Psychose meiner Schwester

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, Bipolaren Störungen ('Manisch-Depressives Krankheitsbild'), Wahrnehmungsstörungen wie zB. Dissoziationen, MPS, Grenzbereichen wie Borderline, etc.

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Psychose meiner Schwester

Beitrag So., 10.04.2022, 22:15

Hey , ich suche Rat für meine Schwester.
Wahrscheinlich eine Akute Polymorphe psychotische Störung . Zum ersten mal . Weder bei Ihr noch bei der Familie keine bekannten Fälle .

Wie es begann :
Sie hatte sich seit ein paar Tagen sehr zurück gezogen . Und plötzlich hat sie wirres zeug geredet , wahrscheinlich seit tagen nicht geschlafen und zusammengeklappt. Im Krankenhaus nicht viel gesagt aber geweint und meiner mutter gesagt das sie ruhig gehen kann. Wir sind nachhause um ein paar sachen zu packen . Dann kam ein Anruf vom Krankenhaus das sie abgehauen ist. Wir haben sie aufgesammelt und nachhause gebracht und ab da gings los .

Die ersten 2-3 Tage war sie eher verwirrt , kaum geredet , augen zu aber wach ...ab dem 4. Oder 5. Tag gings los mit den geschichten über abhören , beobachten , ihr gehirn ist irgendwo hochgeladen etc.

( Es ist soviel passiert aber ich versuche die wichtigsten Sachen raus zu filtern )

Das schlimmste sind die Ängste. Sie hat ständig angst das ihr selber was angetan wird oder uns . 1x am Tag fast schon panik modus , das "die" jetzt kommen , es ist kein spaß , wir müssen uns vorbereiten. Anfang schwierig zu beruhigen , aber es wird immer besser von den panik momenten runter zu kommen .
Auch schon erwähnt das sie lieber tot wäre als diese qualen nochmal durch zu machen.

Wir lassen im Haus keine fernseher laufen , es ist in ihrer umgebung immer ruhig , wir reden sie nur einzelln an , mir ruhiger stimme und auch nicht so als würde nix mit ihr stimmen. Also auf gleicher Augenhöhe. Nur alleine lassen wir sie nicht mehr ( was sie auch sehr begrüßt ) .. im garten lassen wir sie ihre runden machen.
Sie weiß auch das etwas nicht stimmt , das wir denken müssen das sie verrückt ist ( würde sie ja genauso tun ) aber es ist wirklich real .

Laut recherche passt am besten die "Akute Polymorphe Psychotische Störung" zu ihren Symptomen und Ablauf / Chronik.

Morgen gehen wir zum Arzt und werden sie untersuchen lassen. Stationäre einweisung wollen wir eigentlich unter keinen umständen. Trotzdem ist man sich unsicher ob man das dann medikamentös behandeln soll oder vielleicht abwarten weil die wohl in der regel max 4 wochen später abklingen. Einmal damit angefangen soll das ja schwierig sein mit der absetzung und nebenwirkungen.

Und sie ist ein sehr fitter mensch der extrem auf ernährung achtet und auf medikamente verzichtet und lieber alternativen sucht ( und das mit erfolg :D ) . Beispiel meine Mutter alternativen zur Chemo gefunden und super funktioniert. Man hat ein schlechtes gewissen das man sie im Stich lässt und sie dann an die medikamente bindet.

Nur ist auch die sorge beim umgang in der zeit. Meine größte angst ist etwas zu tun / sagen wodurch sich das manifestiert und ein dauer schaden zustande kommt.

Meine frage wäre :
Hat jemand ähnliche erfahrung gemacht ? Was hättet ihr euch gewünscht ? Oder gibt es irgendwas , was auch während den phasen euch gut getan / beruhigt hätte ? Wielange ging die hochphase + auch wenn medikamente , ab wann haben die gewirkt ?

Ich weiss fragen über fragen aber ich habe noch versucht nur das wesentliche erstmal haha. Das fühlt sich alles noch wie ein Film an . Die größte sorge ist ihr leiden zu verlängern oder ihr einen dauerschaden zu verpassen.

Ich danke 1000 mal vom herzen im voraus

Zusätzliche fragen , die aber eher zweitranig sind erstmal :
Wie war es danach ? Konntet ihr euch noch an alles erinnern und dann realisieren das es eine psychose war ?

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Candykills
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Beitrag Mo., 11.04.2022, 07:21

Wahrscheinlich ganz "einfach" eine schizophrene Psychose, die unbehandelt Monate, sogar Jahre, gehen kann.
Also eine Einweisung in die Psychiatrie ist durchaus sinnvoll. Ansonsten: Medis können innerhalb Tage bis wenige Wochen wirken.
Wenn schnell Medis gegeben werden und die Psychose schnell abklingt, kann das auch gegen eine Chronifizierung wirken. Aber eine Garantie gibt es nicht.

Ich kann mich an meine Psychosen und deren Inhalte erinnern, aber natürlich nicht alles, was ich getan, gesagt, erlebt habe. Aber das ist ja auch ohne Psychose so.
🦄

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Takli
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Beitrag Mo., 11.04.2022, 09:15

Leider ist es so, daß eine Psychose ohne Medikamente eher schlimmer wird. Es ist wichtig so schnell wie möglich damit anzufangen, weil es ansonsten durch das zunehmende Mißtrauen immer schwieriger wird den Betroffenen in Behandlung zu bekommen. Daß deine Schwester Medikamenten gegenüber eher ablehnend ist, wird es schwierig machen. Wichtig ist es das richtige Neuroleptikum zu finden, das gut wirkt und möglichst wenige Nebenwirkungen macht. Gut, daß ihr heute einen Arzttermin habt. Ist das der Hausarzt oder ein Psychiater?


smarti73
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Beitrag Do., 21.04.2022, 15:15

Hallo, so eine Schwester/Familie hätte ich mir auch gewünscht, die mich nicht gleich in ein Krankenhaus abgeliefert hätten. Leider kam ich gleich in eine geschlossene Abteilung - dort wurde eine Bipolare Störung diagnostiziert. Es war wie in einem Albtraum und es ist es noch immer. Zwangsmedikation, Gefangensein und der Ursache des Verhaltens nicht auf den Grund gehen, haben mich schlussendlich in die Hypermanie und in ganz schlimme Psychosen geführt. Hab dadurch alles verloren und komme nicht mehr aus der Depression heraus, weil ich immerzu an die vergangenen 2 Jahre denken muss. Ich war damals total überfordert. Im Grund war auch meine Ehe nicht mehr harmonisch, was ich im Nachhinein erkenne. Corona hat dann den Rest gegeben. Und dann der Albtraum geschlossene Psychiatrie. Durch Temesta wurde ich regelrecht ausgeschaltet. Als Selbst- und fremdgefährdend eingestuft zu werden, wenn man es nicht ist, keine Selbstbestimmtheit mehr zu haben und wenn einem der eigene Wille genommen wird - ja ich habe das alles sehr ungerecht empfunden und habe dabei vergessen, dass man hier gegen Windrädern kämpft. Ich hab den Kampf verloren und ich bin fest davon überzeugt, wenn ich das Trauma geschlossene Psychiatrie nicht erlebt hätte, sondern ich die Chance bekommen hätte, dass mich ein Hausarzt begutachtet und mir leichtere Medikamente verschrieben hätte, ich in meiner gewohnten Umgebung geblieben wäre, ich heute nicht so ein Wrack wäre.