Werde Vater, aber will es nicht sein.

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Werde Vater, aber will es nicht sein.

Beitrag So., 25.10.2020, 01:57

(Teil 1)
Hi, ich möchte mir einfach ein bisschen von der Seele schreiben. Ich bin sehr unglücklich und ich träume sehr oft von mir, meiner Exfreundin und meinen Sohn, der von ihr bald geboren wird.
Es war während der frühen Coronazeit, als wir noch zusammen waren. Wir hatten eine gemeinsame Wohnung. Plötzlich wurde meine Freundin krank. Appetitlosigkeit, Kurzatmigkeit. Wir dachten, nun hat sie Corona erwischt. Kurz danach dachte ich, ich bekomme auch Symptome wie Kurzatmigkeit. Fortan lag sie 24/7 nur noch entweder auf dem Sofa oder im Bett. Ich war im Homeoffice und damit rund um die Uhr Zuhause. Sie war selten ansprechbar, weil sie entweder geschlafen hat oder mit Kopfhörern Videos geguckt hat.
Ich war sehr besorgt. In der Zeit ging es dann rapide Berg ab mit unserer Beziehung. Meine Besorgtheit nervte sie. Die Kommunikation sank auf null. Ich wollte mir ihr über ihren Zustand sprechen, aber sie blockte nur genervt ab. Ich hatte Angst um sie und auch um mich.
Über Corona war noch vieles unklar, nicht so wie heute und ich wollte mit ihr darüber sprechen, dass es untersucht werden sollte. Einige Nächte, als es immer schlimmer zu werden schien, war ich am überlegen, gegen ihren Willen den Arzt anzurufen. Ihre Mutter, mit der ich schrieb, war derselben Meinung. Ich tat es nicht, wartete ab und ihr Zustand schien sich auch zu bessern. Es kam nun immer wieder vor, dass sie wegen Kleinigkeiten, wirklich absoluter Nichtigkeiten oder wegen Schlussfolgerungen, die ich einfach überhaupt nicht logisch nachvollziehen konnte und jedem gesunden Menschenverstand widersprachen, Streits anfing. Egal, was ich tat, sie war einfach nur dauergenervt von mir. Wenn ich sie ansprach, ignorierte sie mich mit Schweigen oder nur gehässige Kommentar wurden erwidert.

Nachts lag ich grübelnd im Bett und überlegte immer nur, was ich wieder falsch gemacht haben könnte. Meine Kollegen bemerkten meinen Zustand auch, weil ich mich nach jedem Streit zwei, drei Tage lang kaum noch auf meine Arbeit konzentrieren konnte. Hatte ich den Verstand verloren oder meine Freundin? Sie versuchte alles so hinzudrehen, als wenn ich der absolute Unmensch wäre: Egoistisch, kaltblütig, sie nur ausnutze. Ich fragte mich dann immer? Stimmt das? Was hab ich gemacht? Wie kommt sie darauf?
Einmal kam es zu einem Streit und dort passierte es: Ich will hier nicht sagen, was es genau war, aber was sie da äußerte verletzte mich tief in meiner Persönlichkeit, in meiner Würde als Mensch. Es war der pure Hass in ihrem Lächeln. Dieses Lächeln in dem Moment ist mir immer noch in Erinnerung.

Wir waren danach noch 3 Monate offiziell zusammen, aber in diesem Moment spürte ich, dass sie etwas in mir zerstörte und sie sich daran weidete. Damit war für mich eine rote Linie der Unverzeihlichkeit überschritten, eine nicht mehr zu kittende Distanz: Der Keim der Trennung war gesät.
Nach Gesprächen mit meiner Familie und Freunden über diese ganzen Vorfälle und den albtraumhaften, höllischen Alltag kam ich dem Entschluss immer näher, die Beziehung zu beenden. Ich war jedoch noch nicht so weit, konnte mich nicht durchringen, wollte noch abwarten. Und dann kam morgens die Neuigkeit von ihr: Sie sei schwanger, ein entsprechender Test habe es bestätigt. Dass sie vor einigen Monaten schon einmal einen Test gemacht hatte, der aber wohl negativ ausgefallen war und sie deshalb nicht an der Möglichkeit einer Schwangerschaft weiter gedacht hatte.
In dem Moment wusste ich nicht, ob ich mich freuen oder trauern soll. Nun gut, dachte ich, war dies also die Ursache ihres Verhaltens gewesen. Ich verriet ihr meine Gedanken, die Beziehung zu beenden, nicht. Ich entschloss mich, es doch noch weiter mit ihr zu versuchen. Das ging zwei Wochen gut: Ein Streit. Besser gesagt: Sie wollte streiten, fand einen Grund. Doch ich war müde, argumentierte trocken. Sie flippte aus, sie wollte Drama und sie bekam es. Wir weinten wieder. Drei elende Tage grübelte ich. Auf der Arbeit erledigte ich nichts mehr. Ich fuhr zu meinen Eltern. Über eine Email, ähnlich wie dieser Text hier, nur an sie persönlich gerichtet, machte ich Schluss mit der Beziehung.
Zuletzt geändert von Pauline am So., 25.10.2020, 05:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag So., 25.10.2020, 02:00

