Freundin läßt mich im Stich

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_löwenzahn
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Freundin läßt mich im Stich

Beitrag Do., 25.03.2021, 00:47

Hallo liebe Leute!

Ich bin ganz neu hier und deshalb sogar ein wenig nervös.. aber ich bin umso neugieriger, etwas zu teilen, dass mich seit Tagen intensiv beschäftigt bzw. eher schon quält und dazu verschiedene Meinungen zu lesen.

Und zwar geht es um eine sehr gute Freundin. Ich hab' gerade ein rießiges Problem mit ihr, welches ich jedoch einfach nicht aussprechen kann. Für mich ist unsere Beziehung stark im Ungleichgewicht - das wurde mir erst vor ein paar Tagen so richtig bewusst, als sie mich wegen 5 Minuten Verspätung meinerseits stehen lassen hat (ja gut, ich bin nicht die pünktlichste Person, aber das weiß sie auch, nach ca. 8 Jahren Freundschaft). Dieses Ereignis war für mich offenbar der Tropfen, der das Fass überlaufen ließ.

Was auch erst kürzlich vorgefallen ist: Sie hat mich im Stich gelassen, als ich sie völlig aufgelöst und weinend angerufen habe und sie vorsichtig fragte, ob sie nicht zu mir rüberschaun möchte. Sie sagte nur, sie habe gerade etwas angefangen, aber ich kann gern zu ihr kommen. Klingt erstmal halb so wild. Aber für mich war es bzw. ist es immer noch sehr schwer zu erfassen, was diese Situation in mir auslöst(e). Denn dieser Tag war mein Geburtstag (auch wenn ich das gerne bagatellisiere..) und an dem Tag traf ich mich nach einem halben Jahr Funkstille das erste Mal wieder mit meinem Vater. Und das wusste sie.

Jedenfalls geht's mir nun darum, dass ich ihr schon sehr, sehr oft Rücksicht und sehr viel Verständnis und auch Geduld entgegen gebracht habe. Sie hat mich schon viele Male sitzen lassen, mir spontan abgesagt, und sogar den Kontakt für einige Monate radikal abgebrochen, bloß, weil ich ihr die Wahrheit bzgl. ihrer damaligen frischen Beziehung gesagt habe.
Und umgekehrt lässt sie mich stehen wegen 5 Minuten..

Nun habe ich absolut keine Idee, wie ich ihr sagen kann, dass mir etwas am Herzen liegt. Also sowas fällt mir im Allgemeinen schwer; bislang wurde es (allgemein) stets als Vorwurf aufgefasst, der Spieß meist umgedreht etc.
Aber ich halt's nicht mehr aus! Ich kann nicht weiterhin so tun, als wär alles okay. Ich will Sachen, die mich quälen nicht länger runterschlucken, sondern zum Ausdruck bringen! Ich möchte sagen können, wie ich mich fühle und die Ohnmachts-Position endlich verlassen.

So. Sorry, ich wollte gar nicht so viel schreiben und dennoch habe ich das Gefühl, es ist zu wenig, um es nachzuvollziehen...

Danke für eure Anteilnahme!
viele Grüße, löwenzahn

(Hinweis Admin: Betreffzeile von "Kann nicht sagen, was mich bedrückt" auf obige präzisiert)

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Beitrag Do., 25.03.2021, 21:51

Ih finde, du solltest ihr das so erklären wie du es hier geschrieben hast.

Dass es vorwurfsvoll klingt kannst du vermeiden, wenn du nur von DIR sprichst.

Also so : "Ich habe das Gefühl, dass...." "Es kommt bei mir so an..."

Und nicht: "Du bist so und so.."

Kannst es ja auch Schriftlich verfassen, wenn dir das leichter fällt.

Mach ihr klar, dass du die Dinge nur klären willst, weil du das Gefühl hast, es belastet die Freundschaft und alles entwickelt sich negativ usw.


Dann liegt es an deiner Freundin. Wenn ihr die Freundschaft wichtig ist, wird ihr auch wichtig sein, dass zu klären...

Wenn nicht, dann liegt ihr wahrscheinlich nicht mehr viel an dee Freundschaft zh dir.
"You cannot find peace by avoiding life."
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Beitrag So., 28.03.2021, 20:49

Hey,

danke für deine Antwort! Ja, du hast wohl Recht.. hab auch schon einen A4-Zettel vollgeschrieben, wo ich ihr meine Gefühle ganz diplomatisch & sachlich versuche zu erklären.

