Verlustangst und Mühe, emotional loszulassen

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Verlustangst und Mühe, emotional loszulassen

Beitrag Di., 01.03.2022, 23:28

Hallo! Ich brauche eure Hilfe!

Mein Partner und ich haben uns vor einem Monat getrennt. Letztendlich ging die Trennung von mir aus, weil ich mir einige Dinge von ihm nicht mehr gefallen lassen wollte, und mir klargeworden ist, dass wir einfach zu verschieden sind.
Er kann die Trennung nicht nachvollziehen, streitet ab sich je so und so verhalten zu haben, was geradezu lächerlich ist. Statt meine Worte anzunehmen und etwas zu verändern, lügt er mich an und wirft mir vor wie verletzend ich zu ihm bin, dadurch dass ich unsere Beziehung beende. Ich weiß dass zu einer Beziehung und Trennnung immer 2 gehören. Ich seh meinen Teil der Verantwortung und habe mich entschuldigt. Ich war zu angepasst und hätte früher meine Grenzen setzen müssen. Jedoch blockt er selbst alles ab statt Fehler einzugestehen. Das führt natürlich nicht dazu, dass ich weiter mit ihm zuammen bleiben möchte. Ich lerne ihn jetzt nochmal von einer anderen, leider sehr negativen Seite kennen.

Meine Frage ist: Wie gehe ich mit jemandem um, der sein Schattenkind nicht aufarbeitet (ich weiß dass da viele Themen sind aus seiner Kindheit und vergangenen Beziehungen) und sich vollkommen unreflektiert verhält?
Laut Stefanie Stahl sollte man sich von so jemandem fernhalten. Das kann ich aber nicht, da wir ein kleines Kind zusammen haben. Ich möchte eine gute Basis finden, denn wir werden weiterhin miteinander zu tun haben.

Die andere Sache ist, dass es mir trotzdem schwerfällt emotional von ihm loszulassen, was vermutlich auf Verlustangst und dem Wunsch nach Bindung beruht. Auch belastet mich sein jetzt so ablehnendes Verhalten mir gegenüber, das er aus Selbstschutz an den Tag legt. Ist ja einfacher mich jetzt als die Schuldige darzustellen. Also rational, weiß ich, dass es so das beste ist. Die Trennung ist überfällig. Emotional wünschte ich es wäre alles so schön wie vorher und fühle mich schlecht, dass die Beziehung nicht geklappt hat. Ich bin selbst Scheidungskind und wollte so eine Situation immer vermeiden.

Vielen Dank vorab!
Zuletzt geändert von Pauline am Do., 03.03.2022, 20:39, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel von "Wie mache ich weiter?" auf obigen präzisiert. Bitte aussagekräftige Betreffzeilen verwenden.

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chrysokoll
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Beitrag Mi., 02.03.2022, 11:08

die Trennung ist erst vier Wochen her, das ist eine kurze Zeit und natürlich dauert es bis das verarbeitet ist.

Du hast da denke ich verschiedene Ebenen.
Aber du wirst deinen Ex nicht ändern können, er geht damit um wie er das möchte, das musst du akzeptieren.
Du wirst ihn nicht zwingen können seine "Fehler" einzusehen oder gar sich mit einem "Schattenkind" zu befassen. Ganz ehrlich, da würde ich auch blocken.
Mach die soweit es geht unabhängig von der Schuldfrage. DU wolltest dich trennen, du hattest deine guten Gründe, du hast dich getrennt. Er muss das weder einsehen noch deine Sicht annehmen

Das andere ist deine Sehnsucht und die Schuldgefühle. Hier könntest du dir Hilfe holen, in Beratung gehen um das zu verarbeiten.