(Teil 2)
Zusammen sind wir nicht mehr. Wenn ich an die Frau denke, weiß ich, dass es so richtig ist. Ich fühle mich wieder wie ein freier Mensch und nicht wie ein Hund, der nur getreten wird. Aber es zerbricht mir das Herz, wenn ich an das Kind denke.

Ich träume davon. Ich weiß, mein Unterbewusstsein möchte so gerne Vater sein; für das Kind da sein. Sie wohnt weit entfernt Ort: Eine Autotagesfahrt. Das Kind wird bald geboren. Ich zahle Unterhalt. Ich werde biologischer und rechtlicher Vater sein. Sozialer Vater – unwahrscheinlich. Ich werde das Kind sehr selten sehen. Es wird mich kaum kennenlernen, ich werde ihm nichts beibringen können, obwohl ich es mir immer so sehr gewünscht habe. Es wird an meinem Leben wenig teilhaben. Meine Werte, meine Familie wird es nicht oder nur kaum kennenlernen. Es wird höchstwahrscheinlich nur die Familie mütterlicherseits kennenlernen. Ich habe mit der Familie mütterlicherseits kein Wort mehr geredet und kenne diese selbst kaum: Ich bin mir aber ziemlich sicher, dort auf ewig der Buhmann zu sein. Die Chancen stehen deshalb so, dass es entweder mit Hass auf mich aufwachsen wird oder mit Gleichgültigkeit.
Das Kind hätte nie erzeugt werden dürfen. Warum die Verhütung nicht geklappt hat, weiß ich nicht. Ich mache meiner Exfreundin keine Vorwürfe. Ich denke ab und zu: Es wäre besser, wenn das Kind sterben würde, denn das Kind wird uns auf ewig verbinden. Die Beziehung saugte mir die Seele aus und nun verhindert es, dass ich ihr immer noch nicht entkommen kann.
Ich hoffe, es wird nicht die Tragödie meines Lebens, die es jetzt schon ist. Vielleicht kommt später mein Sohn auf mich zu und will mich kennenlernen. Ich würde mich freuen. Ich will erst einmal keinen Kontakt. Geschrieben habe ich es meiner Exfreundin noch nicht. Ihr schreibe ihr nur, wenn es sachlich was zu klären gibt. Antworten von ihr sind sehr oft mit persönlichen Angriffen und Vorwürfen gespickt. Ich habe auf sowas keine Lust mehr. Deshalb will ich sie nicht sehen. Sie erwartet wahrscheinlich schon, dass ich regelmäßig dann den Kleinen besuche. Die Kosten sind für mich aber zu hoch: Finanziell und emotional und auch zeitlich.
Ich will nicht völlig daran zugrunde gehen. Moralische Vorwürfe sind leicht erhoben: Von vielen Seiten – zum Glück nicht von meiner „richtigen“ Familie. Dazu zähle ich meine geliebten Eltern und meine geliebten Geschwister. Vielleicht werde ich auch meinen Sohn lieben. Ich weiß noch nicht, ob mich diese Liebe zerstören, oder ob sie mich beschenken wird…
Am besten wäre es, wenn meine Exfreundin einen neuen Mann findet, der die soziale Vaterrolle abdecken wird.
Ich werde noch lange daran zu kauen haben...
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Nico
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Beitrag So., 25.10.2020, 06:19

