PT, eigene Veränderung und Zweifel an der langjährigen Beziehung

Liebeskummer und Liebessorgen aller Art, sowie Eifersucht und Trennungen sind die zentralen Themen in diesem Forumsbereich (Beitrags-Haltedauer: 1 Jahr).
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PT, eigene Veränderung und Zweifel an der langjährigen Beziehung

Beitrag Mo., 23.05.2022, 19:52

Hi zusammen,

ich habe nun einen 2-3 Jahre gehenden Veränderungsprozess durchgemacht... habe mich subjektiv aber auch objektiv (einige haben mir das Feedback gegeben) sehr verändert - zum Positiven. Vor allem durch die Psychotherapie und dadurch, dass ich mir selbst immer bewusster werde.

Ich bin mit meinem Freund nun 7 Jahre zusammen, vor 5 Jahren in eine gemeinsame Wohnung gezogen. Dadurch, dass ich mich verändert habe, habe ich angefangen, mich selbst und das Leben nicht mehr so ernst zu nehmen. Ich fühlte mich an manchen Tagen so beschwingt, leicht und fröhlich, dass ich gar keine Angst mehr hatte, genau der Mensch zu sein, der ich wirklich bin - habe zB offen und neugierig vieles in Frage gestellt und viel gesagt, wie ich wirklich denke, ohne "mein Programm" abzuspielen. Ich mochte mein "neues Selbst" - es fühlte sich toll an und ich fühlte mich besser als je zuvor.

Parallel dazu ist mir aufgefallen, dass mein Freund, je glücklicher und zufriedener ich wurde, je leichter und fröhlicher ich das Leben nehmen konnte, er immer "saurer" wurde auf mich. Ungeduldig mit mir, direkt "böse" auf mich, weil ich mit Scherzen für seinen Geschmack "zu weit ging". Es stellte sich ein, dass er oft für mich ohne Grund, fast täglich schlechte Laune hatte, oder wenn er gute Laune hatte, ich nur ein falsches Wort sagen musste, dass er wieder schlechte Laune hatte. Fast täglich spielten sich Szenarien ab, die dann endeten mit "bist du jetzt wieder beleidigt?" und/oder er mir 1 Tag lang schweigend zeigte, dass er sauer ist ("silent treatment").

Irgendwann eskalierte es - ich kann mich nichtmal an den Inhalt erinnern und es war bestimmt völlig belanglos - aber er rückte nach Tagen eines fürchterlichen Streits endlich mit dem wahren Grund raus, warum er anfing, mich so zu behandeln. Ich war an dem Punkt bereits psychisch völlig fertig und erschöpft, weil es Tage so ging, bevor er endlich mal ein sagte, was los ist. Am Ende war es irgendwas, dass ich vor Wochen oder Monaten sagte, dass er völlig in den falschen Hals kriegte - seine Formulierung der Situation stellte mich wie ein "Monster" dar - ich war völlig geschockt, wie er über mich dachte... das machte mir solche Angst, dass ich überzeugt davon war, dass ich mich nun trennen müsse.

Wieder habe ich eine Nacht durchgeweint bis morgens und hatte dann Angst und war der Überzeugung, mit einem "völlig irren" zusammen zu leben, der sich selbst, seine Innenwelt und seine Emotionen nicht kennt und auch nicht gut ausdrücken kann. Von Psychotherapie/Paartherapie hält er nichts, obgleich es genug "Material" in seiner Vergangenheit gäbe.

Seit dem ist nichts mehr wie vorher für mich. Ich fühle mich völlig deprimiert... und habe mich "innerlich" getrennt.... auch wenn wir uns nach 1-2 Tagen wieder angenähert haben. Aber in mir ist die Hoffnung gestorben, dass er sich (wie durch ein Wunder) mit mir entwickeln kann.

Nun zu meiner Frage an die Erfahrenen unter euch:
Ich habe eine wirklich enorme Veränderung gemacht, ich arbeite aber fast täglich an mir, stelle meine Gedanken in Frage, reflektiere, meditiere, gehe weiter 1-2x pro Monat in die Therapie.
Muss ich hinnehmen, dass ich mich dadurch von meinem Freund wegentwickle? Kann man als ein Mensch, der so eine Reise aufnimmt und immer bewusster wird, denn mit jemandem "erfolgreich/glücklich/zufrieden" werden/sein, wenn der Partner sich seiner Emotionen nicht bewusst ist und auch gegen Therapie ist?
Für mich war vor diesem "Streit" alles so gut... aktuell bin ich einfach nur unglücklich, weil ich merke, dass er wohl nicht der Richtige für mich ist - ich habe aktuell eine richtige Ablehnung gegen ihn, ich bemühe mich sehr, nett zu sein, aber am liebsten will ich ausziehen und ihn erstmal ein paar Wochen nicht mehr sehen.

