Freiheit durch Abhängigkeit

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Solage
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 48
Beiträge: 2503
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Freiheit durch Abhängigkeit

Beitrag So., 23.05.2021, 22:25

Freiheit durch Abhängigkeit klingt paradox.
Aber mir ist es so ergangen, dass ich erst durch die Annahme meiner Abhängigkeitswünsche in Richtung Freiheit gehen konnte.
Das heißt in meinem konkreten Fall eine Therapie, die entgleiste, weil der damalige Therapeut nicht gut damit umgehen konnte. Danach bin ich mutig in Folgetherapie und ich war mir sicher, dass ich niemals wieder abhängig vom Therapeuten werde. Nein, den lasse ich gar nicht mehr so nah an mich ran. Super, oder? Ich habe alles im Griff. Ja, das hatte ich auch lange und deshalb hat sich nichts bewegt. Ich war die pflegeleichte Patientin, die nichts fordert. Dadurch konnte ich mir den Therapeuten vom Leib halten. Ich war vernünftig, wollte nicht zur Last fallen etc. Und genau das ist mir jetzt nach einem massiven körperlichen Eingriff vor die Füße gefallen. Wortspiel: Gefallen - ich wollte gefallen/gefällig sein.
Ich war plötzlich ganz alleine. Alleine mit fürchterlichen Schmerzen. Alleine weit weg von Angehörigen und Freunden. Alleine in Operation und Behandlung.
Mein Therapeut hat mir zwischenzeitlich Kontakt angeboten, mich auch kontaktiert. Ich habe aber die Zähne zusammengebissen, damit niemand merkt wie schlecht es mir geht.

Jetzt nach einer Sitzung nach allem Elend ist mir klar geworden, dass ich die Hilfe meines Therapeuten durchaus annehmen soll, wirklich SOLL; weil wenn ich meine Bedürftigkeit, die durchaus eine Abhängigkeit ist, wenn ich die annehmen kann, dann vertraue ich und mache die Erfahrung, dass ich willkommen bin in all meinen Bedürftigkeiten.
Trotzdem fühle ich mich nicht wirklich wohl damit. Haben doch meine Eltern mich gebraucht und ich bin die, die sich kümmert.

Wenn ich mich kümmere, dann bin ich mächtig und groß und stark, oder?
Dann brauche ich Niemanden.
Brauche ich aber tatsächlich doch, dann versinke ich in Scham und Unzulänglichkeit.

Jetzt bin ich mutig und sage: „Therapeut ich brauche dich, ich bin abhängig und ich bin auch schwach.“ Und der Therapeut geht wertschätzend und vorsichtig damit um.
Ich genieße erstmals eine Abhängigkeit ohne Angst. Ich glaube, das wird gut und ich werde mich zu gegebener Zeit ohne Druck lösen können. Es gibt kein festes Ende Und genau das fühlt sich sehr frei für mich an. Paradox.

Vielleicht geht es hier jemandem ähnlich oder kann mit mir mitfühlen, mich verstehen?

Benutzeravatar

Lilli-E
Helferlein
Helferlein
weiblich/female, 39
Beiträge: 45
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Mo., 24.05.2021, 07:39

Liebe Solage,
ich kann, denke ich, verstehen, was du zum Ausdruck bringen möchtest - und vor allem kenne ich ähnliche Gefühle. Mit Abstand zu meiner Therapie würde ich es aber anders formulieren.

Ich glaube, nicht das Fühlen der Abhängigkeit zum Therapeuten macht dich frei.
Ich glaube, das offene Ansehen, das Spüren und vor allem das Zulassen der eigenen Gefühle und Bedürfnisse ist das, was dich wirklich frei macht.

Dazu gehört ganz essenziell die Akzeptanz, dass ich bedürftig bin, dass ich Bedürfnisse habe, dass ich die Zuwendung eines anderen Menschens zu bestimmten Zeiten stärker brauche .... und dass das sein darf. Dann bist du in aller Tiefe frei (und bist nicht mehr abhängig von deinen eigenen inneren Begrenzungen, egal ob sie uns irgendwann zugefügt wurden oder ob wir sie als Selbstbegrenzungen selbst irgendwann „aufgestellt“ haben). Insofern löst du dich von deiner inneren Abhängigkeit gerade...

Benutzeravatar

Shukria
Forums-Gruftie
Forums-Gruftie
anderes/other, 42
Beiträge: 721
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Mo., 24.05.2021, 08:39

Ja ich kenne das auch.

