Nach Trennung viel Leid

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FrauHolle
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Nach Trennung viel Leid

Beitrag Mo., 04.10.2021, 20:54

Ein lieber Freund hat sich vor seiner Familie nach langem inneren Kampf in der Ehetherapie als homosexuell geoutet.
Er wollte die Ehe retten, es polyamor führen versuchen, weil er seine Frau trotzdem sehr liebt, ist dann aber ausgezogen, weil sie es nicht ausgehalten hat mit ihm im Haus.
Seit Wochen bekommt er nun täglich von ihr wütende und böse Mails, dass er die Familie und ihre Leben zerstört, die erwachsenen Kinder stark leiden. Dass er an allem schuld sei, was er früher alles falsch gemacht habe.
Es ist übel.
Die Kinder sind ihm gegenüber distanzierter und nicht begeistert, aber er trifft sie jede Woche, versucht ihnen seine Liebe zu zeigen.
Er ist in meinen Augen wirklich sehr bemüht, auf alle gut zu achten, aber die Situation ist eben sehr schwer.
Er leidet sehr unter der Wut seiner Frau. Fühlt sich verpflichtet, für sie da zu sein. Wenn er sich abgrenzt, äußert seine Frau suizidale Gedanken, wenn er sich ihr zuwendet, beschimpft sie ihn. Er ist nervlich am Ende. Spricht nur mit mir darüber.
Ich weiß auch keinen Rat mehr, wie ich helfen könnte.
Habt ihr vielleicht eine Idee?

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münchnerkindl
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Beitrag Mo., 04.10.2021, 22:24

Die Frau braucht eine für sie passende Psychotherapie wenn das Formen annimmt dass sie Suizidgedanken hat nur weil die Paarbeziehung auseinandergeht.

Ich meine, anstatt dass sich rausstellt er steht auf Männer hätte er ja auch bei einem Verkehrsunfall umkommen können und dadurch garnicht mehr zur Verfügung stehen. Wäre sie da auch wütend auf ihn da die Beziehung dann ja zu Ende ist? Es gibt keine Garantie auf ein "happy ever after" wenn man mit jemandem eine Familie gründet, und rauszufinden dass man homosexuell ist ist kein Fehltritt. Wütend sein könnte sie berechtigterweise wenn er sie mit anderen Frauen betrügt. Als schwuler Mann steht er aber Frauen generell nicht als Beziehungspartner zur Verfügung und es ist kein ankreidbares Fehlverhalten, da er sich seine Homosexualiätt ja nicht ausgesucht hat.

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Räbin
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Beitrag Di., 05.10.2021, 08:32

münchnerkindl hat geschrieben: Mo., 04.10.2021, 22:24Wütend sein könnte sie berechtigterweise wenn er sie mit anderen Frauen betrügt. Als schwuler Mann steht er aber Frauen generell nicht als Beziehungspartner zur Verfügung und es ist kein ankreidbares Fehlverhalten, da er sich seine Homosexualiätt ja nicht ausgesucht hat.
Ich sehe das anders und gehe davon aus, dass er sie traumatisiert hat.

Wenn er ausschließlich homosexuell ist, hat er diese Frau niemals so lieben können (im romantischen Sinn, sie auch begehren, etc.), wie sie vermutlich ihn. Das ist ein riesengroßer Verrat an ihrer Seele und ihrer Liebe. Er hat sie um wertvolle Lebensjahre betrogen, in denen sie eine ehrliche Liebe hätte leben können, selbst auch die Erfahrung hätte machen dürfen, dass sie geliebt wird. Stattdessen hat er sie durch seine feige Haltung gezwungen, eine Lüge zu leben. Das kann einem den Boden unter den Füßen wegziehen, alles, an was man bisher geglaubt hatte, stürzt ein. Ich kann mich da sehr gut einfühlen, auch wenn ich zum Glück so etwas nicht erleben musste, gehe ich davon aus, dass es mich traumatisiert hätte.