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Gespensterkind
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Beitrag Mi., 02.03.2022, 13:10

Ich denke, Du solltest klar verschiedene "Bereiche" voneinander trennen:
1. Der eine Bereich ist, dass er der Vater eures gemeinsamen Kindes seid. Wie seid ihr damit überein gekommen? Gibt es klare Regeln. Wie versteht Dein Kind das Ganze?
An dieser Stelle denke ich, dass es wichtig ist, eine gute Lösung zu finden, die für das Kind am Besten ist. In diesem Bereich kannst Du alles dafür tun, damit Du für Dein Kind gut sorgst und schlechte Erfahrungen als "Scheidungskind" vermeiden kannst.
2. Der andere Bereich ist: Deine Gründe für die Trennung formulierst Du klar. Du hast Dich getrennt. Du hattest (und hast) gute Gründe. Die für Dich ausschlaggebend waren. Punkt. Das ist eine Entscheidung. Und die hast Du getroffen. So eine Entscheidung kann man in einer Beziehung auch allein treffen, dafür braucht es keine Einvernehmlichkeit. Du hast damit für Dich gesorgt. Dein Ex-Partner muss selbst sehen, wie er für sich sorgt in dieser Situation. Und damit gibt es eben auch:
3. Dein Ex-Partner. Du bist nicht diejenige, die ihn dazu bringen wird, an sich zu arbeiten. Schon gar nicht, wenn Du Dich von ihm getrennt hast. Das steht Dir weder zu, noch bringt es irgendetwas. Lass es einfach sein. So schwer das auch ist. Aber was man überhaupt gar nicht hören möchte, sind gut gemeinte Ratschläge und tiefenpsychologische Hinweise, wie man sich doch ändern sollte, damit alles besser wird nach einer Trennung. Außerdem machst Du Dir selbst dadurch das loslassen schwer.

Kümmere Dich um eine Einigung mit Eurem Kind, sei da kompromissbereit. Und ansonsten: kümmere Dich um Dich, um Dinge, die vielleicht zuletzt zu kurz gekommen sind und um Dein Leben. Du hast nur eine Verantwortung Deinem Kind gegenüber, nicht Deinem Partner.

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Beitrag Mi., 02.03.2022, 21:09

Danke für die Rückmeldungen!

Ich weiß, dass ich ihn nicht ändern kann. Das muss wenn von ihm selbst aus kommen. Es würde nur zum einen unsere Kommunikation erleichtern, da ich ja nicht den Kontakt abbrechen kann.
Und zum anderen würde ich es mir für unser Kind wünschen. Denn zum Beispiel verhält er sich in manchen Situationen so wie er es bei seinen Eltern selbst kritisiert. In meinen Augen kommt das aus Gewohnheit, da er nicht reflektiert. Das soll gar keine Anschuldigung sein, ich selber lerne da immer wieder dazu. Aber wenn ich irgendwelche Hinweise mache, macht er zu und blockt ab. Klar, kann auch jeder nachvollziehen. Aber wie könnte ich zumindest versuchen, dass er selbst darauf kommt? Bücher und Therapien in die Richtung sind ihm nicht unbekannt, was fehlt, ist der Schritt etwas zu tun.

Darüber hinaus werde ich daran arbeiten mit der Beziehung abzuschließen. Da wird sicher allein die Zeit schon helfen, jetzt ist tatsächlich alles noch recht frisch.

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leuchtturm
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Beitrag Do., 03.03.2022, 15:00

ber wenn ich irgendwelche Hinweise mache, macht er zu und blockt ab. Klar, kann auch jeder nachvollziehen. Aber wie könnte ich zumindest versuchen, dass er selbst darauf kommt? Bücher und Therapien in die Richtung sind ihm nicht unbekannt, was fehlt, ist der Schritt etwas zu tun.
du willst ihn ja doch erziehen.

Lass es. Was er aus der TRrennung macht, ist seine Sache.

