Depression hat Depressionen
Verfasst: So., 19.05.2019, 15:17
Hallo ihr o/
Ich les schon länger mit und wollte mich mal selber zu Wort melden. Seit etwas über 2 Jahren bin ich der Meinung, bei mir einige depressive Symptome festzustellen. Mal mehr, mal weniger, aber die meiste Zeit zumindest in einer Intensität, die mich durchaus belastet hat. In dieser Zeit hatte ich große Unsicherheiten über meine Gefühle dieser Art, damals unter anderem darüber, ob diese jetzt durch eine Krankheit "Depression" ausgelöst, oder nur eine Folge meiner damals wie heute belastenden Lebensumstände sind. Mittlerweile habe ich mich mehr mit der Thematik beschäftigt und weiß, dass diese beiden Punkte ja oft Hand in Hand gehen.
Jedenfalls ist es jetzt so, dass ich seit einigen Wochen eine Psychotherapie (KVT) angefangen habe. Mit der Therapeutin verstehe ich mich sehr gut und ich habe kein Problem damit, offen über meine Probleme und Emotionen zu reden. Den Entschluss zur zumindest ambulanten Therapie habe ich gefasst, nachdem ich aus einem beruflichen Auslandsaufenthalt frühzeitig nach Österreich zurückkehrte, weil es mir so schlecht ging, sogar mit dem Gedanken daran ohne einen stationären Klinikaufenthalt nicht weiter existieren zu können. Das war so mein Tiefpunkt.
In manchen Phasen, wie zum Beispiel jetzt, geht es mir aber auch etwas besser -- nicht "gut", aber ich schaffe es, meine beruflichen Verpflichtungen ausreichend zu erfüllen, die Wohnung sauber zu halten, einzukaufen etc.. Sozial habe ich mich in den vergangenen Monaten auch ziemlich stark zurückgezogen, aber in besseren Zeiten schaffe ich es auch mich mit Freunden zu verabreden und zumindest äußerlich eine gute Zeit zu haben.
In einigen wenigen Phasen würde ich sogar sagen, dass es mir fast gut geht, aus 2 Gründen: Bei 1) schaffe ich es sozusagen, mich mit dem Leid anzufreunden, mit Gedanken daran wie viel kreative Energie aus Depressionen entstehen, dem Gedanken daran, wie es meinen Idolen ähnlich schlecht ging, und sozusagen darin aufzugehen. In anderen Phasen werden mir die positiven Aspekte meines Lebens wieder bewusst, ich sehe mein aktuelles Leid nur als Facette meines Lebens, das doch noch viel mehr zu bieten haben muss. Dass es mir wie jedem anderen halt mal schlecht geht, aber das bestimmt wieder vorbei geht. Freue mich über meine Interessen, sehe halbwegs hoffnungsvoll in die Zukunft etc, und habe insbesondere große Hoffnungen, dass die Therapie bei mir anschlagen wird.
Nun ist es so: Egal aus welchen der beiden Gründe es mir für den Moment besser geht, schnell kommt dann der Gedanke, dass es mir ja dann von vornerein nicht so schlecht gehen konnte. Dass ich mir vielleicht nur etwas vormache, mir meine Symptome nur einbilde. Weil ich mir vielleicht unbewusst mehr Aufmerksamkeit wünsche, oder dadurch besonders sein möchte. Dann denke ich mir, dass ich die letzten 2 Jahre meines Lebens im Prinzip grundlos gelitten habe, was wieder ein Grund für mich ist unglücklich zu sein. Irgendwie ist das ganze also sehr paradox. Das heißt sobald es mir etwas besser geht, denke ich mir dass es mir eigentlich nie wirklich schlecht ging (was definitiv nicht stimmt), und dass ich grundlos unglücklich war, und dann geht es mir wieder schlechter.
Ein anderer Punkt der vielleicht damit zusammenhängt: Ich habe etwas Angst, dass ich psychische Erkrankungen bevor ich selber betroffen war etwas zu sehr "romantisiert" habe. D.h. Kunst und Musik von betroffenen Künstlern gesehen, und irgendwie gedacht habe, dass Menschen die selber depressiv sind sozusagen eine wokeness haben, mehr wissen als "gesunde" Menschen, was es so an Abgründen menschlichen Daseins gibt. Als ich zunächst nach der ersten Therapiesitzung die Verdachtsdiagnose Anpassungsstörung erhielt war ich fast ein bisschen enttäuscht: Auf der einen Seite will man ja nicht psychisch krank sein. Auf der anderen hatte ich das Gefühl, dass mein ganzes Leid der vergangenen 2 Jahre (bzw. insbesondere der letzten Monate) nicht gerechtfertigt war durch so eine eher "seichte" Diagnose. Mittlerweise steht die gesicherte Diagnose bei einer mittelschweren bis schweren Depression.
Ich denke, das sind alles Punkte, die ich in der Therapie ansprechen werde. Nur interessiert es mich schon jetzt: Geht es einigen von euch genauso? Wie geht ihr damit um? Vielen Dank!
