Reizoffenheit, Psychose oder noch was anderes?

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, Bipolaren Störungen ('Manisch-Depressives Krankheitsbild'), Wahrnehmungsstörungen wie zB. Dissoziationen, MPS, Grenzbereichen wie Borderline, etc.

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Reizoffenheit, Psychose oder noch was anderes?

Beitrag Do., 30.12.2021, 11:46

Vielleicht hat sich damit jemand schon einmal beschäftigt? Ich bin offiziell mit einer Psychoseneigung belegt und das haut auch hin. Ich habe zusätzlich eine PTBS-Diagnose. Und eigentlich sollte das ja reichen. Mir schon zumindest. Aber ich frage mich gerade, ob ich noch etwas anderes habe.

Ich will keine Diagnosen von euch, aber stelle mir die Frage, ob Reizoffenheit immer zur Schizophrenie gehört? Also ist das einfach Teil dieser Erkrankung? Ich finde mich immer mal wieder seltsam und meine Gehirnleistung fällt meiner Umwelt immer irgendwie auf, weil das anders funktioniert als anderer Leute Hirn. Früher im Studium als ich rein wissenschaftlich gearbeitet habe, hatte ich Empfehlungsschreiben wo meine wissenschaftliche Analytik in Verbindung mit einer großen Kreativität und Originalität hervorgehoben wurden. Jetzt in meiner Fortbildung meinte mein Dozent, er hätte gerne mein Hirn (toll, kann er haben, mit allen Konsequenzen! :evil: )

Ich bin grundsätzlich reizoffen, so nennt man das glaube ich, dadurch aber auch abends echt platt und oft auch abgelenkt - dafür kann ich vielleicht wirklich auf die dämlichsten Ideen kommen, bin etwas kreativ. Meine letzte Therapeutin wollte mir erzählen, ich hätte Dissoziationen wenn ich meinen Rechner quasi fast sabbernd anstarre - dabei nehme ich eher an, dass ich sowas vor Überlastung mache, mein Hirn einfach mit den ganzen Reizen nicht mehr klar kommt und ich dann ins Nirvana abdrifte.
Wenn ich reizoffen google, komme ich auf ADHS. Hätte ich bei mir eigentlich nie vermutet... aber: ich hab mir das mal angeschaut, und es passt enorm gut. Also es beschreibt mein Kindsein ganz gut - ich war kein Zappelphilipp, eher anders, aber dass soll eine unerkanntere Form sein. Klar, vielleicht ist mein Gehirn einfach durch die Psychoseneigung schon sehr anders, aber ich weiß halt nicht, ob Reizoffenheit immer zur Schizophrenie gehört? Da wird das immer als Indikator dafür gesehen, dass mal wieder ein Schub ausbricht soweit ich das lese - naja und ich bin immer reizoffen, ich hab keine ordentliche Filterung und kann mich total in Details verlieren. Alles immer so gewesen, nicht neu für mich. Ich kann gerade nur nicht einschätzen, ob das an meiner Neigung liegt in die Psychose zu gehen oder ob da eine ADHS hintersteckt.
Daher die Frage, ob Reizoffenheit immer zur Psychoseneigung gehört, oder ob das Psychosebetroffene nicht dauerhaft haben?

Weiß das jemand?
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_Leo_
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Beitrag Do., 30.12.2021, 12:17

Das gehört wahrscheinlich zur Psychose, ist ein Symptom das Reize nicht genügend gefiltert werden.

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Beitrag Do., 30.12.2021, 12:36

Reizoffenheit ist ein Merkmal/Symptom verschiedener Diagnosen. Auch bei Psychosen. Was aber ja nicht heißt, dass Du nicht verschiedene Diagnosen haben kannst, die mit Reizoffenheit einher gehen. Das ist auch bei manchen Formen der Autismus-Spektrum-Störungen der Fall.