Jetzt wo ich mit Abstand drauf sehe, sehe ich das ähnlich wie lilli-E

Am Anfang hab ich mich auch bei meiner ersten Therapeutin sehr abhängig gefühlt, weil ich ständig auf der Matte stand, egal ob ich wirklich was brauchte oder es hätte selber lösen können. Die Therapie scheitere irgendwann. Dann wollte ich nie wieder so anhänglich sein und landete bei meiner jetzigen und erst da merkte ich, daß ich der ersten Therapeutin gar nicht wirklich vertraut habe und mir erst recht nicht.

Jetzt funktioniert es besser weil ich nur dann "auf der Matte stehe" wenn ich etwas brauche, das ich nicht selber hinbekomme. Das setzt aber voraus die eigenen Bedürfnisse zu erspüren und auch etwas im Gefühl zu haben was ich für diese brauche.

Seit ich das besser akzeptiere, Bedürfnisse zu haben und hin und wieder Unterstützung für diese zu brauchen und zwar nicht linear sondern mal mehr, mal weniger und auch klar zu sehen wo ich Dinge im Gegenzug selber schaffe, fühl ich mich nicht mehr abhängig. Und stehe lustigerweise auch nicht mehr dauernd auf der Matte sondern nur wenn ich wirklich etwas an Unterstützung von ihr benötige, das ich nicht über andere Wege gelöst bekomme.

Bei mir hat sich diese Selbstbegrenzung die von früher übergestülpt war, da deutlich aufgeweicht. Noch nicht super aber es wird.

Benutzeravatar

Marlena
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
anderes/other, 33
Beiträge: 1116
Wohnort: Berlin
Status: Offline

Beitrag Mo., 24.05.2021, 09:32

Solage..... danke für deine schönen Worte!
Dort wo du jetzt bist will ich hin. Mir steht nur mein dickes Misstrauen dazwischen.
Du kannst so stolz auf dich sein. Welche Therapieform machst du gerade?
Ich bin kurz davor das auch endlich anzunehmen, mache mir aber unglaublich viel Druck weil ich seid 2.5 Jahren dort bin und immer noch extrem große Angst habe dann trotzdem gefallen lassen zu werden. Die Angst ist sogar so stark, dass ich Alpträume davon bekomme.. Aus Angst nicht genug zu bekommen, vergessen zu werden.

Versichert dir dein Therapeut dass er keinen Druck macht? Das macht meiner auch und glauben kann ich es nicht.

Ich drück dir die Daumen dass alles so wird wie du dir das vorstellst und hoffe ich kann das auch alles mal genießen.

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Solage
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 48
Beiträge: 2503
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Mo., 24.05.2021, 22:24

Danke für Eure Mitteilungen!

Wenn ich differenziert darauf eingehe, dann ist es für mich so, dass ich tatsächlich Abhängigkeitswünsche habe. Die hatte ich in der entgleisten Therapie wohl auch, aber das war eine ungute Abhängigkeit. Der Therapeut spielte mit meinen Ängsten und dadurch wurde die schlechte Abhängigkeit verstärkt. Ich hatte dauernd Angst, dass ich, wenn ich mich nicht entsprechend verhalte, weggestoßen werde.

Wenn ich jetzt nur meine Bedürftigkeit wahrnehme und anerkenne, dann genügt dies alleine nicht, um mich frei zu fühlen. Sondern ich brauche ein passendes Gegenüber. Ein Gegenüber, das entsprechend mitschwingt und mich unterstützt. Bin also therapeutisch davon abhängig.

Ich alleine könnte jetzt eine Pseudounabhängigkeit entwickeln, das wäre nicht neu. Kenne ich schon.

Nein, ich meine, diese Verbundenheit zu meinem Therapeuten, der genau weiß, wie sich das für mich anfühlt und da mit mir mitgeht. Ich mach das nicht alleine gut, sondern, das geht nur in einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung.

Dies ist sehr neu für mich. Der Therapeut weiß das, ist kontinuierlich und gelassen für mich da und hält es (MICH) aus.
Ich habe ja kein gutes Gefühl für meine Grenzen und da hilft mir mein Therapeut als Hilfs-Ich. Reguliert mich, wenn ich vertraue. Keine Angst mehr habe.

Marlena, ich bin ich psychoanalytischer Therapie und es hat seeeeehr lange gedauert, bis ich vertraut habe. Gib dir die Zeit!

Ich vertraue ihm und dadurch wird es so, dass ich gelassener werde und ich werde mich gut von ihm verabschieden können. Ich kenne keine guten Abschiede und deshalb freue ich mich auf einen guten Abschied. Den ich aber eben nicht durch Druck von außen habe, sondern selbst bestimmen kann.

