Hallo von Elyn

Wer sich zwecks besserem Austausch über das User-Profil hinausgehend noch ein wenig ausführlicher vorstellen (wer bin ich und was tue ich?, Hobbies, Interessen etc.) möchte, kann dies hier tun. Bitte keine identifizierbaren Personenangaben!

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Elyn80
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Hallo von Elyn

Beitrag Mo., 17.02.2020, 00:41

Hallo,

Ich bin Elyn(nur ein Internetname, nicht mein echter) und fast 40 Jahre alt. Ich bin Autistin und leide an Depressionen und lebe sehr isoliert, weil es mir schwerfällt mit anderen Menschen Kontakte zu knüpfen, Freunde hatte ich noch nie.
Obwohl ich Depressionen habe, gibt es auch einige Dinge die mir Freude machen mich manchmal ein wenig aus der seelischen Dunkelheit holen können, wie lange Spaziergänge im Wald, das Lesen von Fantasyromanen und die Filme meiner Lieblingsschauspielerin Cate Blanchett die ich mir wieder und wieder anschaue.
Ich würde mich freuen vielleicht hier im Forum auch ein paar Leute aus meiner Gegend kennenzulernen, erst mal virtuell und später vielleicht treffen, wenn ich und die anderen Personen uns ein Treffen zu trauen...ich meine, ich bin ja sicher nicht die einzige hier im Forum der das schwerfällt.
Ich bin leidenschaftliche Hobbyautorin, nur durch das Schreiben kann ich leben....die einzige Art mich auszudrücken, im Smalltalk bin ich eine Niete, aber schriftlich könnte ich ganze Dialoge schreiben, da ist mein Kopf voller Ideen, es ist wie verhext.
Ich habe drei Träume im Leben: 1) Meine Ängst endlich nach und nach abzubauen 2) eine erfolgreiche Schriftstellerin zu werden und 3) meine Lieblingsschauspielerin zu treffen.
Ich habe mich in diesem Forum angemeldet, weil ich nicht weiß, wie ich aus meiner situatiion herauskommen soll und mir hier Rat und Hilfe holen wollte, habe auch schon nette Antworten bekommen.

Ob sich mein Leben, obwohl ich schon so alt bin, noch zum positiven veränder kann, weiß ich nicht, habe große Angst vor der Zukunft, will aber nicht aufhören zu hoffen, dass nicht alles so hoffnungslos ist.

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Coriolan
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Beitrag Mo., 17.02.2020, 09:34

Herzlich willkommen, Elyn. :flowers:

Ich glaube, der Admin ist der einzige, der hier mit richtigem Namen unterwegs und so soll es ja auch sein.

Ich sehe diese Anonymität als Schutz und denke, es fällt vielen leichter, was Persönliches von sich zu erzählen, wenn ihnen das keiner negativ auslegen kann, der sie vielleicht persönlich kennt. Gerade beim Thema Arbeit bekommt man ja vielleicht schnell Probleme mit dem Arbeitgeber oder den Kollegen, wenn man seinen Namen, den Namen der Firma etc. öffentlich nennt. Auch wenn der Chef vielleicht wirklich ein A... sein sollte.

Es ist prima, dass du trotz Depressionen Dinge hast, die dich berühren, die dir Freude machen und du auch Träume hast. Das ist viel wert.

Ich bin mir sicher, hier findest du so einige Gleichgesinnte.

Es ist logisch, dass man sich nach schlechten Erfahrungen mit seinen Mitmenschen zurückzieht und z. T. vielleicht auch in eine Traumwelt flüchtet. Dort verletzt einen niemand, man wird nicht abgelehnt (weil man irgendwie anders) ist und das ist ja erst einmal das kleinere Übel, weil der Wunsch nach Freundschaft, nach zwischenmenschlichen Beziehungen, etc. natürlich trotzdem da ist. Man kann natürlich darin verharren wenn einem das Risiko zu groß ist, wieder verletzt zu werden. Dann wird's zwar auch nicht besser aber man weiß zumindest, was man hat (und nicht hat). Das kennt man. Das ist vertraut.