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Candykills
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Beitrag Do., 30.12.2021, 12:46

Dich kann hier in der Tat niemand diagnostizieren. Ich bekam als Kind die ADS/ADHS Diagnose und nahm lange Zeit Ritalin - nur dadurch war Schule überhaupt möglich für mich.

Auf mich wirkst du zwar häufig hier überdreht, aber auch etwas am Größenwahn kratzend, das passt eher zur Schizo.

Ich verfüge, wenn nicht durch Medis platt gemacht, auch über eine sehr ausufernde Kreativität, vom Denken und Künstlerischen her, bringe das aber mehr mit der Schizophrenie in Verbindung. ADS ist eher so vernetztes Denken….

Genauso kann es auch zu einer Autismusspektrumsstörumg gehören.
Wahrscheinlich ist aber, dass es einfach zur Schizo gehört. Wenn dir aber eine Diagnose wichtig ist, dann wäre ein Facharzt der richtige Ansprechpartner, weil hier nur jeder „kann sein, muss nicht“ antworten kann.
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Beitrag Do., 30.12.2021, 13:02

@ leo:

Ja ist es definitiv. Was ich mich eben frage, ob die Reizoffenheit ein Dauerzustand ist, oder in den Phasen vor den Schüben auftritt- also im Rahmen der Schizophrenie. Ich kenne von mir gar nichts anderes als Reizoffenheit zu haben - schon immer, lange vor der manifesten Psychose. Ich hätte auch immer gedacht, dass das zur Psychoseneigung eben dazu gehört. Aber ich hab etwas rumgeguckt, und wenn ich im Netz lese, lese ich immer, dass das quasi Phasen betrifft vor dem eigentlichen Schub. Ich weiß halt jetzt nicht so genau. Mich beschäftigt das gerade sehr, weil ich vieles, was ich über ADHS gelesen habe, als zu mir gehörig empfinde und dabei immer dachte: Liegt an der Psychose. Und gerade frage ich mich, ob ich mich mal eingehenden Tests zur Diagnostik unterziehen sollte.

Ich komme zwar damit klar, aber ich denke, wenn da noch was anderes reinspielt, könnte das eine Menge erklären.

@Candy: Danke. Auch für den Größenwahn. ;-) Ich weiß nicht recht, was vernetztes Denken ist. Ich bin nicht aus mir heraus kreativ; es ist eher so, dass ich irgendwo ein Zitat lese, ne bescheuerte Assoziation habe und irgendwelchen Käse zusammenbringe und das meist mit grenzenlos dämlichen Humor; naja oder eben damals im Studium irgendwelche Theorien zusammenbringen. Ich bin eher nicht künstlerisch begabt, gar nicht leider. Ich würde diese Art zu denken, halt kreativ nennen, aber eventuell meinst du das mit vernetzt. Und ja, ich weiß, ich muss da meine Ärztin drauf ansprechen - nur wenig Lust. Ich finde es beim Psychiater immer seltsam, dass man da der eigene Experte ist - und in jedem anderen Fachgebiet würde sich das ein Arzt verbitten.
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Candykills
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Beitrag Do., 30.12.2021, 13:45

Das war nicht bös‘ gemeint.

Ich kann nur von mir sprechen und sobald die Medis nicht mehr richtig platt machen bin ich wieder reizoffen, auch ohne akute Psychose - also ich denke zumindest, dass ich dann nicht psychotisch bin 😂 andere empfinden das vll anders. Für mich gehört das also eher zum Gesamtbild und nicht nur in die akute Phase.
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chrysokoll
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Beitrag Do., 30.12.2021, 14:04

No Twist hat geschrieben: Do., 30.12.2021, 13:02
Ich komme zwar damit klar, aber ich denke, wenn da noch was anderes reinspielt, könnte das eine Menge erklären.
Grundsätzlich kann sowas natürlich nur eine genaue und gute Diagnostik klären.

Da du aber ganz offenbar erfolgreich studiert hast, wissenschafltich arbeiten kannst:
Wurde schon mal dein IQ getestet?
Mir wurde mal erklärt auch Hochbegabung führt dazu dass Reize nicht so gut ausgefiltert werden können.

