Therapieende?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Philosophia
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Re: Therapieende?

Beitrag Fr., 13.09.2019, 12:26

Ich denke, es geht nicht darum frühzeitiges Umhilfebitten anzuprangern. Es ist gut, sich rechtzeitig Hilfe zu holen.
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer

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Pustekuchenxc
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Beitrag Fr., 13.09.2019, 20:04

Ich finde, das hat wenig damit zutun, anderen den Platz wegzunehmen. Dafür sind die Stunden ja begrenzt und jeder sollte das Recht haben, seine Stunden voll nutzen zu dürfen. Und wenn danach noch Bedarf besteht, dann ist es jedem selbst überlassen, dem ganzen auf den Grund zu gehen.

Wenn ich dich so lese, liebe Matrjoschka, dann hab ich wirklich das Gefühl, dass du noch Zeit brauchst. Zeit, um zu lernen, dass es nicht irgendwann "gut" sein wird. Es gibt kein "austherapiert" in dem Sinne.
Gedanken an selbstverletztendes Verhalten werden immer wieder kommen, genau wie Trigger, Ängste, schlechte Tage. Therapie macht die nicht weg. Therapie zeigt dir aber, dass die weit weniger beängstigend sind, als sie für dich aussehen. Und Therapie zeigt dir, wie du mit ihnen umgehst.

Vielleicht kannst du die verbleibenden Stunden und evtl. auch diese "Überbrückungsstunden" für dich nutzen, um mal zu forschen, warum du so unsicher bist und was deine Therapeutin dir noch mit auf den Weg geben könnte.
Wenn dann noch Bedarf an Hilfe da ist, gibt es immer eine Lösung.

Ich wünsche dir alles Gute.
Glaub nicht alles, was du denkst.

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Shukria
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Beitrag Fr., 13.09.2019, 21:03

Ein gesunder Egoismus ist genauso okay.

An wen die freien Therapie Plätze gehen entscheiden ja vorrangig die Therapeut_inn/en, nicht der/die Patient_in der "Platz macht" .... Viele Therapeut_inn/en nehmen auch gerne bevorzugt ehemalige Patien_tinn/en und dann?

Ich finde den Ansatz eher interessant, dass es ein gutes Ende vielleicht ist zu erkennen und zu akzeptieren, dass es kein "gut sein" gibt. Nur man besser mit Krisen umgehen kann, viel mehr Handlungsspielräume jetzt hat und sich mit! den Krisen, die kommen werden, jetzt sicher fühlt


mio
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Beitrag Fr., 13.09.2019, 21:11

matrjoschka05 hat geschrieben:
Do., 12.09.2019, 22:25
Was meinst du wie und wo das möglich wäre? Wir haben eben schon ein paar Sachen probiert, aber war irgendwie alles nicht so das Wahre...
Ich meinte damit dass Dir unter Umständen eine anderes therapeutisches Vorgehen (das sind ja auch Techniken!) mehr helfen könnte, also wenn Du das Gefühl hast dass Du da mehr Zeit bräuchtest um das sozusagen aus "Dir heraus" formulieren zu können.

Ich kenne mich mit der Therapieform die Du machst nicht wirklich aus, aber ich könnte mir vorstellen dass zB. eine Analyse für Dich da besser geeignet wäre weil da weniger "eingegriffen" wird.

Hast Du schon mal überlegt Dich unabhängig beraten zu lassen? Vielleicht gäbe das neuen Input?


mio
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Beitrag Fr., 13.09.2019, 21:44

Shukria hat geschrieben:
Fr., 13.09.2019, 21:03
ein gutes Ende
Ich hab das mit meiner Thera eigentlich immer so "gehandhabt" dass sie es komplett mir überlassen hat und das fand ich auch gut. Also dass wichtig war was ICH als GUT empfinde, als passend. Wie ich das gestalten will. Ein allgemeingültiges "gutes Ende" kann es meiner Meinung nach auch nicht geben. Da hängt viel zu viel individuelles mit drin.

Meine Thera hat mir dann immer alle möglichen "Optionen" aufgezählt und halt auch gesagt: Es gibt Patienten die bevorzugen das, andere bevorzugen das etc. pp.. Und jetzt überlegen und schauen SIE was sich für SIE passend anfühlt.

Das war eigentlich ganz gut fand ich.

Diese "sporadischen" Stunden sind ja eh keine Therapie im klassischen Sinne mehr sondern eher so "Bedarfsstunden".

