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Angst vor Unordnung/Chaos?

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Phobien, Zwängen, Panikattacken und verwandten Beschwerden.
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Nicolchen
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Angst vor Unordnung/Chaos?

Beitrag Mo., 08.09.2008, 08:05

Hallo!
Ich schreibe hier, weil mich in letzter Zeit die merkwürdigsten Probleme plagen und ich einfach nicht weiß, wie ich mir selber helfen kann..

Ich habe wie schon erwähnt 2 Kinder und bin größtenteils Hausfrau. Seit Januar 08 mache ich eine Psychotherapie, weil ich u.a. an Depressionen und einer generalisierten Angststörung litt.

Die Geschichte mit den Ängsten vor Krankheiten usw. ist jetzt weitgehend vorbei, aber jetzt ist etwas sehr
Komisches dazugekommen: Ich kann einfach keine Unordnung oder Chaos ertragen!!
Es ist so, dass ich mich absolut nicht mehr entspannen kann,wenn ich z.B. weiß, dass der Keller aufgeräumt werden muss..

Man könnte jetzt meinen, dass ich den ganzen Tag putze, aber ich bin mitterweile so weit, dass ich mich garnicht mehr traue, irgendwas richtig anzufangen, weil ich sowieso nich alles schaffe.

Ich habe auch ständig Angst, das ich ein "Schmutzfink" bin und das mich andere für dreckig halten.
Ich ertrage auch die Tatsache nicht, dass man eben nicht alles schafft. Ich werde nie fertig

Ich finde das schon richtig peinlich, ich bin so jung und sollte andere Sachen im Kopf haben
, als den doofen Haushalt...
Als wir klein waren, hat mein Vater meine Mutter ständig beschimpft, dass sie eine Schlampe wäre und dass hier ja nie einer etwas "richtig" macht. Man (Frau) war nur was wert, wenn man den Haushalt ordentlich führe... Er selber hat natürlich nie was gemacht

Irgendwann hat meine Mutter es dann komplett seingelassen... Ich habe mich oft geschämt, wenn Freunde zu Besuch kamen... Selber habe ich dann auch nicht beigebracht bekommen, wie man das alles dann richtig macht...

Das Heftigste ist jetzt auch noch, dass ich es nicht haben kann, wenn irgendwas "ungleichmäßig" ist, oder wenn Sachen irgendwo rumliegen, die eigentlich nicht da hingehören. Oder wenn irgendwas nicht nach Plan läuft, was ja mit Kindern normal ist, dann verliere ich komplett den Halt und fühle mich dafür verantwortlich und total minderwertig...
Mein Dasein ist nur noch von Leistung abhängig, wenn ich nichts tue, dann bin ich auch nix.

Ich habe diese Woche noch einen Termin bei meiner Therapeutin, mal sehen, was sie dazu sagt, glaube, die Therapie hat so nie ein Ende...

Ich hoffe, dass es hier irgendjemand gibt, der ein paar tröstende Worte weiß oder dem es ähnlich ergeht, weil das ist einfach kein Leben mehr... Ich möchte einfach mal wieder spontan sein dürfen

Vielen, vielen Dank im Vorraus!!

Nicky.

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Flying Dutchwoman
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Beitrag Mo., 08.09.2008, 09:41

Hallo Nicole!

Ich denke auch, dass es wichtig ist mit deinem Therapeuten darüber zu reden. Dann kann er dir helfen diese Zwänge in den Griff zu bekommen.

