Wie schwieriges neues Thema am besten ansprechen?

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Sindy
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Wie schwieriges neues Thema am besten ansprechen?

Beitrag Do., 14.10.2021, 14:04

Hallo zusammen,

ich bin nun schon ein Jahr bei meinem Therapeuten und habe auch schon einige schwierige Themen (dank eurer Hilfe hier im Forum) bei ihm angesprochen. Im Grunde läuft alles sehr gut, ich habe viel Vertrauen zu ihm und er ist mit jedem Thema bisher gut umgegangen.

Es gibt aber immer noch ein Thema was ich immer noch nicht angesprochen und immer vor mir herschiebe. Und es ist gleichzeitig auch das für mich belastenste Thema. Vor jeder Stunde bereite ich mich darauf vor es ihm zu sagen. In der Stunde verlässt mich regelmäßig der Mut.

Warum ich mich so schwer tue? Meine Angst sagt mir, dass es jetzt bereits "genug" Themen sind und es bei ihm negativ ankommen könnte, wenn ich durch ein neues schweres Thema alles runterziehe was wir bisher erreicht haben. Es würde sich vielleicht wie ein Rückschritt für ihn anfühlen. Zusätzlich würde ich den bisherigen "roten Faden" damit kaputt machen, weil wir aktuell an den bisherigen Themen arbeiten und diese vielleicht erst abschließen sollten.

Ich hoffe, meine Bedenken sind für euch nachvollziehbar. Wie würdet ihr damit umgehen?

Danke im Voraus!

Sindy

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MissingBonny
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Beitrag Do., 14.10.2021, 14:54

Wenn dir das Thema wichtig ist und du es besprechen möchtest- dann sprich es unbedingt an! Es ist deine Therapie und deine Themen!
Du brauchst keine Rücksicht darauf nehmen, wie sich dein Therapeut damit fühlt oder wie er es bewerten könnte.
Falls dir das ansprechen direkt zu schwer fällt, versuch doch deine Bedenken zu kommunizieren - so wie du es hier geschrieben hast: Es gibt aber immer noch ein Thema was ich immer noch nicht angesprochen und immer vor mir herschiebe, weil ich Angst habe dass..."
So kommt ihr erstmal ins Gespräch, könnt über deine Angst und Bedenken reden - und dann kannst du immer nochmal neu entscheiden ob es für dich jetzt mit dem Thema passt und machbar erscheint. Oder druck dir deinen Post einfach aus, und nehm ihn mit in die Stunde... ;-)

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saffiatou
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Beitrag Do., 14.10.2021, 17:46

Manchmal hilft es das, was Du ansprechen willst auszuschreiben, dann kannst Du es dem Thera permail schicken, wenn er das erlaubt, oder per Post, oder einfach mitbringen und ihm geben. Ich durfte Wichtiges per Mail schicken, es war immer eine Erleichterung, dann wusste er schon, was ich ansprechen möchte.
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Sindy
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Beitrag Fr., 15.10.2021, 09:54

MissingBonny hat geschrieben: Do., 14.10.2021, 14:54 Wenn dir das Thema wichtig ist und du es besprechen möchtest- dann sprich es unbedingt an! Es ist deine Therapie und deine Themen!
Du brauchst keine Rücksicht darauf nehmen, wie sich dein Therapeut damit fühlt oder wie er es bewerten könnte.
Du hast schon Recht, dass es meine Therapie ist und ich auch nicht soviel Rücksicht nehmen brauche, wie sich der Therapeut damit fühlt. Wenn es schief geht und er komisch reagiert, dann muss ich mir nichts vorwerfen, das sehe ich auch so.
Die Therapie, so wie sie im Moment läuft, ist sehr gut. Und ich will irgendwie nicht as Risiko eingehen, dass ich mir das kaputtmache mit dem neuen Thema. Hmm.
MissingBonny hat geschrieben: Do., 14.10.2021, 14:54 Falls dir das ansprechen direkt zu schwer fällt, versuch doch deine Bedenken zu kommunizieren - so wie du es hier geschrieben hast: Es gibt aber immer noch ein Thema was ich immer noch nicht angesprochen und immer vor mir herschiebe, weil ich Angst habe dass..."
So kommt ihr erstmal ins Gespräch, könnt über deine Angst und Bedenken reden - und dann kannst du immer nochmal neu entscheiden ob es für dich jetzt mit dem Thema passt und machbar erscheint. Oder druck dir deinen Post einfach aus, und nehm ihn mit in die Stunde... ;-)
Das ist im Grunde eine gute Idee, es langsam anzusprechen. Ich habe nur Angst, dass ich es dann unnötig spannend mache und seltsam rüberkomme. Das würde bei mir dann in etwas so ablaufen: "Also ich habe da noch ein Thema was ich gerne besprechen will ... ähm, ich weiß nicht so recht wie ich es beschreiben soll *hust*, also ähm..". Und wenn dann ein fragender Blick vom Therapeut kommt, dann interpretiere ich das sofort als Zurückweisung.

Wahrscheinlich mache ich mir zuviel Gedanken. Diese Angst-Gedanken sind einfach stänig präsent.

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Montana
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Beitrag Fr., 15.10.2021, 10:04

Sindy hat geschrieben: Do., 14.10.2021, 14:04 Es würde sich vielleicht wie ein Rückschritt für ihn anfühlen.
Nein. Nicht nur, dass das völlig normal ist und für Therapeuten sowieso - überleg mal, wie du selbst reagieren würdest. Nehmen wir an, du hast eine gute Freundin, seit vielleicht ein paar Jahren. Und jetzt kommt die an und erzählt dir in einem Vier-Augen-Gespräch von etwas, was ihr schon immer schwer im Magen liegt, seit Kindheit an meinetwegen. Und dann sagt sie noch, dass sie es noch nie gewagt hat, das jemandem zu erzählen. Ich habe sowas schon erlebt und ich habe folgendes gedacht: Wow!!! So viel Vertrauen hat sie zu mir, dass sie mir sowas erzählt! Mir wäre nicht im Traum die Idee gekommen, darüber sauer zu sein, das nicht gleich beim Kennenlernen erfahren zu haben.
Das ist bei Therapeuten exakt dasselbe. Nur weil sie beruflich bedingt oft zu Vertrauenspersonen werden, sind sie das nicht automatisch und schon gar nicht ab Stunde 1.
Noch ein Beispiel: gab es bei dir in der Schule auch sogenannte Vertrauenslehrer? Zu denen man mit schulischen Problemen kommen sollte? Bei uns gab es die. Aber es waren nicht die, die ich mir ausgesucht hätte. Es waren keine Personen, die ich vertrauenswürdig fand. Egal, ob die beruflich dafür "vorgesehen" sind. Das entscheidet jeder selber.