Regele das Umgangsrecht mit ihm, triff Absprachen mit ihm wegen eures Kindes, aber hör auf, seine Verarbeitung vorantreiben zu wollen. Sprich nicht mit ihm über die Trennung, und gib ihm um Himmels Willen keine Bücher oder links zum Verarbeiten der Trennung. Du bist nicht seine Therapeutin

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Beitrag Do., 03.03.2022, 17:03

Achso, das hab ich wohl falsch formuliert. Es geht nicht darum, dass er die Trennung verarbeitet. Es geht darum, dass er seine eigene Kindheit aufarbeitet, damit unser Kind nicht darunter leidet. Denn unbewusst gibt er die Erziehung weiter, unter der er nach seinen eigenen Worten selbst gelitten hat. Nicht wertschätzend, ambivalent, Vorwürfe....

Ja, ich würde mir wünschen, dass er das auch macht, damit wir besser kommunizieren können, aber da seh ich ein, dass ich es einfach lassen sollte.
Hier geht es mir jetzt um mein Kind, denn je älter es wird, desto schwieriger wird es mit den beiden.

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Sydney-b
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Beitrag Do., 03.03.2022, 18:00

Du kannst aber nicht in die Zukunft sehen.
Deshalb ist es gar nicht sicher, dass es zwischen deinem Mann und eurem Kind immer schwieriger wird.
Auch Männer können mit ihren Aufgaben wachsen.

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Beitrag Do., 03.03.2022, 18:57

Also falls das Kind wirklich sehr unter dem Vater leidet, würde ich diese konkreten Dinge ansprechen. Mehr nicht. Aber andererseits müssen Eltern auch nicht perfekt sein. Du wirst auch Dinge tun, die dir dein Kind später vorwerfen wird. Das kann keiner vermeiden. Ich kann natürlich nicht einschätzen, wie es bei euch da in der Realität aussieht, weil du kein konkretes Beispiel genannt hast, wie er eurem Kind zur Zeit schadet. Aber das Kind wird seinen Vater immer bedingungslos lieben, auch mit seiner nicht aufgearbeiteten Kindheit. Und da ist halt die Frage, was ihm mehr oder überhaupt schadet... das Verhalten des Vater oder euer gemeinsames Verhalten jetzt nach der Trennung. Wie gesagt, das weiß ich nicht.
Dann würde ich eben sehen, wie ihr das gemeinsame Sorgerecht managt in der Praxis.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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lisbeth
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Beitrag Do., 03.03.2022, 19:09

Cookie890 hat geschrieben: Do., 03.03.2022, 17:03 . Es geht darum, dass er seine eigene Kindheit aufarbeitet, damit unser Kind nicht darunter leidet. Denn unbewusst gibt er die Erziehung weiter, unter der er nach seinen eigenen Worten selbst gelitten hat. Nicht wertschätzend, ambivalent, Vorwürfe....
Auch dazu kannst du ihn nicht zwingen.

Du kannst schauen, dass ihr die praktischen Fragen im Umgangs- und Sorgerecht klärt und Regelungen trefft, die im Alltag für alle gut funktionieren. Darauf würde ich mich an deiner Stelle konzentrieren.

Und ansonsten kannst du deinem Kind vermitteln, was es heißt, gesunde Grenzen zu haben. Dass es Nein sagen darf. Dass es sich nicht alles gefallen lassen muss. Das geht am besten, indem du deinem Kind das vorlebst.
Dieses Grundrecht wird dein Kind aber dann auch genauso dir gegenüber ausüben... ;-)

Und: "gesunde Grenzen" heißt auch, dass du bei dir bleibst und dich nicht ins Leben deiner Mitmenschen einmischst.
When hope is not pinned wriggling onto a shiny image or expectation, it sometimes floats forth and opens.
― Anne Lamott

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Theory
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Beitrag Mi., 18.05.2022, 20:48

Hallo Cookie,

wie geht es dir mittlerweile mit der Trennung?

Mir hat der Thread gerade sehr geholfen - die Situation die du mit deinem Mann/Freund schilderst habe ich nun auch. Ich merke, dass wir keine Gesprächsbasis haben, weil wir die Augenhöhe permanent verlassen, da es immer nur darum geht, wer der/die Schuldige ist.