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münchnerkindl
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 19:58

Kann es sein dass du ihn mit deiner "neuen Art" auch a bisserl überfahren has? Also dass du so mit dir beschäftigt bist dass du ihn und seine Bedürfnisse garnicht mehr wahrgenommen hast?

Für mich hört sich das so an als ob du da jetzt Selbstoptimierung als Leistungssport betreibst, bei dem andere Leute dann unter die Räder kommen weil du nur noch um dich kreiselst.

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sebi
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 20:23

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candle.
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 21:02

Hallo,

mich würde interessieren unter welchen Umständen ihr zusammen gekommen seid?

LG candle
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Pianolullaby
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Beitrag Mo., 23.05.2022, 22:03

naja
es ist halt so, du entwickelst dich in diese Richtung, Dein Partner entwickelt sich auch, aber anders.
Ich denke nicht, dass er sich nicht entwickelt, (nur weil er keine Therapie macht im Gegensatz zu Dir)
Und ehrlich gesagt kannst Du es auch nicht verlangen. Wenn er möchte ist das ok, wenn nicht, musst du auch das akzeptieren. Es ist sein gutes Recht, alles so sein zu lassen wie es ist. Kannst Du damit nicht umgehen, ist es Deine Verantwortung und Deine Aufgabe für Dich zu sorgen, und zu schauen wie Du das für Dich lösen kannst.
ABER: Er ist sein eigener Boss, und kann tun und lassen was er will. Es ist seine Entscheidung wie er mit seinem Leben verfahren will
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Philosophia
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Beitrag Di., 24.05.2022, 05:57

ja, aber traurig ist es trotzdem... ich bin so froh, dass meine Frau sich mit mir weiterentwickelt hat und auch Interesse dafür hatte.
Die Analytikerin von mir hat aber gesagt, dass es oft zu Trennungen kommt - das ist eine Nebenwirkung von Psychotherapie, wenn der Partner mit den Änderungen nicht zurechtkommt.
Ich denke, es wichtig, dass du trotzdem weitermachst - die Beziehung zu behalten, dafür aber dich verstecken, ist nicht gesund.
Aber vielleicht könntet ihr mal miteinander reden, was ihn so doll verletzt. Und wie ihr miteinander kommuniziert. Eine Therapie ist auch ein Freifahrtschein, nur noch seins zu machen. Ich mein, klar, kannst du, aber dann gibts auch Konsequenzen. Aber vielleicht findet ihr ja auch Kompromisse. Wichtig ist, sich für den anderen zu interessieren, anstatt beleidigt zu sein. Das gilt für beide. Wichtig ist, dass ihr beide sein könnt - wenn das nicht geht, dann stimmt was nicht.
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer


kaja
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Beitrag Di., 24.05.2022, 06:04

Ich habe mehrfach miterlebt wie Menschen mit Therapieerfahrung an dem Punkt hängengeblieben sind, an dem sich alles um die Wahrnehmung und Auslebung von Bedürfnissen dreht, vornehmlich um die eigenen.

Das ist bis zu einem bestimmten Grad ein vollkommen normaler und guter Entwicklungsschritt. Problematisch wird es allerdings wenn die Leute den Unterschied von Therapie-Bubble (alles dreht sich um mich und meine Bedürfnisse), zu realer Welt (andere Menschen haben auch Bedürfnisse) nicht mehr hinbekommen und zu lange in diesem Stadium verharren.

Für Partner kann diese sehr egozentrierte Zeit, die oft auch mit einer (unbewussten) Abwertung des Partners einhergeht ("Ich entwickle mich hier weiter und er/sie bleibt stehen"), sehr anstrengend und verletzend sein. Man neigt als Mensch mit Therapieerfahrung evtl. manchmal dazu sich selbst zu erhöhen, weil man ja aktiv an sich gearbeitet hat und der andere ja "nichts" macht. Allerdings sollte man sich klar machen, dass Therapie die Behandlung einer psychischen Störung mit Krankheitswert ist und nicht gesamte Menschheit psychische Störungen hat und deshalb einer Therapie bedarf.