Um was zu ändern, braucht es daher ein bisschen (viel) Mut und auch Ausdauer. Nicht alle Menschen sind sch... Du hast schlimmes erlebt - Menschen können grausam sein. Keine Frage. Ich denke aber, die Wahrscheinlichkeit, dass du noch einmal derart grausam behandelt wirst mit Anspucken, etc. ist dann doch recht gering. Natürlich hängt es davon ab, in welche "Kreise" du dich begibst, aber ich behaupte mal, in den "normalen" Kreisen, in die man sich so bewegen könnte, ist es nicht üblich, sich anzuspucken - auch, wenn man jemanden vielleicht nicht mag oder ihn komisch findet.

Vielleicht wird aus dir noch eine erfolgreiche Schriftstellerin - die meisten Autoren werden erstmal von vielen Verlagen abgelehnt. Bei der Flut an an Manuskripten, die diese zu lesen bekommen, ist es recht normal, abgelehnt zu werden. Und der eine oder andere Verlag wird sich möglicherweise noch heute ärgern, einen Sebastian Fitzek (nur ein Beispiel - anderes Genre) abgelehnt zu haben. Auch die Beatles wurden meines Wissens zunächst nicht sofort mit Begeisterung von einer Plattenfirma übernommen, sondern mussten erstmal hartnäckig bleiben, bis sie einen Produzenten gefunden haben. Beide Beispiele wurde letztendlich auch nur erfolgreich, weil sie dran geblieben sind und nicht aufgegeben haben, als sich die Erfolge nicht sofort eingestellt haben.

Ich denke, darum geht's - nicht aufzugeben, auch wenn man auf die Nase fällt. Und wieder auf die Nase fällt. Wie die Sache ausgeht, weiß man nie im Voraus. Wenn man's ausprobiert, erfährt man's aber wenigstens. Wenn man's nicht ausprobiert, wird man's auch nie erfahren.

Hast du mal nach Selbsthilfegruppen für Autisten geschaut?

In meiner Stadt gibt es auch Gruppenangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen vom sozialpsychiatrischen Dienst aus. Vielleicht wären solche (in einem etwas geschützteren Rahmen) Angebote auch erstmal eine Möglichkeit, aus der Isolation ein Stück weit rauszukommen. Auch dort findest du mit Sicherheit Gleichgesinnte.

Ich finde gar nicht, dass es hoffnungslos ist - v. a. nicht, wenn man Träume und Freude an gewissen Dingen und Tätigkeiten hat. Sind doch super Möglichkeiten, mit anderen in Kontakt zu kommen. Ich denke da z. B. an Wandergruppen, Autorenlesungen. (Mir ist klar, dass das vermutlich schon die Fortgeschrittenen-Variante ist).

Wenn du weiterhin dich zurückziehst, wirst du halt auch nicht erleben, dass dich andere Menschen auch in Ordnung finden könnten und dich nicht ablehnen. Dabei rede ich jetzt noch gar nicht von einer absolut super-Freundin, mit der man täglich 2 Stunden telefoniert.
Oh Herr! Lass Hirn oder Backsteine regnen. Egal. Hauptsache, du triffst!


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Beitrag Mo., 17.02.2020, 11:27