Ich kann das auch nicht gut, je nach Streß / Anspannung auch eher noch so ok bis gar nicht.
Bei mir ist es dazu noch die kptbs und dissoziative Störung. Eine ungute Kombi, aber es hilft ja nicht.

Mir hilft nur das frühzeitig wahrzunehmen wenn möglich, es zu akzeptieren, und mich aus den zu vielen Aussenreizen rauszunehmen

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Beitrag Do., 30.12.2021, 15:20

Da Schizophrenie eine chronische Erkrankung ist ist für mich logisch das die Reizoffenheit als Symptom auch chronisch auftreten kann. Ich bin da ganz bei Candy. Es ist auch üblich zu kruden Theorien zu kommen und diese immer weiterzuspinnen. Das begegnete mir bisher bei den meisten Psychotikern die einigermaßen was in Hirn hatten.


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Beitrag Do., 30.12.2021, 15:51

Candykills hat geschrieben: Do., 30.12.2021, 13:45 Das war nicht bös‘ gemeint.
Alles ok; ich habs auch nicht so aufgefasst, sondern fands einfach etwas charmant. ;-)

Ich lese gerade zu dem Themenkomplex von einer Psychotherapeutin und in dem Buch auch Selbstbeschreibungen von Betroffenen und ich könnte lustigerweise sovieles eben genau so gesagt haben. Auch meine Kindheit passt hast, mein Verhalten etc. Auch mein SElbsthass, den ich immer hatte, weil ich so extrem sensibel bin - ich fand mich nie lebensfähig. Schon vor der Psychose.

Ich weiß nur nicht genau, ob ich als Psychotikerin eben auch einfach anders bin und immer schon war und es damit zusammenhängt. Muss ich mal meine Ärztin zu befragen. Ich weiß schon, dass ich Psychose habe, aber mein Grundgefühl entspricht mehr dem, was ich jetzt gerade lese, wo ich irgendwie dasitze und denke, jemand hat meine Welt mal aufgeschrieben. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Erkrankungen zusammengehen - ich find auch meine PTBS-Symptome in Anbetracht der Dinge die mir widerfahren sind, irgendwie unnötig, aber wenn ich davon ausgehe, dass ich echt anders gestrickt bin, quasi reizoffen-sensibel, kann ich mir das eher verzeihen, dass ich das habe. Ich sitz nämlich echt oft da und denke, so wie ich kann doch kein Mensch sein. Und dann lese ich mir da Partnerschaftsprobleme durch und muss an meine ehemalige Beziehung denken und unsere Probleme damals - und denke: Naja, gibt glücklicherweise noch andere durchgedrehte Knalltüten.
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Beitrag Do., 30.12.2021, 16:10

@chryskoll: Nee, ich denke auch nicht, dass ich hochbegabt sein könnte. Ich hab ein passendes Studienfach gewählt und bin darin total aufgegangen. Ich denke, mein Hirn ist in vielerlei Hinsicht nicht normal, aber zumindest normalbegabt. Dennoch ist das spannend, dass auch hochbegabte Menschen solche Probleme haben. Ich hätte eher erwartet, dass die um HÖchstleistungen zu bringen, alles ausblenden können müssen.

Ja, die Sensiblität kann vermutlich tausend und einen Grund haben. Ich sitze halt da und hab einfach einen Aha-Effekt, weil mir wirklich viel bekannt vorkommt, auch gerade die Selbstbeschreibung, dieses Gefühl irgendwie Alien in dieser Welt zu sein. Hatte ich immer; lange vor der Psychose. Und ich war auch komisch - ich hatte im Studium Freunde, war auf Parties eingeladen und wurde trotz unmöglichen Verhaltens weiter eingeladen. Als mir auf einem Fest alles zuviel wurde, hab ich mir ein Buch geschnappt und das Gästeklo lesend blockiert. Musste ich mir auch anhören, ich wäre komisch. Die Psychose ist ausgebrochen, als ich nicht mehr in der Lage war zu regulieren, als mir alles einfach total zu viel wurde. Ich hab früher echt einfach mein Ding gemacht, aber damals immer schon gemerkt, dass ich anders bin. In der Kindheit war ich sehr zurückgezogen; mir waren Kinder einfach zuviel; ich konnte stundenlang vor mich hinträumen. Naja, Psychose ist ja eine Art Wachtraum.
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Beitrag Do., 30.12.2021, 17:01