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Joa
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Beitrag Sa., 14.09.2019, 06:40

Im Prinzip finde ich die Sache sehr simpel - braucht man Therapie, sollte man versuchen, einen Therapieplatz zu bekommen. Will man Therapie, braucht sie aber nicht - dann zumindest keinen Kassenplatz. Was der Fall ist, kann natürlich nur jeder selbst einschätzen.

In deinem Fall - ich würde die 10 h definitiv in Anspruch nehmen und mir jetzt noch nicht zu viele Gedanken darüber machen, was in zwei Jahren - nach der Pause - ist. Denn in der Zeit wirst du genug Möglichkeiten haben, dich "auszuprobieren" um dann nachzuspüren, ob du noch Therapie brauchst...

Mehr hab dazu auch nicht mehr zu sagen. Alles Gute!

LG Joa

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matrjoschka05
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Beitrag Di., 17.09.2019, 00:41

Danke für eure Antworten (:

@Pustekuchenxc: klar können die Gedanken immer kommen, aber ich hab für mich da auch schon Unterschiede zwischen den Gedanken gemerkt. Meistens weiß ich, dass das etwas ist das der Vergangenheit angehört und mich heute nicht mehr weiter bringt (weil es die Situation nicht verbessern würde die zu den Gedanken geführt hat) und so stören mich die Gedanken auch nicht, aber manchmal ist das nicht so klar.
Warum ich so unsicher bin? Ja das würde ich wirklich gerne wissen XD ist nämlich schon mein ganzes Leben so
Ich hab halt noch die Hoffnung, dass ich irgendwann gesund bin (würde für mich bedeuten, dass ich ohne Medis und ohne Therapie gut leben kann und nicht ständig mit meinen eigenen Gedanken kämpfen muss...), aber desto mehr Zeit vergeht desto mehr wird mir klar, dass das wohl Wunschdenken ist... Ich mein, klar jeder hat mal Krisen in seinem Leben und es wir nie immer alles gut sein, aber es wär schon nett, wenn nicht mein Leben die Krise wäre :lol:

@mio: bei einer Analyse wäre glaub ich die Gefahr, dass ich dann einfach gar nichts mehr sage. Am Anfang der Therapie hatte ich allgemein Probleme damit überhaupt zu reden (also nicht auf gewisse Themen beschränkt) und dann sind wir oft auch ne Weile dagesessen ohne was zu sagen. Meistens (oder immer?) hat sie die Stille dann beendet.
Nein hab noch nie darüber nachgedacht mich unabhängig beraten zu lassen, wüsste ehrlich gesagt auch nicht wo ich mich da hinwenden sollte/könnte und was ich mir davon wirklich erwarte...

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Pustekuchenxc
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Beitrag Do., 19.09.2019, 06:41

matrjoschka05 hat geschrieben:
Di., 17.09.2019, 00:41
Ich mein, klar jeder hat mal Krisen in seinem Leben und es wir nie immer alles gut sein, aber es wär schon nett, wenn nicht mein Leben die Krise wäre :lol:
Das halte ich aber eher für einen vorgeschobenen Grund.
Das ganze Leben ist blöd und deswegen kann nichts gut werden. Weil es war ja schon immer blöd, wie sollte es auch.

Mag ich nicht so gern.
Dann wurde das Ziel der Therapie einfach (über so viele Jahre?) missverstanden.
Die nimmt dir nichts ab. Die macht nichts ungeschehen. Die schenkt dir nicht einfach so ein neues Leben.
So ist Therapie nunmal einfach nicht.

Wenn du bereit bist, dran zu arbeiten und dich vollends drauf einzulassen, dann hast du eine berechtigte Chance.
Ansonsten bleibt das Leben wohl weiter unfair.
Das wird kaum fragen, ob es dir grad passt.
Glaub nicht alles, was du denkst.

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Inga
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Beitrag Do., 19.09.2019, 09:08

Ich habe den Eindruck, du hättest schon noch Themen, die bearbeitet werden sollten, vielleicht brauchst du deshalb auch die Medikamente (das könntest du mal den Arzt fragen, der dir die verschreibt). Aber du sagst selbst, dass du über diese Themen nicht reden kannst. Und da ist dann die Frage: Kannst du wirklich nicht? - oder willst du nicht, weil es schmerzhaft und anstrengend ist? Wenn das erstere, dann ist eine Therapie zur Zeit wohl nicht übermässig sinnvoll (ausser wenn du sie zur Erhaltung deiner jetzigen Stabilität brauchst), sondern erst dann, wenn du bereit und in der Lage bist, an diesen Themen zu arbeiten - und dazwischen kannst du ein paar gute Jahre haben. Wenn das letztere, dann könnte das "drohende" Therapie-Ende vielleicht ein Grund sein, diese Themen in der verbleibenden Zeit anzusprechen und so dem Ganzen nochmal eine neue Richtung zu geben. Und von da aus lässt sich mit der Thera dann vielleicht schauen, ob ein Verfahrenswechsel sinnvoll ist oder was sonst.