Das Ding ist bloß... ich kann das nicht mehr. Ich hab' diese Situation schon so oft durchgespielt mit meiner Mutter. Ich weiß, da projiziere ich was auf meine Freundin. Genau das macht die Situation so... auswegslos für mich.
Nicht nur bei meiner Mutter. Auch meinem Vater bin ich schon auf diese Weise entgegen gekommen. Bei meiner Cousine war's auch ähnlich. Der ganze Mist wiederholt sich einfach unendlich. Darum bin ich dem Ganzen so müde..

Und diese Menschen, so sehr ich sie alle mag, sind alle so zerbrechlich.. Sobald ich mich zu meinen Gefühlen, wenns mir schlecht geht, äußern möchte, wird der Spieß umgedreht: "du hast aber auch immer; das & das war aber auch sch*** von dir; jetzt bin ich wieder das Ar***loch" etc.
Wirklich jedes Mal.

Ich möchte hier nicht erzählen, dass ich das unschuldigste Lämmchen der Welt bin. Auch ich habe meine Fehler. Es bringt mich allerdings jedes mal aufs Neue ein klitzekleines bisschen um, dass ich offensichtlich die Einzige in unserer Familie und in Freundschaften bin, die Verantwortung für ihr Verhalten tragen kann. Alle anderen genannten Personen verstehen mein Verhalten nicht bzw. fühlen sich selber dann angegriffen und machen schlussendlich mich für den Konflikt verantwortlich.

Wie gesagt, es lässt mich bis heute so unendlich ohnmächtig fühlen. Ich ertrag dieses Gewicht nicht mehr...

Ich weiß auch nicht, wie ihr mir da jetzt helfen könnt oder was ich mir nun erwarte von den Antworten. Ich hoffe glaub ich einfach zu hören, dass es jemandem ähnlich geht; einfach verstanden zu werden..

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Beitrag So., 28.03.2021, 21:00

_löwenzahn hat geschrieben:
So., 28.03.2021, 20:49

Und diese Menschen, so sehr ich sie alle mag, sind alle so zerbrechlich.. Sobald ich mich zu meinen Gefühlen, wenns mir schlecht geht, äußern möchte, wird der Spieß umgedreht: "du hast aber auch immer; das & das war aber auch sch*** von dir; jetzt bin ich wieder das Ar***loch" etc.
Wirklich jedes Mal.
Ja, das ist menschlich. Das machen viele Menschen so.
Dann schlage ich immer vor, dass man diese Schwierigkeiten SPÄTER bespricht und frage, ob die andere Person bereit ist, sich kurz auf das Thema zu konzentrieren.
Solche Gespräche bringen sonst nichts.
_löwenzahn hat geschrieben:
So., 28.03.2021, 20:49
Wie gesagt, es lässt mich bis heute so unendlich ohnmächtig fühlen. Ich ertrag dieses Gewicht nicht mehr...
Welches Gewicht?
Ich finde, du solltest dich da mehr abgrenzen.
Du trägst nur Verantwortung für dein Verhalten.
Wenn da gegenseitige Schuldzuweisungen sind, wer denn nun Schuld am Konflikt hat, ist ja schon auf beiden Seiten, was an der Kommunikation schief gelaufen.

Es geht doch nicht um Schuld. In einer Beziehung - egal welche Art - hat nie jemand allein Schuld. Und es macht auch keinen Sinn einen schuldigen zu benennen.

Ok, du bist schuld aus der Sicht der anderen Person. Und dann?
Die andere Person flüchtet aus der Verantwortung und aus dem Kontakt. Ee ging ja aber eigentlich um Klärung und nicht um Schuld.
Solche Gespräche kann man tatsächlich auch von vornherein ganz lassen. Das is ne Art zu kommuniziere die kein Sinn macht, da sie ins Leere führt.
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Beitrag So., 28.03.2021, 22:03

Wenn da gegenseitige Schuldzuweisungen sind, wer denn nun Schuld am Konflikt hat, ist ja schon auf beiden Seiten, was an der Kommunikation schief gelaufen.
Ich weiß ja, ich weiß! Ich denk ich hab immer alle Sachen, die mich belasten, solange runtergeschluckt, bis ich nicht mehr konnte und dann explodiert bin.. hm, vielleicht ist es in so einem Explosions-Moment dann meistens rübergekommen wie eine Schuldzuweisung, dass mag sein :neutral:


Puh, ja.. mit dem Abgrenzen triffst du ins Schwarze! Das konnt ich noch nie so wirklich
Mir fällt's halt gerade bei meinen Eltern nach wie vor so schwer. Ich glaube immer noch, dass ich ohne dieses eine alles erlösende Gespräch meine "Freiheit" nicht bekomme. Weist du, was ich meine? Das ist das Gewicht, schätze ich..