Psychologisches Problem oder Charaktereigenschaft? Wie verhalten?

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Kronkorkenpoet
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Psychologisches Problem oder Charaktereigenschaft? Wie verhalten?

Beitrag Mo., 07.03.2022, 14:32

Hallo zusammen,

lange habe ich überlegt, ob ich mich in einem Forum austausche. Aber langsam weiß ich nicht mehr weiter. Wenn ich die ganze Geschichte erzähle, wird es in Roman, den wohl keiner lesen wird. Wenn ich es zu kurz fasse, klingt es zu banal...

Ich fang einfach mal an. Meine Freundin hat viel Scheiße erlebt: einen Vater, der sie ignoriert hat und für den sie nie gut genug war, eine Mutter, die sie nicht (genug) unterstützt hat, Freunde, die sie betrogen haben (was sie später dann auch mit ihren anderen Freunden dann selber gemacht hat), eine Fehlgeburt und vor 2 Jahren noch der Tot eines ihrer beiden Kinder, welches nach jahrelanger Krankheit verstorben ist.

Als wir uns kennenlernten, war sie gerade in einer Therapie, wo ihr wohl eine mittelschwere Depression diagnostiziert wurde und dort auch die Wurzel bei der Bindung zu ihren Eltern bzw. dem Vater gesehen wurde. Leider brach sie die Therapie ab, weil sie sich die Fahrerei nicht mehr leisten konnte (so argumentiert sie jedenfalls). Damals schien sie aber auch gefestigt.

Am Anfang unserer Beziehung war (fast) alles gut, wobei sie ungefähr einmal im Monat etwas distanziert und aggressiv wurde. Damals passte es gut mit ihrem Zyklus und ja, Klischee, aber ich habe es damals wirklich darauf geschoben.

Mittlerweile leben wir zusammen und sie ist in ihren Wechseljahren (spreche ich nur an wegen meiner vorherigen Andeutung) und ihr Verhalten wird gefühlt täglich schlimmer. Ich hab derzeit wirklich das Gefühl, dass ich machen kann was ich will, es ist falsch. Ständig behauptet sie, dass ich sie kontrolliere und dass ich total egoistisch wäre. Konflikte werden zudem auch nicht geklärt. Sie ist dann sauer auf mich und geht mir aus dem Weg. Und irgendwann wird es einfach totgeschwiegen und es wird weiter gemacht wie vorher. "Man kann nicht alles klären, manchmal muss man auch mal etwas auf sich belassen lassen. Das kannst du gerne nachlesen, wenn Du mir nicht glaubst." heißt es von ihr dann dazu bockig...

Beispiel: Wenn ich abends nach Hause komme und sie frage wie Ihr Tag war und frag was sie so gemacht hat, wirft sie mir vor, dass ich sie kontrollieren würde und ihr nichts zutraue. Und wenn ich nicht nachfrage, "interessiere ich mich nicht für sie". Wenn ich versuche mit Ihr über die Situation zu sprechend und hierbei beschreibe wie sich das für mich anfühlt, dann "dreht sich alles nur um mich" und ich würde mich nicht für sie interessieren. Allgemein behauptet sie in letzter Zeit immer häufiger, dass sich bei mir alles nur um mich dreht und ich die Schuld immer auf sie schiebe. Interessanterweise bin ich der Meinung, dass es genau andersherum ist....

Nicht selten argumentiert sie in Diskussionen, wenn sie denn mal passieren, dann auch sofort mit ihren psychischen Problemen und dass ich darauf überhaupt keine Rücksicht nehme und es auch gar nicht ernst nehme. Und in der Situation kann ich dann auch gar nichts mehr sagen, weil alles von mir ja "alles nur gelogen ist und ich mir alles so hindrehe wie es mir gefällt". Am Ende bin ich immer an allem Schuld...

Aufgrund Ihres gestörten Verhältnisses zu ihrem Vater wollte ich eigentlich ihr zeigen, dass sie sich auf mich verlassen kann. Aber genau das Gegenteil ist der Fall, sie behauptet, dass man sich gar nicht auf mich verlassen kann und ich mich nur um mich drehe. Jetzt könnte man ihr Verhalten so deuten, dass sie so versucht meine "Loyalität" bzw. Liebe zu testen.

