Partner fühlt sich verletzt

Liebeskummer und Liebessorgen aller Art, sowie Eifersucht und Trennungen sind die zentralen Themen in diesem Forumsbereich (Beitrags-Haltedauer: 1 Jahr).
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Adorno
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Partner fühlt sich verletzt

Beitrag Do., 13.10.2022, 14:15

Hallo liebes Forum,

mein Mann und ich haben gemeinsam schon einiges durchgemacht - räumliche Trennung, schwere Erkrankungen und schwierige Herkunftsfamilien. Vieles haben wir auch therapeutisch aufgearbeitet. Gemeinsam und auch jeder für sich.

Das hat uns sehr zusammengeschweißt. Allerdings gibt es eine "Situation" zwischen uns, die immer wieder auftaucht und die wir fast gar nicht in den Griff kriegen sondern eher aussitzen.

In teilweise vollkommen unverbindlichen und lockeren Gesprächen - so empfinde ich das zumindest - fühlt mein Partner sich plötzlich stark verletzt und von mir herabgesetzt. Er zieht sich dann für Tage zurück, redet kein Wort mehr mit mir und interpretiert das Gesagte als bewusste Verletzung.

Wenn ich versuche mit ihm darüber zu sprechen, wird er noch wütender.

Bspw. erzählte ich ihm letztens, dass ich Probleme auf der Arbeit mit einer Kollegin habe und er reagierte vollkommen außer sich und meinte, ich würde damit andeuten, dass er ein "leichtes Leben" auf der Arbeit hat. Ich habe erwidert, dass ich das nicht gesagt habe und daraufhin wurde er dann noch wütender und zog sich zurück.

Ich bin mir bewusst, dass dies mit Sicherheit etwas mit früheren Verletzungen zu tun hat, aber ich weiß kaum damit umzugehen. Mein Partner geht in solchen Situationen voll in die Eskalation. Und selbst, wenn ich mich entschuldige und ihm erkläre, dass mir das nicht bewusst war, dass ich ihn verletze, geht es einfach weiter.

Diese Situationen sind nur noch selten da, aber ich stehe jedes Mal vollkommen hilflos dar, wie ich damit umgehen soll. Es bleibt mir nur die Option mich auch zurückzuziehen und mich zu entschuldigen. Teilweise entschuldige ich mich aber für Dinge, die ich nicht gemacht habe bzw. nicht gesagt habe.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen damit, wenn bei euren Partnern alte Verletzungen wieder aufbrechen und was macht ihr dann?

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Philosophia
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Beitrag Do., 13.10.2022, 14:22

Lass die alten Verletzungen bei ihm. Es ist nicht ok, dass er die jetzt auf dich projiziert! Ich war früher auch mal so wie dein Mann... leider. Meine Frau hat mir geholfen, indem sie da nicht mitgespielt hat. Allerdings war hierfür auch wichtig, dass ich ihr zuhören konnte und wollte - und sie mit dem, was mein Verhalten mit ihr macht, auch ernst nehmen wollte.
Wenn du dich entschuldigst, bestätigst du ja eigentlich, dass du ihm wirklich was Schlimmes angetan hast. Das hast du aber nicht. Das war mal jemand anderes früher. Es ist wichtig, dass er lernt dich zu sehen bzw. das Hier und Jetzt. Es ist trotzdem ok, wenn sein altes Gefühl hochkommt, aber er er sollte es bei sich behalten. Er kann dir ja sagen, wenn es da ist - aber dich nicht zur Täterin machen.
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer

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Sinarellas
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Beitrag Do., 13.10.2022, 14:42