Die eigene erotische Ausrichtung erfährt man in der Regel in der Pubertät, dazu muss man auch nicht beide Geschlechter "ausprobieren".

Ein Verkehrsunfall ist gar nicht vergleichbar mit ihrer jetzigen Situation, ich denke, bei ihr ist förmlich alles zusammengebrochen, nicht umsonst sagt sie, er habe ihr Leben zerstört.

Er wird kaum etwas machen können, ich gehe auch davon aus, dass sie professionelle Unterstützung bräuchte. Auch wenn sie ihn beschimpft, wird es ihr, nehme ich an, gut tun, dass von seiner Seite ein gewisses Bemühen da ist. Ich nehme an, es wäre wichtig für sie zu spüren, dass er die Tragweite seiner Handlung (erst so spät mit der Wahrheit herauszurücken), voll und ganz versteht und dass sie auch erleben darf, dass es ihm wirklich sehr leid tut. Mehr kann er einfach nicht tun. Es kann sein, dass ihr da etwas fehlt, dass sie ihre emotionale Situation noch nicht ganz von ihm gespiegelt sieht. Und sie dadurch "immer weiter macht" (habe ich auch schon erlebt).

Viel kann er nicht ausrichten und wenn er ihre Situation wirklich verstanden hat und er ausgedrückt hat, dass es ihm leid tut, kann er (in meinen Augen) eigentlich nur anbieten, sie zu unterstützen bei z.B. Therapeutensuche und den Dingen, die jetzt noch anfallen (mehr auf der sachlichen Ebene dann), aber sich ansonsten weitgehend zurückziehen. Er wird sicher auch einiges aufzuarbeiten haben.

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chrysokoll
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Beitrag Di., 05.10.2021, 12:20

Ich sehe das anders, zwischen "ausschliesslich homosexuelle" und hetero gibt es viele Abstufungen
Und keinesfalls jeder ist sich seiner Neigung seit der Pubertät absolut sicher und bewusst und wagt es dann auch noch das auszuleben.
Wir kennen beide nicht, ich gehe aber nicht davon aus dass der Mann von Anfang an vorhatte die Frau zu schädigen, zu hintergehen, zu belügen.
Es war sicher für ihn ein harter Kampf.
Und natürlich ist das jetzt für sie schwer. Das wäre es auch wenn er sie für eine andere Frau verlassen hätte.

Die erwachsenen Kinder können sich ein eigenes Urteil bilden, ich denke nicht dass er deren Leben zerstört hat.

Natürlich ist das für die Frau sehr hart, und vermutlich sollte sie sich Hilfe suchen.
Aber sie sollte sich auch fragen warum sie das alles so lange mitgemacht hat. Da sprechen wir ja vermutlich von Jahrzehnten wenn erwachsene Kinder da sind.
Ich meine das ausdrücklich NICHT als Schuldfrage, bezweifle aber dass sie nie irgendetwas bemerkt hat.
Vielleicht nicht bemerken wollte.

Und warum sollte er sie nicht geliebt haben, lieben können?

@ Frau Holle du kannst beiden oder nur ihm helfen indem du als Freundin da bist, ein offenes Ohr hast, nicht bewertest und verurteilst und vielleicht auch anregst dass beide sich professionelle Hilfe holen. Mehr kannst du da nicht tun

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Fairness
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Beitrag Di., 05.10.2021, 12:55

Auch für mich ist das, nachdem was ich hier bisher las, ein Vertrauensbruch seinerseits...
Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist Gestern, der andere Morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist. Dalai Lama

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chrysokoll
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Beitrag Di., 05.10.2021, 12:59

was ist denn der Vertrauensbruch?
Wir wissen weder wie lange ihm das wirklich bewusst war noch ob er die Partnerin hintergangen hat.
Selbst wenn: Er hat sie sicher nicht geheiratet in voller Absicht ihr weh zu tun, sie zu hintergehen und zu belügen.
Und sich dann 20 oder mehr Jahre verstellt.
Solche Geschichten sind immer schwierig, aber ich glaub der Frau nicht dass sie nie was gemerkt hat und er jetzt der alleinge Schuldige sein soll.

