Abwertende Zwangsgedanken gegenüber meiner Mutter

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Re: Abwertende Zwangsgedanken gegenüber meiner Mutter

Beitrag Mo., 23.11.2020, 18:49

Beispielsweise können Zwänge die Funktion haben, starke Selbstzweifel zu kompensieren, oder sie dienen der Beziehungsregulation zu nahen Bezugspersonen.

Dass habe ich gerade auch noch gefunden. Zum Thema Zwangsgedanken

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Zoé
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Beitrag Mo., 23.11.2020, 23:19

Hallo Hilfesuchende1
Nun ja, du scheinst deine Mutter ja ziemlich zu idealisieren und derzeit auch abhängig von ihr zu sein. Das heisst, würdest du derartige Dinge tatsächlich sagen (was jedoch Zwangsneurotiker mit Zwangsgedanken eher nicht tun, also ins Handeln kommen) würdest, würdest du die idealisierte Beziehung und auch die uU existentielle Abhängigkeit gefährden- dann hättest du wirklich ein Problem...Vielleicht nervt dich auch der Gedanke, dass du derzeit von ihr (uU existentiell) abhängig bist und machst dir so Luft für dich. Indem du dich abgrenzt mit diesen Zwangsgedanken...

Nur: Wie alt bist du denn? Bist du tatsächlich schon 31? Wenn ich ehrlich sein darf, da dachte ich, da schreibt ein Teenie, die sich noch nicht von der Mutter lösen konnte. Um sich abzulösen, *muss* man auch "böse" Gedanken haben, im Sinne von Dinge machen, die der Mutter nicht gefallen oder in Streit geraten über Dinge. Nur sind das nicht "böse" Gedanken sondern ganz normale Ablösungsprobleme.
Nach Hermann Hesse: " Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören:"
Und zwar die Welt der Eltern, die Ansichten der Eltern, die Werte, sie können tatsächlich kongruent sein, doch in der Ablösung muss man manchmal die Erfahrung machen, dass man auch Unstimmigkeiten hat- und man bestenefalls trotzdem geliebt wird und sich vor allem aber so ablösen kann und eine neue, eigene Welt/Leben erschaffen.

Nun habe ich viel über Ablösung geschrieben, kann es sein, dass dies noch ein Thema von dir ist? Wohnst du noch bei deiner Mutter oder wieder bei ihr?

Liebe Grüsse, Zoe
Was ist das Siegel der erreichten Freiheit? — Sich nicht mehr vor sich selber schämen.

F. Nietzsche

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Beitrag Di., 24.11.2020, 08:20

Hallo Zoe
danke für deine Antwort. Ich wohne seit einem Jahr wieder bei meinen Eltern Zuhause. Es ist intressant was du beschreibst, ich bin schon abhängig von meiner Mutter nicht nur weil ich dort wohne sondern weil es mir psychisch nicht gut geht und sie immer für mich da ist. Also existenzielle Abhängigkeit ist bestimmt da.
Ich habe Angst meiner Mutter gegenüber böse Gedanken oder Gefühle zu haben weil ich mich davor fürchte dass diese dann bleiben und nicht mehr weggehen.
Wir streiten auch nie miteinander.
Ich habe auch nicht die von dir angesprochene Objektkonstanz erlernt. Also dass man "böse" sein darf , ich durfte als kleines Kind nicht böse sein dass hatte immer negative Konsequenzen da mein Vater dann Tage lang nicht mit uns gesprochen hat.
Vielleicht ist die Ablösung wirklich ein Thema von mir.

kannst du mir noch mehr dazu sagen?

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Zoé
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Beitrag Do., 26.11.2020, 22:50

Liebe Hilfesuchende1

Danke für deine Offenheit. Na, dann kommen wir ja langsam dem Problem näher. Du schriebst, du hättest nicht die "Objektkonstanz", also dass jemand bleibt, wenn du dich nicht so verhälst, wie die Person es gerne hätte oder du böse Gedanken aussprichst- mit der Konsequenz, dass dich dann die Person tatsächlich verlässt. Was mir auffällt, das hat ja "nur" dein Vater gemacht, deine Mutter hat dies ja nie so getan.

Und was ich mich auch noch frage, wie sehen denn genau die "bösen Gedanken" aus? Also im Sinne, dass sie dich nervt in gewissen Dingen, dass du denkst, sie sieht schlecht aus oder wie genau sehen die aus?

Ich denke, das hat viel damit zu tun, dass du von ihr emotional und existentiell abhängig bist, da meinst du, dir nicht alles erlauben zu dürfen. Deswegen würde ich versuchen, zu schauen, wie du aus deiner existentiellen Abhängigkeit herauskommst. Wenn du da nämlich rauskommst, bist du auch emotional nicht mehr so verhaftet und "böse" Gedanken haben nicht dieselbe verherrende Wirkung (also jetzt nur theoretisch in deinem Kopf, du sprichst sie ja nicht aus).
Was könnte dir helfen, dass du dich von deiner Mutter existentiell lösen könntest? Heisst das, dass du auch finanziell abhängig bist? Wieso gehst du da nicht zu einem Amt, und lässt dir so den Lebensunterhalt bezahlen, bis du wieder arbeiten kannst. Darf ich fragen, bist du derzeit arbeitsunfähig oder ungewollt arbeitslos?

Ich glaube, wenn du aus diesen Abhängigkeiten herauskommst, wird es auch mit den Zwangsgedanken besser.
Nur wie- das ist die Frage und da fehlen mir tatsächlich mehr Infos. Wenn du magst, höre ich dir gerne zu und weshalb du existentiell von deiner Mutter abhängig (geworden bist).

Ganz liebe Grüsse, Zoe
Was ist das Siegel der erreichten Freiheit? — Sich nicht mehr vor sich selber schämen.

F. Nietzsche

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Beitrag Fr., 27.11.2020, 09:19

Danke fürs Zuhören es wäre toll wenn du deine Gedanken mit mir teilen würdest.

Also in der Therapie haben wir besprochen, dass ich keine Objektkonstanz habe und quasi mir bei meine nahestehendsten Personen also dass sind immer meine Mutter und mein Partner wenn ich einen habe, mir keine negativen Gedanken erlaube. Ich habe dann Angst dass meine Gefühle für diese Person verschwinden. Ich gebe meinen Gedanken zu viel Gewicht weiß aber nicht wie ich das ändern kann. Ich empfinde meine Gefühle und Gedanken als willkürlich und nicht steuerbar.

Die Gedanken sind in etwa so: Du bist Blöd... du siehst nicht gut aus... es interessiert mich nicht was du zu sagen hast.. du nervst... Das ist lauter Blödsinn.. , es sind eher so beleidigende sachen.
Alles was in Richtung abwertend geht. Es liest sich jetzt vl nicht so schlimm aber es belastet mich doch sehr.

Also ich bin nicht existenziell abhängig, ich gehe arbeiten und verdiene Geld, wohne aber noch Zuhause. Ich ziehe im Mai nächsten Jahres aus.
Ich bin emotional von meiner Mutter abhängig da ich heuer eine schlimme Lebenskrise hatte und sie von anfang an für mich da war und mich nicht aufgegeben hat wenn ich es tat. Sie hört mir immer zu und ich kanne alle belastenden Gedanken ihr gegenüber äußern.

Meine beste Freundin meint auch dass die Gedanken besser werden wenn ich erstmal ausgezogen bin aber das dauert ja doch noch 6Monate und gleichzeitig fürchte ich mich , dass sich die Gedanken bis dahin schon verfestigt haben.
Es wäre schön deine Gedanken dazu zu hören.