8 Jahre Beziehung, leider Zweifel

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Neo_User
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8 Jahre Beziehung, leider Zweifel

Beitrag Mo., 02.05.2022, 10:03

Hallo meine Lieben...

Ich bin seit 8 Jahren mit meiner Freundin zusammen. Ich 33, sie 28.

Es ist für uns beide die erste richtige Beziehung.

Ersten Jahre waren schön, auch in sexueller Hinsicht. Leider haben wir seit 5 Jahren kaum noch Sex (leider tatsächlich nur 1-2 im Jahr). Auch wenn das furchtbar klingt, ich würde nicht sagen dass uns die Intimität fehlt... Wir kuscheln sehr gern miteinander und sind froh, wenn der andere bei einem ist.

Leider habe ich seit Jahren Zweifel an der Beziehung. Angefangen hat das mit der sexuellen Geschichte. Corona hat das ganze nicht verbessert (sie durch Arbeit/Studium viel unterwegs, ich meist im Homeoffice.) Es gab in all den Jahren Beziehung keine Vertrauensbrüche (und wir vertrauen einander immer noch sehr!). Auch so läuft die Beziehung, vor allem wenn man von Problemen anderer Pärchen hört hört, doch sehr harmonisch.

Das Problem an der ganzen Sache: Sie wäre schon länger für den nächsten Schritt bereit (Sesshaft, Hochzeit, Kinder etc.) doch ich habe seit Jahren diese Zweifel, ob es das richtige ist. Ich selbst will auch in Zukunft Familie und Haus haben. Ich nehme die Schuld hier zu 100% auf mich, da ich meine Zweifel viel zu spät angesprochen habe. Sie wusste natürlich dass nicht alles passt (vor allem da der Sex fehlt), war aber dann doch überrascht das es so schlimm für mich ist. Das Problem mit dem Sex war auch eher von meiner Seite.

Das Problem an der Sache: Ich weiß selbst nicht, was ich will. Mein Bauchgefühl schreit ja nicht "Beende es!" oÄ, mein Bauchgefühl und ich wissen selber einfach nicht was genau wir wollen.

Was für mich problematisch ist:
-> Ich weiß nicht, woran es liegt... ob die Zweifel berechtigt sind, oder ob es nur "Angst" vor dem nächsten Schritt ist?

-> Ich liebe sie noch, und die letzten Wochen waren geprägt von Tränen und emotionalem Schmerz... Ich hoffe selbst dass nicht einfach nur "Gewohnheit" der Fall ist, und ich mich deswegen nicht trennen kann/will.

-> Habe selbst in meinre Jugend mich nicht so ausgelebt wie ich es ev. können hätte, sie war auch meine 1. wirkliche Partnerinn in sexueller Hinsicht. Weiß nicht ob das hier eine Rolle spielt. Ich selbst war auch ihr "Erster", sie hat sich in der Jugend aber ausreichend ausgelebt (alles außer den "richtigen" Geschlechtsverkehr)

-> Ich fühl mich beschissen, da ich sie derzeit mehr oder weniger in der Luft hängen lasse, da sie selbst nicht weiß wie ich mich entscheiden werde oder ob ich plötzlich sage es macht keinen Sinn... Will ihr auch nicht die Chance auf das glückliche Leben nehmen, dass sie sich sehnt und auch verdient (Haus, Familie etc.).

Ich habe in den vergangenen Tagen viel mit Familien/Freunden gesprochen. Was mich überrascht hat, ist wie viele Paare von außen hin perfekt wirken, jedoch selbst schon große Probleme (teilweise auch kurz vor Trennung waren) haben und es dennoch geschafft haben.

Ich weiß selber leider nicht was ich will.

Ich erwarte mir natürlich nicht dass mir hier jemand die Entscheidung abnimmt, jedoch dachte ich ev. hat hier jemand gute Einwände / Vorschläge / Worte die mir in der Situation weiterhelfen könnten.

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Lindera
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Beitrag Mo., 02.05.2022, 11:45

Hallo Neo_User,
Du beschreibst sehr viel Gutes und Wertvolles in eurer Partnerschaft. Das ist nach 8 Jahren nicht selbstverständlich. Zählt also auf jeden Fall unter der "Haben"-Seite.

Die von Dir angesprochene "Soll"-Seite, der Sex.....nunja. Meiner Erfahrung nach (und auch vieler anderer Menschen) ist es in einer längeren Partnerschaft oft so, dass die Gefühle eher "kumpelhaft" werden. Die für aufregenden Sex nötige Fremdheit fehlt. Wie kann man (sexuell) auf Jemanden zugehen, der schon "da" ist?