Ziemlich viel Selbstmitleid tischt du uns hier auf. Du machst auf mich weder den Eindruck ein guter Partner sein zu können, noch ein guter Vater.
Das scheint die Mutter wohl auch gespürt zu haben.
Was sollte dein Sohn wohl jemals an dir lieben, wenn dein größter Wunsch ist, dass möglichst schnell ein anderer Mann auftaucht der dir die lästige Arbeit abnimmt dich um ihn zu kümmern?
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inlines
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Beitrag So., 25.10.2020, 07:24

Man merkt, dass diese Situation dir großen Kummer bereitet - was wie ich finde sehr verständlich ist. Dass gerade dann das Kind kommt, als die Beziehung vor dem Aus steht, macht das alles noch viel schwerer. Aber vergiss bitte nicht, dass das Kind an dem ganzen keine Schuld hat, genauso wenig wie du zur Verantwortung gezogen werden solltest, für das Handeln deiner Eltern. Es ist klar, dass du das Kind mit jener Frau verbindest, mit der du nichts mehr zu tun haben willst, aber dennoch braucht es die Dinge, die alle Kinder brauchen. Vielleicht hilft es dir einen Brief an das Kind zu schreiben, in dem du dich erklärst, Gründe nennst warum das so schwer für dich ist. Abschicken würde ich ihn an deiner Stelle vorerst nicht,
aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es für den kleinen Menschen irgendwann sehr wichtig werden wird, was gerade passiert und warum es passiert.


kaja
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Beitrag So., 25.10.2020, 08:15

Wenn man nicht Eltern werden möchte, dann verhütet man. Wer sich nur auf eine Verhütungsnethode verlässt, nimmt billigend in Kauf sich fortzupflanzen. Das ist eine Entscheidung die du getroffen hast und für die du die Konsequenzen tragen musst.

Ob du auch ein sozialer Vater wirst, liegt an dir. Du kannst dir einen Job in der Nähe des Wohnortes deines Sohnes suchen und dort hin ziehen o.ä. . Da gibt es genug Möglichkeiten.

Wenn es nur darum geht dich vor der Verantwortung zu drücken dann sei ehrlich zu dir selbst und dem Kind gegenüber und such nicht die Schuld in irgendwelchen Umständen oder anderen Personen. Du hast keinen Bock.

Wer daran lange zu kauen haben wird, ist dein Sohn. Eine Vater der sich wünscht das man gestorben wäre, muss eine unglaubliche emotionale Belastung für den Kleinen sein, die ihn sein ganzes Leben begleiten und vermutlich auch Einfluss auf seine soziale Bindungsfähigkeit haben wird.

Du bist irgendwann aus der "Nummer" raus, wenn du keinen Unterhalt mehr zahlen musst. Er nicht.
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Beitrag So., 25.10.2020, 11:41

"Das ist eine Entscheidung die du getroffen hast und für die du die Konsequenzen tragen musst."
Das ist zynisch. Wenn jemand aus dem Haus geht, dabei in einen Verkehtsunfall verwickelt wird und hinterer querschnittsgelähmt ist: Solch jemanden könnte man ja auch sagen "Damals aus dem Haus zu gehen war deine Entscheidung. Du hast nun die Konsequenzen zu tragen." Herzlichen Glückwunsch, derjenige wird sich bedanken, das weiß er dann wohl nur zu gut selbst. Als wenn ihm irgendeine Wahl noch bliebe.

Mir geht es nicht um "Schuld". Verantwortung hätte ich gerne übernommen. Soziale Verantwortung ist ein Geschenk und keine Last. Die soziale Vaterrolle ist doch das Schöne an einer Vaterschaft und die gibt es normalerweise "gratis". Denn ist es ja nicht so, dass ich die Verantwortung gar nicht trage: Die rechtliche Verantwortung trage ich. Das Gesetz schreibt dies vor. Allein der Betreuungsunterhalt (also Unterhalt für die Mutter - das Kind nicht einmal mit eingerechnet) wird mir mehrere Zehntausende kosten. Und nein, ich kann nicht mal eben meinen Job aufgeben, der ist nämlich sehr speziell. Vielleicht kann dies in einigen Jahren möglich werden, aber eine Garantie darauf lässt sich nicht geben. Ich opfere bestimmt nicht meine komplette, berufliche Zukunft, für die ich bereits unglaublich viel Zeit und Geld hineininvestiert habe. Das wäre völlig bescheuert. Und wäre das für das Kind das Beste? Nein, sicherlich nicht, wenn der Vater deshalb vor die Hunde geht.

