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Wie lernt man sich selbst emotional abzugrenzen

Alle Themen, die in keines der Partnerschafts-Foren passen, bei denen es aber in weitestem Sinne um Beziehungen, soziale Kontakte usw. geht, Adoption, Pflege usw.
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spirit-cologne
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Re: Wie lernt man sich selbst emotional abzugrenzen

Beitrag Sa., 04.01.2020, 03:12

Da gibt es keine Richtwerte, da hat jeder sein eigenes Tempo.

Was du tun kannst, um den Prozess zu beschleunigen, ist, dir genau diese Mechanismen bewusst zu machen. Die Schuldgefühle also nicht zu verdrängen, sondern auf den Tisch zu legen, anzuschauen und dann loszulassen. Wenn du es dazu noch brauchst, auf deinen Vater sauer zu sein, dann sei es. Irgendwann wirst du merken, dass die Meinung deines Vaters gar keine so große Rolle für dich spielt und dann wirst du auch die Wut wieder loslassen können. Ich denke, es ist wichtig, mal eine Zeit lang sauer auf seine Eltern sein zu können. So lange du dich noch nicht richtig abgrenzen kannst, brauchst du deine Energie für dich, da hast du keine Energie, um auch noch die Samariterin zu spielen und für alles und jeden Verständnis haben zu müssen. Wenn du bei dir angekommen bist und dich Kommentare deines Vaters nicht mehr so verletzen, hast du auch automatisch wieder mehr emotionale Energie und kannst dann auch wieder mehr Mitgefühl für die Schwächen und Begrenzungen der Anderen haben. Da wo die Kränkung beginnt, hört die Empathie auf...
It is better to have tried in vain, than never tried at all...

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Theory
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Beitrag Sa., 04.01.2020, 06:49

Ok. Vielen dank. Das macht Sinn...


Ich hoffe, der Prozess ist vorbei bevor er stirbt. Er ist 70...

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Farideh
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Beitrag Mo., 20.01.2020, 16:28

Hallo Theory, hallo Forum,

ich habe gerade diesen Thread gelesen und finde ihn und die Antworten sehr interessant.

Mir sind sofort ein paar Gedanken beim Lesen Deines ersten Posts hier gekommen.

Du schreibst:
"Mich würde interessieren, wie das funktioniert, mit dem emotionalen Abgrenzen und ob ihr Tipps habt, wo ich mich einlesen und informieren kann - vielleicht hat sogar jemand eine Idee, wie ich das „ÜBEN“ kann.
Es geht hier natürlich noch um etwas ganz anderes als ums Üben. Aber üben finde ich auch gut als ein Teilchen des Prozesses.

Ich selbst finde es sinnvoll etwas zu üben, das einfach ist. Damit würde ich anfangen und später auf weniger einfache Situation übergehen. Das hieße, ich würde in einfachen Situationen das Abgrenzen praktizieren und mir dann danach dazu meine Gedanken machen. Mich damit auseinandersetzen. – Was für mich nicht bedeutet, daß ich dort, wo es aktuell wichtig aber schwierig ist, daß ich da nichts versuchen würde. Aber üben würde ich im Kleinen und mich dann steigern. Ähnlich wie bei Gymnastik, wenn ich jahrelang nichts gemacht habe: vorsichtig anfangen und behutsam steigern.

Du schreibst:
" Andere wiederum saugen mir jegliche Energie aus dem Körper und ich habe kein ausreichend diplomatisches, rhetorisches Repertoire zur Hand, um dieser Person ohne ein schlechtes Gefühl zu sagen, dass ich sie nicht sehen möchte oder ihre Gesellschaft nur in Ausnahmefällen (wenn es mir toptop geht) aushalte
.

Ich denke, daß es weder für uns selbst noch für die andere Person gut ist, wenn ich sie aushalte.

Du schreibst:
" Was heißt denn das konkret - dieses „emotional abgrenzen“?
Was „emotional abgrenzen“ bedeutet, ist hier ja schon geschrieben worden. Ich gehe mit solchen Situation unter anderem auch praktisch um. Wie bei einem Kanalwechsel.

Ich würde die Situation verlassen. Ich würde sagen, daß ich auf die Toilette muß. Schon allein diese Unterbrechung finde ich für mich wertvoll und während der Unterbrechung schaue ich mir die Situation noch mal von außen an. „Auf der einen Seite bin ich, genervt. Auf der anderen Seite ist eine andere Person, die mich ohne Rücksicht auf Verluste mit ihren Problemen übergießt.“

Wenn Du danach das Gespräch noch nicht beenden kannst, solltest Du Dich dafür nicht beschimpfen. Aber vielleicht könntest Du Dir für einige Zeit eine Reizblase zulegen, um die Situation zumindest etwas zu entschärfen. Ich bin mir sicher, daß Dir dann noch andere Sachen einfallen….!

Du schreibst:
" Also, ich verstehe schon, dass Abgrenzen auch bedeutet, die Person nicht mehr zu treffen.
Ich denke, daß Du erst abgegrenzt bist, wenn Du es mit der Person gut aushältst. Wenn Dich deren Probleme nicht mehr von dir wegziehen und Dich aussaugen. - Wenn Du Dich aber im Moment noch nicht von der Person abgrenzen kannst, dann wäre in meinen Augen ein Nicht – Treffen eine Notmaßnahme, mit der Du Dich schützt.

Das sind meine Ideen zum Thema.

