Ehrlich gesagt will ich eigentlich keinen Kontakt zu ihm haben...
yuna hat geschrieben:
Die Schuldgefühle deiner Mutter wirst du nicht ausräumen können. Sie sind vorhanden und werden auch über längere Sicht vorhanden sein. Aber du könntest ihr vielleicht sagen, dass du es nicht als ihre Schuld empfindest und dass du sie liebst. Vielleicht nimmt ihr das ein Stück weit die Schuldgefühle.
Hallo!
Habe mich im Speziellen von diesen zwei Abschnitten angesprochen gefühlt, weil ich Beides kenne.
Zum Ersten kann ich nur so viel sagen, dass ich genau so gefühlt habe - eine gewollte Kontaktaufnahme habe ich auch nie verspürt. Zwar waren da immer wieder Gedankengänge, was wäre wenn, wie wäre es wenn etc., doch ein richtiger Antrieb ist nie gekommen. Ich musste dann ganze 30 Jahre alt werden, als meine Mutter mir erzählte, sie habe meinen Vater getroffen und der wolle mich mal sehen. Gesagt, getan. ...... hätte ich dem doch nie zugestimmt. So eine Enttäuschung!!!!! Im Laufe der Jahre hatte ich mir immer wieder mal dies und das zusammengesponnen und die Realität hat mit einem Male alles zerschlagen. Zudem kam noch der bittere Beigeschmack, dass er seine drei anderen Töchter allesamt studieren hat lassen und sich um mich, obwohl er von mir laut seinen Aussagen immer alles gewusst habe, nie kümmerte. Seitdem ist meine Traumblase zerplatzt und komischerweise hatte ich mit diesem Treffen "abgeschlossen". Komisch gell, denn vorher war mir gar nie bewusst gewesen, dass ich irgendwie abschließen müsste.
Was heißt das vielleicht für dich? Möglicherweise würde es dir auch gut tun, wenn du ihn mal siehst? Wenn du mit ihm ein paar Worte wechseln könntest? Ich weiß es nicht, doch das muss ich auch nicht. Denn, wenn du ganz genau hinhörst, wird dein Bauch dir das sagen. Verspürst du nämlich, so wie du sagst, diesen Wunsch gar nicht, ist es momentan halt nicht dein Ding. Ich finde jedoch nicht, dass er dich enttäuscht hat, er hat dich lediglich insofern enttäuscht, dass er, obwohl er von dir wusste, sich nie bei dir gemeldet hat. Ansonsten ist es so wie mit anderen fremden Menschen: Man weiß vielleicht von ihnen, doch ist man ihnen ja auch nicht böse, wenn sie keinen Kontakt zu dir suchen (somit auch keine Enttäuschung???) Naja, vielleicht helfen dir solche Gedankengänge? Bei mir hats wunderbar funktioniert.
Zum Anderen bin ich eine Mutter mit zwei Kindern, die sich von ihrem Partner, deren Vater, getrennt hat. Meine Kids waren bei der Trennung dann schlussendlich 10 und 12 Jahre alt UND, meine Schuldgefühle sind ins Unendliche gewachsen. Plötzlich war dann nur die Trennung schuld, dass dieses und jenes nicht (mehr) funktioniert hat. In allem sah ich es dann als meine alleinige Schuld, so nach dem Motto: „Mann, hättest du nicht noch die 8 Jahre zuwarten können!“ Abgesehen davon, dass ich selbst erst mal wieder für mich alleine Fuß fassen musste, kamen dann noch die Probleme meiner Kids dazu, weil vor allem meine Tochter sehr schwer damit fertig geworden ist. Die totale Umstellung in ein neues Leben (neue Umgebung, neue kleinere Wohnung, keine Freunde, weil weit weg, plötzlich ganztägiges Arbeiten meinerseits, weniger Geld, und, und, und ….) hat ganze 4 Jahre in Anspruch genommen. Ich war fertig, tot unglücklich, nicht bereit für Neues, schwer mit mir selbst beschäftigt und jedes Mal, wenn es eines meiner Kinder nicht gut ging, ging es mir psychisch noch schlechter. Das Endresultat waren Krankheiten, die ich bislang gar nicht gekannt hatte geschweige denn wusste, wie man sie schreibt :D :D. Egal, damals waren meine Schuldgefühle immens, jetzt bin ich so weit, dass ich objektiv zu denken beginne und mir eingestehe, dass ich diesen Schritt tun habe müssen. ICH wäre dabei untergegangen und hätte meine Kinder mitgezogen. So hat es „NUR“ 4 Jahre gedauert, um wieder Oberwasser zu bekommen. Ich glaube, dass auch deine Mutter zu reflektieren begonnen hat. Ein gewisses Schuldgefühl wird wohl immer bleiben, doch denke ich, dass sie für den damaligen Zeitpunkt nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat …... .