In Zukunft wird es drei gleichberechtigte Interessensträger geben:
-Vater
-Mutter
-Kind (noch nicht geboren)

Mein kommender Sohn ist für mich noch ein Abstraktum. Er existiert bisher nicht wirklich. Von der Schwangerschaft (wohl sicher zwar von den Launen der Mutter) habe ich nichts mitbekommen. Stattdessen wurde ich vor vollendete Tatsachen gestellt.
Ich versuche nun konstruktiv mit dieser Ausgangssituation das Beste für alle Beteiligten zu machen.
Das Beste ist aber nicht automatisch das Beste für das Kind. Wer diese Forderung stellt, der missversteht die Realität. Das Beste ist auch nicht automatisch nur das Beste für den Vater - selbstverständlich.
Hier muss abgewogen und immer wieder neu abgewogen werden.

Ich quäle mich mit Überlegungen, was die besten Entscheidungen für alle beteiligten werden. Zu diesen Entscheidungen gehört sicherlich nicht, ihm später mitzuteilen: "Ach ja, damals spielte ich mit dem Gedanken, dass dein Tod wohl das Beste wäre."
Meine Güte, natürlich würde ich ihm das nie sagen oder zeigen wollen. Das werde ich auch niemals der Mutter kommunizieren.

Realistisch gesehen wird es aber so sein, dass ich ihn weit seltener als jede 2. Wochen sehen werde. Das ist einfach nicht machbar. (Hier geht es nicht bloß um 2h Auto- oder Bahnfahrt. Wir sprechen eher von 8h.) Auch dieser Tatsache muss man ins Auge sehen. Zumindest solange, wie er Baby bzw. Kleinkind sein wird. Denn für bloß 2h Aufenthalt sind solche Reisen nicht tragbar. So, werde ich da realistisch eine Chance haben, überhaupt jemals als Vater denn als bloß "besonderer Onkel" wahrgenommen zu werden? Die Antwort: Ich weiß es nicht. Das Risiko ist sehr hoch, dass das nicht der Fall sein wird. Im Gegenteil sehe ich die Gefahr, dass durch dieses Auf- und Ab mehr Schaden angerichtet wird, als wenn er mich gar nicht erst kennenlernen würde. Ein Kind, dass seinen Vater nie kennenlernt, wird ihn vielleicht auch nie vermissen. Ob diese Vermutung stimmt? Ich weiß es nicht. Wenn die Mutter bis dahin einen anderen Mann kennengelernt hat, der auch lieb zu dem Kind ist. Ja, warum denn nicht? Das Kind trägt in diesem Fall gar keinen Schaden (nur eintreten müsste dieser Fall erst einmal...). Die Person, die mit Gewissheit den Schaden trägt, bin wohl eher ich. Der Schaden wäre aber vermutlich auch minimal und von daher wäre es für beide die beste Lösung.

Einfacher wird es erst, wenn das Kind größer werden wird. Dann könnte er auch mal in den Ferien allein zu mir kommen. Ich würde mich freuen und ihm dann alles zeigen, wie ich so lebe und ihm Geschichten erzählen.

Ja, ich schreibe bereits Briefe an das Kind. Verwerfe sie oft, schreibe sie neu. Mehr für mich selbst. Vielleicht später einmal, wenn aus dem Kind ein gereifter Erwachsener geworden ist. Vielleicht auch früher, dann aber kindgerecht.


kaja
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Beitrag So., 25.10.2020, 11:54

Das ist kein Zynismus sondern ein Fakt.

Ein Unfall ist ein Unfall. Seine Fortpflanzungsorgane ohne ausreichende Verhütung einzusetzen ist eine Entscheidung.
Du hättest deine Hose zulassen oder für ausreichende Verhütung sorgen können. Du hattest eine Wahl.

Also hör auf jetzt rumzujammern und die Welt oder andere für deine Situation verantwortlich zu machen.