Alles Gute
Farideh

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Thread-EröffnerIn
Theory
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Beitrag Mi., 22.01.2020, 07:54

Danke dir, Farideh, für deine Antworten.

Ich denke auch, dass das allerwichtigste wohl erstmal ist, zu üben, auf meine eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu hören. Ich glaube, dass DAS bei mir das Thema ist, wenn ich mir deine Zeilen durchlese.

Ein Beispiel: aktuell ist es so, dass ich erst dann zur Toilette gehe, wenn ich schon gar nicht mehr anders kann, wenn mich gewisse Leute mir ihren Sorgen und Themen überfallen. Die nehmen mich so ein für sich, und es fällt mir so schwer, zu erkennen: hey, eigentlich brauche ich Pause, weil ich mich selbst dann „nicht spüre“. Ich habe also wohl gelernt, meine eigenen Bedürfnisse so zurückzustellen, dass ich eher „krank“ werde oder „Schmerzen aushalte“, bevor ich den Konflikt manage oder sage: es tut mir leid, ich kann dir nicht mehr zuhören, das ist mir jetzt zu anstrengend.

Aktuell ist es so, dass ich es grad sehr bedaure (Selbstmitleid) , dass ich so eine Kindheit hatte und dass ich so lange Zeit in einer „Blase“ gelebt habe, wo ich glaubte, alles sei „toll und normal“ gewesen. Ich arbeite nun schon so lange (gefühlt) an diesen Themen und komme einfach nicht zurück in meine Mitte.

Ich bin zwar bei einer Psychotherapeutin, aber so richtig zu helfen scheint das auch nicht. Ich werde von außen als sehr stabil und erfolgreich wahrgenommen, in mir drinnen sieht es aber ganz anders aus. Das war auch das Feedback meiner PT, sie meinte, man würde das auf den ersten Blick nicht meinen, dass ich so unsicher bin.......

Ich frage mich, wie lange dieser Prozess noch dauert und ob ich jemals „OK damit bin“, gefestigt bin und unabhängig und endlich weiß, was ICH wirklich will. Mein Leben lang habe ich mich nach dem „Außen“ gerichtet und nun....? Ein Großes Fragezeichen liegt vor mir - meine „Karriere und Lebensziele“ stelle ich aktuell komplett in Frage. ICh frage mich, ob es _überhaupt_ irgendetwas gab, das ich aus reiner Unabhängigkeit heraus gemacht habe, denn es scheint, als wären all meine Entscheidungen und Ziele im Leben aus einer Reaktion und in Abhängigkeit der Bestätigung durch mein Umfeld und allen voran meine Eltern gestanden. Ich bin es gewohnt, mein Leben gut zu planen und hatte immer Erfolg damit, aktuell schwimme ich und weiß nicht wo es hingehen soll.......

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Farideh
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Beitrag Mi., 22.01.2020, 19:37

Hallo Theory,

Du schreibst:
" Ich bin zwar bei einer Psychotherapeutin, aber so richtig zu helfen scheint das auch nicht. Ich werde von außen als sehr stabil und erfolgreich wahrgenommen, in mir drinnen sieht es aber ganz anders aus. Das war auch das Feedback meiner PT, sie meinte, man würde das auf den ersten Blick nicht meinen, dass ich so unsicher bin.......
Wahrscheinlich hast Du Dich nicht an sie gewandt, damit sie Dir hilft Deiner Umgebung vorzuspielen, daß Du sicher seiest? – Entschuldige, vielleicht interpretiere ich Deinen Satz auch falsch, aber es geht doch ums Innere.

Ich habe vor fünf Jahren ein Seminar gemacht, bei dem es um emotionales Essen geht. Ich habe mich 4 ½ Jahre recht intensiv mit dem Thema befaßt, habe noch ein Aufbauseminar gemacht, Webinare und hatte intensive Buddyschaften. Und einiges mehr.

Es ging bei diesem Seminar nicht darum, einen Zuckerguß auf unser Problem zu gießen oder Strategien zu entwickeln unsere Eßsucht vor unserer Umgebung geheim zu halten.

Es ging darum – behutsam und respektvoll – uns immer besser kennenzulernen. Es ging nicht darum unsere sogenannten negativen Seiten zu verurteilen. Um Verurteilen ging es sowieso nie. Es ging immer darum, daß wir gute Gründe für unser Verhalten hätten. Es ging nie darum uns einen Mangel an Disziplin einzureden. Oder uns Affirmationen anzubieten, um uns zu optimieren. Es ging darum dorthin zu kommen uns besser zu verstehen, die Gründe für unsere Eßsucht kennenzulernen, uns zu akzeptieren und zu lieben.

Das bedeutet jetzt nicht, daß ich da schon am Ziel angekommen bin und es geht mir inzwischen auch nicht mehr um das frühere Ziel. Ich habe eine ganze Menge gelernt und möchte noch mehr lernen. Und das, was ich dort gelernt habe, kann ich auch auf ganz andere Themen in meinem Alltag anwenden.

Und ich habe noch einiges an „Baustellen“. Da bin ich dabei sie zu bearbeiten.

Ich weiß nicht, ob Dir das, was ich geschrieben habe, weiterhilft. Ich finde, daß Therapie dazu da ist uns beim Lösen von Belastungen zu unterstützen. Und daß sie unser Wachstum fördern sollte. Daß sie uns behilflich sein sollte, daß wir in unsere Mitte finden.

Und daß Du unabhängig sein möchtest, wissen willst, was Du möchtest, daß finde ich genau richtig.

Alles Gute
Farideh