Ich würde an dem Punkt mal kritisch hinterfragen, wie ich z.B. mit der mitgeteilten Verletzung meines Partners durch mich umgegangen bin. Ob ich es selbst als verletzend empfinde spielt ja erst einmal keine Rolle, denn es geht um seine Empfindungen. Nehme ich seine Empfindungen noch ausreichend wahr und interessiere mich für sie?

Er wird ja kein vollkommener Idiot sein und merken welche ablehnende Haltung ihm gegenüber von dir ausgeht. Der Beschreibung nach ist er dein Störfaktor, Bremsklotz, Entwicklungshemmnis und es ist keinerlei Wertschätzung für ihn als Mensch oder seine Emotionen mehr vorhanden. Dann sollte man seinem Partner so viel Respekt erweisen sich zu trennen. Immerhin hat man diesen Menschen irgendwann einmal geliebt.
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Beitrag Di., 24.05.2022, 07:00

kaja hat geschrieben: Di., 24.05.2022, 06:04 Man neigt als Mensch mit Therapieerfahrung evtl. manchmal dazu sich selbst zu erhöhen, weil man ja aktiv an sich gearbeitet hat und der andere ja "nichts" macht. Allerdings sollte man sich klar machen, dass Therapie die Behandlung einer psychischen Störung mit Krankheitswert ist und nicht gesamte Menschheit psychische Störungen hat und deshalb einer Therapie bedarf.
Interessanter Punkt - die Frage ist für mich - ist der Mensch mit Therapieerfahrung, der endlich in Glück und Zufriedenheit lebt, "der gestörte Mensch" ... oder der Mensch ohne Therapieerfahrung, der weiterhin abwertet, und der Umwelt gegenüber nicht mit Leichtigkeit sondern Groll begegnet, aber niemals für sich selbst einsehen würde, an seinen Themen arbeiten zu wollen?
Ich würde an dem Punkt mal kritisch hinterfragen, wie ich z.B. mit der mitgeteilten Verletzung meines Partners durch mich umgegangen bin. Ob ich es selbst als verletzend empfinde spielt ja erst einmal keine Rolle, denn es geht um seine Empfindungen. Nehme ich seine Empfindungen noch ausreichend wahr und interessiere mich für sie?

Er wird ja kein vollkommener Idiot sein und merken welche ablehnende Haltung ihm gegenüber von dir ausgeht. Der Beschreibung nach ist er dein Störfaktor, Bremsklotz, Entwicklungshemmnis und es ist keinerlei Wertschätzung für ihn als Mensch oder seine Emotionen mehr vorhanden.
Tatsächlich habe ich mir jeden Tag von Neuem eine gute Haltung vorgenommen. Ich überhöhe mich nicht, sondern habe ihm jeden Tag Respekt und Wertschätzung gezeigt. Ganz im Gegenteil - weil ich merkte, wie schnippisch er wurde, habe ich angefangen, ihm zu sagen, wie sehr ich ihn wertschätze - dabei ist mir auch aufgefallen, dass auch ich das bitter nötig habe, auch mal von ihm ein nettes Wort zu hören oder mal zu hören, dass er mich liebt - er von sich aus äußert und spricht über seine Gefühle nicht.

Obwohl er die Situation völlig übertrieben hat und ich es nicht fassen konnte (und ich zuerst eine Nacht dürber schlafen musste, weil ich die Wortwahl nicht fassen konnte), habe ich mich direkt dafür bei ihm entschuldigt. Für ihn scheint es damit nun "gegessen". Er verhält sich nun wieder fröhlich und unauffällig, ist zuvorkommend, fast schon ein wenig "zu viel des Guten".

Ich hingegen merke, dass ich sein Verhalten als "unehrlich" empfand, eine so wichtige Sache, die ihn so verletzt/gestört hat, so lange bei sich zu behalten und es mich über das Treten meiner Sachen oder öffentliches Anschreien, oder häufiges beleidigt sein, zu spüren gab.. Ich hätte mir schon erwartet, dass es direkt anspricht, wenn ihn etwas so "mausert".....