Ich hatte auch gelesen, dass Menschen mit einem Nähe-Distanz-Problem /Bindungsstörung sowas machen, um Distanz zu schaffen. Hier bin ich fest der Meinung, dass sie etwas entsprechendes hat und möglicherweise das deshalb tut.
...Und bestimmt spielt auch der Tod ihres Kindes, das vor 2 Jahren gestorben ist, eine große Rolle.

Aber was helfen mir all diese möglichen Erklärungen? Was ist bei so einem Verhalten das richtige "Gegenmittel"? Gibt es überhaupt ein richtiges? Mich macht es nämlich selber dann innerlich aggressiv und ich weiß nicht wie ich am besten damit umgehe ohne selber irgendwann wütend zu werden.

Liegt es überhaupt an einer psychischen Krankheit oder ist das schon eher einfach Ihr Charakter und ich bilde mir diese ganzen psychologischen Erklärungen nur ein?

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münchnerkindl
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Beitrag Mo., 07.03.2022, 14:39

Es ist egal warum sie sich so verhält. Borderline, PTBS, Narzissmus, "schlechter" Charakter, was auch immer.

Hier ist keine Basis für eine langfristige Beziehung für dich. Du gehst da vor die Hunde. Das kann man nur beenden.
Kronkorkenpoet hat geschrieben: Mo., 07.03.2022, 14:32 Aufgrund Ihres gestörten Verhältnisses zu ihrem Vater wollte ich eigentlich ihr zeigen, dass sie sich auf mich verlassen kann. Aber genau das Gegenteil ist der Fall, sie behauptet, dass man sich gar nicht auf mich verlassen kann und ich mich nur um mich drehe. Jetzt könnte man ihr Verhalten so deuten, dass sie so versucht meine "Loyalität" bzw. Liebe zu testen.

Lass die Finger davon sie therapieren und "retten" zu wollen.


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Beitrag Mo., 07.03.2022, 15:02

@münchnerkindl

Vielen Dank für Deine Antwort, @münchnerkindl.
Die Antwort kommt so schnell und knallhart. Ist das wirklich so einfach aus einer neutralen Sicht? Unsere Leben sind sehr mit einander verflochten. Nicht nur dass sie mit ihrem Sohn, den ich wirklich lieb hab, in meinem Haus wohnt, auch hat sie ein Geschäft, wo ich finanziell mit drinstecke. Ja, ist ziemlicher Mist, wenn man da so ließt. Aber deshalb bin ich natürlich auch auf der Suche nach Lösungen, die nicht ganz so drastisch sind.

Ist es wirklich in meinem Fall egal, was der Grund ist? Man ließt doch überall, dass man als Partner bei psychologischen Krankheiten haltgeben sollte bzw. kann... Bin echt durcheinander...

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münchnerkindl
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Beitrag Mo., 07.03.2022, 15:10

Kronkorkenpoet hat geschrieben: Mo., 07.03.2022, 15:02Ist das wirklich so einfach aus einer neutralen Sicht? Unsere Leben sind sehr mit einander verflochten. Nicht nur dass sie mit ihrem Sohn, den ich wirklich lieb hab, in meinem Haus wohnt, auch hat sie ein Geschäft, wo ich finanziell mit drinstecke.

Oh, sie hat dich voll eingewickelt und ihr Leben mit deinem so verstrickt dass die Trennung nicht mehr einfach ist. Sie wohnt in deinem Haus, du hast Geld in ihr Geschäft investiert. Ich wrüde sagen, sie nutzt dich aus und behandelt dich obendrauf scheisse. Tolle Situation :cool: .

So hat sich meine Mutter ihren zweiten Mann-Opfer gefügig gemacht.

Tut mir leid, aber das wird nicht besser werden. Fang an dich damit abzufinden, dass der Rest deines Lebens so aussehen wird wenn du dich da nicht rausziehst.

Weil du kannst da nichts machen. Sie verhält sich so wie sie sich verhält, hat kein Problembewusstsein. Und wenn kein Problembewusstsein vorhanden ist dass SIE ein Problem hat und SIE ihr Verhalten ändern muss dann war es das. Keine Basis für eine Veränderung.