Es sind nicht nur meine eigenen inneren Begrenzungen, die mich hemmen, sondern ich schaue auch immer auf die Grenzen vom Gegenüber. Das spüre ich schon, auch allgemein, und nicht nur in Therapie.
Mag sein, dass dies die Identifikation mit dem Aggressor ist, dass ich projiziere, oder aber auch tatsächlich erkenne, da ist die Grenze von...
Deshalb bin ich darauf angewiesen, dass ich therapeutisch so begleitet werde, dass ich mich dem Therapeuten durchaus
zutrauen kann. Der schafft das.

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Solage
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 48
Beiträge: 2503
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Di., 25.05.2021, 23:11

Ich bin jetzt hin- und hergerissen.
Hatte erst einige Zeit 2 Wochenstunden und die letzten 2 Jahre 3 Wochenstunden und überlege schon wieder auf 2 Wochenstunden zu reduzieren.

Der Therapeut deutet es als vorgezogenes Ende. Vielleicht hat er da recht? Ich beschäftige mich vermehrt mit dem Ende.

Einerseits könnte ich die bereits finanzierten Stunden strecken und mich aus der Bindung/Beziehung schleichen, aber es wäre auch schade, die Dichte aufzugeben.

Für mich ist es ein deutlicher Unterschied, ob ich eine, zwei, oder drei Stunden die Woche komme. Es wurden mir 4 Wochenstunden angeboten und ich glaube, dass da in der Übertragung etc. noch mehr passiert, weil keine Pause zum Verdünnen da ist. Logistisch schaffe ich 4 Stunden nicht, obwohl ich dies spannend finde.

Die Bindung ist auf beiden Seiten bei hoher Frequenz stärker und auch das Emotionale.

Hat jemand Erfahrung mit einer hohen wöchentlichen Frequenz, die dann plötzlich mit Therapieende auf Null endet?

Ich habe noch ca. 140 Stunden, die ich entweder in der Dichte verdünne und dadurch Substanz verliere,; ausschleiche. Oder aber ich behalte die hohe Frequenz und die Therapie endet abrupt.
Beides hat seinen Reiz.

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Solage
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 48
Beiträge: 2503
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Di., 25.05.2021, 23:35

Ich könnte aber auch die Therapie selbst finanziert fortführen.

Benutzeravatar

Shukria
Forums-Gruftie
Forums-Gruftie
anderes/other, 42
Beiträge: 721
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Mi., 26.05.2021, 06:51

Damit habe ich gar keine Erfahrung. Bei VT oder tfp ist es ja anders. Mann wird angehalten zwischen den Stunden ohne Therapeut klarzukommen und trotzdem darauf zu vertrauen das er als Rückhalt da wäre. Da wird in der Endphase eher ausgeschlichen und die Stunden Zahl gesteckt über Monate auf einmal alle 2/3 zum Schluss 4Wochen.

Wenn Therapie nur über Beziehung läuft mit im Schnitt 3h die Woche dann könnte ich mir schon vorstellen das wenn du jetzt reduziert, quasi den Abschied einläutest und die Arbeit mit der Übertragung ja verringerst.

Was mir gar nicht klar ist, wie es funktioniert von 3h die Woche auf Null zu fallen?
Oder ist das wie wen ich ne Tafel Schokolade auf einmal esse und dann so satt bin das ich froh bin die nicht mehr zu sehen?

Ich weiß gar nicht ob 3h so viel in der Woche sind, in ner VT beschäftige ich mich ja auch lange nach der Stunde mit den Inhalten. Aber 3mal einbauen und mich verpflichten, weiß gar nicht wie das mit Arbeit zusammen geht, da bleibt ja an Freizeit (Freiheit) wie zb Hobbys kaum was übrig...

Benutzeravatar

peponi
Forums-Gruftie
Forums-Gruftie
weiblich/female, 27
Beiträge: 507
Wohnort: (n)irgendwo
Status: Offline

Beitrag Do., 27.05.2021, 10:57

Liebe Solage,

zu deiner Frage kann ich leider nichts schreiben, damit habe ich keine Erfahrungen. Ich habe auch lange überlegt, ob ich hier überhaupt etwas schreiben soll, aber ich möchte dir sagen, dass du mit deinem ersten Beitrag wirklich etwas in mir berührt hast. Mein Therapeut meinte bereits mehrfach zu mir, dass es gute Abhängigkeiten geben könne und dass manche gefühlte Unabhängigkeit nur eine Pseudo-Unabhängigkeit sei und man manchmal, um wirklich unabhängig werden zu können, für eine Weile abhängig sein müsse. Ich hab nie so richtig verstanden, was er damit meint. Durch deinen Beitrag verstehe ich das nun deutlich besser ... und ehrlich gesagt, hört sich das, so wie du es beschreibst, auf eine gewisse Weise schön und heilsam an, auch wenn es mir noch immer große Angst macht. Aber ich verstehe es besser. Danke dafür. Das wollte ich dir nur da lassen.
so long and thanks for all the fish.

