Zweifel bzgl. des Studiums und Angst vor der Zukunft

Kindheit, Jugend und Ausbildungszeit halten viele Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und Eltern bereit - hier ist der Platz, sich darüber auszutauschen (Beitrags-Haltedauer: 1 Jahr).

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Juli0210
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Zweifel bzgl. des Studiums und Angst vor der Zukunft

Beitrag Mo., 14.10.2019, 09:43

Hallo an alle.

Ich habe vor geraumer Zeit schon einmal einen Beitrag in dieser Sektion verfasst, in der ich mich an euch gewandt habe mit der Frage, ob ihr eine Psychotherapie für angemessen haltet oder nicht. Ich hatte zu der Zeit starke Zweifel an meinem Studium und an meiner ganzen Lebenssituation.

Schlussendlich habe ich den Beschluss gefasst, die psychologische Beratungsstelle meiner Hochschule aufzusuchen, was mir aber leider nicht allzu viel gebracht hat. Die dortige Therapeutin hat sich, meiner Meinung nach, extrem in Kleinigkeiten aus meiner Kindheit verrannt, die zwar einen eventuellen Hintergrund bei der Entstehung meiner Ängste gehabt haben könnten, aber im Endeffekt mich in meiner jetzigen Situation nicht direkt beeinträchtigen.

Ihr Endfazit war, dass ein paar Ängste zu Beginn des Studiums oft vorkommen, man nicht gleich hinter allem eine psychische Krankheit vermuten soll und ich mir einfach nicht zu viele Sorgen machen und stattdessen in meiner Stadt mir ein oder zwei neue Hobbies suchen soll, um mehr unter Leute zu kommen. Nun ja, habe mir daraufhin gedacht, dass ich tatsächlich einfach nur übertrieben hab und hab seitdem versucht, meine Unsicherheiten weitestgehend zu verbergen.

Aber das funktioniert aktuell nicht mehr. Ich bin momentan im Praxissemester meines Studiums, zwar erst in der 5. Woche, aber ich habe immer mehr das Gefühl, dass ich in dem Beruf nicht aufgehen werde. Aufgrund dessen beschäftige ich mich mit möglichen Alternativen, aber ich komme einfach auf keinen grünen Nenner, zu allem was mir in den Sinn kommt, kommen mir Zweifel, ich sehe kann mich für nichts entscheiden und wenn mir eine andere Studien-/Berufsrichtung interessant erscheint, kommt in mir die Angst auf, das neue Studium/die neue Ausbildung nicht zu schaffen, dass ich versagen werde. Mir gehen gefühlt tausend verschiedene Gedanken durch den Kopf.

An manchen Tagen, so wie heute, ist es besonders schlimm. Meine Zukunft erscheint mir hoffnungs- und aussichtslos. Als ob ich nicht dafür geschafften wäre Erfolg im Leben zu haben und länger anhaltend glücklich zu sein. Und ich weiß, dass das eigentlich Schwachsinn ist, jeder Mensch kann etwas im Leben erreichen, er hat es selber in der Hand. Aber diese negativen Gedanken kommen mir irgendwie automatisch in den Kopf. Ich habe Angst davor, mich für etwas zu entscheiden, mit dem ich in meinem späteren Leben nicht glücklich werde.

Zugleich habe ich die Befürchtung, dass ich mir mein Leben selber verbaue durch diese Zweiflerei. Ich schäme mich dafür, dass ich mir wegen jeder Kleinigkeit den Kopf zerbreche. Wenn ich dann noch meine Freunde sehe, welche glücklich sind mit ihrem Studium, ihrer Ausbildung sind, dann schäme ich mich noch mehr, denn im Vergleich zu ihnen komme ich mir irgendwie vor, wie ein Kleinkind. Ich komme mir komplett schwach und auch unmännlich vor.

Diese bescheuerte Schwarzmalerei, Unsicherheit und Zweiflerei gehen mir nur noch auf den Keks. Ich finde momentan nur noch schwer Freude an den Dingen, die mir sonst immer viel Spaß gemacht haben, ich habe des Öfteren Heulanfälle zurzeit, keinen großartigen Appetit mehr, schiebe wichtige Aufgaben bis ins unermessliche auf und kann mich auch auf nichts mehr richtig konzentrieren. Ich bin auch sehr vergesslich, kann mich zum Teil nicht mehr dran erinnern, was ich vor zwei Wochen am Wochenende unternommen habe oder vergesse nach 5 Minuten, was ich machen wollte. Ich habe das Gefühl, dass ich im Leben schon versagt habe, bevor es überhaupt richtig begonnen hat. Am liebsten würde ich mich in Luft auflösen.