@Coriolan

Danke für das nette Willkommen.
Gut, dann ist das ja okay, dass ich einen anderen Namen genommen habe.
Du hast Recht, ist ja schon gut, dass man hier so anonym schreiben kann, da fühlt man sich dann doch besser als wenn man Angst haben müsste, dass mitlesen kann wenn man seinen Klarnamen benutzen müsste.
Ja, ich hoffe auch, dass ich hier Gleichgesinnte finde, das würde mir sicherlich sehr guttun. Und ich bin auch froh, dass es noch Dinge gibt, die mir Freude machen, das gibt Hoffnung, dass ich die Depression vielleicht doch noch irgendwann besiegen kann. Ich hatte schonmal Medikamente gegen die Depression genommen, diese aber wieder abgesetzt, weil ich mich dann wie hirntot fühlte, wie aus meinem eigenen Verstand ausgesperrt. :kopfschuettel:
Sicher, man ist dann nicht so traurig wie sonst, kann aber auch keine positiven Gefühle mehr haben, deswegen war das für mich keine Option.
Ja, solche Tagträume sind extrem verführerisch, weil man in ihnen alles haben kann was man möchte und beliebt ist und eben nicht ein Loser der nichts im Leben erreicht hat. Aber diese Tagträume bergen wirklich auch die Gefahr, dass man sich zu oft darin zurückzieht und dann in der Realität nicht mehr schafft, daran zu arbeiten, das eigene Leben zu verbessern. Deswegen muss ich wohl wirklich versuchen, die Tagträume zumindest zu reduzieren.
Und ich will wirklich versuchen, für meinen Roman einen Verlag zu finden, hoffe das kriege ich hin, mit Absagen muss ich wohl leben, wenn sogar Leute wie Fitzek, den ich übrigens sehr gerne lese, welche bekommen haben. Ich lese sehr viele Bücher, und schreibe sehr viel, weil beides mir guttut und ich mich dadurch lebendig fühle.
Wenn man sich so wertlos fühlt, ein Mensch der weniger wert ist als die anderen, und genau so fühle ich mich, ist es schwierig, niemals aufzugeben und es wieder zu versuchen, denn jede Absage von einem Verlag bezieht man dann auf sich selbst und denkt, man ist eben nicht talentiert genug.
Aber ich will es eben unbedingt schaffen, also muss ich es wohl wirklich wieder versuchen, zwei Versuche war wohl auch zu wenig. Bei mir ist das Problem, dass ich schnell aufgebe und entmutigt bin, wenn etwas nicht klappt.
Eine Selbsthilfegruppe für Autisten gibt es in meiner Gegend leider nicht, ich hatte schon nachgeschaut, es gibt nur eine für Menschen mit sozialer Phobie, ich denke, das wäre auch etwas für mich, wen ich den Mut hätte hinzugehen, denn dort würde man mich bestimmt auch nicht auslachen, weil die Leute dort ja einen Teil meiner Probleme aus eigener Erfahrung kennen. Weißt du, ich glaube halt nicht dass andere Menschen mich in Ordnung finden könnten, weil ich mich selbst nicht in Ordnung finde, ich frage mich oft, wieso Gott es zulässt, dass Menschen so defekt in jeder Hinsicht wie ich geboren werden...wieso er zulässt, dass es sowas wie Autismus gibt, etwas, das Menschen das ganze Leben schwermacht.
Ich denke eben, dass keiner mich jemals mögen könnte, weil bisher alle Menschen so fies zu mir waren und gemeine Sachen zu mir gesagt haben.

Hier mal ein Beispiel: Ich wollte mal in einen Supermarkt gehen, davor stand ein Mann mit einem großen Hund. Ich habe den Mann freundlich gefragt, ob er den Hund ein Stück zur Seite nehmen könnte, weil ich Angst vor dem Tier habe, aber er hat mich nur fies angepflaumt und gesagt: "Nö, das kann ich nicht!"
So ist das immer, wenn ich freundlich bin, sind die Leute immer so fies zu mir, deswegen glaube ich nicht, dass mich jemals jemand mögen könnte, solche Erfahrungen ziehen einen doch ganz schön runter.
Und früher in der Schule haben die anderen Sachen zu mir gesagt wie: "Spring von der Brücke du hässliches Stück Dreck, die Welt ist besser ohne dich dran."
Und in den Maßnahmen vom Arbeitsamt ging es mir damals genauso, alle haben mich fies gemobbt.
Da denkt man sich schon, das liegt daran, dass ich so fehlerhaft auf die Welt gekommen bin, durch diesen Autismus schon von Geburt an stigmatisiert war, und das macht mich sehr traurig.
Ich wünschte, jemand würde ein Medikament erfinden, dass den Autismus wegmachen kann, aber da swird wohl nie der Fall sein.

Danke für deine liebe und auch Mut machende Antwort.

