Ausbildung abbrechen?

Kindheit, Jugend und Ausbildungszeit halten viele Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und Eltern bereit - hier ist der Platz, sich darüber auszutauschen (Beitrags-Haltedauer: 1 Jahr).
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violetghost
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Ausbildung abbrechen?

Beitrag Fr., 03.04.2020, 17:18

Hallo liebes Forum, ich bin neu hier und brauche dringend einen Rat..
Zu mir: Ich bin 21 und habe vor ca 6 Monaten eine Ausbildung zur Krankenschwester angefangen, weil es der einzige Beruf war, den ich bisher kannte.

Jetzt zu meinem Problem: Ich habe seit Praxisstart ein schlechtes Bauchgefühl, die Ausbildung greift meine Psyche förmlich an. Zudem kämpfe ich schon lange mit soz. Problemen/Ängsten. Ich habe aber nie eine Therapie gemacht (also keine Diagnosen o.Ä.), weil es bis dato nie längerfristig Probleme machte. Aber mittlerweile belastet mich mein Verhalten stark und ich lasse mich sogar krankschreiben, weil ich regelrecht Panik habe (dabei kann ich nicht mal sagen, was genau das Problem ist!). Ich finde das Praxiswissen wirklich nützlich. Aber dieser ständige Kommunikationszwang und dieses "autoritäre" Auftreten als Krankenschwester macht mich fertig. So bin ich einfach nicht.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter, es ist nicht mal 1/3 der Ausbildung rum und wenn ich mir vorstelle was noch alles praktische auf mich zukommt in der Ausbildung, wird mir schlecht. Wäre ich schon Ende 2. Jahr, würde ich natürlich durchziehen.. aber ich bin gerade mal am Anfang!

Ich komme mir so dumm vor, wenn ich die Ausbildung deshalb abbreche. Bisher habe ich immer alles durchgezogen, was Schule etc betrifft. Ich übertreibe bestimmt einfach nur total..

Hat jemand einen Rat..? :-(

Gruß Cora


Candykills
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 17:21

Ich würde jetzt nicht überstürzt abbrechen, solang du keinen Plan B hast (und sei dieser, erstmal in Therapie zu gehen und die sozialen Ängste zu bearbeiten, die dich scheinbar lähmen).
Wenn du einen Plan B hast und der umsetzbar ist, dann sehe ich das nicht als Schwäche eine Ausbildung abzubrechen, wenn sie nicht zu einem passt. Gerade so am Anfang, das zieht sich ja noch lange hin und wenn es dir so schlecht damit geht...
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Coriolan
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 17:28

Hallo violetghost,

Verlangt denn deine Schule von dir "autoritäres" Auftreten und "ständige Kommunikation"?

Ich habe die Ausbildung auch absolviert und klar soll man den Patienten informieren, beraten, etc. aber wir hatten auch viele "Stille" im Kurs (mich eingeschlossen) und das war nie ein Problem. Autoritäres Auftreten hat von uns niemand verlangt - ich bin weder Erzieherin, oder Pastorin, dass ich jemanden "bekehren" muss zu einem gesünderen Lebensstil. Und die 80-jährigen Hardcore-Raucher lachen sich zu Recht kaputt, wenn ich ihnen erkläre, dass Rauchen ungesund ist. Haben die aber Fragen an mich, wie sie aufhören können, ob es da Alternativen gibt, etc. berate ich gerne.

Viele brechen ihre 1. Ausbildung ab, weil sie feststellen, dass ihnen das nicht liegt und sie sich das anders vorgestellt haben. Es ist also wirklich keine Schande. Du bist/wärst also nicht die Einzige.

