Freundin bei der selben Therapeutin wie ich?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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stern
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Re: Freundin bei der selben Therapeutin wie ich?

Beitrag So., 10.11.2019, 21:21

:lol: :lol: Beachtliche berufliche Pflichten (Stichworte: Professionalität und Berufsordnung) gibt es zur gleichzeitigen Behandlung von Verwandten bzw. anderen Personen, die eng verbandelt sind. Nicht aber dazu, welches Wissen beeinflussen oder genutzt werden darf.

Wenn ein Patient meinetwegen prominent ist, wird ein Therapeut u.U. auch (ohne gezielte Recherchen) manches aufgeschnappt haben. Als unprofessionell gilt m.W. wenn ein Therapeut einen Patienten gezielt ausschnüffeln würde (z.B. Facebook oder Ausquetschen Dritter). Aber wenn ein Therapeut (entgegen aller ethischer Maßgaben) ein Ehepaar jeweils in Einzeltherapie nimmt, kann er sich noch nicht einmal dagegen wehren, Informationen von einem Partner über den anderen zu erhalten. Unprofessionell wäre eine Verletzung der Schweigepflicht... aber nicht das Erlangen eines gewissen Kenntnisstands und ein Ein-fluss an sich.
Zuletzt geändert von stern am So., 10.11.2019, 21:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Anna-Luisa
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Beitrag So., 10.11.2019, 21:24

No Twist hat geschrieben:
So., 10.11.2019, 21:15
Es geht nicht nur ums Wissen... es geht darum, was das gefühlsmäßig mit dem Therapeuten macht. Vielleicht spürt er eine verdammte Wut auf A, und noch mehr Wut, weil er B kennt und weiß, wie B leidet... Kein Mensch steht über allen Dingen- auch Therapeuten nicht und das spüren die Patienten auch. Und der Therapeut. Damit ist aber letztlich niemandem in so einer Situation gedient.
Und vielleicht verspürt er noch mehr Wut auf A, weil er (von A) weiß, wie sehr B leidet, und diese vermutlich keine Hilfe bekommt.

Ich glaube, dass bei dieser beispielhaften Erzählung generell nicht mit warmen Gefühlen vom Therapeuten zu rechnen ist.
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candle.
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Beitrag So., 10.11.2019, 21:27

Anna-Luisa hat geschrieben:
So., 10.11.2019, 21:24
Ich glaube, dass bei dieser beispielhaften Erzählung generell nicht mit warmen Gefühlen vom Therapeuten zu rechnen ist.
Was auch immer "warme Gefühle" sein sollen?!

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No Twist
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Beitrag So., 10.11.2019, 21:28

Doch, kann sein, wenn B selbst leidet. Aber kennt er A wird ihm das total egal sein, wenn A durch B Schaden genommen hat. Mir gehts darum, dass solche Konstellationen generell übel sind, weil kein Therapeut so ein Übergott ist, dass er frei von Emotionen ist und die Patienten sowas auch spüren werden. Aber egal.

Stern, kurze Frage: Dürfen Therapeuten googeln? Patienten? ERnsthafte Frage. Ich war mehr als pikiert, als mir jemand in der zweiten probatorischen Sitzung gesagt hat, er hat mal gegooglet... Unangenehm. Ich darf das, aber die doch nicht!

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Anna-Luisa
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Beitrag So., 10.11.2019, 21:34

No Twist hat geschrieben:
So., 10.11.2019, 21:28
Aber kennt er A wird ihm das total egal sein, wenn A durch B Schaden genommen hat.
Das glaube ich nicht.
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candle.
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Beitrag So., 10.11.2019, 21:39

Naja, da sind dann eben doch Ängste da, nämlich, dass der Therapeut einen nicht mehr mag, wenn rauskommt was seine eine Klientin einer anderen angetan hat.

Aber das wird auch nicht unbedingt das Problem sein. Wenn beide in Therapie sind, leiden beide an was.

Letztlich wird dann eine Entscheidung fallen müssen und glaube nicht, dass das mit warmen Gefühlen zu tun hat, sondern im Zweifel wer die erste Klientin war.

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No Twist
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Beitrag So., 10.11.2019, 21:41

Und was ist wenn ich genau das glaube? Glauben hilft halt nichts- auch nicht bei fiktiven Beispielen. Aber ich hoffe, zumindest verdeutlicht zu haben, dass Professionalität vorallem auch beinhaltet, dass Therapeuten sich ihrer Grenzen bewusst zu sein haben und deshalb manches nicht möglich ist. Es kann ja auch nicht jeder jedes Störungsbild behandeln.

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Anna-Luisa
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Beitrag So., 10.11.2019, 21:45

No Twist hat geschrieben:
So., 10.11.2019, 21:41
Und was ist wenn ich genau das glaube?
Nichts.
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kaputt
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Beitrag So., 10.11.2019, 21:46

Für mich wäre da auch immer der Konkurrenzkampf, wen er nun lieber hat und wem er glaubt wenn ich etwas über eine Freundin erzähle, die dann ehuentuell ein Ereignis aus ihrer Sicht erzählt.
Auch kann man sicher trotz Schweigepflicht aus seinen Reaktionen etwas ablesen

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Anna-Luisa
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Beitrag So., 10.11.2019, 21:49

kaputt hat geschrieben:
So., 10.11.2019, 21:46
Auch kann man sicher trotz Schweigepflicht aus seinen Reaktionen etwas ablesen
Ich denke, dass in die Reaktion eher etwas hineingedichtet als abgelesen wird.
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Beitrag So., 10.11.2019, 21:52

Ich habe immer so den Eindruck, dass es für Anna-Luisa um eine schwerwiegende Tat geht. Würde man sich da dann überhaupt bei dem gleichen Therapeuten treffen können? Wenn das eine Straftat war, dann wohl eher nicht, oder?

