Moralische Verpflichtung Erpressung

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gustavo
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Moralische Verpflichtung Erpressung

Beitrag Mi., 09.09.2020, 11:04

Hallo zusammen!

Weiss gerade nicht ob es hier konkret um die Schilderung von Geschehnissen geht oder ob man sich hier auch vorstellt. Man möge es mir verzeihen bzw. hole ich das bei Bedarf nach.

Meine Geschichte wäre sehr, sehr lange und beinahe habe ich mich an vieles gewohnt das für mich normal erscheint, jedoch im Aussen oftmals als fragwürdig erschien wenn ich über meine familiäre Situation gesprochen habe. Mit zunehmenden Alter spricht man darüber auch weniger, da man damit (zumindest meine persönliche Vorstellung) eigentlich schon ein wenig aufgeräumt haben sollte. Ich tue es zunehmend weniger, obwohl die Konstellation in der ich nach wie vor stecke oder immer wieder reingesteckt werde sich nicht wirklich geändert hat.

Konkreter Auslöser war ein wiederholter Krach mit meiner Mutter (71) wo es um die Erbschaft ging. Meine Mutter hat meiner Meinung nach einige narzisstische und Borderlineanteile, ohne dass diese jemals diagnostiziert wurden. Dies zeigt sich immer wieder darin, dass sie versucht auf perfide, selbstgerechte und teilweise wirklich niederträchtige Weise mich immer wieder an sie zu binden und Einfluss auf mich zu haben. Selbst ist ihr da jedes Mittel recht, völlig ohne eigener Schmerzgrenze.
Ich habe es nun für mich geschafft, mich ein wenig aus dieser katastrophalen emotionalen Abhängigkeit zu lösen mit dem Ergebnis, dass sie wieder subtil droht. Je mehr Kontakt ich mit ihr wieder hatte nach Weihnachten, je mehr "vergessen wir doch endlich die Vergangenheits-" Beschwichtigungen kamen die ich versuchte einzuhalten, umso mehr wurde ich von ihr wieder attackiert ohne jeglicher Eigenmeinung, die das ganze nur zur völligen Eskalation gebracht hätte. So bin ich gegangen.
Es folgte - tun als ob nichts gewesen wäre. Meine Bitte, ich mag nicht mehr streiten wird bagatellisiert, abgewertet ins lächerliche gezogen.
Wie kann ich mich davon lösen, mich damit umgehen damit ich davon endlich Ruhe habe. Ich glaube nicht dass es das überhaupt gibt, aber jeder Austausch mit ihr löst bei mir einen regelrechten Vergangenheitsschub aus. Habe ihr auch relativ klar gesagt, dass ich nicht mehr daran glaube, dass wir diesen ganzen Berg alleine aufarbeiten können, denn auch wenn sie das Vergessen einfordert, betrifft das lediglich mich. Sie schiesst dann erst recht aus allen Rohren.
Ich möchte den Konflikt lösen und will eigentlich bei mir bleiben bei der ganzen Sache, besser mit mir umgehen wo ich relativ hart an mir arbeite.

Ich danke fürs Lesen.

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Sadako
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Beitrag Mi., 09.09.2020, 12:11

Für eine solche Dynamik braucht es immer zwei, eine Person, die macht und eine, die mit sich machen lässt.
gustavo hat geschrieben:
Mi., 09.09.2020, 11:04

Meine Bitte, ich mag nicht mehr streiten
Ein Ansatz wäre ,nicht zu bitten, sondern Sich anlaßlose Aggressionen zu verbitten.
Setze klare Grenzen und ziehe Konsequenzen, wenn diese Grenzen nicht geachtet werden.

