Sorgen um die Zukunft und Freunde

Kindheit, Jugend und Ausbildungszeit halten viele Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und Eltern bereit - hier ist der Platz, sich darüber auszutauschen (Beitrags-Haltedauer: 1 Jahr).

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TomBombadil
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Sorgen um die Zukunft und Freunde

Beitrag So., 01.09.2019, 10:26

Hallo an alle!

Ich habe jetzt noch ein bisschen überlegt, ob ich hier etwas schreiben soll und kam nun zum Schluss: Warum nicht? Also grundsätzlich kann man mein Problem in drei Teile zerlegen denke ich.

1. Sorgen um Zukunft

Ich gehe an eine HTL für Informatik, ein Fachgebiet das mich ziemlich interessiert. Grundsätzlich gibt es keine Probleme mit irgendwelchen Lehrer und ich gehe jetzt bald in den 3. Jahrgang. Aber ich werde diese Sorgen oder Ängste nicht los, dass es mir zu viel wird.

Denn ich muss in den nächsten Ferien noch acht Wochen Ferialpraktikum machen und meine Eltern drängen mich zum Führerschein machen auch noch. Es kommen neue Fächer hinzu, ca. die Hälfte der Zeit muss im Unterricht jetzt Englisch gesprochen werden, übernächstes Jahr steht dann auch noch eine Diplomarbeit an, bei der ich nicht einmal genau weis, was zu machen ist. Dasselbe gilt für die Matura.

Ich habe einfach solche Angst vor dem ganzen Unbekannten Zeug, dass auf mich zukommt. Selbst wenn ich mir selbst sage: "Da hast du noch lange hin, da gibts dann eh rechtzeitig Infos" gehn' diese Sorgen einfach nicht weg.

Und eine spezielle Sache möchte ich noch anmerken. Ich bin nicht sonderlich sportlich, aber ich bemühe mich, weil ich weis dass es wichtig für meine Gesundheit ist Sport zu machen: Ich habe auch einen fixen Trainingsplan für zu hause den ich konsequent verfolge. Aber aus irgendeinem Grund habe ich total Angst vor Sport in der Schule. Ich glaube ich habe Angst davor mich zu blamieren oder ausgelacht zu werden. Auch hier ich kenne die Leute aus meiner Klasse und weis, dass sie dass niemals machen würden, mache mir aber trotzdem Sorgen. Und es ärgert micht, dass ich mich selbst so behindere.

2. Freunde
Um mich nicht falsch zu verstehen: Ich habe nichts dagegen Freunde zu haben, aber ich denke ich bin zu anspruchsvoll. Ich liebe es zum Beispiel mit einer Person über irgendein Thema zu diskutieren und reden. Diese Gespräche gehen dann oft länger als eine halbe Stunde (ca.), aber ich habe das Gefühl die Meisten langweile ich nur damit.

Ansonsten rede ich nicht soviel sondern denke eher über irgendwelche Dinge nach. Das führt dazu, dass für mich etwas in Ruhe zu lesen, Musik zu hören oder einfach nur mit einer Tasse Kaffee im Garten zu sitzen, einfach meine Art der Entspannung und Freude ist. Das Problem dabei ist, dass das für mein Alter anscheinend untypisch ist.

Meine Eltern wundern sich auch schon darüber und versuchen mich immer wieder zu motivieren auszugehen (deshalb auch der Führerschein, damit ich "freier bin"), Freunde zu treffen oder ähnliches. Aber alle meine Freunde aus der HTL gehen am Wochenende Saufen und auf Partys, aber ich kann das einfach nicht. Es ist mir so unangenehm und ich habe auch keinen Spaß daran.

Vor kurzem hat sich auch noch ein langjähriger Freund als Partygänger entpuppt, von dem ich das niemals gedacht hätte. Ich weis nicht wieso, aber irgendwie ist das ein Schock für mich.

Generell werde ich bei vielen mir nicht so gut oder garnicht bekannten Personen leicht nervös, bin dann tollpatschig kann mich nicht richtig auf das Gespräch konzentrieren und habe das Gefühl das Gespräch kommt irgendwann ins Stocken, weil mein Gegenüber es satt hat es zu versuchen mit mir ein Gespräch zu führen. Besonders schlimm ist es dann wenn wir auch noch über Themen wie Beziehungen, Ausgehen oder Alkohol reden.

3. Selbstzufriedenheit
Im Großen und Ganzen habe ich das Gefühl, dass irgendetwas einfach nicht stimmt mit mir. Ich weis, dass es Blödsinn ist soetwas zu denken, aber ich werde den Gedanken nicht los. Was ist wenn an mir wirklich das Leben vorbeizieht? Bin ich auf Ewig dazu verdammt mit mir selbst unzufrieden zu sein, weil ich nicht extrovertiert bin? Das kann doch auch nicht wahr sein.

Aus einem nicht-psychischen Standpunk bin ich semi-zufrieden mit mir. Wie bereits erwähnt trainiere ich (wieder), nachdem ich eine viel zu lange Pause gemacht habe, die mich ärgert, weil ich mich gehen hab lassen. Daran kann man und daran arbeite ich auch.

