Gefühlschaos

Liebeskummer und Liebessorgen aller Art, sowie Eifersucht und Trennungen sind die zentralen Themen in diesem Forumsbereich (Beitrags-Haltedauer: 1 Jahr).
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red_nik
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Gefühlschaos

Beitrag Do., 10.02.2022, 17:16

Hey!
Vor ungefähr 7 Monaten habe ich zum ersten Mal eine Sprechstunde bei einer Therapeutin gehabt. Diese wollte mich zunächst nur „überbrücken“ - da sie selbst keinen Platz frei hatte - und mit mir herausfinden, welche Art von Therapie falls nötig für mich in Betracht kommen würde. Sie riet mir zu einer tiefenpsychologischen Therapieform. (Gestörtes Verhältnis zur Familie, Gewalt in der Kindheit…) Nach einigen unregelmäßig terminierten Stunden sagte sie, dass ein Platz bei ihr frei geworden ist und seit dem bin ich 1 mal die Woche bei ihr.

Das eigentliche Problem:
Ich bin seit ungefähr 7 Monaten mit meinem Partner zusammen. Am Anfang war alles gut! Ich war verliebt und es hat sich alles sehr richtig und einfach angefühlt. Meine morgendlichen Tiefs waren vorerst nicht mehr da. Sonst fühlte ich mich immer so als wäre ein massiver Kloß in meinem Hals. Ich war morgens immer wie panisch. Das war erst mal weg. Ich war tatsächlich mal glücklich. Irgendwann im Verlauf der letzten 7 Monate stand ich am Fenster und hatte das plötzliche Gefühl meine Liebe für meinen Partner wäre weg. Wie panisch habe ich in mir nach den Gefühlen gesucht. Mal hab ich sie gefunden und mal nicht. Es hat sich so angefühlt als hätte man sie mir von jetzt auf gleich weggenommen. Also wurde ich immer panischer. Wo vorher so viel war. War jetzt gar nichts mehr. Und ich kann mir nicht erklären wieso das passiert ist. Klar, vielleicht hat es für die Liebe nicht gereicht aber so klar fühlt es sich nicht an.
Heute gibt es mal gute Tage mal schlechte. Mal ist ein starkes Gefühl da und manchmal wieder gar nichts. Und das geht seit 3 Monaten ununterbrochen so. In meinem Kopf gibt es Gefühlt kein anderes Thema mehr. Und ich würde mir so sehr wünschen dass dieses Gefühl wieder kommt oder eben weg bleibt. Im Sinne von Klarheit. Es macht mich wirklich fertig.
Ich habe meiner Therapeutin erst auch gar nicht gesagt dass ich in einer Beziehung bin. Ich wollte das Thema nicht in der Therapie haben. Und sobald der erste „Zweifel“ da war (das plötzliche fehlen von der liebe) habe ich über nichts anderes mehr gesprochen. So recht weitergeholfen hat dies aber nicht. Meine Therapeutin sagt auch nicht viel darüber. Sie sagt sie könne mir gar nicht sagen ob ich ihn liebe und ich weiß auch dass sie das nicht kann. Ich fühle mich einfach hilflos.

Ich kann mir zB eine Zukunft mit ihm sehr gut vorstellen. Auch in Momenten in denen gefühlt kein Gefühl mehr da ist. Wenn ich bei ihm bin sind diese „Zweifel“ entweder gar nicht da oder in abgeschwächter Form. Aber auch da geht die Tendenz eher dahin, dass ich anfange mich wie unter Druck zu fühlen. Ich fühle mich auch schlecht, weil ich Angst davor habe, nicht fair zu sein. Weil ich diese „zweifel“ habe. In einer Beziehung zu sein, wo die Liebe kommt
Und geht. Dann frage ich mich wieder. Was ist liebe. Woher soll gerade ich wissen was liebe ist. Also wonach suche ich eigentlich, welches Gefühl fehlt. Was ist das Problem. Ich verstehe gar nichts mehr. Die Beziehung aufgeben möchte ich nicht. Kann ich gar nicht, weil es kein eindeutiges ja oder nein gibt. Ich habe Angst davor, es im Nachhinein zu bereuen. Weil es ein toller Typ ist und ich mir eben sehr gut vorstellen kann, dass es funktionieren würde. Es ist eine schöne Vorstellung von der Zukunft, die ich so noch mit niemandem hatte.
Ich bin einfacher gesagt, vollends verwirrt.