Wir sind _noch_ nicht getrennt - aber ich bereite mich bereits innerlich auf eine Trennung vor.

Mich würde interessieren - woher hast du das, dass Stefanie Stahl sagt, dass ein Partner, der sich nicht um sein Schattenkind kümmert, keine gute Wahl sei?

Viele Grüße und alles Gute!

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Beitrag Fr., 20.05.2022, 20:06

Theory hat geschrieben: Mi., 18.05.2022, 20:48 Hallo Cookie,

wie geht es dir mittlerweile mit der Trennung?

Mir hat der Thread gerade sehr geholfen - die Situation die du mit deinem Mann/Freund schilderst habe ich nun auch. Ich merke, dass wir keine Gesprächsbasis haben, weil wir die Augenhöhe permanent verlassen, da es immer nur darum geht, wer der/die Schuldige ist.

Wir sind _noch_ nicht getrennt - aber ich bereite mich bereits innerlich auf eine Trennung vor.

Mich würde interessieren - woher hast du das, dass Stefanie Stahl sagt, dass ein Partner, der sich nicht um sein Schattenkind kümmert, keine gute Wahl sei?

Viele Grüße und alles Gute!
Hallo Theory,

erstmal tut es mir leid, dass du in dieser Situation bist!

wenn ihr noch nicht getrennt seid und um die Schuldfrage streitet, empfehle ich euch eine Paartherapie. Dabei muss es nicht zwingend darauf hinauslaufen, dass ihr zusammen bleibt. Aber ihr könnt diese Problematik da angehen und aus dem Weg räumen. Sonst verfolgt es euch und führt vielleicht bei jeder Kleinigkeit zu neuem Streit. Es macht ja auch keinen Sinn sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben. Aber jeder sollte seinen Anteil sehen und dafür Verantwortung übernehmen. Dann habt ihr die Möglichkeit abzuschließen und weiterzumachen. Ob getrennt oder nicht.

Nun, keine Garantie, dass ihr dahin kommt. Wenn er nicht in der Lage ist zu reflektieren, Fehler einzusehen, sich auch in dich hineinzuversetzen, dann kann es aussichtslos werden.
Ich habe aus dem Buch "Das Kind in dir muss Heimat finden", dass man bei solchen Leuten, die einfach nicht reflektiert sind und bei denen man mit Argumenten nicht weiterkommt, auf verlorenem Posten ist. Kontaktabbruch ist keine Möglichkeit, falls ihr weiterhin miteinander zu tun haben müsst. Habt ihr Kinder? Falls euch nchts zusammenhält, macht Kontaktabbruch Sinn, falls auch mit mehreren Chancen es nicht weitergeht.
Kennst du das Buch?

Ich weiß ja nichts genaueres zu eurer Situation. Hast du den Eindruck, das er etwas aufarbeiten müsste, das im Weg steht? Vielleicht, dass ich beide etwas aufzuarbeiten habt?

Ich habe mittlerweile gelernt, dass man in der Tat einen Menschen nicht ändern kann. Die Motivation und der Schritt muss von ihm selbst ausgehen.

Ich empfehle dir auf Ihrer Website mal den Persönlichkeits- und Beziehungstest zu machen. Da ziehst du für dich vielleicht Erkenntnisse.

In jedem Fall empfehle ich euch eine Paartherapie/Beratungsgespräch.

Und wichtig finde ich eben, auch seine eigenen Anteile zu sehen, ich habe selbst auch mein Verhalten reflektiert und arbeite an mir. Es kann einem nur nützen für Beziehungen jeglicher Art.