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gustavo
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Beitrag Mi., 09.09.2020, 15:18

Hi Sadako,
sofern man hier von einer Art Schuldlogik sprechen kann damit die Dynamik funktioniert ist mir durchaus bewusst. Dennoch finde ich, dass sie im familiären Kontext nocheinmal eine andere Dimension hat.
Ich habe ihr dies zu unterlassen durchaus schon oft gesagt, und sie weiss im Grunde auch wie das immer wieder endete - kann davon aber wohl nicht ablassen und Provokation ist für sie eine Art Zufuhr. Das war bei ihren beiden Ehen und den Verhältnissen zu anderen Männern immer so gewesen.
Und gerade hier liegt ja auch der Kern des Problems begraben. Sie war lange Zeit also früher, die mehr oder weniger einzige Bezugsperson die ich hatte als Kind und missbrauchte diese Stellung sehr oft bis hin zu Mißhandlungen, Intrigen und Gewalt.

Ich empfinde ihre Versuche als erwachsener Mensch nach annährenden versöhnlichen Versuchen dann immer wieder schnell sehr respektlos, anmaßend und manipulierend. Dem vorangekündigten Kontaktabbruch als letzte Konsequenz begegnet sie mit Ignoranz und tut dann wieder so, als ob nix gewesen wäre. Klagt gar darüber, dass man keine "normale" Familie sei.

Bin innerlich ein wenig zerrissen zu diesem Thema, hauptsächlich dann, wenn sie mich nicht in Ruhe lässt. Ohne Kontakt zu ihr bemerkte ich, dass es mir gut geht und ich mich ein wenig vollständiger fühle. Naja, vielleicht sollte ich mal mit jemanden direkt über die Problematik reden und hier lesen.

Dennoch, Danke

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Sadako
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Beitrag Mi., 09.09.2020, 15:34

Ich denke auch, dass du davon profitieren würdest, das Mit einem Profi anzugucken.
Auf mich wirkt es, als wenn du schon vorab signalisierst, dass du letztlich immer wieder zurück kommst in den Kontakt und dementsprechend verhält deine Mutter sich.
Überleg mal, wie es wirkt, wenn man einen Kontaktabzug vorab ankündigt ( und dann schlussendlich nicht durchzieht) ...
Du wirst nur ernst genommen, wenn du dich ernst nimmst.
Dazu müsstest du allerdings erstmal herausfinden, was du in der Beziehung zu deiner Mutter noch suchst oder brauchst und was duwirklich tun möchtest.

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gustavo
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Beitrag Mi., 09.09.2020, 16:21

Gute Anstösse Sadako, gerade auch weil mir Deine Fragen gerade jetzt nach dem letzten Kontakt wieder einige Dinge hervorholen, die mich bekräftigen bis hin zu teilweise wütend machen ergo mir meinen Entschluss erleichtern und meinen Umgang dadurch erleichtern.
Ich von meiner Seite her halte mich daran, no contact. Wiederholte lediglich das was ich per Telefon vor Monaten schon äusserte - ich an kein stabileres Verhältnis mehr glaube, Ruhe und Frieden haben möchte. Suchen tu ich gar nichts mehr in bezug auf sie, gar frage ich mich warum ich den Abbruch nicht schon vor Jahren durchgezogen habe.
Der Anlass der letzten Annäherung war auch wie gesagt, dass es um eine Erbschaft geht und sogar das ist mir mittlerweile völlig gleichgültig geworden. Beinahe bekomme ich Gedanken die in die Richtung gehen und das wäre auch nicht das erste Mal, dass sie bewusst provoziert um wieder ihre Selbstgerechtigkeit ausleben zu können.
Was ich möchte ist im Grunde wohl eine Art Gerechtigkeit, die ich ohnehin nicht bekommen werde und mich teilweise sehr deprimiert.

