Was stimmt nicht mit dem Nachbarskind?

Kindheit, Jugend und Ausbildungszeit halten viele Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und Eltern bereit - hier ist der Platz, sich darüber auszutauschen (Beitrags-Haltedauer: 1 Jahr).
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rainyday
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Was stimmt nicht mit dem Nachbarskind?

Beitrag Mi., 08.07.2020, 19:55

Liebes Forum,

in unserer Straße wohnt ein Mädchen, ca. 6-7 Jahre alt, um das wir uns etwas sorgen und sehr wundern.
Die kleine ist fast immer draußen und viel allein.
Sie spricht unbefangen fremde Leute an und versucht sogar manchmal, einem bis in die Wohnung zu folgen. Ich meine, dass kann doch sehr gefährlich werden?!
Dabei erzählt sie fast nur "Unfug". Sie gibt sich einen andern Namen und erzählt Fantasiegeschichten über ihre Familie und ihre Haustiere. Wenn man sie etwas fragt, kann man davon ausgehen, dass die antwort eher nicht stimmen wird.
Erst neulich haben Nachbarskinder sie weggejagt, weil sie nicht mehr mit ihr spielen wollten, vermutlich aufgrund ihrer ständigen "Lügengeschichten".
Bei einem Brunch im Freien ist sie einfach bei Freunden auf den Schoß geklettert und hat mitgegessen. Offenbar hatte sie an dem Tag noch nichts bekommen.
Einmal wollte sie Kleingeld von mir und als ich ihr das nicht gab, hat sie mich beschimpft. Sonst ist sie eigentlich immer nett und sehr anhänglich und läuft einem nach während sie die ganze Zeit wenig plausible Dinge erzählt. Offenbar sucht sie Aufmerksamkeit. (Sie hat aber Geschwister.)

Ich habe überhaupt keine Erfahrung mit solchem Verhalten. Weiß jemand Rat? Sollte ich etwas tun? Aber was? Wäre die Sozialarbeiterin der Wohnungsgenossenschaft ein Ansprechpartner?
Ich habe leider so ziemlich keinen Draht zu Kindern.

Verwunderte Grüße,
rainy
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Anna-Luisa
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Beitrag Mi., 08.07.2020, 21:00

Schalte das Jugendamt ein. Das kannst du auch anonym tun. Dadurch dass das Kind derart "zutraulich" ist und sich bei Fremden auf den Schoß setzt um mit zu essen, zeigt das die Kleine verwahrlost.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
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ENA
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Beitrag Mi., 08.07.2020, 21:01

Das wäre eine Idee, die Sozialarbeiterin mal darauf anzusprechen. Dann kann sie selber entscheiden, was sie tut.

Was ich mich aber grade frage ist, woher Du das so genau mitbekommst? Also wie bekommst Du mit, dass sie zu Fremden in die Wohnungen geht, dass sie fast nur Unfug erzählt? Dann müsstest Du ja so nah mit ihr zu tun haben, dass Du oft mitbekommst, was sie anderen erzählt.
Wenn sie bei Freunden bruncht, sehe ich erstmal kein Problem, wenn sie da auf den Schoß geht und mit isst. Es sind ja keine Fremden, sondern Freunde der Familie.

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rainyday
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Beitrag Mi., 08.07.2020, 23:33

Danke euch für eure Antworten!
Sie ist einfach mit in unsere Wohnung gekommen, obwohl sie uns noch gar nicht kannte. Sie erzählt Dinge, die ganz offensichtlich nicht stimmen: falscher Name, falscher Wohnort, Mutti angeblich im Krankenhaus, ihre Freundin hätte ihr Haustier aufgegessen usw.
Sie hat nicht bei ihren Freunden mitgebruncht, sondern bei meinen. Sorry, da hatte ich mich falsch ausgedrückt. Sie ist einfach meinem Freund, den sie nie zuvor gesehen hatte, auf den Schoß geklettert um sich seine Brille aufzusetzen. Weniger Scheu geht echt nicht!
Andere aus meinem Haus haben den gleichen Eindruck von ihr bezügl. der Dinge, die sie erzählt. Es wirkt auf mich so, als würde sie sich bemühen, sich ganz schnell was auszudenken um Passanten für sich zu interessieren, indem sie einfach drauflosplappert. Sie sieht ordentlich angezogen aus, aber möglicherseise ist das das Einzige, was die Eltern hinbekommen.

LG rainy
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ENA
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Beitrag Mi., 08.07.2020, 23:40

Ah, okay, ich verstehe. Ich dachte, vielleicht kennt ihr Euch doch soweit, dass Du wirklich weißt, wie sie bei anderen ist und denen erzählt. Immerhin scheint ja klar zu sein, dass die Mutter nicht im Krankenhaus ist. Vielleicht ist es wirklich gut, mal die Sozialarbeiterin aus Eurer Siedlung anzusprechen. Die kann ja dann wirklich gucken, ob und wie sie reagiert.
Das eine Sechsjährige sich zu anderen auf den Schoss setzt, deren Brille aufzieht und mitisst, finde ich seltsam. Es sei denn, es wären die eigenen Eltern. Das passt eher zu jemanden mit 3/4, denke ich (mal abgesehen von dem Thema, dass es Fremde sind).