Er zieht sich dann für Tage zurück, redet kein Wort mehr
Schweigen und Ignorieren ist höchst passiv-aggressives Verhalten und wirkt sich richtig fies auf einen aus.
Offensichtlich hat er keine anderen Werkzeuge zur Hand (Dialog) um mit der Situation klar zu kommen oder er bestraft dich damit für dein aus seiner Sicht "Angriff".
Übrigens wird diese Art von Silent Treatment auch als emotionale Gewalt bezeichnet. Mal um zu verdeutlichen, was das für ein ungünstiges "Werkzeug" von ihm ist.
Frag ihn doch mal, was passieren würde, wenn er nicht schweigen und dich tagelang (aaah!!) ignorieren würde?
Verhindert er damit schlimmeres? Wahrscheinlich, es ist sein Strategie etwas anderes zu verhindern.
Ich bin mir bewusst, dass dies mit Sicherheit etwas mit früheren Verletzungen zu tun hat, aber ich weiß kaum damit umzugehen. Mein Partner geht in solchen Situationen voll in die Eskalation.
Ich denke es macht Sinn rauszufinden, an welchem Punkt der Kettenreaktion er noch eingreifen kann. Also genau prüfen, wann was warum zu welcher Reaktion geführt hat. Und dann braucht man eine EXIT Strategie, also du und er, welche Worte machen ihn so rasend? Gibt es bestimmte Begriffe die ihn da so anticken? Kann man ja mal fragen, wenn er auf einem wohlwollenden Emotions-Level ist und bereit ist über sowas zu reden.
..:..

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Takli
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Beitrag Do., 13.10.2022, 15:03

Das hatte ich mal mit einem guten Freund. Mir ist es leider nicht gelungen, ihm klar zu machen, daß er mein Verhalten falsch interpretiert hat. Er blieb hartnäckig bei seinen Unterstellungen und beschwerte sich auch noch über meine Schwierigkeiten mit seinem Unmut umzugehen. Bei mir hat das emotional richtig eingeschlagen, weil ich ähnliche Probleme mit meinem Vater hatte. Irgendwann war mein Ärger so groß, daß ich den Kontakt abbrechen mußte. Das war ausgesprochen schmerzlich, weil ich ihn sehr mochte. Ich war auch nicht die einzige mit der er solche Probleme hatte.

Ich lese mal mit...

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Adorno
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Beitrag Do., 13.10.2022, 15:04

Danke für eure Antworten!

@Philosophia: Was hat bei dir denn dazu geführt, dass du auch die Seite deiner Partnerin gesehen hast bzw. sehen wolltest.

@Sinarellas: Nach seiner Aussage verhindert mein Partner damit völliges Ausrasten. Ansprechen in so einer Situation bedeutet für ihn, Grenzen zu verletzen, bedrängen wollen. Die einzige Exit-Option, die er dann zulässt, ist, dass ich das "Verhalten" einsehen und ihm sofort Raum lasse. Alles muss von mir ausgehen. Das hat er auch mal direkt so geäußert. Wie gesagt, dass sind alles alte Wunden, denke ich, die er noch nicht aufgearbeitet hat, aber die mir auch dann sehr zu schaffen machen.

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Philosophia
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Beitrag Do., 13.10.2022, 15:23

@Adorno: Ich schätze in erster Linie war ich in meinem Leid und Schmerz von früher extrem gefangen: Es fühlte sich an, als wäre es überall, auch wenn es das nicht mehr war. Ich suchte Bestätigung für meine Wahrnehmung. Was auch immer mit reinspielte, war die furchtbare Angst, benutzt, missbraucht und verletzt zu werden - jedes noch so kleines Indiz habe ich stets als Beweis gewertet. D.h., wenn meine Frau mal berechtigt wütend war, habe ich ihre Aggression für mich als tödlich und vernichtend interpretiert. Ich musste das tun, weil ich früher viel Gewalt erfahren habe und Aggressionen immer Gefahr für mich waren. Ich musste erstmal erkennen, dass Wut auch wichtig sein und gesund sein kann. Wie dem auch sei - es ändert nichts daran, dass dein Mann seine Filterbrille absetzen muss und nicht immer davon ausgehen darf, dass seine Realität für alles und jeden gilt. Das ist auch nicht angenehm die abzusetzen, weil dann ja deutlich wird, wie ungerecht man selbst ist...
PS: Keine noch so ätzende Vergangenheit rechtfertigt, dass später andere Menschen verletzt werden dürfen - auch wenn es passieren kann (leider...). Das Opfertäterdenken muss aufhören.
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candle.
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Beitrag Do., 13.10.2022, 15:56