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Fairness
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Beitrag Mi., 09.09.2020, 18:07

gustavo hat geschrieben:
Mi., 09.09.2020, 16:21
Was ich möchte ist im Grunde wohl eine Art Gerechtigkeit, die ich ohnehin nicht bekommen werde und mich teilweise sehr deprimiert.
Lieber gustavo,

das liest sich sehr traurig, was du schreibst. :-( Und, ich finde, dass man auch als Erwachsener über die frühen Themen ins Gespräch gehen kann... ich denke, das ist "urban legend", dass man mit Themen aufgeräumt haben sollte. Man schämt sich dann und hält sich zurück, und das erschwert es, die Situation zu lösen... andere Sichtweisen und Erfahrungen zu hören. Es gibt keinen perfekten, fertigen Menschen und wir Menschen lernen von und mit einander ganzes Leben lang...

Ich lese in deinem Satz so eine Art selbsterfüllender Prophezeiiung, Fatalismus und er breitet sich scheinbar über die Beziehung mit deiner Mutter hinaus. Das macht traurig und ich gehe das ein, weil ich solchen Fatalismus von mir auch ein wenig kannte... Manchmal bekommt man das, was man braucht, von seinem Umfeld, übersieht es aber, wegen des Glaubens, dass es sowieso ausbleiben wird. Man schaut kaum so richtig hin, weil der Fokus irgendwo anders liegt...

Ich möchte dir Mut machen, dein Leid offen mit jemandem einzugehen, dass es auch anders werden kann.

Viele Grüße.
"Man sieht, was man am besten aus sich sehen kann." (C.G.Jung)

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Beitrag Mi., 09.09.2020, 22:20

Danke für Deine lieben Worte Fairness. Ich denke, ich werde das wirklich mal angehn und bin gar gespannt, ob da was rauskommt - hoffe kein zu harter Hammer.

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Fairness
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Beitrag Do., 10.09.2020, 08:49

gustavo hat geschrieben:
Mi., 09.09.2020, 22:20
und bin gar gespannt, ob da was rauskommt - hoffe kein zu harter Hammer.
Solchen Gedanken hatte ich vor meiner ersten Therapie auch. Das ist ein normales Bedürfnis, was du wünschst... doch die Art des Wünschens, ist das, was es für dich schmerzhaft macht, habe ich den Eindruck... Solchen starken Wunsch kennen viele Menschen an einer oder anderen Stelle, und setzen sich damit mit Hilfe auseinander. Und du formulierst die Situation und vor allem dein Bedürfnis so klar, dass das gut besprechbar werden sollte, wenn du dich damit öffnest. Was, jetzt in meiner Vorstellung, den 'harten Hammer' fast ausschließt und eher etwas relativ gut Lösbares andeutet.

Liebe Grüße.
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gustavo
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Beitrag Fr., 11.09.2020, 15:11

Ich halte mich selbst für durchaus "normal" wenn man das so bezeichnen kann. Ein Mensch mit Stärken und Schwächen, welche mir selbst jedoch am allermeisten schaden. Auch, dass mir meine Selbstschädigung im familiären Bezug völlig gleichgültig wurde, eben aus dem Gefühl heraus dass viel Geschehenes überspielt oder verdrängt wird. Nur dann Teil eines Familienrestes wäre, wenn ich das doch endlich vergesse. Auch dann, wenn ich die Vergangenheit nicht mal thematisiere, wird das geortet und mirvorgeworfen. Grotesk ist auch, selbst wenn ich das tue vermute ich hinter Annäherungen wieder Manipulationsversuche, Schuldgefühle die mich dann beinahe wütend machen, die ich dann wieder ewig durchkaue und ich mich über mich selbst ärgere.
Ich hab das selbst lange verdrängt, nur holt es mich wohl immer wieder ein. Der Spruch "die Seele lässt sich nicht betrügen" fällt mir dazu immer wieder ein und ich weiss auch, dass ich da schon viel über mich nachgedacht und an mir gearbeitet habe. Empfindlich werde ich, wenn ich dennoch Sprüche höre wie - "ich weiss genau noch wie du als Kind warst, also erzähl mir nichts", wenn ich versuche Brücken zu bauen oder auf Verständnis zu hoffen. Momentan empfinde ich einfach eine friedsame Trauer und habe mir einen Termin ausgemacht. Danke Fairness