Benutzeravatar

kaputt
Helferlein
Helferlein
weiblich/female, 36
Beiträge: 90
Wohnort: Lübeck
Status: Offline

Beitrag Do., 27.05.2021, 11:22

Genau diese hohe Frequenz hat mich in die starke Übertragung rutschen lassen. Bei mir war es eine stationäre Behandlung wo ich 3 Stunden die Woche hatte . Ich war mehrmals sehr lange auf Station und immer beim gleichen Therapeuten.

Man muss dazu sagen ich wohne dicht bei der Klinik und durfte manchmal dann noch so vorbei Kommen. Auch sind wir noch immer per Mail in Kontakt.

Rückblickend kann ich sagen ich hätte viel früher lernen müssen mich jemand anderes anzuvertrauen. Die Folge ist nun ich finde bei jedem anderen das Haar in der Suppe und habe Angst jemand anderes näher an mich heran zu lassen

Von daher denke ich dass ein Wechsel ab und zu nicht verkehrt ist

Benutzeravatar

Philosophia
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
anderes/other, 36
Beiträge: 3531
Wohnort: auf der Erde
Status: Offline

Beitrag Do., 27.05.2021, 11:34

peponi hat geschrieben: Do., 27.05.2021, 10:57 Mein Therapeut meinte bereits mehrfach zu mir, dass es gute Abhängigkeiten geben könne und dass manche gefühlte Unabhängigkeit nur eine Pseudo-Unabhängigkeit sei und man manchmal, um wirklich unabhängig werden zu können, für eine Weile abhängig sein müsse. Ich hab nie so richtig verstanden, was er damit meint.
Ich denke, es ist etwas urmenschliches am Anfang unserer Entwicklung total abhängig zu sein. Für unsere Entwicklung ist es entscheidend, ob diese erste Abhängigkeit eine gute oder eine schlechte ist. Ist sie hinreichend gut, ist da Raum zum Wachsen und, wenn man genug gewachsen (inner- wie äußerlich) ist, dann kommt auch auf natürliche Weise der Wunsch zur Ablösung. Aber wenn diese erste Abhängigkeit schlecht war, dann dann war inneres Wachstum (manchmal sogar äußeres... bei mir war das so) nicht gut möglich: Dann fehlt es einem an allen Ecken und Enden. Man kann in sich kein gutes inneres Zuhause entstehen lassen - ja, mitunter hält man es mit sich selbst nicht mal aus. Nach außen hin tun dann einige so, als wären sie unabhängig, andere klammern sich an jede Beziehung. Nicht gut.
Darum kann eine gute Abhängigkeit in der Psychotherapie eine korrigierende Beziehungerfahrung sein - wenn der Therapeut/die Therapeutin sein/ihr Handwerk versteht.
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer

Benutzeravatar

captcha
Forums-Gruftie
Forums-Gruftie
weiblich/female, 29
Beiträge: 702
Status: Offline

Beitrag Do., 27.05.2021, 12:10

Es kommt mir vor, als würdest so ein bisschen hin- und herschwingen zwischen dem Gefühl der Abhängigkeit udn dem Gefühl der Freiheit. Quasi ein bisschen ausprobieren, wie fühlt sich das an, wenn ich mal mehr Nähe und Verbindung/Abhängigkeit zulasse und dann mal weniger? Klingt gut, mach weiter so :)
...vielleicht könnt ihr die Stundenzahl auch phasenhaft variieren je nachdem was für dich passt...

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Solage
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 48
Beiträge: 2503
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Do., 27.05.2021, 19:23

Vielen Dank für Eure interessanten, wertvollen und auch wohlwollenden Beiträge!

Ich bin noch ein bisschen durcheinander, weil der Hund meiner Freundin plötzlich eingeschläfert wurde. Ich habe selbst kein Haustier und bin selbst überrascht, dass mich das so mitnimmt. Ich kannte ihn schon als Welpen und ich bin echt traurig. Der war noch zu jung; wurde krank. Der hat immer als Welpe seinen Kopf auf meinen Fuß gelegt.
Ich habe ihn immer in Ruhe gelassen, andere machten dauernd an ihm rum und er kam dann zu mir und ich hab ihn einfach gelassen.
Als Kind habe ich mir sehr ein Haustier gewünscht, aber nie eines bekommen. Meine Mutter ekelte es vor Tieren.
Das nur am Rande; gehört aber vielleicht sogar zum Thema?