Meine Frage wäre, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat? Kann das was mit der Therapie zu tun haben?

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münchnerkindl
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Beitrag Do., 10.02.2022, 19:06

Auch wenn das in unserem Kulturkreis nicht gut ankommt:

Verknalltsein ist weder ein dauerhafter Zustand noch ist es ein sinnvolles Anzeichen dass jemand ein geeigneter Beziehungspartner ist.

Verknalltsein kurbelt5 vorübergehend im Gehirn die körpereigene Endorphinproduktion an. Deswegen fühlt man sich high. Ist im Grunde wie ein Drogentrip. In der Regel geht das aber nach spätestens 3 Jahren vorbei.

Von daher, Verliebtsein als Strategie gegen psychische Probleme kann nicht funktionieren. Von daher mach die Therapie, schau dass du deine psychischen Probleme in den Griff bekommst. Und schau ob dieser Mann ohne Verliebtheit immer noch gutes Partnermaterial ist. Oder nicht. Dass die Verliebtheit dann nicht mehr da ist ist normal.

Und wenn du zB eine Depression drunter hast kommt die eben auch ggf wieder hervor. Deine kompletten Nichtgefühle könnten das Resultat einer Depression sein.

Und jo, von einem Drogenhigh runterzukommen ist halt nicht angenehm. Bitte suche dir nicht den nächsten Liebes-Beziehungspartern, den müsstest du dann regelmässig alle 2 Jahre austauschen weil der Zustand eben nicht anhält. Und auch die Verliebtheit in diesen Mann ist nicht die Lösung deines Problems. Rede mit dem Therapeuten über die ganze Sache!
Zuletzt geändert von münchnerkindl am Do., 10.02.2022, 19:15, insgesamt 1-mal geändert.

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red_nik
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Beitrag Do., 10.02.2022, 19:13

Vielen Dank für deine Antwort. Tatsächlich habe ich mir sowas in die Richtung auch schon gedacht. Ich weiß auch das verknallt sein und liebe eigentlich nichts miteinander zu tun hat. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich der Meinung bin, dass das liebe ist. Obwohl ich es rational gesehen verstehe, empfinde ich es leider nicht so. Und dann ist eben die Frage. Kann ich in meinem Zustand lieben. Liebe ich oder nicht. Ich glaube ich stecke fest.
Nochmals vielen Dank!

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münchnerkindl
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Beitrag Do., 10.02.2022, 19:17

Liebe (die echte) ist ein entspanntes, sich sicher anfühlendes Gefühl von Nähe für die du nichts tun musst. Das kann man auch anderen Personen gegenüber haben als nur Beziehungspartnern, zB auch für deinen Hund, ein Kind, eine beste Freundin.

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Beitrag Do., 10.02.2022, 19:33

Entspannt und sicher. Klingt toll. Aber mir mehr als fremd. Bin generell unentspannt. Generell unsicher. Entspannung im allgemeinen fällt mir auch schwer. Ich würde mir denken: „wieso bin ich gerade entspannt wieso fühle ich mich wohl?“ da muss was faul sein —> Panik
Danke für deine Antwort! :)

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münchnerkindl
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Beitrag Sa., 12.02.2022, 12:05

red_nik hat geschrieben: Do., 10.02.2022, 19:33 Entspannt und sicher. Klingt toll. Aber mir mehr als fremd. Bin generell unentspannt. Generell unsicher. Entspannung im allgemeinen fällt mir auch schwer. Ich würde mir denken: „wieso bin ich gerade entspannt wieso fühle ich mich wohl?“ da muss was faul sein —> Panik

Dann suchst du in der Verliebtheit eher den Kick und das High das dich von deinen schlechten Gefühlen ablenkt, so wie andere dafür Alk oder Joints konsumieren oder ständig shoppen gehen.

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red_nik
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Beitrag Sa., 19.02.2022, 18:53

Das klingt nicht abwegig. Aber wie geht es dann weiter?