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Coriolan
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Beitrag Mo., 17.02.2020, 12:25

Gerne. :ja:
Nachdem mir meine Mutter versicherte, dass ich mindestens den Literaturnobelpreis gewinnen würde, wurde mein Manuskript von allen Verlagen abgelehnt, bis ich per Zufallstreffer (mittlerweile gab es Google) Anfang 2002 auf einen Literaturagenten stieß:
Das klingt jetzt nach deutlich mehr als nach nur 2 Absagen. ;-)

Seine Biographie ist übrigens sehr unterhaltsam (auf sebastianfitzek.de) zu lesen.

Es fällt mir schwer, zu glauben, dass ALLE Menschen bisher gemein und fies zu dir waren. Aber mit deinen Erfahrungen und deinem Selbstbild ist es logisch, dass du das so siehst.

Und trotzdem würde ich wetten: Wenn du 50 Hundehalter mit Hund vor den Supermarkt stellst und sie alle um diesen Gefallen aus deinem Beispiel bitten würdest: MINDESTENS 30 würden sagen, klar, kein Problem und den Hund beiseite nehmen.
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Beitrag Mo., 17.02.2020, 12:44

Danke für den Tipp, ich werde seine Biographie mal lesen, vielleicht macht mir das ja auch Mut, es selbst nochmal zu versuchen.
Bei mir ist es so, dass ich nicht nur eine erfolgreiche Schriftstellerin werden will, um damit ein bisschen Geld verdienen zu können, sondern auch, um die Menschen auf die gesellschaftliche Ausgrenzung von Autisten, und wie sehr diese darunter leiden, aufmerksam zu machen.
Für Autisten interessiert sich nämlich keiner, wenn es nicht gerade berühmte Leute sind, viele Autisten hätten der Menschheit viel zu sagen, aber keiner hört zu.
Deswegen ist mir das wichtig, Schriftstellerin zu werden, nicht nur weil ich Spaß am Schreiben habe, sondern weil die Leute wissen sollen, was Autisten in der Gesellschaft durch die Ausgrenzung und die vielen Demütigungen täglich zu erleiden haben

Und das mit dem Hund glaube ich dir nicht, dass 30 Leute da nett reagieren würden, denn es war nicht das erste unschöne Erlebnis das ich mit anderen Menschen hatte. Es ist wohl leider so, dass Autisten einfach von anderen Menschen grundsätzlich nicht gemocht werden, weil wir so anders sind.

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Beitrag Mo., 17.02.2020, 13:41

Die Biographie ist nicht so lang - ist also kein Buch, sondern nur ein Artikel, in dem er halt kurz sein schildert, wie sein Leben so verlaufen ist und wie er zum Schreiben kam.
Es ist wohl leider so, dass Autisten einfach von anderen Menschen grundsätzlich nicht gemocht werden, weil wir so anders sind.
Das wiederum glaube ich nicht und ich kenne auch Gegenbeispiele.

Ich kann verstehen, dass du unter deinem Autismus leidest - es nervt ja auch, immer "anders" zu sein aber du trägst das ja nicht auf einem Schild vor der Stirn vor dir her. Deswegen komme ich jetzt auch noch einmal auf das Hundebeispiel zurück: Du hast EINEN Hundehalter erlebt, der deine freundliche Bitte ignoriert hat. Aber solange du nicht hingehst, ihn anpöbelst, dass er seinen Köter da wegnehmen soll, bin ich mir SEHR sicher, dass die meisten anderen Menschen da FREUNDLICH reagieren würden. Und in solch einer Situation ist es auch einfach unwichtig, ob du nun Autist bist, oder nicht.

Es ist natürlich einfach, alles auf den Autismus und die Gesellschaft zu schieben. Ich hab' nur etwas Schwierigkeiten damit, denn man hat auch einen eigenen Anteil, was man draus macht. Und zumindest du, grenzt dich mit deinem Verhalten (Rückzug) in erster Linie selbst aus, was aufgrund deiner Erfahrungen nachvollziehbar ist, aber nicht die "Schuld" der Gesellschaft.