Ich les schon länger mit und wollte mich mal selber zu Wort melden. Seit etwas über 2 Jahren bin ich der Meinung, bei mir einige depressive Symptome festzustellen. Mal mehr, mal weniger, aber die meiste Zeit zumindest in einer Intensität, die mich durchaus belastet hat. In dieser Zeit hatte ich große Unsicherheiten über meine Gefühle dieser Art, damals unter anderem darüber, ob diese jetzt durch eine Krankheit "Depression" ausgelöst, oder nur eine Folge meiner damals wie heute belastenden Lebensumstände sind. Mittlerweile habe ich mich mehr mit der Thematik beschäftigt und weiß, dass diese beiden Punkte ja oft Hand in Hand gehen.
Jedenfalls ist es jetzt so, dass ich seit einigen Wochen eine Psychotherapie (KVT) angefangen habe. Mit der Therapeutin verstehe ich mich sehr gut und ich habe kein Problem damit, offen über meine Probleme und Emotionen zu reden. Den Entschluss zur zumindest ambulanten Therapie habe ich gefasst, nachdem ich aus einem beruflichen Auslandsaufenthalt frühzeitig nach Österreich zurückkehrte, weil es mir so schlecht ging, sogar mit dem Gedanken daran ohne einen stationären Klinikaufenthalt nicht weiter existieren zu können. Das war so mein Tiefpunkt.
In manchen Phasen, wie zum Beispiel jetzt, geht es mir aber auch etwas besser -- nicht "gut", aber ich schaffe es, meine beruflichen Verpflichtungen ausreichend zu erfüllen, die Wohnung sauber zu halten, einzukaufen etc.. Sozial habe ich mich in den vergangenen Monaten auch ziemlich stark zurückgezogen, aber in besseren Zeiten schaffe ich es auch mich mit Freunden zu verabreden und zumindest äußerlich eine gute Zeit zu haben.
In einigen wenigen Phasen würde ich sogar sagen, dass es mir fast gut geht, aus 2 Gründen: Bei 1) schaffe ich es sozusagen, mich mit dem Leid anzufreunden, mit Gedanken daran wie viel kreative Energie aus Depressionen entstehen, dem Gedanken daran, wie es meinen Idolen ähnlich schlecht ging, und sozusagen darin aufzugehen. In anderen Phasen werden mir die positiven Aspekte meines Lebens wieder bewusst, ich sehe mein aktuelles Leid nur als Facette meines Lebens, das doch noch viel mehr zu bieten haben muss. Dass es mir wie jedem anderen halt mal schlecht geht, aber das bestimmt wieder vorbei geht. Freue mich über meine Interessen, sehe halbwegs hoffnungsvoll in die Zukunft etc, und habe insbesondere große Hoffnungen, dass die Therapie bei mir anschlagen wird.
Nun ist es so: Egal aus welchen der beiden Gründe es mir für den Moment besser geht, schnell kommt dann der Gedanke, dass es mir ja dann von vornerein nicht so schlecht gehen konnte. Dass ich mir vielleicht nur etwas vormache, mir meine Symptome nur einbilde. Weil ich mir vielleicht unbewusst mehr Aufmerksamkeit wünsche, oder dadurch besonders sein möchte. Dann denke ich mir, dass ich die letzten 2 Jahre meines Lebens im Prinzip grundlos gelitten habe, was wieder ein Grund für mich ist unglücklich zu sein. Irgendwie ist das ganze also sehr paradox. Das heißt sobald es mir etwas besser geht, denke ich mir dass es mir eigentlich nie wirklich schlecht ging (was definitiv nicht stimmt), und dass ich grundlos unglücklich war, und dann geht es mir wieder schlechter.
Ein anderer Punkt der vielleicht damit zusammenhängt: Ich habe etwas Angst, dass ich psychische Erkrankungen bevor ich selber betroffen war etwas zu sehr "romantisiert" habe. D.h. Kunst und Musik von betroffenen Künstlern gesehen, und irgendwie gedacht habe, dass Menschen die selber depressiv sind sozusagen eine wokeness haben, mehr wissen als "gesunde" Menschen, was es so an Abgründen menschlichen Daseins gibt. Als ich zunächst nach der ersten Therapiesitzung die Verdachtsdiagnose Anpassungsstörung erhielt war ich fast ein bisschen enttäuscht: Auf der einen Seite will man ja nicht psychisch krank sein. Auf der anderen hatte ich das Gefühl, dass mein ganzes Leid der vergangenen 2 Jahre (bzw. insbesondere der letzten Monate) nicht gerechtfertigt war durch so eine eher "seichte" Diagnose. Mittlerweise steht die gesicherte Diagnose bei einer mittelschweren bis schweren Depression.
Ich denke, das sind alles Punkte, die ich in der Therapie ansprechen werde. Nur interessiert es mich schon jetzt: Geht es einigen von euch genauso? Wie geht ihr damit um? Vielen Dank!