So, nun genug Selbstmitleid und Gejammere. Ich weiß um ehrlich zu sein gar nicht, weshalb ich diesen Beitrag verfasst habe, ich glaube, ich musste das einfach mal loswerden.
Danke an jeden, der sich das alles durchgelesen hat und Entschuldigung, dass ich euch eure Lebenszeit damit gestohlen habe.
Zuletzt geändert von Tristezza am Mo., 14.10.2019, 13:33, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Threadtitel "Ich bin verwirrt/Weiß nicht was ich tun soll" präzisiert. Absätze zur besseren Lesbarkeit eingefügt.


theweirdeffekt
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Beitrag Mo., 14.10.2019, 10:27

Hey,
Tut mir leid, dass es dir so schlecht geht. Eventuell ist eine "echte" Therapeutin sinnvoller als die Beratung über die Studienstelle. Schläfst du auch schlecht, hast du Antriebsprobleme? Gab es bei dir in der Vorgeschichte schon depressive Verstimmungen? Was passiert denn, wenn du am Ende drauf kommst, das falsche studiert zu haben?

Alles Gute
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Juli0210
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Beitrag Mo., 14.10.2019, 10:51

Hey, danke, aber bin ja im Endeffekt irgendwo selber Schuld dran dass ich in der Situation bin.
Ja, eventuell ist das sinnvoller mit der Therapeutin.
Ja, ich schlafe schlecht ein und wache grade auch mindestens 1 mal pro Nacht auf.
Habe auch seit rund 3 Monaten einen Tremor in den Händen, war deswegen beim Hausarzt (man kann ja nie wissen ob es nicht doch was ernsteres ist) und hab einen Bluttest machen lassen, der war aber soweit okay. Jetzt hat er mich zu einem Neurologen überwiesen.
Antriebsprobleme, ja, ich kann mich zu wichtigen Aufgaben immer nur schwer bewegen, aber um ehrlich zu sein ist das auch ne Veranlagung glaub ich, war schon immer jemand der alles aufgeschoben hat, auch während der Schulzeit.
In meiner Jugendzeit, als ich 12 Jahre alt war, haben sich meine Eltern getrennt, nachdem rauskam, dass mein Dad meine Mutter lange Zeit betrogen hatte. Infolge der Streitereien (welche aber Gott sei dank nicht allzu arg waren, die beiden können heute wieder miteinander reden) und dem sich anschließenden Herzinfarkt meines Vaters, den er knapp überlebt hatte, bin ich damals zu ner Kinder- und Jugendpsychotherapeutin gegangen, war da auch 4 Jahre in Behandlung. Kann dir aber nicht sagen, was ich da für ne genaue Diagnose hatte, kann mich nicht mehr richtig dran erinnern, meine Mutter meinte mal was von einer Belastungsreaktion. Weiß aber noch, dass die Symptome damals ähnlich waren.
Bin aber mein ganzes Leben ein eher ängstlicher, schüchterner Mensch gewesen muss ich dazu sagen.
Wenn ich wirklich endgültig feststellen würde, dass das Studium nicht zu mir passt, dann müsste ich mir wohl was anderes suchen, ein neues Studium beginnen oder eine Ausbildung.


theweirdeffekt
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Beitrag Mo., 14.10.2019, 11:07

Juli0210 hat geschrieben:
Mo., 14.10.2019, 10:51
Wenn ich wirklich endgültig feststellen würde, dass das Studium nicht zu mir passt, dann müsste ich mir wohl was anderes suchen, ein neues Studium beginnen oder eine Ausbildung.
Eben, nix im Leben ist fix und auch das Wenigste endgültig.
Warum hast du dich denn für das Studium entschieden?
Hast du einen guten Freundeskreis/Hobbies/Familienrückhalt?

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Candykills
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Beitrag Mo., 14.10.2019, 14:48

Ich glaube, da hilft es wirklich nur Praktikas zu machen, um herauszufinden, was dir am Ende wirklich Spaß macht und deins ist.
Da kann in meinen Augen auch keine Psychotherapie helfen. Ich weiß ja nicht was du studierst, aber mit den meisten Fächern hat man ja viele berufliche Möglichkeiten.
Beim Arbeitsamt kann man solch einen Interessen"Test" machen, bei dem man feststellen kann, was einen interessiert und liegt, wenn man das so nicht wirklich weiß.
„Wir alle werden verrückt geboren. Manche bleiben es.“ (Samuel Beckett)


theweirdeffekt
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Beitrag Mo., 14.10.2019, 15:07

Wenn beispielsweise aufgrund einer depressiven Episode immer wieder Grübelzwang, niedriger Selbstwert, Schlafprobleme und Antriebsslosigkeit herrscht, kann eine Therapie schon Sinn machen. Ob das bei dir, Juli, so ist, kann allerdings nur ein ausgebildeter Experte beurteilen.

Ansonsten sind Praktika und Interessenstest wirklich ein guter Vorschlag.

LG
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