Unschöne Erlebnisse mit anderen Menschen hatten wahrscheinlich alle (hier sowieso) schonmal. Das hat mit dem Autismus ja erstmal nix zu tun. Jetzt kann man sich zurückziehen und drauf pochen, dass mich ja keiner leiden kann, denn Autisten werden ja grundsätzlich nicht gemocht und wenn ich mich furchtbar finde, tun das ja alle anderen mit Sicherheit auch. Und wenn ich so oft verletzt werde, dass MUSS ja mit mir was nicht stimmen.

Wo werden Autisten deiner Meinung nach denn gedemütigt und ausgegrenzt?

Oder man nimmt seinen Mut zusammen und geht raus, um dann festzustellen, dass es nicht nur A... auf der Welt gibt.
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Beitrag Mo., 17.02.2020, 15:44

Die meisten Autisten haben überhaupt keine Freunde, und du willst doch nicht ernsthaft behaupten, dass das alleine die Schuld von uns Autisten ist? :kopfschuettel:
Nein, schon in der Schulzeit lassen die anderen Kinder uns spüren, dass sie uns ablehnen weil wir anders sind und wir müssen dann viele Jahre lang Mobbing und Ausgrenzung ertragen.
Die meisten von uns bekommen dann nach der Schule keinen Job und leben ein isoliertes Leben.
Und niemanden interessiert es wie es uns geht. ich meine, warum bekommt man als Autistin nur 8 Stunden Therapie im MOnat, das ist echt zu wenig, vor allem, wenn sich keine Erfolge einstellen, bräuchte man viel mehr Therapie. :kopfschuettel:
Ich habe einfach das Gefühl, dass mir da nicht genug geholfen wird, und ich keine Chance in dieser Gesellschaft bekomme nur weil ich anders bin.
ich habe mir dieses Leben nicht ausgesucht, ich bin mit dieser dummen Behinderung die ich nicht haben will geboren worden.

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Coriolan
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Beitrag Mo., 17.02.2020, 16:51

Wie sähe es denn für dich aus, wenn sich "die Gesellschaft" für dich und dein Befinden interessieren würde?

8 Stunden im Monat sind weit mehr als das, was die meisten hier haben (wenn sie nicht gerade 'ne hochfrequente Psychoanalyse machen).

Was tust DU für Dich?

Die wenigstens Menschen haben sich ihre (psychischen) Erkrankungen selbst eingebrockt. Aber alle müssen lernen, damit zu leben. Irgendwie. Wie sie damit umgehen, entscheiden sie aber täglich selbst.

Jetzt kann man hadern, neidisch sein, auf die, die das nicht haben, die Gesellschaft verteufeln und sich verkriechen. Dauerhaft weiter bringt einen das nicht.
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wind of change
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Beitrag Di., 18.02.2020, 07:39


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Kaonashi
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Beitrag Di., 18.02.2020, 08:16

8 Stunden im Monat sind weit mehr als das, was die meisten hier haben (wenn sie nicht gerade 'ne hochfrequente Psychoanalyse machen).
Das stimmt. Und ich finde auch, dass Autisten eher viel Aufmerksamkeit bekommen im Vergleich zu Menschen mit Persönlichkeitsstörungen oder Schizophrenie. Nur, wenn man keine Diagnose hat, dann kann einem eben auch keiner helfen, deshalb ist das Leben mit einer späten Diagnose oft sehr schwer. Aber andererseits hätte man wohl früher eine Diagnose bekommen, wenn es richtig schlimm wäre. Somit muss man schon anerkennen, dass man nur eine leichte Form von Autismus hat, auch wenn es sich schwer anfühlt. Ich habe selbst seit 10 Jahren die Diagnose Asperger.
Erschwerend sind dann Begleiterscheinungen, z.B. Depressionen oder auch Züge von Persönlichkeitsstörungen, die man auch mit Asperger/HFA entwickeln kann. Aber dafür gibt es Therapien.
Für den Alltag gibt es verschiedene praktische Hilfen, z.B. durch sozialpsychiatrischen Dienst, Ehrenamtliche, eine Haushaltshilfe (u.U. über Pflegegrad), ambulant betreutes Wohnen oder ein Wohnheim, wenn man das braucht.
Das kann auch alles eine große Entlastung sein.
Jetzt kann man hadern, neidisch sein, auf die, die das nicht haben, die Gesellschaft verteufeln und sich verkriechen. Dauerhaft weiter bringt einen das nicht.
Richtig. Es gibt viele Menschen, denen es schlechter geht, und Menschen, denen es besser geht. Aber der Vergleich hilft einem überhaupt nicht weiter. Man muss mit dem umgehen, was man hat, und da kann man dann viel lernen von denen, die es auch schwer haben, aber damit zurechtkommen.