Und selbst wenn: Er hat das recht sich so zu entscheiden, sich zu trennen.
Es wäre gut wenn sie das akzeptiert, auf sich schaut, sich Hilfe holt.
Ihn beschimpfen wir IHR auf Dauer nicht helfen.

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Malia
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Beitrag Di., 05.10.2021, 16:25

Er leidet sehr unter der Wut seiner Frau. Fühlt sich verpflichtet, für sie da zu sein.
Vielleicht wäre es hilfreich, wenn er sich dieser Wut ganz bewusst stellen würde, weder sie noch sich selbst (Schuld) abwertet.
Egal, ob die Wut "richtig" oder "falsch" ist, begründet oder nicht:
Sie ist vorhanden und will gesehen werden.

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Fairness
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Beitrag Di., 05.10.2021, 16:43

Na ja... sie heiratete ihn wahrscheinlich mit dem Wissen, er sei heterosexuell und hat sich für sie entschieden. Nun zeigt es sich, er ist homosexuell und hat auch Pläne bezüglich einer Polyamorie.

Dass er bei seiner Frau bezüglich seiner Wünsche keine freiwillige Zustimmung finden wird, ahnte er vermutlich schon... da er sich mit Äußerung davon zurückgehalten hat. Und das Zurückhalten dieser Information, bis die Schwierigkeiten so geworden sind, dass man Paartherapie sucht, und das dann dort nach 'langem innerem Kampf' zu äußern, diese Kombi empfinde ich als Vertrauensbruch... Und da sehe ich für mich, wo die Verantwortung liegt.

Ich frage mich, ob das üblich sei, sich nach Jahren in einer Ehe zu fragen, ob der Partner doch so grundsätzlich andere Präferenzen und Werte hat, als man bisher zu wissen geglaubt hat. Mir zumindest, ist solches Hinterfragen fern, in meiner Partnerschaft. Würde dann im Konflikt eher andere Themen als das vermuten und mit entsprechender Haltung eventuell in die Paartherapie gehen.

FrauHolle, an deiner Stelle würde ich mich da mit Lösungsvorschlägen möglichst raus halten, sie haben ihre Paartherapie und werden das hoffentlich mit einander irgendwie abschließen können... ich glaube, eher dein Zuhören und Dasein, könnte ihnen in solcher Situation besser helfen...
Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist Gestern, der andere Morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist. Dalai Lama

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münchnerkindl
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Beitrag Di., 05.10.2021, 23:44

Räbin hat geschrieben: Di., 05.10.2021, 08:32
Wenn er ausschließlich homosexuell ist, hat er diese Frau niemals so lieben können (im romantischen Sinn, sie auch begehren, etc.), wie sie vermutlich ihn. Das ist ein riesengroßer Verrat an ihrer Seele und ihrer Liebe.

Das ist Bullshit.

Ich habe eine Freundin die erst in den 40ern realisiert hat dass sie lesbisch ist und deswegen ihre Paarbeziehungen mit Männern immer so unbefriedigend waren.
Sie hat einfach die in der Gesellschaft geforderte Heteronormativität erfüllt und es ist ihr in jüngeren Jahren nie passiert dass sie sich in eine Frau heftig verliebt hat. Deswegen ist sie Beziehungen zu Männern eingegangen.

Das ist kein Verrat, sie hat es schlicht und ergreifend selbst nicht realisiert. Verrat ist ja nun eine willentliche Handlung, und die kann man nur begehen wenn man weiß, was los ist. Das ist das selbe wie eine Lüge. Eine falsche Aussage aufgrund von Unwissenheit ist keine Lüge.

Und auch eine homosexuelle Person kann selbstverständlich eine gegengeschlechtliche Person lieben. Aber eben nicht mit erotischer Angezogenheit.