Insgesamt bin ich langsam "diese Spiele" leid. Ich wünsche mir eine offene Kommunikation, keine emotionalen Terze und Spielereien mehr wie zB er geht beleidigt in sein "Zimmer" und schweigt.
Zuletzt geändert von Theory am Di., 24.05.2022, 07:34, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitrag Di., 24.05.2022, 07:05

münchnerkindl hat geschrieben: Mo., 23.05.2022, 19:58 Kann es sein dass du ihn mit deiner "neuen Art" auch a bisserl überfahren has? Also dass du so mit dir beschäftigt bist dass du ihn und seine Bedürfnisse garnicht mehr wahrgenommen hast?

Für mich hört sich das so an als ob du da jetzt Selbstoptimierung als Leistungssport betreibst, bei dem andere Leute dann unter die Räder kommen weil du nur noch um dich kreiselst.
Ja, das kann schon sein - ich habe mich einfach an einem gewissen Punkt entschieden, mich nicht mehr, an den Alltäglichen Belanglosigkeiten zu stören. Vielleicht habe ich es übertrieben damit, das raushängen zu lassen, wie "gut es einem geht" wenn einem "alles wurscht" ist.

Das ändert halt leider nichts an der Tatsache, das sich heute mit einem anderen Blick durchs Leben gehe (und gehen will). Meine negative Art gegen mich und andere haben mich damals chronisch krank gemacht. Ich bin mittlerweile physisch gesund und auch mental war ich noch nie so glücklich mit mir und anderen. Ich hatte kürlich einen Jobwechsel, der mich sehr herausforderte und ich habe es geschafft, mich aus diesem negativen Umfeld, für das ich nichts konnte, zu befreien. Ich habe das Gefühl, nun endlich ein neues Leben, mein Leben 2.0 in der bessere, "geheilteren" Version Leben zu können.

Und ja, ich bin ein Mensch, der irrsinnig konsequent ist und Lesen und Wissen sehr liebt.

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Beitrag Di., 24.05.2022, 07:12

candle. hat geschrieben: Mo., 23.05.2022, 21:02 Hallo,

mich würde interessieren unter welchen Umständen ihr zusammen gekommen seid?

LG candle
Hallo candle!

Ich war damals noch an einem anderen Wohnort 400km entfernt. Wir haben uns durch Zufall über eine App kennen gelernt, ein paar Mal telefoniert. Er hat mich besucht und mich geradezu "überwältigt" mit der Initmität, die er wollte. Ich habe mich nicht gewehrt. Als er immer öfter in meine Wohnung in meine Stadt kommen wollte und sich selbst über Weihnachten (obwohl wir uns erst ein paar Monate kannten) eingeladen hat, und ich meine Probleme hatte, meine Grenze zu ziehen (ich hatte mehrmals bereits gesagt, dass ich es nicht wollte, er hatte es aber ignoriert), habe ich mit ihm "Schluss" gemacht, weil es mir zu schnell und zu viel war (ich wollte mein Weihnachten nicht mit einem Date 10 Tage lange verbringen, sondern mit meiner Familie und er wollte es nicht einsehen).

Durch Zufall bin ich ein paar Monate später beruflich in seine Stadt gezogen. Wir haben angefangen, uns wieder zu treffen. Es gab schon am Beginn immer mal wieder Themen, wo wir uns in die Haare bekommen haben, aber irgendwann haben wir uns besser kennen und lieben gelernt. Ich habe angefangen, seine Zuverlässigkeit und seine Ruhe zu schätzen (er hat nie viel gesprochen) und wir haben viel gemeinsam unternommen, sind gereist etc. Nach etwa 2 Jahren sind wir zusammen gezogen. Zu Beginn war auch das eine Herausforderung. Was Ordnungsliebe und Sauberkeit angeht sind wir diametral verschieden gewesen - langsam haben wir uns aber durch Kompromisse einander angenähert. Er geht mehr auf meine Ordnungsliebe ein, als er das sonst tun würde und ich gehe nicht so hart mit ihm um, wenn mal was nicht in den Geschirrspüler eingeräumt wird.