Aber diese Hypersensiblität, Vulnerabilität ist ja eigentlich typisch für die Schizo. Ich bin auch hypersensibel, ich find' auch unglaublich schwer zu sagen, ob das jetzt vom ADS kommt oder von der Schizo. Ich war's schon immer. Vielleicht bist du auch einfach HSP. Findest du das denn krankhaft, also hat das Krankheitswert für dich oder ist es mehr so: super, anderen geht's genauso wie mir, ich bin nicht alleine!

Läge ADS/ADHS vor, dann könntest du zum Beispiel Medikamente nehmen (Medikinet adult bspw.), aber willst du das? Also, was erhoffst du dir durch eine Diagnostik?

Ich persönlich finde zum Beispiel total traurig, dass die Medikamente mich lange Zeit komplett platt gemacht haben. Meine ganze Kreativität, ob jetzt im Denken oder im Künstlerischen, ging komplett verloren. Und ich will dieses Gedankenrasen eigentlich gar nicht weghaben. Dieses vernetzte Denken (damit meine ich, dass das Hirn irgendwie wie ein Windows-OS funktioniert - man klickt einen Gedanken an, es eröffnen sich neue Gedanken usw. usf.).
Vielleicht geht's mir aber im Moment auch nur so, weil ich halt diese andere Seite kenne und vor allem auch die Negativsymptome. Hattest du schon mal Negativsymptome?
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Beitrag Do., 30.12.2021, 19:20

Candy, meine Psychiaterin und ich haben eine Art running gag, wenn ich von einem Vorgespräch komme bzw. Probatorik habe. Sie fragt mich immer, was ich ihr heute schönes Neues mitbringe und meint damit die Diagnosen. Ich sammele, wirklich je nach Person, die vor mir sitzt, Persönlichkeitsstörungen. Und manche schließen sich eher aus. Die letzte Diagnose, die ich als Verdacht gleich mal bekam, war Borderline. Passt, wie jede dieser Störungen, partiell. Aber ich neige nicht zu Selbstverletzung und einiges weiteres passt auch nicht. Aber ich bin emotional-instabil; launisch, kann von extrem guter Laune zu mieser Laune wechseln, innerhalb von Sekunden. Und ich denke, ich will mit der richtigen Diagnose behandelt werden, weil das was nützt. Es bringt mir gar nichts, wenn jetzt eine BL-PS behandelt wird und ich die gar nichtt habe. Und ja, es tut auch gut, wenn sich andere LEute wie Aliens in der Welt fühlen - da fühl ich mich nicht ganz so alleine. Ich möchte einfach, dass das abgeklärt wird - gerne auch mal die BL-Verdachtsdiagnose. Und eben von meiner Psychiaterin, die mich lange kennt. Aber bitte mal standardisiert. Ich weiß nicht, welche Kriterien für BL erfüllt sein müssen, welche nicht, genauso bei ADHS. Aber beides ist emotionale Instabilität inklusive und ja, passt, aber dennoch sind das zwei Krankheitsbilder. Und die Reizoffenheit würde ja eher dafür sprechen, dass es ADHS ist.Ich hab einfach im zwischenmenschlichen nicht das Problem, dass ich Menschen an mich binden will, mich selbst verletzte oder irgendwie auf-und abwerte (im Wechsel; wenn ich jemanden gefressen habe, ist der dämlich, bleibt so) . Dafür hab ich Abgrenzungsprobleme was wohl typisch sein soll für ADHS. Emotional kann ich mich schlecht regulieren. Und das könnte echt für diese Geschichte sprechen - und jetzt BL therapiert zu werden, wenn es das nicht ist, ist nicht sinnvoll.
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Beitrag Do., 30.12.2021, 19:31

eine ordentliche Diagnostik ist doch eigentlich Grundlage.
Wurde das bei dir noch nie gemacht?