Viele Grüße

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Theory
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 07:03

Hallo liebe Cookie,

Vielen Dank für deine einfühlsame und ausführlich Antwort.
Ja, es stimmt, was du sagst, die Fähigkeit sich selbst zu reflektieren, ist das wichtigste dabei, wenn man möchte, dass eine Beziehung klappt.
Ich würde nun nicht behaupten, dass er diese gar nicht besitzt. Aber in gewissen Momenten merkt man, dass er recht „eindimensional“ denkt und keine andere Perspektive möglich ist.

Das interessante dabei ist - „gezwungenermaßen“ (Besuch seiner Eltern) haben wir nun wieder Frieden geschlossen - jeder hat dem anderen gesagt, dass er eigentlich nicht streiten will und die „Lage“ hat sich beruhigt. Allerdings ist in mir etwas verändert - ich habe mich innerlich distanziert.

Aber ich merke auch, dass es sehr stark an mir liegt - und vielleicht bin auch ICH „das Problem“. Ich habe irgendwann erkannt, dass ich bei allem, das mich „ärgert“/„Stört“ oder Irritation bei mir hervorruft, direkt ANDEREN die Schuld dafür gebe. Beispiel: ich war gestern nicht zu Hause und heute funktioniert die Kaffeemaschine nicht - drei mal hintereinander erfolglose Versuche, mir den Morgenkaffee zu machen, haben gereicht, um mir innerlich zu sagen: „jetzt reicht‘s wenn SIE (seine Eltern und er) mir nun meine Kaffeemaschine kaputt gemacht haben, dann ist die Trennung amtlich“ —> ich war kurz, vielleicht 1-2 Min innerlich völlig aufgebracht (emotional) - und habe es aber erkannt, was ich hier tue - dass ich mich (wieder) als das Opfer sehe („die anderen machen mir alles kaputt“) und mich selbst in einen emotionalen Negativzustand bringe.
Ich konnte mich durch das Erkennen dessen dann direkt beruhigen.

Nichts desto trotz „grüble“ ich ja schon länger daran, mich trennen zu wollen. Dabei taucht immer wieder der Gedanke/das Gefühl in mir auf, dass ich mein Leben nur völlig frei, völlig ohne Mann, völlig ohne IHN wirklich genießen, aufbauen und leben kann. Als wäre „ER“ nun der Störfaktor, weil mir einige Dinge in der Umgebung nicht gefallen.
a) ich mag unsere Umgebung nicht (zu wenig grün, zu viele Autos) - ich kann daher kaum entspannen (kann ich nur in einem ruhigen Wald)
b) Kosten: diese Wohnung ist auch teuer, ich „bilde mir ein“ ich könnte alleine günstiger leben oder ich würde mir eine Wohnung kaufen (er hat immer einen Grund, warum wir NICHT kaufen sollen, mittlerweile sind die Preise DOPPELT so hoch und wir können es bald nicht mehr) —> insofern würde ich es nun „allein durch ziehen“ und alleine wohnen.
c) Er schaut Abends jeden Tag „fern“ (wie meine Eltern) - also echtes FERNSEHEN… dadurch wird unser Wohnraum für mich abends „unbenutzbar“ weil ich am liebsten gar kein TV Gerät hätte und meine Abende in Ruhe ungestört beim Lesen verbringen würde
d) Generell habe ich den Eindruck „unfrei“ zu sein, weil ich mit ihm ständig Kompromisse machen muss

Mir ist bewusst, dass ich nun nur negative Dinge aufschreibe, denn darum ging es. Auf der Positiv Seite steht, dass er wohl der einzige Mann ist, den ich je kennen gelernt hab, der flexibel und kompromissbereit und verständnisvoll genug ist, überhaupt mit mir „zu funktionieren“. Ein „dominanter Mann“ (wie mein Vater zb) würde bei mir beim ersten Date in hohem Bogen rausfliegen. Bei mir gilt also: entweder der Mann passt sich an, oder „tschüss“ … alleine, wenn ich mir das hier so aufschreibe, merke ich, wie viel ich hier noch „aufarbeiten“ muss…… und wie sehr ich der eigentliche Grund für „unsere Probleme“ bin……. Ja, was soll ich sagen - ich bin leider die Tochter eines narzisstischen Vaters….