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Beitrag Di., 24.05.2022, 07:19

Pianolullaby hat geschrieben: Mo., 23.05.2022, 22:03 naja
es ist halt so, du entwickelst dich in diese Richtung, Dein Partner entwickelt sich auch, aber anders.
............
Ja, das stimmt natürlich. Ich finde auch, dass er sich weiterentwickelt hat. Aber ich habe für mich einfach entdeckt, dass ich mich mit gewissen negativen Haltungen einfach nicht mehr abfinden möchte. Mein Freundeskreis hat sich als erstes verändert, langsam kam dazu, dass ich auch den Kontakt zu einigen Familienmitgliedern eingeschränkt habe, nun ist offenbar die "Beziehung dran" - und ich würde gerne sehen, dass man sich gemeinsam weiter entwickelt... aber ich habe in meinem Leben lange genug meine Bedürfnisse ignoriert, und ich bin alt genug, um mir bewusst zu machen, dass ich nur mehr mit Glück 40 Jahre habe (und wieviele davon gesund?) als dass ich an Dingen festhalten will, die mir nicht gut tun. Und es geht nicht darum, von Minus auf 0 zu kommen (entsprechend: von psychisch gestört auf "normal"), sondern ich will ins Positive kommen und die Herausforderungen mit dem neuen Wissen angehen und nicht in den alten Mustern festhängen, dir mir längst überwunden erscheinen. Und ja, es mag ein wenig rücksichtslos sein, aber ich muss zuerst schauen, dass es mir selbst gut geht, nachdem ich das fast Jahrzehnte lang nicht gemacht habe.
Zuletzt geändert von Pauline am Mi., 25.05.2022, 04:39, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Komplettzitate sind zu vermeiden. Bitte an die Netiquette halten.

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Beitrag Di., 24.05.2022, 07:25

Philosophia hat geschrieben: Di., 24.05.2022, 05:57 ja, aber traurig ist es trotzdem... ich bin so froh, dass meine Frau sich mit mir weiterentwickelt hat und auch Interesse dafür hatte.
.............
Danke dir für deine Antwort und den Input!
Genau das wäre notwendig - miteinander reden. Sich dafür interessieren, anstatt beleidigt zu sein, was der andere fühlt. Ich denke, hier hakt es stark bei uns. Es ist immer wieder folgendes Muster - ich will reden, er rennt weg und schlägt die Tür zu, "schmollt" im Zimmer wie ein beleidigtes Kind.
Ich meine, wir sind 7 Jahre zusammen, und es ist deutlich besser als früher - früher hat er mich dann angeschrien und beschimpft, wenn ich seinen Raum betreten habe. Heute lasse ich ihm den Raum und wir gehen aufeinander zu (soll heißen: in 100% der Fälle mache ich den ersten Schritt). Aber ich bin ehrlich gesagt schon etwas "angenervt" von diesem Muster. Nicht nur angenervt - es zieht mich runter und ich hätte langsam aber die Möglichkeiten und Fähigkeiten, wirklich auch richtig reden zu können (denn die hatte ich vor der PT definitiv auch nicht). Viel Kommunikationsarbeit geht wirklich von mir aus... und es fühlt sich für mich an, als würde ich dem "immer beleidigten Kind" hinterher rennen, es pämpern, und ihm gut zureden, dass es wieder "ins Erwachsenenleben" kommt. Als würde ich mich dauernd bemühen müssen, damit er nicht "beleidigt" ist. Und darauf habe ich ehrlich gesagt aktuell keine Lust (mehr).
Zuletzt geändert von Pauline am Mi., 25.05.2022, 04:40, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Komplettzitate sind zu vermeiden. Bitte an die Netiquette halten.

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lisbeth
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Beitrag Di., 24.05.2022, 09:00

