Die Fragen l(i)eben...
Verfasst: So., 08.11.2009, 12:09
Hallo liebe Forengemeinde!
In letzter Zeit "stolpere" ich immer wieder über Gedichte (womit ich mich sonst eigentlich kaum beschäftigt habe), aus denen sich mehr und mehr Lebensweisheiten herauslesen lassen, was mich einerseits begeistert (Wow!...Sowas wurde damals schon erkannt (okay, das Leben zu verstehen, versuchte man auch schon in der Antike und auch da gab es viele Weisheiten) und andererseits auch sehr beruhigt, weil sich darin vieles wiederspiegelt, was ich in meinem eigenen Leben selber bzw. was ich auf meinem eigenen Weg in Gespräche mit anderen, schon erkannt oder erfahren habe.
Nun hänge ich seit einiger Zeit immer mal wieder an dem "Geduld-Gedicht" von Rainer Maria Rilke...und frage mich, wie das geht, a.) die Fragen zu leben und b.) dadurch vielleicht eines Tages ganz unbemerkt in die Antworten hinein zu leben.
Ich habe da so meine eigenen Gedanken und Ideen zu, dachte mir aber, da ich immer wieder an dieses Gedicht denken muss, dass ich hier vielleicht noch ein paar neue (oder bekannte) Gedankenanregungen dazu bekommen kann,...und ich finde, dass dieses Gedicht eigentlich sehr gut in dieses Forum passt: Geduld mit sich zu haben, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, den "Positiven", den "Negativen", den Fragen,... .
Vielleicht mag der oder die eine etwas dazu schreiben?
Hier erstmal das Gedicht und die Textstellen, um die es mir am meisten geht:
Über die Geduld
(von Rainer Maria Rilke)
Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären...
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit...
Man muss Geduld haben
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.
...und als kleiner Nachtrag: Gibt es eigentlich außer den Briefen von Rilke an den jungen Dichter auch die Veröffentlichung der Briefe des jungen Dichters an Rilke?
...und kann mir vielleicht jemand Gedichtbände von Rainer Maria Rilke und Mascha Kaléko empfehlen?
Wäre sehr nett!
Liebe Grüße und Danke schonmal, ENA!
In letzter Zeit "stolpere" ich immer wieder über Gedichte (womit ich mich sonst eigentlich kaum beschäftigt habe), aus denen sich mehr und mehr Lebensweisheiten herauslesen lassen, was mich einerseits begeistert (Wow!...Sowas wurde damals schon erkannt (okay, das Leben zu verstehen, versuchte man auch schon in der Antike und auch da gab es viele Weisheiten) und andererseits auch sehr beruhigt, weil sich darin vieles wiederspiegelt, was ich in meinem eigenen Leben selber bzw. was ich auf meinem eigenen Weg in Gespräche mit anderen, schon erkannt oder erfahren habe.
Nun hänge ich seit einiger Zeit immer mal wieder an dem "Geduld-Gedicht" von Rainer Maria Rilke...und frage mich, wie das geht, a.) die Fragen zu leben und b.) dadurch vielleicht eines Tages ganz unbemerkt in die Antworten hinein zu leben.
Ich habe da so meine eigenen Gedanken und Ideen zu, dachte mir aber, da ich immer wieder an dieses Gedicht denken muss, dass ich hier vielleicht noch ein paar neue (oder bekannte) Gedankenanregungen dazu bekommen kann,...und ich finde, dass dieses Gedicht eigentlich sehr gut in dieses Forum passt: Geduld mit sich zu haben, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, den "Positiven", den "Negativen", den Fragen,... .
Vielleicht mag der oder die eine etwas dazu schreiben?
Hier erstmal das Gedicht und die Textstellen, um die es mir am meisten geht:
Über die Geduld
(von Rainer Maria Rilke)
Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären...
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit...
Man muss Geduld haben
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.
...und als kleiner Nachtrag: Gibt es eigentlich außer den Briefen von Rilke an den jungen Dichter auch die Veröffentlichung der Briefe des jungen Dichters an Rilke?
...und kann mir vielleicht jemand Gedichtbände von Rainer Maria Rilke und Mascha Kaléko empfehlen?
Wäre sehr nett!
Liebe Grüße und Danke schonmal, ENA!