Ich möchte auf jeden Beitrag eingehen. Kann bisschen dauern.
Hoffentlich wirke ich nicht zu unsortiert. Obwohl, ich bin tatsächlich gerade unsortiert. Egal :anonym:

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Solage
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 48
Beiträge: 2503
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Do., 27.05.2021, 19:42

Shukria hat geschrieben: Mi., 26.05.2021, 06:51
Ich weiß gar nicht ob 3h so viel in der Woche sind, in ner VT beschäftige ich mich ja auch lange nach der Stunde mit den Inhalten. Aber 3mal einbauen und mich verpflichten, weiß gar nicht wie das mit Arbeit zusammen geht, da bleibt ja an Freizeit (Freiheit) wie zb Hobbys kaum was übrig...
Ich bin berufstätig, habe momentan nur noch 3-Personen-Haushalt (ein Kind ist ausgezogen) und pflege Freundschaften. Das geht für mich schon, weil mir die Therapie wichtig ist. Ich bin aber, das muss ich jetzt auch zugeben, so ein Funktionstyp. Wenn ich was anfange, dann nehme ich das ernst und dann nehme ich auch Unannehmlichkeiten in Kauf. Egal was es ist.
Das ist aber nicht immer gut! Nicht gut, wenn es um das bloße Funktionieren geht. Allerdings gut, wenn meine Zuverlässigkeit mir doch auch hilfreich ist.

Shukira, danke für deine Gedanken. Weil ich bin ursprünglich wegen Erschöpfungsdepression in Therapie und leider bei einem übergriffigen Therapeuten gelandet. Jetzt arbeite ich das bei einem seriösen Therapeuten auf.

Mir kommt gerade der Gedanke, dass ich wohl auch in der laufenden Therapie immer wieder in den Funktionsmodus fahre.

Danke!

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Solage
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 48
Beiträge: 2503
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Do., 27.05.2021, 20:01

peponi hat geschrieben: Do., 27.05.2021, 10:57 Liebe Solage,

zu deiner Frage kann ich leider nichts schreiben, damit habe ich keine Erfahrungen. Ich habe auch lange überlegt, ob ich hier überhaupt etwas schreiben soll, aber ich möchte dir sagen, dass du mit deinem ersten Beitrag wirklich etwas in mir berührt hast. Mein Therapeut meinte bereits mehrfach zu mir, dass es gute Abhängigkeiten geben könne und dass manche gefühlte Unabhängigkeit nur eine Pseudo-Unabhängigkeit sei und man manchmal, um wirklich unabhängig werden zu können, für eine Weile abhängig sein müsse. Ich hab nie so richtig verstanden, was er damit meint. Durch deinen Beitrag verstehe ich das nun deutlich besser ... und ehrlich gesagt, hört sich das, so wie du es beschreibst, auf eine gewisse Weise schön und heilsam an, auch wenn es mir noch immer große Angst macht. Aber ich verstehe es besser. Danke dafür. Das wollte ich dir nur da lassen.
Liebe peponi,

ich finde es sehr schön, dass du hier geschrieben hast und ich danke dir, dass du mitteilst, dass du berührt wurdest. Weil ich hatte mich schon geärgert, dass ich überhaupt so einen Thread aufgemacht habe. Ob, das was ich ausdrücken möchte, überhaupt verständlich ist. Hatte auch Angst, dass keiner antworten mag.

Mir macht übrigens diese gute Abhängigkeit auch Angst. Weil, das ist einerseits schön und doch auch so beängstigend für mich. Es könnte ja nur ein Trugschluss sein, ein Irrtum, ein Märchen und ich werde wieder verarscht.

Aber komischerweise noch schlimmer; es könnte wahr sein, dass es da jemand gut mit mir meint und ich verliere dadurch die Kontrolle.
Wenn ich die Kontrolle verliere und völlig eintauche, dann kann es heilsam sein, oder aber gefährlich.

Ich habe jetzt tatsächlich mit meinem Therapeuten darüber gesprochen. Dass ich ihm vertraue und dass ich dadurch von ihm mehr annehmen kann. Dass er dadurch mehr Einfluss auf mich hat. Im positiven Sinne.

Was sagte er: "Frau Solage, aber ich möchte Sie nicht beeinflussen, ich möchte, dass Sie Ihrer Wahrnehmung und Ihrer Intuition trauen."