meiner „Religiosität“ liegen? All die Verallgemeinerungen, die Religionen für dies Thema bieten, halt meist nicht meins.

LG hawi
Das ist richtig. Das Herangehen an ein Thema - das ist bei mir anders als bei vielen anderen Foristen.

Ich gehe vom Allgemeinen aus und komme später zum Kern meines Aufsatzes.
Manchmal starte ich mit einem Fallbeispiel - Fallbeispiele sind bei mir immer fiktiv (konstruiert), wenn es scheinbar einen Zusammenhang mit tatsächlich stattgefundenen Ereignissen hat, wäre das unbeabsichtigt und rein zufällig

Es ist nicht meine Art, mein Innerstes nach außen zu kehren und hier im Öffentlichen Raum zu präsentieren. Wenn eigene Erlebnisse in die Aufsätze einfließen, ist das diffizil im Text verborgen. Ich suche auch nicht Hilfe, sondern es interessiert mich, wie andere Leute über diese Zusammenhänge denken. Oft finde ich eine Übereinstimmung. Andere Ansichten oder konstruktive Kritik inspirieren mich, sind Stoff für weitere Gedanken und können dazu führen, dass ich einen neuen Aufsatz schreibe.

So habe ich auf einer anderen Plattform eine Muse - die mich mit ihren Aufsätzen inspiriert - umgekehrt habe ich sie auch schon inspiriert - sie hat ein Thema von mir aufgegriffen und selber einen Aufsatz dazu geschrieben.

Das ist es! Ich möchte mich weiter entwickeln, indem ich die Kommunikation mit Foristen/Blog usern als "Humus" für meine Kreativität nutze. Ich suche auch, meine "seelische Gesundheit" über diesen Weg zu verbessern.

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Beitrag Fr., 05.02.2016, 09:56

decordoba hat geschrieben:
Ich suche auch, meine "seelische Gesundheit" über diesen Weg zu verbessern.
Ehrlich ?
Hier im Forum ?
Na dann viel Spaß!
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Beitrag Fr., 05.02.2016, 10:07

@Nico

Also - ich finde das nicht so abwegig - die seelische Gesundheit der eigenen Person zu verbessern.

In einem anderen Strang habe ich geschrieben: Mastermind of himself
Damit meine ich, dass jeder für seine eigene Gesundheit und seelische Gesundheit verantwortlich ist.
In diesem Sinne sollte Jedermann/Jedefrau alle Möglichkeiten nützen, darin voranzuschreiten

Und wenn hier in den vielen Texten ein Rezept dazu verborgen ist, ist es erlaubt, diese Prozedur zu nützen. Das ist auch eine Aufgabe dieses Forums.

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