Ich glaube, die Gefühle von Neid und Hass auf Menschen, die es vermeintlich besser haben, verschwinden schnell, wenn man selber mal gute Erfahrungen macht. Zum Beispiel nette Menschen kennenlernt, die einem wohlgesonnen sind und helfen. Aber solche guten Erfahrungen kann man nicht machen, wenn man allen Menschen misstraut. Dazu muss man mit ein bisschen Vertrauen auf andere zugehen. Zwar hat man dann das Risiko, dass man auch mal enttäuscht wird, aber es gibt doch auch viele nette Menschen, sodass das Risiko nicht extrem hoch ist.
Zudem muss man, gerade mit Autismus, immer daran arbeiten, die anderen und ihre Motive zu verstehen. Dann erklären sich viele Verhaltensweisen, ohne dass man annehmen müsste, die anderen hätten dabei böse Absichten.
Literatur über Psychologie ist deshalb für Autisten fast essentiell, finde ich.
Meine erste Leseempfehlung wäre von Thomas A. Harris die Bücher "Ich bin ok, du bist ok" und "einmal ok, immer ok".
Die sind schon älter, haben mir aber vor Jahren viel gebracht, vor allem das zweite.

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Coriolan
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Beitrag Mi., 19.02.2020, 17:59

Auch wenn Elyn grad nicht mitschreiben kann: Hab' gerade woanders gelesen, dass es Firmen gibt, die ausschließlich Autisten einstellen. Ok - meistens im IT-Bereich, der auch nicht jedem Autisten gleich gut liegen wird.

Aber das fiel mir grad noch ein zum Thema "ungerecht" - denn mir ist nicht bekannt, dass es auch Firmen gibt, die nur Depressive, Schizophrene, Persönlichkeitsgestörte oder Suchtkranke einstellen.

Und auch die Behandlung und Betreuung durch ein spezielles Therapiezentrum mit jahrelanger (recht hoch frequenter) Psychotherapie haben wohl die wenigsten. Kenne jedenfalls ausser Autismus-Zentren keine anderen derartigen "Zentren" für ein psychiatrisches Krankheitsbild.

Ich will sicher keine Neid-Debatte lostreten, sondern hoffe einfach, dass ein bisschen ankommt, dass Autisten nicht NUR benachteiligt werden, auch wenn sich das für Elyn vielleicht grad so anfühlt.
Es gibt viele Menschen, denen es schlechter geht, und Menschen, denen es besser geht. Aber der Vergleich hilft einem überhaupt nicht weiter. Man muss mit dem umgehen, was man hat, und da kann man dann viel lernen von denen, die es auch schwer haben, aber damit zurechtkommen.
Das denke ich auch - denn auch als gesunder Mensch wird es immer Menschen geben, denen es (vermeintlich) noch besser geht.
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Beitrag Do., 20.02.2020, 07:04

Da habe ich sogar schon einmal eine Doku drüber gesehen, dass manche Firmen gezielt Autisten suchen und beschäftigen. Ist leider schon ne Weile her, sonst hätte ichs verlinkt.
Zu der Neid-Sache kann ich nur empfehlen, sich mit denen zu vergleichen, denen es schlechter geht, wenn man sich schon unbedingt vergleichen muss.
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer

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Beitrag Do., 20.02.2020, 09:49

Auticon hieß die Firma - bei SAP bin ich mir grad nicht sicher.
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