Ob es sinnvoll ist, eine Ausbildung auf Biegen und Brechen durchzuziehen, wenn du bereits jetzt schon so unglücklich bist und dich krank schreiben lassen musst? Die Entscheidung kann dir keiner abnehmen. Allzu viele Fehltage darfst du halt während der Ausbildung eh nicht haben sonst wirste später nicht zum Examen zugelassen.
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ENA
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 17:32

Ich würde auch erstmal warten, zumal ich es mir nicht leicht vorstelle, in der jetzigen Zeit etwas Neues zu finden, grade auch dann, wenn man noch nicht ganz klar hat, was. Da nun aber die Bewerbungen für das neue Ausbildungsjahr grade laufen, macht es vielleicht Sinn zu gucken, was auf dem Markt ist und ggf. einen Termin bei der Berufsberatung zu machen. Ich weiß nicht, wie die derzeit arbeiten, in Bezug auf Publikumsverkehr, aber viel kann man derzeit auch über deren Website machen, Informationen einholen, etc. . Vielleicht gibt es in der jetzigen Situation auch Beratungsangebote online oder per Telefon?

Ich hab nicht ganz klar, was Du mit "autoritär" in dem Beruf meinst. Musst Du den Patient/innen sagen, was "sie tun sollen"? Kann man das nicht auch als Empfehlung formulieren? Kannst Du Dir vorstellen, dass es anders wäre, wenn Du in einem anderen Team, einer anderen Einrichtung wärst? Die Situation ist wohl im Moment überall angespannt, mal mehr, mal weniger. Ob es danach wieder für Dich besser wird, weiß ich nicht.

Vielleicht gibt es auch eine ähnliche Ausbildung, wo Du weniger direkt mit Menschen arbeitest? Im Bereich Verwaltung, Labor?...oder Schule weiter machen?

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candle.
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 17:52

Hallo!

Ich würde es auch so sagen wie die anderen. Abwarten, vielleicht nochmal zu einer Berufsberatung gehen.

Ich weiß nicht, ob die Alterangabe stimmt, aber mich macht das immer so stutzig, weil ich in deinem Alter längst mit der Ausbildung fertig war. Was hast du denn davor gemacht?

Und heutzutage gibt es so viele Möglichkeiten sich zu informieren einschließlich Praktikum, dass man ja nicht unbedingt eine falsche Entscheidung treffen mußt- theoretisch.

Bist du denn sicher, dass du überhaupt eine Ausbildung durchhalten kannst? Ich habe so den Eindruck, dass du generell damit überfordert sein könntest. Da würde es sicher auch noch unterstützende Möglichkeiten geben.

Lieben Gruß!
candle
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violetghost
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 17:56

@ candle

Ich habe 2018 mein Abi gemacht, dann ein fsj auf der Kinderstation und dann musste eine Ausbildung her..
Zuletzt geändert von Tristezza am Fr., 03.04.2020, 18:07, insgesamt 1-mal geändert.
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violetghost
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 18:02

ENA hat geschrieben:
Fr., 03.04.2020, 17:32
Ich hab nicht ganz klar, was Du mit "autoritär" in dem Beruf meinst. Musst Du den Patient/innen sagen, was "sie tun sollen"? […]
Vielleicht gibt es auch eine ähnliche Ausbildung, wo Du weniger direkt mit Menschen arbeitest? Im Bereich Verwaltung, Labor?...oder Schule weiter machen?
Autoritär war vllt das falsche Wort, ich meine eher die Kommunikationsfähigkeit, wenn man so will. Ja bei Verwaltung, Labor etc werde ich mich jz einfach noch zusätzlich bewerben erstmal. Letztes Jahr musste ich mich leider aus zeittechnischen Gründen für eine Ausbildung entscheiden, bevor ich gar keine gehabt hätte. War wohl die falsche damals :-/
Zuletzt geändert von Tristezza am Fr., 03.04.2020, 18:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 18:07

Ich hatte erst noch an (Pflege-) Management gedacht, aber da hat man ja durchaus auch Leute, Kollegen,...denen man etwas sagen soll.
Gab es denn ansonsten in Deiner Schulzeit kein einziges weiteres Praktikum?...oder Interessensgebiete privat, an denen Du beruflich anknüpfen könntest?
Mit Kindern oder generell im sozialen Bereich gibt es ja auch viele Berufe und Tätigkeitsfelder, aber ich denke, das Thema "etwas sagen, was man will" begegnet da einem doch auch mehr, als in der Verwaltung und im Labor. Da wäre es zumindest wohl einfacher "nebenbei dran zu arbeiten", als während einer Ausbildung, mit direkterem, sozialen Kontakt.
Studium ginge natürlich auch noch, wenn Du Abi hast, aber auch das macht eher Sinn, wenn Du auch die Richtung klarer hast.