Hallo!
Adorno hat geschrieben: Do., 13.10.2022, 14:15 Bspw. erzählte ich ihm letztens, dass ich Probleme auf der Arbeit mit einer Kollegin habe und er reagierte vollkommen außer sich und meinte, ich würde damit andeuten, dass er ein "leichtes Leben" auf der Arbeit hat. Ich habe erwidert, dass ich das nicht gesagt habe und daraufhin wurde er dann noch wütender und zog sich zurück.
Naja, ich weiß ja nicht um was es im lockeren Gespräch so ging? Ging es zuerst um ihn, dann ist das nachvollziehbar bzw. wenn er gerade in einer problematischen Arbeitssituation steckt dann fühlt er sich vielleicht nicht von dir wahrgenommen, wenn du nun mit deiner Problematik kommst.

Ich wäre da etwas vorsichtig immer anzunehmen, dass du etwas "altes" antriggerst. Ich hoffe doch, dass du SO nicht mit ihm sprichst, denn das würde mir auch das Gefühl geben nicht ernst genommen zu werden von dir.

LG candle
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Adorno
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Beitrag Do., 13.10.2022, 16:24

@candle: Nein, es ging das ganze Gespräch über meine Situation. Aber ich kann verstehen, dass so ein Wechsel problematisch wäre.

Ich erwähne das mit dem "Alten antriggern" nie im Gespräch.

Ich denke, dass es viel mehr darum geht, dass mein Partner eine sehr feine Wahrnehmung hat, was mögliche Verletzungen und negative Deutungen angeht. Beim drüber nachdenken komme ich dann sogar darauf, das man dies so sehen könnte. Aber eben auch nur, wenn man davon ausgeht, dass der andere einem sehr böswillig und negativ gegenüber eingestellt ist. Die Frage für mich ist an dieser Stelle einfach, wie ich damit umgehen kann, dass wir zwei vollkommen unterschiedliche Herangehensweisen haben. Also wenn mein Partner mich in solchen Situationen als bewusst verletzend und böswillig wahrnimmt. Wir können auch nicht über diesen Unterschied sprechen, weil ich dann ja wieder was unterstellen etc.

Was das Ganze noch schwieriger macht, ist, dass mein Partner mir gegenüber in Situationen, die ich als verletzend empfinden, gar kein Verständnis zeigt sondern eher noch meint, dass ich ihm bewusste Verletzung unterstelle etc.

Die Thematik "Verletzt werden" und der Umgang damit ist bei uns sehr unbalanciert und teilweise nicht auflösbar. Es ist gut, dass wir kaum solche Situationen haben, da wir beide versuchen, auf den anderen Acht zu geben. Aber wenn solche Situationen passieren, wird es zu einem Teufelskreis.

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Philosophia
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Beitrag Do., 13.10.2022, 16:35

Und das ist nicht gesund: Ihr müsst jeweils auf euch selbst achtgeben. Alles andere ist zu verstrickt.
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candle.
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Beitrag Do., 13.10.2022, 16:37

Adorno hat geschrieben: Do., 13.10.2022, 14:15 ich würde damit andeuten, dass er ein "leichtes Leben" auf der Arbeit hat.
Ist denn was dran an seiner Aussage?

candle
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Adorno
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Beitrag Do., 13.10.2022, 16:49

@candle: Nee, ganz im Gegenteil. Ich sage ihm sehr oft, wie stolz ich bin auf ihn und das er sich das alles toll erarbeitet hat.

