Elektra hat geschrieben:Damit magst Du in gewisser Weise schon recht haben, allerdings hat man mit 78 in jedem Kulturkreis nicht mehr DIE Lebenserwartung, die man braucht, um ein Kind großzuziehen.
Vielleicht braucht's in diesem Kulturkreis aber auch gar nicht (nur)
die Eltern, um ein Kind großzuziehen Siehe:
Jenny Doe hat geschrieben:Und der Familienzusammenhalt ist dort anders als bei uns, so dass ich davon ausgehe, dann sich die Familie um die Kinder kümmern wird, wenn die Eltern mal sterben.
Es gibt einen Spruch aus Afrika (fragt mich nicht, von wo genau), der sinngemäß aussagt, dass ein Kind vom ganzen Dorf aufgezogen wird, dass es eine Beleidigung wäre, die Cousins "Cousin", die Onkel und Tanten "Onkel" und "Tante" zu nennen - sie sind alle Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, was anderes gibt es nicht und alle sind für die Kinder des Dorfes auf die gleiche Weise da. Dort wäre es sicherlich zwar traurig, aber keine Katastrophe, die Eltern (früh) zu verlieren, im Gegensatz zu unserer schönen zivilisierten Gesellschaft, wo die Verwandten meist nicht mal in derselben Stadt wohnen, wo es mit Sicherheit auch keine Selbstverständlichkeit wäre, die Kinder der Schwester oder gar der Nachbarin mit aufzuziehen.
Ich vermute auch, dass in Indien längst nicht alles so verpsychologisiert ist wie bei uns, da mögen Wert und Bedeutung von
Eltern (oder auch von
Egoismus) ganz andere sein als bei uns. Ahnung hab ich davon im Konkreten zwar kaum, aber eins weiß ich: dass wir nicht unsere Maßstäbe an die ganze Welt anlegen können. Find's aber auch ätzend, dass einem von den Medien solche "Berichte" als "Sensation" in aller Kürze vor die Füße gerotzt werden, ohne weitere Fragen zu stellen oder gar nach den Antworten zu suchen; das lädt ja nur dazu ein, sich das Maul darüber zu zerreißen - Unterhaltung und Zeitvertreib, mehr isses doch nicht, schürt und festigt dabei aber fleißig (Vor)Urteile
Elektra hat geschrieben:Und ich denke, die Entscheidung über Fruchtbarkeit trifft die Natur, also muss man sich doch fragen, was Menschen das Recht gibt, sich über die Entscheidungen der Natur hinwegzusetzen, wenn es um so allgemeine Gesetze geht wie: Uralt - keine Babies mehr!
Findest du, dass auch
junge unfruchtbare Frauen oder Männer nicht das Recht haben, bei den "Entscheidungen der Natur" mitzureden? Oder dass Männer oder Frauen, die definitiv keine Kinder (mehr) haben wollen, nicht das Recht haben sollten, sich sterilisieren zu lassen? Da kannst du gleich das ganze Fass der (Medizin)Ethik aufmachen - wonach bestimmst du, zu welchen "Eingriffen in die Natur" wir das Recht haben und zu welchen nicht, was sind die Kriterien und (wie) können diese wirklich für die gesamte Menschheit Gültigkeit haben, usw.?
Ich find solche Schnellschussurteile à la Stammtisch halt einfach ätzend; wir haben meist weder genügend Ahnung von der jeweiligen Gesellschaft, noch von den einzelnen Personen, um die es geht. Keiner kann in deren Köpfe gucken, und keiner hier weiß, ob sich die Eltern der Zwillinge über die hier angesprochenen Aspekte nicht selber Gedanken gemacht haben, oder ob sich ihnen solche Fragen überhaupt stellen, ob diese für sie dieselbe Relevanz haben wie für uns, und wenn nicht, ob das nicht auch seine Berechtigung hat und "ok" ist ...