Was mich irgendwie stört, ist dieses ziemlich binäre Denken bei dir.
Du hast nun "Glück" und "Zufriedenheit" gefunden - du bist dank Therapie und harter Arbeit an dir selbst "erleuchtet", während er noch irgendwo im "dunklen Mittelalter" festzuhängen scheint. Und ja, da steckt für mich schon eine Menge Be- und Abwertung drin. Und mir fehlt auch irgendwie ein wohlwollender und mitfühlender Blick auf deinen Partner. Das liest sich alles für mich total empathielos.
Theory hat geschrieben: Di., 24.05.2022, 07:12 Er hat mich besucht und mich geradezu "überwältigt" mit der Initmität, die er wollte. Ich habe mich nicht gewehrt. Als er immer öfter in meine Wohnung in meine Stadt kommen wollte und sich selbst über Weihnachten (obwohl wir uns erst ein paar Monate kannten) eingeladen hat, und ich meine Probleme hatte, meine Grenze zu ziehen (ich hatte mehrmals bereits gesagt, dass ich es nicht wollte, er hatte es aber ignoriert), habe ich mit ihm "Schluss" gemacht, weil es mir zu schnell und zu viel war (ich wollte mein Weihnachten nicht mit einem Date 10 Tage lange verbringen, sondern mit meiner Familie und er wollte es nicht einsehen).
Das hier hört sich für mich zB so an, als hättest du dich drauf eingelassen, ohne es wirklich zu wollen. Hast mitgemacht, weil er so fordernd war und weil es besser war als alleine zu sein oder so. Aber eigentlich war das nicht "deins". Jetzt hast du Dank Therapie angefangen, dich zu verändern. Stehst mehr zu deinen Wünschen und äußerst die auch. Was ja auch gut ist. Aber für deinen Partner ist das - mal vorsichtig ausgedrückt - ein ziemlich ruppiges Erwachen, weil er vielleicht feststellen muss, dass die theory, mit der er all die Jahre zusammen war, vielleicht nur eine Fata Morgana war und du ihm mit deiner Anpassung vielleicht auch etwas vorgespielt hast (ohne es zu wollen, das war halt dein Mechanismus), was so gar nicht den Tatsachen entsprach? Und ja, dann kann man auch mal beleidigt reagieren, das verunsichert, das macht vielleicht auch wütend. Und da finde ich es auch unfair, wenn du die Schuld alleine bei ihm suchst. Du hast ihm etwas "weggenommen", was für ihn wichtig war, und er wurde vermutlich gar nicht gefragt. Wie er damit umgeht und was er damit macht, kannst du nicht diktieren und das ist seine Verantwortung.

Eigentlich, wenn du mal wirklich ehrlich bist, seid ihr vielleicht gar nicht so richtig kompatibel. Dass es bisher irgendwie zwischen euch geklappt hat, lag vor allem daran, dass du dich "verstellt" hast (ist ein hartes Wort, aber ich möchte damit auch deinen Teil der Verantwortung am Status Quo mal unterstreichen).
Wenn es für dich nicht mehr passt, dann sei konsequent und trenne dich.
Aber so liest du dich für mich, als ob du ihn dir nach deinen Wünschen formen oder gar neu erschaffen möchtest. Und das wird nicht klappen und ist ihm gegenüber auch nicht fair.
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― Anne Lamott

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lisbeth
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Beitrag Di., 24.05.2022, 09:32

lisbeth hat geschrieben: Di., 24.05.2022, 09:00 Aber so liest du dich für mich, als ob du ihn dir nach deinen Wünschen formen oder gar neu erschaffen möchtest. Und das wird nicht klappen und ist ihm gegenüber auch nicht fair.
Nachtrag: Ich kann deinen Wunsch nach Gespräch und Austausch und miteinander darüber reden total nachvollziehen. Aber mit so einer Grundhaltung kann das nicht funktionieren, denn er ist ja schon "per Definition" für dich gerade "verkehrt". Da kann er ja gar nicht gewinnen...

Und, ich glaube, jenseits der Fakten und Erwartungen die ihr aneinander habt: Vielleicht wäre es ein Ansatz mal zu überlegen, was euch emotional verbindet oder all die Jahre verbunden hat? Vielleicht bieten sich da andere Anknüpfungspunkte, wo auch ein Austausch auf Augenhöhe möglich wird.
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Beitrag Di., 24.05.2022, 09:59

lisbeth hat geschrieben: Di., 24.05.2022, 09:00 Was mich irgendwie stört, ist dieses ziemlich binäre Denken bei dir.
Du hast nun "Glück" und "Zufriedenheit" gefunden - du bist dank Therapie und harter Arbeit an dir selbst "erleuchtet, während er noch irgendwo im "dunklen Mittelalter" festzuhängen scheint. Und ja, da steckt für mich schon eine Menge Be- und Abwertung drin. Und mir fehlt auch irgendwie ein wohlwollender und mitfühlender Blick auf deinen Partner. Das liest sich alles für mich total empathielos.

....