Glaubst du, dass deine Angst vor Unordnung daher kommt, dass du diesbezüglich schlechte Erfahrungen im Elternhaus sammeln musstest?
Das Heftigste ist jetzt auch noch, dass ich es nicht haben kann, wenn irgendwas "ungleichmäßig" ist
Meinst du damit, dass du Unsymmetrien unerträglich findest oder bezieht es sich eher auf das Aufräumen und die Ordnung?
Selber habe ich dann auch nicht beigebracht bekommen, wie man das alles dann richtig macht...
Ich glaube nicht, dass es ein Richtig oder ein Falsch gibt, was den Haushalt führen anbelangt. Es gibt meiner Meinung nach einfach gewisse Sachen, die müssen regelmäßig erledigt werden (z.B. Kochen, Spülen, Putzen, Waschen, Einkaufen). Dann gibt es andere Sachen, die müssen von Zeit zu Zeit erledigt werden (Fensterputzen, Gardinen waschen, Teppiche reinigen, Keller aufräumen, ...). Diese Sachen drängen sich denke ich einem schon von selber auf, wenn sie mal wieder gemacht werden wollen. Da jeder Mensch/Hausfrau/Hausmann nebenbei vielleicht noch andere Dinge zu erledigen hat (Job, Kinder, Vereine, Sport, Freunde, etc) kann man sowieso nicht sagen: "So und genauso musst du deinen Haushalt führen!" Jeder muss das für sich entscheiden wann er was und wie intensiv macht.
Deshalb denke ich, dass du es schon genau richtig machen wirst, wenn du einfach mal vergisst, was andere über dich denken könnten. Hör auf dir Gedanken zu machen, ob der Besuch es unordentlich findet oder nicht. So wie du es beschreibst scheinst du ohnehin schon extrem ordentlich zu sein. Da kann es gar nicht unordentlich sein. Und wenn schon? Es ist DEIN Leben, damit kannst du machen was DU willst!
Mein Dasein ist nur noch von Leistung abhängig, wenn ich nichts tue, dann bin ich auch nix.
Das ist nicht wahr! Dein Dasein ist erst einmal nur von dir ganz alleine abhängig! Egal was du leistest oder nicht. Deshalb bist du kein besserer oder schlechterer Mensch. Du bist ein grossartiger Mensch und das solltest du dir auch mal öfters eingestehen oder selber sagen!

Viele liebe Grüße,

Flying Dutchwoman
"You'll have the chance to do something…something courageous. And when you do, you'll discover something: that you're a good man." ― Elizabeth Swann

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Nicolchen
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Beitrag Mo., 06.10.2008, 08:34

Hallo!
Vielen Dank für die liebe Antwort!!
Also mir kommt es auch langsam vor, dass es mir nicht nur um die "anderen" geht, die vielleicht schlecht über mich reden könnten, sondern dass ich diese Unordnung und auch den ein oder anderen "Dreck" nicht ertragen kann... meine Toleranzschwelle scheint da niedriger geworden zu sein...
Als Kind und auch noch als Jugendliche saß ich mitten im größte Chaos und hab mich da noch wohl gefühlt
Jetzt habe ich ständig das Gefühl, dass ich erst was Schönes machen darf, wenn alles sauber ist, vorher nicht...
Da ich aber sowieso nicht alles sauber bekomme, geht halt nichts mehr
Entspannen kann ich mich nicht mehr deswegen, dabei wird das echt mal wieder nötig!
Sogar draußen, wenn ich durch die Stadt laufe und da wächst z.B. irgendein Löwenzahn am Straßenrand, dann stört mich das!!! Dabei darf der doch eigentlich wachsen, wo er will!!
Meine Thera meint, das käme davon, wenn andere Bereiche vernachlässigt werden und man kein anderes Ziel vor Augen hat.... die Tatsache, dass ich das weiß, ändert auch nichts daran....
Egal wo ich hinschaue, ich sehe immer nur Dreck!!
Gibt es hier vielleicht jemand, dem es ähnlich erging und das irgendwie in den Griff bekommen hat?
Was habt ihr dagegen getan?
Das ist kein Leben, so wie es jetzt ist
Vielen Dank. Nicky.

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münchnerkindl
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Beitrag Mo., 06.10.2008, 10:25

Hi,

besprich das unbedingt mit dem Therapeuten.

Es könnte gut sein daß das auch mit den Depressionen zusammenhängt.

In dem Fall würde ich mir evtl wirklich überlegen es auch mit Hilfe eines Antidepressivums zu versuchen das schnell in den Griff zu kriegen weil wenn man eine ernsthafte Zwangsstörung erstmal an der Backe hat..

Liebe Grüsse,

Petra

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Thread-EröffnerIn
Nicolchen
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Beitrag Mo., 06.10.2008, 11:01

Hallo!
Meine Thera sieht das Problem anscheinend nicht so eng, jedenfalls kommt mir das so vor... sie geht da auch nicht richtig drauf ein und fängt gleich mit anderen Sachen an...
Anscheinend denkt sie, das würde irgendwie dann später von selber weggehen....
Glaube, das sie garkeine Medis verschreibt, sie ist nur Psychotherapeutin.
Ich habe es immer gemieden, Psychopharmaka zu nehmen, doch momentan seh ich selber da auch keinen anderen Ausweg
Wie soll ich das eigentlich anstellen? Einfach zum Hausarzt gehen und ihn um ein Rezept beten? Macht er das so ohne weiteres? Mir ist das irgendwie auch voll peinlich!
Glaube auch, das meine Thera das nicht so gut finden würde... Aber irgendwie geht es, glaube ich, nicht mehr anders...
Liebe Grüße ! nicky.