Malia
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Beitrag Do., 09.07.2020, 08:18

Das Kinder Fantasiegeschichten erzählen, ist nicht unnormal.
Und sie kennt euch ja, wenn sie in der Nachbarschaft wohnt?
Ich würde eher versuchen, mit den Eltern Kontakt aufzunehmen, um ein klareres Bild zu erhalten, bevor ich das Jugendamt einschalte.
Alles wird wieder gut.
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Anna-Luisa
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Beitrag Do., 09.07.2020, 08:28

"Kennt" man jemanden, der nur in der Nachbarschaft wohnt? Ich finde, nein.

Ich würde die Eltern tatsächlich überspringen und das Jugendamt einschalten. In der Regel will keiner Erziehungstipps aus der Nachbarschaft. Und die Eltern wissen dann ziemlich genau, wer die Behörden eingeschaltet hat.
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Candykills
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Beitrag Do., 09.07.2020, 08:29

Kinder leben immer ein bisschen in einer Phantasiewelt, deswegen würde ich das, was sie erzählt nicht als "Lüge" bezeichnen. Das gehört zur Kindheit (frühen Kindheit) dazu. Kleine Kinder sprechen auch zum Beispiel immer, wenn sie alleine spielen (sie denken sich also Freunde dazu, denen sie was erzählen), absolut normal, auch wenn man bei einem Erwachsenen da eine Schizophrenie diagnostizieren würde ;-). Als Kind darf man das alles noch und ist völlig gesund und normal.

Kennst du denn ihre Eltern?
Es kann halt von "sie ist einfach sehr zutraulich" bis hin zu "sie wird vernachlässigt" alles sein.
Du kannst sie ja auch mal selbst zu ihren Eltern befragen, natürlich in "kindlicher" Weise. Ob sie arbeiten und so ein Zeugs.
Einfach das Jugendamt einschalten, ohne überhaupt irgendwas über die Zustände daheim zu wissen, finde ich schwierig. Auf der anderen Seite will man natürlich auch nicht wegsehen, deswegen wäre vielleicht die Sozialarbeiterin eine gute Anlaufstelle vorerst.
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lisbeth
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Beitrag Do., 09.07.2020, 08:34

Dass Kinder mal "Geschichten" erzählen finde ich jetzt auch nicht so bedenklich. Dieses absolut distanzlose Verhalten völlig Fremden gegenüber plus die Tatsache, dass das Kind oft sich selbst überlassen zu sein scheint, aber schon.
Ich finde auch, die Sozialarbeiterin der Genossenschaft wäre eine gute Anlaufstelle. Die ist Profi und kann mit der Familie mal in Kontakt treten und sich dann ein genaueres Bild machen und gegebenenfalls auch dafür sorgen, dass das Kind bzw. die Familie weiterführende Unterstützung bekommt, falls nötig.
In dem Maß wie wir anfangen, Fragen anders zu stellen, werden wir auch neue Antworten finden.

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Anna-Luisa
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Beitrag Do., 09.07.2020, 08:36

Candykills hat geschrieben:
Do., 09.07.2020, 08:29
Kinder leben immer ein bisschen in einer Phantasiewelt, deswegen würde ich das, was sie erzählt nicht als "Lüge" bezeichnen. Das gehört zur Kindheit (frühen Kindheit) dazu.
Für ein Kind im Schualter ist es aber sehr auffällig. Ebenso das betteln, ungefragte Mitessen auf dem Schoß eines Fremden, das stundenlange herumstreunen....
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Beitrag Do., 09.07.2020, 13:12

Auch ich stimme Anna-Luisa zu.

Wenn sich das Kind so verhält, sollte das genau beobachtet werden und auch mal die Eltern genauer angeschaut. Wenn das so abläuft wie die TE beschrieben hat, finde ich das alles andere als "normal" und hochgefährlich, wenn Kinder so distanzlos sind.


Klar erzählen Kinder Phantasiegeschichten, sie sind Kinder und haben oft ihre eigene Welt. Aber hier würde ich mirSorgen machen und erst mal vorsichtigen! Kontakt zu den Eltern aufnehmen, beobachten, wie sie sich dabei verhalten und auch das Kind. Wenn das Kind dann Angst entwickelt, oder die Eltern "grob" reagieren, sollte unbedingt das Jugendamt eingeschaltet werden. Ich finde lieber einmal zu früh, als ein Kind leiden zu lassen.
never know better than the natives. Kofi Annan