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candle.
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Beitrag Do., 13.10.2022, 16:53

Adorno hat geschrieben: Do., 13.10.2022, 16:49 @candle: Nee, ganz im Gegenteil. Ich sage ihm sehr oft, wie stolz ich bin auf ihn und das er sich das alles toll erarbeitet hat.
Das heißt aber weder, dass er es leicht hat noch das Gegenteil.

Vielleicht hast du sein Problem ja nicht erkannt?

candle
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Adorno
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Beitrag Do., 13.10.2022, 17:02

Ah, ok. Dann weiß ich nicht, ob ich dich richtig verstanden habe.

Ja, er hat es da echt nicht leicht auf der Arbeit. Und nein, ich habe ihm das noch nie so einzeln gesagt, dass er es schwer hat auf der Arbeit.

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Nutriaa
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Beitrag Do., 13.10.2022, 19:35

Hallo Adorno,

hm, ich denke, wäre ich an deiner Stelle, ich hätte ihn mal direkt in so einer Situation gefragt, warum er eigentlich davon ausgeht, dass es sich gerade um ihn drehen würde, und ob es für ihn ein Problem darstellt, wenn ich auch von meinen Dingen berichte, die mich beschäftigen. Falls ja, soll er das sagen, dann brechen wir das Gespräch hiermit ab, denn es geht hier gerade um mich, nicht um ihn.

So, wie du es schilderst, klingt er schon etwas paranoid. Mir kam auch der Gedanke, ob er womöglich in so einer Art Konkurrenzdenken gefangen ist, oder indirekt von dir erwartet, dass du die Schwere seines Leids entsprechend würdigst, dann ja im Grunde hintenan zu stehen hast. Also, dass es vielleicht gar nicht um eine bestimmte Wortwahl geht, sondern sobald bei ihm der Eindruck entsteht, du könntest ebenfalls (stärkere) Probleme haben, ist er ja nicht mehr der "King of Leiden" (sorry für diese etwas flapsige Formulierung). Vielleicht wehrt sein Vorwurf, ihn verletzt zu haben, etwas ganz anderes ab, denn sich wegen einer (vermeintlichen) Kränkung zu empören sticht dann doch besser, als zuzugeben, dass er sich dir möglicherweise unterlegen o. a. fühlt.

Ich kann mich gänzlich irren, sind nur so ein paar Gedanken, die mir dazu kommen.

In jedem Fall würde ich mich nicht mehr entschuldigen. Ich hatte mal einen Kumpel, der sich von mir auf den Schlips getreten fühlte, die Sache an sich konnte man so oder so bewerten, jedenfalls habe ich mich ihm gesagt, dass es mir leid tut, dass meine Bemerkung ihn so getroffen hat, und ich das zukünftig unterlassen werde. Doch das hat ihm nicht gereicht, er wollte mich, die Auslöserin, für die Ursachen dieser Kränkbarkeit verantwortlich machen, und da habe ich nicht mitgezogen.

Ich glaube wirklich, dass es problematisch bleiben wird, so lange du verständnisvoll und nachgiebig bist. Du bist nicht seine Mutti, die alles abfedern sollen könnte, und selbst Mütter werden irgendwann ungehalten und konsequent, wenn der Spross die Nerven zu sehr strapaziert.
"A slave is one who waits for someone to come and free him." Ezra Pound

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Nutriaa
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Beitrag Do., 13.10.2022, 19:43

Und nein, ich habe ihm das noch nie so einzeln gesagt, dass er es schwer hat auf der Arbeit.
Das musst du auch nicht, und genaugenommen kannst du das auch gar nicht, denn es sind seine Schilderungen, und die sind subjektiv. Es sei denn natürlich, du warst direkt dabei und hast dir selber ein Bild machen können. Ansonsten kann man den Anderen natürlich mal trösten, aber irgendwann ist es damit dann auch gut.
"A slave is one who waits for someone to come and free him." Ezra Pound