Es liegt also nicht daran, dass ihr nicht zueinander passen würdet, oder es mit einer anderen Frau anders/besser wäre. Früher oder später landest Du mit Jeder Frau in dieser Friend-Zone. Das gilt natürlich auch umgekehrt für die Frau.

Du kannst Dich also entscheiden, ob Du dem Sex so viel Bedeutung gibst, dass Du auf eine stabile Partnerschaft weitgehenst verzichtest und immer und immer wieder mit Jemand Neuem sexuell aufregende Erfahrungen machen möchtest, oder ob Du anderen Werten den Vorrang gibst.

Die Gewichtung ändert sich auch mit der Zeit und dem Alter. Spätestens mit Kindern sieht die Sache dann sowieso ganz anders aus.

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münchnerkindl
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Beitrag Mo., 02.05.2022, 17:08

Naja, sie will also Kinder. Aber den Sex will sie nicht? Woher sollen die Kiddies dann kommen?

Ehrlich gesagt, wenn sexlos mit Haus, Kind und Hund nicht deine Bedürfnisse befriedigt dann wird das auf Dauer echt unbefriedigend für dich. Der Zölibat ist einfach für viele Menschen keine befriedigende Lebensform. Das sieht man an den ganzen katholischen Priestern die verschieden geartete geheime sexuelle Unternehmungen nebenher laufen haben. Die haben auch mal idealistischerweise gedacht sie könnten damit gut klarkommen.

Du kannst auch davon ausgehen, dass sie wenn dann die Kinder da sind auch eher mit denen beschäftigt ist und kuschelt und dass das dann ebenfalls für dich noch weniger wird.

Also wenn du nicht der totale Familienmensch bist für den die Kinder, die Renovierung des Hauses etc an allererster Stelle steht, dann würde ich es lassen.
Zuletzt geändert von münchnerkindl am Mo., 02.05.2022, 17:17, insgesamt 1-mal geändert.

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münchnerkindl
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Beitrag Mo., 02.05.2022, 17:15

Lindera hat geschrieben: Mo., 02.05.2022, 11:45 Du kannst Dich also entscheiden, ob Du dem Sex so viel Bedeutung gibst, dass Du auf eine stabile Partnerschaft weitgehenst verzichtest und immer und immer wieder mit Jemand Neuem sexuell aufregende Erfahrungen machen möchtest, oder ob Du anderen Werten den Vorrang gibst.


Es geht hier nicht um "aufregenden Sex suchen" sondern um überhaupt Sex haben. Und es gibt auch Paare die stabil auch nach Jahren noch häufiger miteinander Sex haben.

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Lindera
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Beitrag Mo., 02.05.2022, 21:37

münchnerkindl hat geschrieben: Mo., 02.05.2022, 17:15 Und es gibt auch Paare die stabil auch nach Jahren noch häufiger miteinander Sex haben.
Das soll es geben. Keine Frage. Ich habe nur von meinen Erfahrungen berichtet, die eben so aussahen, dass es das für mich nicht gab. Woran auch immer das gelegen haben mag. An den Partnern eher nicht, dafür waren es zu viele im Laufe der Jahre und auch zu unterschiedliche.
I

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Neo_User
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Beitrag Di., 03.05.2022, 08:14

Hallo, danke für die Antworten. Ich weiß nur nicht, ob mein 1. Post ev. ein falsches Bild vermittelt hat... Es geht hier nicht nur um den Sex.

@Lindera: Danke für die positiven Einstiegsworte :)


@münchnerkindl:
Der mangelnde Sex liegt nicht an ihr, sondern eher an mir. Sie hat, wie es weniger wurde, auch eine zeitlang probiert, die Sache anzukurbeln. Ich war jedoch nicht wirklich "geil" auf sie (klingt furchtbar, weiß nur nicht wie man es schöner sagen könnte). Ich denke der langweilige Büro-Job und das Home-Office allein helfen hier nicht, es hat sicher auch das soziale in den letzten Jahren gefehlt. Der Sex ist ja nicht das einzige Problem.

Und ich habe auch nicht gesagt, dass ich kein Familienmensch sein will. Ich will auch mal Kinder (wichtig ist das sie gesund sind) und ein eigenes Heim haben. Derzeit bin ich mir nur nicht sicher, ob es mit ihr ist. Das Problem ist: Ich kann nicht sagen, ob es an "Angst/Furcht" vor dem Ernst des Lebens wird, oder ob ich in ihr nicht die richtige sehe. Kann meine Gefühle derzeit nicht ordnen und weiß selber nicht, was genau ich will (ich weiß, für außenstehende Forumsmitglieder nicht unbedingt hilfreich :/ )

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chrysokoll
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Beitrag Di., 03.05.2022, 19:10

ihr könntet in eine Paartherapie gehen und versuchen genau diese Fragen offen zu klären.
Du kannst auch erst einmal alleine hingehen und mit professioneller Hilfe hinschauen was du willst.