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matrjoschka05
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Beitrag Do., 19.09.2019, 11:32

Pustekuchenxc hat geschrieben:
Do., 19.09.2019, 06:41
Das ganze Leben ist blöd und deswegen kann nichts gut werden. Weil es war ja schon immer blöd, wie sollte es auch.
Meinst du damit dass ich das so sehe? Das tu ich nämlich nicht. Ich mag mein Leben. Ich bin nicht zufrieden damit, aber ich arbeite daran, dass sich das ändert. Und ich hab nicht das Gefühl, dass mein Leben schon immer "blöd" war (wenn man das so bezeichnen möchte) und ich werde mich definitiv nicht damit zufrieden geben, dass es immer so bleiben soll/könnte.
Wie gesagt, ich bin in den letzten Jahren schon sehr viel weiter gekommen, das heißt aber nicht, dass es mich nicht auch stört, dass da noch viel ist das ich noch nicht geschafft habe. Und daran möchte ich auf jeden Fall arbeiten. Ob mit oder ohne Therapie weiß ich noch nicht.

Ich weiß jetzt auch nicht wo du raus liest, dass ich finde das Leben sei unfair? Ich mein, klar ist es das, wenn man das so sehen möchte, aber es hat jeder irgendwelche Probleme oder ist mit etwas unzufrieden. Ich erwarte mir auch nicht, dass eine Therapie mein Leben plötzlich total perfekt macht und ich nur noch 100% glücklich bin und nie nen schlechten Tag habe.
Man kann einen so dahingeschriebenen Satz (mit lachendem Smiley, also auch nicht 100% ernstzunehmend) schon ein bisschen überinterpretieren... :roll:
Edit: ach jetzt hab ichs glaub ich verstanden... Die Betonung bei dem Satz war weniger auf MEIN sondern mehr auf "das Leben an sich". Ich meinte damit nicht, dass mein Leben irgendwie schlechter ist als das anderer, sondern dass eben mein Alltagsleben für mich schon manchmal schwierig ist. Und ich eben gerne hätte dass es mir gut genug geht, damit mein Alltag eben keine potentielle Belastung ist, sondern nur die Sachen die dann eben unerwartet dazu kommen. Macht das mehr Sinn bzw ist verständlicher?

@Inga: ich weiß noch ob ich die Medis wegen unverarbeiteter Themen brauche, aber das glaube ich eigentlich eher nicht. Ich komme zB morgens kaum auf, wenn ich keinen fixen Termin habe, obwohl ich Sachen vor haben die mir Spaß machen. Das ist mit den Medis besser, aber auch nicht ganz weg. Ich kann mich nur sehr schlecht konzentrieren, das ist mit den Medis eben auch besser, aber nicht ganz weg. Ein Teil (keine Ahnung wie groß oder klein der ist) wird wohl auch genetisch bedingt sein. Und naja der Arzt verschreibt mir die Medikamente, weil ich gesagt habe, dass ich diese oder jene Probleme habe und Medikamente dafür haben möchte. Ich habe es auch sehr lange ohne Medis versucht. Hat mehr oder weniger gut funktioniert.

Ich denke damit triffst du den Nagel auf den Kopf: kann ich nicht oder will ich nicht? Zu einem gewissen Teil will ich nicht, aber ich weiß nicht ob der das nicht-können vorschiebt oder ob ich zu nem gewissen Teil auch nicht kann. Ich neige halt dazu Probleme zu verdrängen also spielt da sicher mit rein, dass ich lieber den einfachen Weg gehe. Aber das war in der Therapie eigentlich nicht immer so, nur wenn ich jetzt meine, dass ich finde, dass wir zu wenig über "wichtige" Themen reden, meint meine Thera meistens sowas in die Richtung, dass alle Themen wichtig sind... Was ich halt nur teilweise so sehe, weil wozu soll ich über Sachen reden die eigentlich gut funktionieren und mit denen ich keine Probleme hab?

Vielleicht wäre es wirklich am besten die letzten Stunden noch so gut es geht zu nutzen und die Therapie dann zu beenden. Zur Stabilität brauche ich die Therapie denke ich nicht mehr. Und vielleicht bin ich nach ner Pause, mit nem anderen Thera bereit über die Sachen zu reden für die in der Therapie bis jetzt kein Platz war...