Meine Therapeutin hat das am Anfang gemacht, über mehrere Stunden, mit Interviews, Fragebögen etc.

Davor hatte ich auch eine ganze Liste an Diagnonsen, und natürlich immer mal Borderline, das passt ja immer irgendwie wenns heftiger wird. Aber damit solltest du dich nicht abfinden!


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Beitrag Do., 30.12.2021, 19:51

Was mir an der BL halt gar nicht passt, ist dass ich wirklich gerne meine Ruhe habe, um runter zu kommen. Und BL hat ja viel damit zu tun, dass man andere Menschen braucht, nicht mit der eigenen Leere klarkommt und daher gerne Menschen um sich hat. Soweit ich das verstehe. Und so verstehe ich mich nicht. Ich bin echt gerne einfach mal alleine, kann das total genießen und würde zB nie wieder in eine WG ziehen wollen, weil ich soviel Ruhe will. Und ich hätte gerne eine angemessene Therapie für mein Problem. Ich werde nicht irgendeine Störung haben, die niemand vor mir hatte, aber bisher fand ich die Störungen alle ganz nett, aber nur partiell zutreffend. Und hier hab ich das Gefühl: Man ey, das ist es, dass hast du wirklich.

@ Chryskoll: Nö, bei mir wurde noch nie diagnostiziert. Also nicht mit Fragebögen etc. Der letzte Therapeut, der recht fähig erschien, hat ja glücklicherweise nach zwei Gesprächen nur den Verdacht geäußert, dass es BL sein könnte - nicht direkt diagnostiziert. und das ist auch die erste dieser ganzen Störungen, die ich im Ansatz stimmig fand, aber vieles passt halt gar nicht. Also meine Psychotherapiegeschichte ging damit los - damals - dass ich wegen Psychosomatik zur Psychiaterin geschickt wurde, weil mein Körper nicht mitspielte. Es hat nie jemand gefragt, ob ich esse. tat ich damals nicht... Damals wäre eine Esstörung zu behandeln gewesen, aber behandelt wurde Psychosomatik. Story of my life, dass irgendwas behandelt wird und niemand genau hinschaut. Woher soll ich wissen, dass ich eine Esstörung habe, wenn ich nicht esse - gehört zum Krankheitsbild. Egal. Aber genau das ist halt mein Problem; diese Erfahrungen. Daher will ich mich jetzt gerne mal eingehender damit beschäftigen. Ich bin emotional-instabil, aber irgendwie nicht so, wie ich Borderline verstehe und ADHS passt irgendwie echt, wenn ich das lese.
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Beitrag Do., 30.12.2021, 20:17

gibt es keine Möglichkeit für dich eine ordentliche, fundierte Diagnostik zu bekommen? Über die Psychiaterin, in einer Ambulanz?
Das ist ja nun auch kein Hexenwerk.

Es gibt soweit ich das kenne auch spezielle ADHS Stellen, vielleicht wäre das eine Anlaufstelle?

Ich kann natürlich überhaupt nicht beurteilen ob bei dir nun (zusätzlich) ADHS vorliegt.
Es ist aber auch nicht gut sich zu sehr ohne Diangostik auf eine selbst gestellte Diagnose zu konzentrieren, ich kenn das schon auch von mir, ich les was und denke das trifft dann zu.

Leider wurde mir zu lange das Label Borderline angeheftet, das wird man dann auch nicht mehr los, ist ja so praktisch und keiner mag es.

Erst mit der richtigen Diagnose entdecke ich endlich was eine richtige Behandlung bringen kann - und das wünsche ich dir auch !