Nur eines sollte klar sein: Wenn du jetzt schon nicht Lust auf sie hast und es praktisch keinen Sex gibt, dann wird das nicht durch Zauberhand wieder besser, schon gar nicht mit Kindern. Und DANN ist es schwierig mit Trennung, für alle, wenn erst Mal Haus, Schulden, Kinder da sind etc.

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Fairness
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Beitrag Mi., 04.05.2022, 08:09

Hallo Neo_User,

du bist nun acht Jahre lang in der Beziehung mit deiner Partnerin zusammen, und von deiner Beschreibung habe ich mir den Eindruck verschafft, dass das zwischen euch gut passen könnte. Gewohnheit wird bei allem irgendwann ein Teil des Lebens, problematisch sehe ich das dann, wenn die Gewohnheit ist, einander zu schaden.. das scheint ihr jedoch anders zu machen.

Die sexuelle Anziehung ist ja nicht auf Dauer. Das unmittelbare Verlangen nach jemandem, den man liebt, dauert im Durchschnitt etwa drei Jahre.
Quelle: ein Interview in die Zeit

Nach ca drei Jahren, kommt dann mehr die Bindung in den Vordergrund. Als eine der Möglichkeiten - jemand, wer glaubt, die partnerschaftliche Bindung eher weniger zu brauchen, wird vermutlich eher nach solcher Zeit wieder einen weiteren Partner suchen.

Auch nach drei Jahren können die Paare die Sexualität natürlich weiter leben, sie ist jedoch dann durch andere Aspekte gekennzeichnet, als wenn man frisch verliebt ist und ist auch eine aktive Entscheidung. Manche einigen sich dann auch, polyamourös zu leben, wenn sie damit einverstanden sind.

An deiner Stelle würde ich auch, wie chrysokoll empfohlen hat, mit deiner Partnerin eine Paartherapie aufsuchen, vielleicht vorerst für ein paar Sitzungen.

Meine Meinung: du denkst viel nach.. das ist okay, doch während des Nachdenkens, läuft auch die Lebenszeit nebenbei, darüber sollte man sich stets im klaren sein - sowohl deine als auch die deiner Freundin, und sie entschied sich auch ihrerseits offenbar, euch diese Zeit auch zu geben. Bist nun 33 und wirst nicht junger und fitter werden.. deswegen fände ich das an deiner Stelle gut, sich darüber, ob du Vater werden möchtest, bald im klaren zu werden - und auch, wie ihr eure Beziehung in der Zukunft sieht.

Vielleicht ist es auch nicht nur die Beziehung, was in dir Fragen auslöst? Weil wenn erstmal ein Baby da ist, ist es ein neuer, weiterer Mensch, für welchen Zukunft du und deine Partnerin die nächsten Jahre verantwortlich würdet und auch Verpflichtungen angehen würdet.. dann seid ihr zu dritt.

Es könnte auch interessant sein, wenn ihr euch gemeinsam aktiv vorstellt und bespricht, wie solche Zukunft aussehen könnte und wie ihr sie dann auch von der praktischen Seite handhaben wollen würdet, wie ihr euch die Aufgaben aufteilen würdet.

Und, welche Gefühle ihr bei Kindern empfindet, und wie viele Erfahrungen ihr mit ihnen bereits habt.. Kennt ihr beide, wie das ist, mit kleinem Kind Zeit zu verbringen - sich kümmern, mit ihm zusammenspielen und sich irgendwie mit ihm unterhalten..?

Das könnte auch helfen, sich da rein zu fühlen und merken, ob ihr beide das zusammen beziehungsweise überhaupt wollt.

Viel Glück.
Lieben Gruß
Folge diesem Wille und diesem Weg, den die Erfahrung als deinen eigenen bestätigt: das heißt, als den wahren Ausdruck deiner eigenen Individualität. (C.G.Jung)

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Theory
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Beitrag Mi., 18.05.2022, 20:30

Hallo,

als eine Frau, die auf die 40 zugeht und es selbst erlebt hat, kann ich euch nur raten, setzt die hormonelle Verhütung ab, sofern ihr diese nutzt, sie hat meine Libido auf Null gesenkt. Sobald ich die Verhütungshormone abgesetzt habe, hatte ich wieder "Lust darauf".

Alles Gute.