Dass du dein Kind mit einem Unfall und einer Behinderung vergleichst, lässt schon tief in deine Abgründe blicken.
Auch wenn du es dem Kind gegenüber nicht aussprichst, so wird es merken das es ungewollt ist.

Dein Kind sollte alles für dich sein und jede unbequeme Reise wert.
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Nico
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Beitrag So., 25.10.2020, 11:58

Auf mich machst du den Eindruck eines eiskalten gefühllosen berechnenden Menschen.
Du berechnest alles und zwar ohne den menschlichen Faktor.
Du brauchst deinem Sohn nicht sagen, dass du es am Besten ( für dich natürlich) fändest wenn er tot wäre, da wird er ganz genau spüren u wissen.
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Beitrag So., 25.10.2020, 12:19

Wer sagt denn, dass nicht verhütet wurde? Sicher, man hätte vielleicht sämtliches bekanntes Sortiment an Verhütungsmitteln gleichzeitig benutzen können. Sicherlich eine sehr übliche Verhaltensweise...

In die Zukunft zu überlegen ("zu berechnen"), was es an Möglichkeiten gibt, die für alle Beteiligten das Beste wäre, hat nichts mit Gefühllosigkeit zu tun, sondern mit Vernunft. Wenn die ganze Menschheit so handeln würde, wäre der Planet ein wirklich besserer Ort.
Wir ihr seht, lässt sich auch gar nicht so eindeutig herausfinden, was das Beste sein wird. Ich glaube, vieles wird sich entwickeln müssen. Ich behaupte nicht, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Ich bitte aber darum, diese vorwurfsvollen Töne zu unterlassen. "Moralaposteln" machen die Welt nicht besser. Es ändert schlicht nichts an ihr. Bitte konstruktiv bleiben.


kaja
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Beitrag So., 25.10.2020, 12:26

Nun die Gefahr z.B. bei einer Kombination aus Pille und Kondom für Nachwuchs zu sorgen, geht gegen null.
Wer dumm genug ist, z.B. nur mit der Pille zu verhüten, der nimmt es wie gesagt billigend in Kauf.


Mit Meinungen die nicht deiner entsprechen wirst du leben müssen. Das hier ist nicht "Ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt".

Also sage ich dir ganz konstruktiv, dass du dich wie ein erwachsener Mensch verhalten und die Konsequenzen deiner Handlungen tragen solltest anstatt dich zum Opfer zu stilisieren.
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Beitrag So., 25.10.2020, 12:30

du wirst Vater. Daran ist jetzt nichts mehr zu rütteln.
Da kannst du bedauern und jammern und Vorwürfe machen (der Mutter, dem Ungeborenen, Gott, dem Universum, dir selber...) - das hilft jetzt alles nichts mehr.
Das ist eine schlichte Tatsache.

Das ungeborene Kind wird auch mitnichten ein gleichberechtigter Partner.
Wie kommst du nur auf die Idee.
Das ist ein kleiner Mensch, der völlig abhängig ist.

Wie sehr du dich da, jenseits deiner Unterhaltspflicht einbringen kannst und willst kannst du entscheiden.
Aber auch das wird unumkehrbare Folgen haben.
Das Kind ist kein Spielzeug, wenn du da nicht in den ersten Jahren eine Beziehung aufbaust kommt da nicht mehr viel.
Und alle paar Monate mal vorbeischneien baut keine Beziehung zu einem Kind auf.

Und was das Beste sein wird - worum geht es dir da? Das beste fürs Kind? Oder für dich?

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Beitrag So., 25.10.2020, 12:45

Moralapostel sehe ich hier weit und breit nicht.
Es geht nicht um Moral sondern um Fakten.
Du wünscht dir dein Sohn wäre tot, ok deine Sache aber du glaubst ( oder machst dir vor) dein Sohn würde das nicht merken und das ist schlichtweg dumm von dir.
Du möchtest dich nicht 2 Std. ins Auto setzen um deinen Sohn zu sehen, glaubst aber ( oder machst dir vor) dass dein Sohn dich schon einmal lieben wird. Siehe oben, nochmals dumm von dir.
Um Moral gehts da nicht, sondern um eklatante Fehleinschätzungen deinerseits.