Für mein Alter habe ich auch schon ziemlich starken Bartwuchs und generell Haarwuchs (ich glaube sogar das und der Fakt dass ich meisten Alles in der Schule checke, sind der Grund warum ich in meiner Klasse so respektiert werde). Aber im Gegenzug zu all dem habe ich nach wie vor die höchste Stimme in der Klasse und ich hasse es. Ich habe das Gefühl allem in allem lässt mich das noch komischer gegenüber anderen wirken. Vielleicht ist klischeehaft aber ich denke, dass eine tiefere Stimme mir wirklich mehr Selbstvertrauen geben würde.

Abschließen möchte ich sagen: Danke an diejenigen die sich hier durchgequält haben. Alle möglichen Tipps oder Erfahrungen sind willkommen oder einfach nur ein "Mir gehts ähnlich" damit ich weis, dass ich nicht der einzige in so einer Misere bin. Und wenns keiner liest oder antwortet ist es auch egal, dann habe ich mir wenigsten meine Sorgen und Gedanken von der Seele geschrieben.

Danke fürs Lesen!

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Insel
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Beitrag So., 01.09.2019, 23:55

Du machst Dir zu viele Gedanken um alltägliche Dinge....alles geht doch einen guten Weg!
Du machst eine gute Ausbildung und hast anscheinend ein schönes Zuhause. Nur weil Du kein Partygänger bist, musst Du kein Außenseiter sein.Etwas mehr Vertrauen in Dich und Deine Fähigkeiten sind sicher angebracht.Glaube an Dich, Du schaffst alles, was Du wirklich willst! Mit 16 liegt das Leben vor Dir wie eine wunderbare Reise! Keiner weiß da schon genau, wo es lang geht und was Dir alles begegnen wird.Aber das ist doch gerade das Spannende! Dir stehen noch alle Türen offen und an den schwerer werdenden Aufgaben wirst Du wachsen und stärker werden.Lass dem Leben seinen Lauf, sei neugierig und wissbegierig....dann geht alles gut!

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Hiob
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Beitrag So., 08.09.2019, 10:13

Meine Studienkollegen und ich saßen irgendwann vor den letzten großen Prüfungen auf den Betten und hielten einen dicken Wälzer, ein Fachbuch in der Hand, blätterten vor und zurück und alles wirkte unheimlich kompliziert. Einer sagte...."ich begreif das nicht, wo sollen wir denn da anfangen"? Betretenes Schweigen. Irgendwann hab ich dann gesagt "am besten vorn". Wenn dir die ganze Unsicherheit zu viel wird und du diese ganzen Aufgaben nicht schaffst, dann fang doch mit dem ersten an. Meist fällt einem spontan ein, was das ist. Manche Sachen sind lästig, da ist es auch egal, ob du dabei ne gute Figur abgibst oder bester bist, Hauptsache vom Tisch. So war es bei mir, ich war als erster fertig, aber nicht, weil ich so gut war, sondern so faul...und irgendwie sah ich dabei auch aus wie ein zerzauster Maulwuf, aber danach war das überstanden und ich konnte meine Aufmerksamkeit auf die Dinge legen, die mir Freude machten.

Für mich war der wichtigste Tipp damals die 80/20-Regel. Mit 20% Aufwand erreicht man meistens bereits 80% Ergebnis. Für die restlichen 20% Ergebnis, sind jedoch weitere 80% Aufwand erforderlich. Man muss also gut überlegen, ob einem die restlichen Ergebnisprozente das Wert sind.

Mit deiner Stimme kann ich dir nicht helfen, normalerweise kommt das automatisch. Sollte es sich nicht bessern, kannst du höchstens mal beim Logopäden nachfragen, ob man da was mit Atem- und Entspannungsübungen vor und während des Sprechens machen kann.

Selbstzufriedenheit hat nichts damit zutun, ob man einem Ideal vom Extrovertiertsein nahe kommt. Unzufriedenheit entsteht jedoch, wenn man ein von außen kommendes Ideal zu seinem eigenen macht. Viele überbetonen heute dieses "selbstbewußt wirken" und "anspruchsvoll sein". Ich sage mir...wenn das schon alles ist und bei den meisten Leuten ist das alles, dann kann ich darauf verzichten. Ich kann lieber richtige Dinge und tue etwas...möglichst noch was was mir direkt nutzt und nicht über den Umweg von Anerkennung und Bewunderung.

Dein Aufschreiben ist keine üble Methode, dir selber klarer zu werden, was du möchtest und was nicht. Du kannst dir auch selber Fragen stellen und sie so genau wie möglich beantworten (alsob jemand zuhört, den du sehr respektierst)...aufschreiben oder als Rollenspiel mündlich, das ist Bockwurst. Es hilft und es wirkt langsam, also nicht sofort, sondern langfristig, gibt dir eine Art Kompass.

Das mit dem Partyluderdasein. Also, es ist nicht so, dass man dadurch automatisch schnell an Weibchen kommt, man kann auch 10 Jahre mit der Pulle in der Diskoecke stehen und sich wundern, warum das nicht wirkt. Wenn du andere Interessen hast, dann würde ich dem nachgehen...Muskelsport ist mir normalerweise zu mühsam, aber um meinen klapprigen Leib noch zusammen zu halten, unvermeidlich. Für Körperhaltung und äußeren Schein ist das sicher ganz sinnvoll, sobald du dich dann aber wieder mit anderen Muskelsportlern vergleichst, wirst du wieder unzufrieden. Das ist klar. Also auch da müsstest du dein eigener Maßstab werden.
...und das ist mühsam genug, denke ich.

Hiob