Beidseitige emotionale Abhängigkeit

Liebeskummer und Liebessorgen aller Art, sowie Eifersucht und Trennungen sind die zentralen Themen in diesem Forumsbereich (Beitrags-Haltedauer: 6 Monate).

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isle
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Beidseitige emotionale Abhängigkeit

Beitrag Di., 11.02.2020, 19:23

Wir haben in unserer Partnerschaft, die seit 5,5 Jahren besteht, immer wieder Probleme, weil wir in hohem Maße emotional voneinander abhängig und sehr verletzlich sind. Das wissen wir im Grunde seit unserer Paartherapie, schaffen aber nicht, groß etwas daran zu ändern.

Grob gesagt benutzt mich meine Freundin sehr häufig als Schulter zum Anlehnen und Ausheulen, weil sie es seit Jahren nicht schafft, sich aus einem unbefriedigenden Arbeitsverhältnis zu lösen. Sie wird teilweise von ihrer Kollegin gemobbt (wobei sie aber auch sehr empfindlich auf Kritik reagiert), schafft es aber nicht, den Job zu wechseln aus Angst vor örtlicher Veränderung, Verlust ihres Sozialnetzes, weil sie Angst hat, in einem neuen Umfeld zu versagen. All das sagt sie mir auch ganz offen. Ich ermutige sie dann immer, führe ihr ihre Stärken vor Augen und ermuntere sie vor allem zum Handeln. Mehr als ein paar halbherzige Bewerbungen sind bislang aber noch nicht dabei herausgekommen. Das Ergebnis: Sie ist oft launisch und gereizt, wirft mir vor, sie im Stich zu lassen, wenn es mir mal zu viel wird mit ihrer Jammerei und ich mich über ihre miese Laune beschwere, wobei sie auch ausfällig wird und mir unterstellt, dass ich genauso ein Ego-Schwein wie ihre mobbende Kollegin bin. Das verletzt mich schon sehr, da ich sie auch viel unterstützt habe. Sie meint dann nur, dass ich das aber nicht gerne tun würde (was nicht stimmt, solange das gesunde Maß nicht überschritten wird).

Jetzt kommt mein Part: Mir ist Humor in einer Beziehung sehr wichtig. Ich erzähle und unterhalte gerne und das am liebsten meine Freundin. Nur beiße ich mir dabei oft die Zähne aus, weil sie immer wieder unzufrieden ist. Wahrscheinlich wäre es hilfreich, diese meine Neigung mehr im Freundeskreis auszuleben, aber dem steht im Wege, dass ich nun mal durch und durch Beziehungsmensch bin. Ich ziehe also viel mehr Glück daraus, wenn ich meine Freundin glücklich mache als jemand anderen. Dementsprechend frustriert werde ich, wenn es so schwerfällt. Die Folge davon: Es gelingt mir noch weniger, weil mit Frust geht es ja nicht usw. Schließlich stellt sich ein Gefühl des Versagens in mir ein, weil ich mit meinen Fähigkeiten nicht zu ihr durchdringe.

Umgekehrt will auch meine Freundin mich mit ihren Mitteln glücklich machen. So zum Beispiel richtet sie sich in ihrer Freizeitgestaltung und in der Sexualität stark nach meinen Wünschen. Aber sie hat denselben "Leistungsgedanken." Wenn es mir nicht gutgeht, weil sie z.B. wieder durchhängt, wird sie noch frustrierter. Das geht soweit, dass sie glaubt, sie müsse durch ihre alleinige Anwesenheit meinen Hautausschlag (Neurodermitis) heilen können. Das hört sich verrückt an, ist aber so. Letztens lagen wir kuschelnd im Bett und ich hatte mal wieder starken Juckreiz und als der nicht sofort verging, brach sie den Körperkontakt ab und wurde richtig sauer auf mich. Das hat mich sehr verletzt, weil ich doch nichts für den Juckreiz kann und bereits sehr darunter leide. Sie meinte dann, solange ich Ausschlag habe, macht ihr der Sex mit ihr keinen Spaß. Als ich mich dann selbst befriedigen wollte und dabei keinen Juckreiz mehr spürte, tickte sie total aus und schubste mich aus dem Bett. Ich habe sie daraufhin als Psychopathin beschimpft und ihr eine Ohrfeige angedroht, weil ich mich so hilflos und verletzt gefühlt habe.

So geht es uns immer mal wieder. Und dann gibt es intensiven Versöhnungssex. Trotzdem ist das alles sehr kräftezehrend.