Und außerdem- wo haben dich denn deine ach so vernünftigen „ Berechnungen“ hingebracht? ;)
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Beitrag So., 25.10.2020, 13:27

Die harte Wahrheit ist:

1. Mein eigenes Wohl ist mir wichtiger als das der Mutter und des Kindes. Wenn man mich vor eine Wahl von Leben und Tod stellen würde - sie oder ich - ich würde sie opfern und zwar eindeutig. Beide. Ich hab null Beziehung zu dem Kind jetzt. Es ist ein fremdes, noch ungeborenes, quasi anonymes Kind. Es könnte auch ein beliebiges anderes Kind auf der Welt sein, mit dem ich nichts zu tun habe. Natürlich wünsche ich einem Kind nichts schlechtes. Mein eigenes Leben wäre mir aber immer wichtiger.
2. Mein Unterbewusstsein sagt mir aber, dass mir das Wohl Kindes eben doch nicht egal ist. Das könnte aber deswegen sein, weil ich gerne Vater geworden wäre. (Vielleicht also reiner Egoismus. Kann sein. Ich mache mir deshalb aber keinen Vorwurf. Es ist ja wohl allzu menschlich, gerne Vater sein zu wollen.)
3. Wie auch immer 2. zu interpretieren ist, es zerreist mir die Seele.
4. Dass ich null Beziehung JETZT NOCH zu dem Kind habe, kann sich ändern. Ich habe mit Freunden gesprochen, die meinten, bevor das Baby nicht geboren war, fühlten sie auch noch nichts. D.h. 1. kann sich radikal ändern. Das lässt sich einfach gar nicht sagen.
5. Mit der Mutter möchte ich (zumindest noch die ersten Jahre) so viel Abstand wie möglich.
6. Ich möchte trotzdem für alle beteiligten das Gesamt-Beste und bin bereit, Abstriche zu machen, aber eben nicht unbegrenzt.

Die Frage lautet: Was ist das Gesamtbeste?

Nochmal: Die Vergangenheit ist mir egal, im Sinne von nicht mehr änderbar. Ich weiß, dass ich Vater werde. Das steht hier nicht zur Debatte. Mir geht es nur um die Zukunft. Die Zukunft ist noch nicht geschrieben. Die richtigen Weichenstellungen müssen erfolgen unter Berücksichtigung der Punkte 1. bis 6.. Die Frage lautet nur, was sind unter Berücksichtigung von 1. bis 6. die richtigen Weichenstellungen?

Ich schätze, das wird sich aber auch nicht in diesem Forum klären, sondern das wird sich schrittweise ergeben. Die Zukunft ist an dieser Stelle noch nicht planbar. Ja, das ist es wohl: Die Zukunft ist jetzt noch nicht berechenbar.

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Beitrag So., 25.10.2020, 13:36

damit hast du doch deine Entscheidung schon klar getroffen.
Du bist dir selber wichtiger. Ja, dann ist das so.

Dann verabschiede dich aber von dem Gedanken dass du da irgendwie, irgendwann wenn du doch Lust hast eine Beziehung zu dem Kind haben wirst. Das wird nicht funktionieren.
Und an der Mutter vorbei - realistisch gesehen - sowieso nicht.

Du bist dann halt Zahlvater. Das ist ja nicht so selten.

Du richtest vermutlich beim Kind psychisch weniger Schaden an wenn das so klar ist und du nur ganz fern als reale Person zumindest vorhanden bist.

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Malia
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Beitrag So., 25.10.2020, 13:36

Mir gefällt deine schonungslose Ehrlichkeit und ich denke, genau die kann eine Basis dafür sein,
eine gute (vielleicht nicht die beste) Entscheidung zu treffen, die für alle Beteiligten tragbar sein kann.

Du steckst jetzt mitten in der Auseinandersetzung mit einer bisher unbekannten Herausforderung.
Das Kind ist noch nicht da, die schwierige Zeit mit der Mutter noch sehr präsent.

Es gäbe auch die Möglichkeit, eine Beratung in Anspruch zu nehmen an einer Stelle, an der die Mitarbeiter sich mit dem Thema auskennen und nicht bewerten.
"Alt werden ist nichts für Feiglinge"
Mae West

"Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt.
Erfahrung ist das, was man aus dem macht, was einem zustößt."
Aldous Huxley