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münchnerkindl
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Beitrag Mo., 07.03.2022, 16:41

Kronkorkenpoet hat geschrieben: Mo., 07.03.2022, 14:32
Aber langsam weiß ich nicht mehr weiter.


ihr Verhalten wird gefühlt täglich schlimmer.

Ständig behauptet sie, dass ich sie kontrolliere und dass ich total egoistisch wäre.

Konflikte werden zudem auch nicht geklärt. Sie ist dann sauer auf mich und geht mir aus dem Weg. Und irgendwann wird es einfach totgeschwiegen

Wenn ich abends nach Hause komme und sie frage wie Ihr Tag war und frag was sie so gemacht hat, wirft sie mir vor, dass ich sie kontrollieren würde und ihr nichts zutraue.

Und wenn ich nicht nachfrage, "interessiere ich mich nicht für sie".

Wenn ich versuche mit Ihr über die Situation zu sprechend und hierbei beschreibe wie sich das für mich anfühlt, dann "dreht sich alles nur um mich" und ich würde mich nicht für sie interessieren.

Allgemein behauptet sie in letzter Zeit immer häufiger, dass sich bei mir alles nur um mich dreht und ich die Schuld immer auf sie schiebe. Interessanterweise bin ich der Meinung, dass es genau andersherum ist....

Nicht selten argumentiert sie in Diskussionen, wenn sie denn mal passieren, dann auch sofort mit ihren psychischen Problemen und dass ich darauf überhaupt keine Rücksicht nehme und es auch gar nicht ernst nehme.

Und in der Situation kann ich dann auch gar nichts mehr sagen, weil alles von mir ja "alles nur gelogen ist und ich mir alles so hindrehe wie es mir gefällt". Am Ende bin ich immer an allem Schuld...




Was ist bei so einem Verhalten das richtige "Gegenmittel"? Gibt es überhaupt ein richtiges?
Liegt es überhaupt an einer psychischen Krankheit oder ist das schon eher einfach Ihr Charakter und ich bilde mir diese ganzen psychologischen Erklärungen nur ein?


Lies dir doch das was du selbst gepostet hast über ihr Verhalten nochmal durch. Was würdest du deinem besten Freund raten, der von seiner Lebenspartnerin so behandelt wird?

Der Schlüssel hier ist, dass sie keine Einsicht hat dass ihr Verhalten problematisch ist. Hätte sie das, würde sich zB nach einem Ausbruch ernsthaft bereuend entschuldigen, dann würde ich mit entsprechender therapeutischer Hilfe hier die Möglichkeit einer Besserung sehen.
Aber das hat sie offenbar nicht, und damit ist die Sache erledigt.

Sie übt verbale und emotionale Gewalt auf dich aus und zeigt null Reue für ihr Verhalten, sie findet immer eine Rechtfertigung warum sie mit ihrem Verhalten im Recht war.

Meine persönliche Meinung? Da spielen Krankheit und Charakter zusammen. Es gibt auch Leute mit ernsthaft Borderline, frühen Traumafolgestörungen, die würden sich niemals anderen Menschen gegenüber rücksichtslos und gewalttätig verhalten sondern verletzen sich dann irgendwie selber um das auszuagieren. die haben schon fast zu viel Problembewusstsein und halten sich für Schuld an allem was nicht funktioniert.


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Beitrag Mo., 07.03.2022, 18:19

@münchnerkindl

Vielen lieben Dank für Deine persönliche Meinung. Das bedeutet mir viel und bringt mich sehr stark zum Nachdenken.

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Joa
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Beitrag Mi., 09.03.2022, 03:28

Hi Kronkorkenpoet,

wie lange seid ihr denn schon zusammen?

Ich sehe es natürlich grundsätzlich auch so, dass man sich trennen sollte, bevor man selbst zu Grunde geht. Sowas kann leider notwendig sein.

Was habt ihr denn schon probiert? Habt ihr mal über Paartherapie nachgedacht? Bzw. könntest du ihr deinen Post ja auch zu lesen geben. Das hast du schon sehr nachvollziehbar ausgedrückt, finde ich.

LG