Nun muss ich etwas nachdenken… vielleicht hast du ja ebenfalls Gedanken?

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Beitrag Mo., 23.05.2022, 19:29

Liebe Theory,

danke für deine ehrliche Ausführung. Zunächst einmal finde ich es sehr stark von dir so ehrlich zu dir selbst zu sein. Du wirkst sehr reflektiert und das ist doch der erste gute Schritt.

Auf den ersten Blick scheint da eine gewisse Bundungsangst bei dir zu sein. Da du darauf programmiert bist ENTWEDER Beziehung ODER Freiheit. Wenn du eine Zeit in einer Beziehung bist, wird es dir eng und "Kleinigkeiten" stören dich auf einmal an deinem Partner und werden der Grund dich aus der Beziehung zu lösen. Liege ich da richtig?
Ist das nur aktuell bei deinem Mann so oder war es auch in der Vergangenheit mit anderen Beziehungen so? Was war da der Trennungsrund? Hör mal in dich hinein.
Bist du sehr angepasst in Beziehungen? Ich würde annehmen, dass du früher deinem Vater/deinen Eltern viel recht machen musstest um Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen. Und jetzt wiederholst du das, damit auch die Beziehungen zu anderen Menschen "funktionieren". Dabei hast du imemr das Gefühl deine Freiheit aufzugeben. Vielleicht liege ich aber auch falsch und du ziehst eher überangepasste Partner an, also andersherum. Dafür weiß ich leider nicht genug und versuche ohnehin nur zu vermitteln, was ich inzwischen gelernt habe :).

Was ich wichtig finde, ist, dass du mit offenen Karten spielst. Wenn bei euch jetzt scheinbar alles gut ist, du aber dich innerlich distanziert hast, dann klingt das auch nicht gesund. Führt vermutlich zu passiver Agressivität von dir?
Ich hab den Eindruck, dass sich innerlich bei dir vieles angestaut hat und es immer noch tut. Fair ist es, solche Dinge direkt anzusprechen, auch wenn es scheinbar Kleinigkeiten sind, die dich stören. So hat dein Mann eine Chance, dass ihr darüber sprecht und evtl. Probleme lösen könnt. Statt dass sich bei dir irgendwann so viel angesammelt hat, dass dich praktisch die Wut übermannt und du dich trennst und für ihn kommt das aus heiterem Himmel. Weißt du was ich meine? Ich selbst habe den Fehler gemacht Konflikten öfters aus dem Weg zu gehen aus einer Harmoniebedürftigkeit heraus. Dabei hätte ich größere Konflikte oder sogar die Trennung verhindern können, wenn ich vorher schon einiges angesprochen hätte. Naja in meinem Fall wäre es wohl nur schneller zur Trennung gekommen.
Wenn du sagst, dass er in Teilen schon reflektiert ist, dann solltet ihr darüber sprechen können. Mach das, wenn ihr beide in guter Stimmung seid. Sonst kommt es nur zu Vorwürfen.

Für mich hört es sich so an als wären es bei euch lösbare "Probleme". Es komtm ja auch darauf an, ob es tatsächliche No-Gos sind, bei denen du nicht kompromissbereit bist oder nicht. Klingt eher so, dass du generell unzufrieden und genervt bist. Ist da noch was größeres, dass du im Hinterkopf hast, das dich an der Beziehung stört, wodurch du so gereizt bist? Oder kommt deine Unzufriedenheit von etwas anderem?

Falls du die Möglichkeit hast, höre dir mal die Folge "Wut in der Beziehung" von Stahl aber herlich an. Erinnert mich gerade an diesen Fall.

Ich hoffe das hilft dir irgendwie. Hast du dich schon irgendwie weiter mit psychologischen Themengebieten in der Richtung auseinandergesetzt und magst teilen womit du dich beschäftigst?