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stern
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Beitrag So., 10.11.2019, 22:01

No Twist hat geschrieben:
So., 10.11.2019, 21:28

Stern, kurze Frage: Dürfen Therapeuten googeln? Patienten? ERnsthafte Frage. Ich war mehr als pikiert, als mir jemand in der zweiten probatorischen Sitzung gesagt hat, er hat mal gegooglet... Unangenehm. Ich darf das, aber die doch nicht!
Das ist schon länger her, aber ich meine, es wird tatsächlich als unethisch und unprofessionell angesehen, wenn ein Therapeut seine Patienten gezielt ausschnüffeln würde (zB Facebook, Google, Foren, wenn ein Patient darüber berichtete).

Auf die Schnelle:
Wieso nicht? Die Daten sind ja für jeden frei zugänglich, könnte man meinen. "Wenn Psychotherapeuten ihre Patienten im Internet suchen, kollidiert das allerdings mit ihrer Berufsordnung", sagt Eichenberg. Die sehe vor, dass die Therapeuten nur im Rahmen des Patientenauftrags Daten sammeln, speichern und nutzen dürfen, und auch, dass sie den Patienten über alle Behandlungsabläufe informieren müssen. "Ohne Zustimmung des Patienten überschreiten Therapeuten folglich eine Grenze, wenn sie durch seine Onlineprofile surfen", betont die Wiener Psychologin.
https://www.spektrum.de/news/ich-hab-si ... lt/1410612

Was anderes wäre es uU, wenn Kontaktdaten gesucht werden (wer nutzt heutzutage noch das klassische Telefonbuch).

Aber zugegebenermaßen bin ich auch erschrocken, dass das trotzdem ausgiebig getan wird - auch wenn man bei mir eher schwer fündig werden dürfte: https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft ... 34593.html
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Beitrag So., 10.11.2019, 22:24

Danke, ich war damals auch sehr irritiert. Der hats mir aber in der zweiten probatorischen Sitzung gesagt und ich verstehe es auch im Kontext. Aber angenehm war es damals nicht und ich kann nachvollziehen, dass das als unethisch bewertet wird- wobei das scheinbar oft gemacht wird. Aber gut, dafür ist google halt da und vermutlich checken die gerne einfach gegen anfangs. So wie der Patient vorher mal guckt, ggf. auch später, wer der Therapeut/ die Therapeutin ist. Muss man wohl mit leben- für irgendeine spätere Therapie (sofern ich noch eine mache) hoffe ich aber, dass ich davon nichts mitbekomme- es war schräg. "ich hab mal gegooglet- mich, frühere Therapeuten... " Sehr schräg.

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kaputt
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Beitrag Mo., 11.11.2019, 08:00

Das finde ich jetzt nicht so bedenklich. Der Thera erfährt ja sowieso eine ganze Menge über den Patienten. Ich muss zugeben, ich guck auch immer was ich über meine Therapeuten im Netz finde

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Beitrag Mo., 11.11.2019, 09:12

Finden manche Therapeuten aber auch grenzüberschreitend (also wenn Patienten auf die Suche gehen), insbes. wenn es nicht nur um den geschäftlichen Auftritt bzw. entsprechende Kontaktdaten geht, sondern systematisch (und teils mit erheblichem Aufwand) nach privaten Infos gesucht wird. Hier gilt das gleiche: Auch so kann man sich Verstrickungen heranzüchten, wenn man best. Infos (die so gar nicht für den Patienten gedacht waren) erstmal erhalten hat.

..........

Therapie baut auf einem Vertrauensverhältnis auf... und doch, es soll Therapien geben, die schon von Therapeuten beendet wurden, weil an der Glaubwürdigkeit Zweifel aufgekommen sind bzw. der Therapeut vera*scht (belogen wurde). Stichwort ist hier: Vertrauensverhältnis... und so gehe ich schon davon aus, dass beendet werden könnte, wenn anderweitig (meinetwegen auch aus der Tagespresse sowie über sonstige Dritte) irgendwelche Taten in Erfahrung gebracht werden oder allgemein der Eindruck entsteht, ein Patient bindet dem Therapeuten Bären auf. Vertrauen ist vorhanden oder eben nicht... ist eine softe Dimension, hat auch mit Gefühl zu tun und lässt sich nicht in ein Gesetz gießen. Also ich wäre mir nicht so sicher, was verwendet werden darf... wenn ein Therapeut einen Patienten nicht (mehr) traut, muss er idR nicht therapieren.

Wenn man getrennte Einzeltherapien beim gleichen Therapeuten gar nicht erst eingeht, stellen sich so unnötige Fragen wie: Ist der Therapeut (in unlauterer Weise) doch parteilich, usw. Macken, die man hingegen auch so hat, zeigen sich wahrscheinlich auch in einer Einzeltherapie bei unterschiedlichen Therapeuten.
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