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Gespensterkind
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Beitrag So., 20.02.2022, 10:54

Das ist ja so nicht gesagt, oder? Du schreibst ja zunächst mal nur, dass Du selten entspannt bist und bei einem möglichen Entspannungsgefühl eher Panik bekommst. Wünschst Du Dir denn Entspannung? Zur Ruhe kommen? Oder bist Du eigentlich immer auf der Suche nach was "Prickelndem"?

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Beitrag So., 20.02.2022, 13:30

Ich würde behaupten dass ich absolut ruhig sein möchte und ein Verlangen nach Entspannung habe. Aber das gelingt mir nicht. Ich würde auch nicht sagen dass ich was prickelndes will. Ich wäre gerne mit dem was ich habe zufrieden, weil es objektiv gesehen eigentlich sehr gut passen würde. Deshalb würde ich auch akzeptieren, wenn es dass einfach nicht ist. Aber es ist das was ich mir wünsche. Er ist was ich mir wünsche und dennoch stimmt in mir was nicht. Und deshalb macht es für mich keinen Sinn. Ich halte Dinge die nicht Funktionieren können auch nicht aufrecht um jeden Preis. Wenn es das nicht wäre und ich wäre mir sicher wäre das absolut in Ordnung.
Und selbst wenn ich mal nen guten Moment habe und mir denke, doch passt. Gefühle sind da, suche ich Gründe bzw. suche mittlerweile aktiv nach den Zweifeln. Und zusätzlich. Wenn ich mir mal sicher bin dass die Gefühle da sind, fängt mein Kopf an Filme abzuspielen in denen er fremdgeht oder mit anderen Typen schreibt… es ist einfach super anstrengend..

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Beitrag So., 20.02.2022, 14:05

Ich merke grad. Ich hab zwar nie wirklich nach einem prickeln gesucht aber was mich ständig begleitet und ständig präsent ist, ist drama. Bei mir muss es immer ein Drama geben (also nicht dass ich es will aber es passiert) in der Beziehung gibt es kaum Drama. Es läuft alles gut. So wie ich es mir vorstellen würde.. weiß nicht ob das was zur Sache beiträgt aber wollte es mal erwähnen
So im Leben bin ich deshalb auch nie entspannt. Ich kann mich mit allem Stressen. Sogar mit Kleinigkeiten. Sowas wie ein Wunsch und die Suche danach mich nicht entspannen zu können. Ob das vllt ein prickeln ist.. naja zumindest kein schönes


gatomalo
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Beitrag So., 27.02.2022, 12:07

Deine spezifischen charakterlichen Vorgaben, im Hinblick auf Emphatie und Selbstkontrolle, führen beim Punkt: Selbstkontrolle in diese virtuelle Welt des eigenen Dramas.
Gefühle mit dem Verstand zu erfassen ist nur dann gut, wenn der Verstand objektiv bleiben kann.
Du bist verliebt (rosarote Phase), ... diese Seite fand scheinbar nicht die erwünschte Klarheit, weil deine Selbstkontrolle aus Gefühl und Verstand etwas anderes signalisiert, als dein Ich zu hoffen glaubte.
Entweder kommst DU nicht in die nächste Phase, ... oder er bringt dich aus dem Konzept für Beziehungsliebe. In soweit hat der Teil des selbstkontrollierten Gefühles längst die Frage beantwortet, wo sich dein Verstand noch weigert zu folgen.
Die Verliebtheit geht ungeachtet objektiver Gegebenheiten deshalb weiter, weil chemische Prozesse im Gehirn auf "Verliebtheit" gepolt wurden. Mit dieser Polung werden objektive Gründe, welche gegen die Vertiefung der Beziehung stehen, ausgeblendet. Die Selbstkontrolle lässt sie aber ständig wieder aufflackern, was dein Gefühlschaos wahrscheinlich bestimmt. Sei froh, dass du diesen Kampf nach 7 Monaten schon führst, ... viele quälen sich über Jahre damit herum.

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red_nik
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Beitrag Mo., 28.02.2022, 11:32

Danke für die Antwort. Ich muss leider sagen, dass ich sie in ihrer Komplexität nicht so gut verstehen kann.