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candle.
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 18:10

violetghost hat geschrieben:
Fr., 03.04.2020, 17:56
dann ein fsj auf der Kinderstation und dann musste eine Ausbildung her..
Hm, und da hast du nicht gemerkt, dass du das nicht kannst?

LG candle
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Coriolan
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 18:14

Das ist kein Drama - wie gesagt: Du stehst damit nicht alleine da und bei der Fülle an Auswahlmöglichkeiten, die man alleine schon bei den Ausbildungen hat, ist halt nicht immer gleich der erste Versuch ein "Treffer". Mit Abi kannst du ja auch noch studieren. Ich bin mir nicht sicher, ob die Zahl stimmt - ich erinnere mich dunkel, dass 1/3 der Jugendlichen/jungen Leute ihre 1. Ausbildung abbrechen.

Viele Auswahlmöglichkeiten zu haben kann zugleich Segen und Fluch sein.

Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, denn auch wenn diese Ausbildung vielleicht nicht deines ist, jetzt weißt du wenigstens, was Dir nicht liegt. Auch das zu wissen, ist viel wert! Wie schätzen denn deine Lehrer deine Leistungen ein? Die Probezeit hast du ja offenbar bestanden.

Du findest bestimmt auch noch raus, was genau bei dieser Ausbildung für dich so schwierig ist, dass du dich krank schreiben lassen musst.

Das wird schon! :ja:
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 18:24

candle. hat geschrieben:
Fr., 03.04.2020, 18:10
violetghost hat geschrieben:
Fr., 03.04.2020, 17:56
dann ein fsj auf der Kinderstation und dann musste eine Ausbildung her..
Hm, und da hast du nicht gemerkt, dass du das nicht kannst?

LG candle
Tatsächlich ist die Ausbildung dagegen völlig anders. Und da ich Druck hatte, dass ich überhaupt etwas finde, habe ich mich halt da beworben. War auch die einzige Stelle, wo ich noch angenommen wurde.. Ist wohl doof gelaufen alles.

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ENA
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 18:30

Liegt es dann wirklich an der Arbeit oder eher daran, dass Ausbildung eben etwas Anderes als FSJ heißt? (Anforderungen, Verantwortungen,etc.)
Würde der Job vielleicht gehen, wenn Du z.B. weniger Angst vor...Versagen,...hättest (als Beispiel jetzt. Es kann auch etwas Anderes sein)?.

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candle.
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 18:37

Dann schaue dich doch mal ausführlich um, es gibt genug Videos über die verschiedensten Berufsbilder im Netz und vielleicht kannst du dann noch wechseln. Aber eines steht fest: Auftreten mußt du so ziemlich überall entsprechend, ob nun autoritär, freundlich oder souverän...

candle
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violetghost
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 18:43

ENA hat geschrieben:
Fr., 03.04.2020, 18:30
Liegt es dann wirklich an der Arbeit oder eher daran, dass Ausbildung eben etwas Anderes als FSJ heißt? (Anforderungen, Verantwortungen,etc.)
Eher weniger in dem Sinne vom Begriff. Im FSJ hast du ja auch Anforderungen etc. Selbst da war mir das aber schon extrem unangenehm, wenn es daran geht "überprüft" zu werden

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ENA
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Beitrag Fr., 03.04.2020, 18:52

D.h. es geht um das Thema "Prüfung" bzw. "Beobachtet, begutachtet,bewertet" zu werden? Da kann man ja grundsätzlich parallel dran arbeiten, auch neben Studium und Ausbildung. ...In so weit, wie das "Problem" einen nicht zu sehr an Ausbildung, Studium,..selber hindert. Wenn das Hauptproblem das Thema ist, wird es in anderen Ausbildungen,...aber ähnlich sein. Ist die Frage, wie gut der Beruf trotzdem zu einem passt oder ob es wirklich etwas Anderes sein soll,...und in wie weit es möglich ist, eine Ausbildung "trotzdem" zu machen.
Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, mit jemanden von der Ausbildung über das Thema zu sprechen?