Eigentlich, wenn du mal wirklich ehrlich bist, seid ihr vielleicht gar nicht so richtig kompatibel. Dass es bisher irgendwie zwischen euch geklappt hat, lag vor allem daran, dass du dich "verstellt" hast (ist ein hartes Wort, aber ich möchte damit auch deinen Teil der Verantwortung am Status Quo mal unterstreichen).
Wenn es für dich nicht mehr passt, dann sei konsequent und trenne dich.
Aber so liest du dich für mich, als ob du ihn dir nach deinen Wünschen formen oder gar neu erschaffen möchtest. Und das wird nicht klappen und ist ihm gegenüber auch nicht fair.
Okay - ich lese hier sehr viel Interpretation und Bewertung von dir raus. Von Bewertungen ist niemand wirklich frei, also ist das auch nicht schlimm. Ich möchte dennoch ein paar Punkte in der Wahrnehmung "korrigieren" dürfen:

Ich bin mir meiner Verantwortung an der Situation nicht nur bewusst - ich bin sogar der auslösende Faktor in diesem Fall - aus diesem Grund steht ja auch im Titel "PT - eigene Veränderung - nun Zweifel".

Was ich auch korrigieren möchte, ist dein falsches Zitat von mir, dass ich "erleuchtet sei, während er im dunklen Mittelalter sitzt". Du hast Anführungszeichen verwendet, als würdest du meine eigenen Worte zitieren, was nicht korrekt ist. Das sind deine Worte und Interpretationen. Ich habe das so nicht formuliert und du musst mir nun leider glauben, ich empfinde es auch nicht so. Es entspricht den Tatsachen, dass sich die Dinge so zugetragen haben: ich habe mit Therapie angefangen, und er diesen Schritt nicht gemacht. Ist halt so. Und darum geht es in diesem Beitrag. Und um die möglichen Auswirkungen. Wie hätte ich es deiner Ansicht nach besser formulieren können, sodass du es nicht so falsch interpretierst? Wieviel deiner Reaktion hat mit meinem Thema zu tun und wieviel mit dir selbst?


Es stimmt, ich war damals tatsächlich lange unsicher, ob ich diese Beziehung wollte, auch weil ich gemerkt habe, dass wir sehr verschieden sind. Noch einmal: ich habe mich stark verändert/entwickelt (er auch). Es geht nicht um die Schuldfrage, ganz im Gegenteil. Es geht darum, dass mir bewusst ist, dass ich mich sehr stark verändert habe (und die Vergangenheit und warum ich damals wie mit ihm zusammen kam, sind die Vergangenheit und hier nicht das Thema). Worüber ich mich gerne unterhalten will ist, ob und wie man nach so einer Zeit und so tiefgreifenden Veränderungen noch zusammen findet / finden kann.

Ich möchte besser verstehen, ob ich einfach hinnehmen muss, dass sich Menschen auseinander entwickeln (wodurch ist doch im Grund genommen nicht wichtig, es führt, wie man sieht bei Menschen nur dazu, dass sie dies als Be-Wertung empfinden, was aber so nicht einmal gemeint ist - vielleicht hätte ich einfach nur von Veränderungen sprechen sollen, ohne die PT zu erwähnen). Oder ob es Erfahrungen gibt von erfolgreichen Beziehungen, in welchen jemand diesen Prozess als Paar erfolgreich durchlebt hat - und man sich am Ende wieder 'eingroovt', oder ob es die Tendenz gibt, dass wenn einer eine tiefergehende Veränderung durchmacht, es das beste für alle Beteiligten ist, getrennte Wege zu gehen.

Ich bin übrigens sehr gerne ehrlich (und nicht nur, wie du schreibst "wenn du mal ehrlich bist"). Dass wir sehr unterschiedlich sind in manchen Aspekten, war uns immer klar, gleichzeitig haben wir schon auch eine gemeinsame Basis gefunden und es funktionierte viele Jahre sehr gut zwischen uns.

Was ich hieraus mitnehme, ist, dass ich ihn mit der Schnelligkeit und der Intensität der Veränderung vielleicht überfordern könnte. Darüber werde ich nachdenken. Danke für die Impulse!


Nachtrag (weil du deinen Post korrigiert hattest):
Was ist aus deiner Sicht meine Grundhaltung? Kennst du mich denn genug, um meine Grundhaltung ausreichend Be-Werten zu können? Woher nimmst du das alles? Was sagen deine Interpretationen über dich aus?