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Sinarellas
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Beitrag Mi., 12.02.2020, 12:16

Wow. Am Anfang dachte ich mir: Mh ja emotionale Abhängigkeit von euch beiden in einem ungesundem maße. Am Ende aber ein "Ohrfeige angedroht" ... mal ehrlich was zum!? Hilflosigkeit = verbale Eskalation mit Androhung von Gewalt?
Reflektiere dich mal selbst (bis jetzt lese ich nur deine Wahrnehmung von ihr und ihren Problemen).
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leuchtturm
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Beitrag Mi., 12.02.2020, 12:18

seid ihr noch in Paartherapie?


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isle
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Beitrag Mi., 12.02.2020, 14:09

Danke für eure Antworten.

@leuchtturm: Nein, die Therapie haben wir vor einem halben Jahr abgebrochen, weil wir das Gefühl hatten, an der Stellle zu treten.

@Sinarella: Mir ist völlig klar, dass ich nicht unschuldig bin. Beispielsweise habe ich nie gelernt, mit Verletzungen und Kränkungen umzugehen. Ich neige in solchen Situationen dazu, reflexartig zurückzuschlagen und verbal zu beleidigen. Und ich bin in Beziehungen, sehr verletzlich. Bei Streits kommt es bei uns oft zu verbaler Gewalt bis hin zu Rangeleien. Würde uns keiner zutrauen, da wir beide körperlich nicht stark sind. Meine Freundin wiegt ja fast gleich viel wie ich und hat mehr Muskeln. Aber das macht es natürlich nicht besser. Ist aber beidseitig so. Ich denke, wir neigen auch beide zu Verlustangst. Deshalb denkt auch keiner so wirklich an Trennung.

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RoboCat
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Beitrag Do., 13.02.2020, 17:13

Ich finde es ein wenig schräg dass du schreibst, deine Freundin "benutzt" dich als Schulter zum Anlehnen - das ist doch etwas, das man sich in einer Beziehung eigentlich gegenseitig gibt.

Ihre Arbeitsumstände muss sie natürlich selbst ändern, aber das ihr doch sicher auch so klar. Trotzdem kann sie sich doch über ihre Kollegin bei dir ausheulen. Warum ficht dich das denn so an? Bist du denn jemand, der eher viel selbst mit sich ausmacht? Weiter unten schreibst du auch, du fühltest dich schnell angegriffen...

Gewalt geht gar nicht in einer Beziehung. Dass du dir nenebn ihr einen runterholen wolltest, fand sie verständlicherweise nicht so prickelnd. Ich weiß nicht, ob ihr das öfter so handhabt (musste auch nicht schreiben) aber ich denke die meisten Mädels haben wohl keinen Bock darauf, dass ihr Partner sich in ihrem Beisein einen schrubbt.

Mit deiner Notgeilheit hast du auch extreme Bedürftigkeit gezeigt. Ich kann verstehen, dass die Paartherape ergab, dass ihr voneinander emotional abhängig seid. Geht ihr denn dort noch hin?
:axt:

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peppermint patty
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Beitrag Do., 13.02.2020, 18:37

Das sind recht schwierige Verhältnisse, die du da beschreibst.

Was ich absolut nachvollziehen kann, ist, dass du dir nicht länger ihre Jammereien anhören magst. Ich finde das sehr missbräuchlich, wenn das seit Jahren so geht. Ein Partner ist kein seelischer Mülleimer. Die Beschimpfung (mit "Ego-Schwein") zeigt, dass es für dein Zuhören und Aufmuntern keine Anerkennung gibt, sobald dieses ausbleibt. Da kann ich deine Hilflosigkeit und deinen Unmut darüber gut verstehen.

Kann es sein, dass euch gegenseitig das Gefühl für euren Umgang miteinander fehlt? Da fehlt die Freude, das gewollte Miteinander, die Bereitschaft sich aufeinander einzulassen. So klingt es für mich - und daraus folgt die gewaltvolle Kommunikation (und Tätlichkeit) und eine gewisse gegenseitige Respektlosigkeit- in der viel von dem Frust der Unfreiheit und der Unzufriedenheit mit drin steckt.

Aufgefallen ist mir auch, dass ihr euch in der Beziehung gegenseitig keinen Raum zugesteht. Hast du ein eigenes Leben außerhalb der Beziehung? Freunde, Hobbys, etwas was dich befriedigt? Und wie schaut es bei ihr aus?

Würdest du dich als glücklich in der Partnerschaft bezeichnen? Oder überhaupt?