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CocoCourrial
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Beitrag So, 05.Sep.04, 23:22      Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Hallo,
weiss vielleicht einer von euch wie es mit der Verbeamtung ist, wenn man eine Psychotherapie gemacht hat? Ich studiere auf Lehramt und die Verbeamtung wird voraussichtlich vor der Verjährungsfrist von fünf Jahren anstehen. Ich habe zu diesem Thema schon ein wenig im Internet recherchiert und auch dieses Forum durchforstet, habe aber keinen link gefunden, aus dem diesbezüglich etwas Klares hervorgeht. Es gehen einfach nur wahnsinnig viele Gerüchte um, dass eine Psychotherapie ein Grund ist, dass die Verbeamtung abgelehnt wird. Viele Lehramtsstudenten machen genau aus diesem Grund keine Psychotherapie.
Ich habe mich nach langem Überlegen trotzdem entschieden eine Therapie zu machen, denn mir ging es nicht besonders gut. Außerdem bin ich der Meinung, dass es doch eigentlich gut ist, wenn Lehrer ihre eigenen Probleme in den Griff bekommen, bevor sie auf die Schüler losgelassen werden. Eine Therapie kann mir dabei doch eigentlich nur nutzen. Genau das wollte ich dann auch sagen, wenn es bei der Verbeamtung Schwierigkeiten geben sollte.
Nun soll aber meine Kurzzeittherapie in eine Langzeittherapie übergehen – und jetzt wird mir bei der Sache ein wenig mulmig. Denn hier muss ja eine richtige Diagnose angegeben werden, in der in meinem Fall zumindest Neurosen, Panikattacken und depressive Episoden stehen werden.
Hat einer von euch vielleicht mit so etwas Erfahrung? Oder kennt eine website wo man sich nach den Richtlinien für die Verbeamtung erkundigen kann? Das mit der Privatkrankenkasse ist mir egal, aber ich möchte mir einfach nicht die Möglichkeit auf eine Verbeamtung für immer verderben. Viele Lehrerstellen sind einfach leider Beamtenstellen und die könnte ich dann ja einfach nicht bekommen.
Über einen Tipp würde ich mich sehr freuen,
Eure Coco
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r.l.fellner
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Beitrag Mo, 06.Sep.04, 8:06      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Liebe Coco,

in Österreich ist es so (und das wird in D und CH nicht viel anders sein), daß die bei den Kassen gespeicherten Gesundheitsdaten grundsätzlich dem Datenschutz unterliegen und somit eigentlich kein Problem für eine Berufslaufbahn darstellen sollten.

Beobachtet man jedoch die Entwicklung der letzten Jahre (schon vor der Tür stehen z.B. "Patientencards" mit darauf gespeicherten Kassenleistungen, in den USA ist es heute schon so, daß Firmen und Privatversicherungen Zugriff auf diese Daten begehren und z.T. auch erhalten), liegt der Verdacht nahe, daß dies vielleicht nicht immer so bleiben wird. Aufgrund der explodierenden Gesundheitskosten und dem steigenden Einfluß der Wirtschaft auf den Staat ist zu erwarten, daß der Datenschutz gerade in diesem Bereich immer stärker ausgehöhlt wird.

Wer also 100%ig sicher gehen möchte, reicht seine Psychotherapie (nur) bei einer privaten Zusatzversicherung ein oder bezahlt sich die Psychotherapie privat. Denn dann scheint dieser Posten nur im privaten Kassenbüchlein auf. Wink

Alles Gute
Fellner

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CocoCourrial
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Beitrag Mo, 06.Sep.04, 10:56      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Lieber Herr Fellner, liebes Forum,
ich habe dieses Forum schon einige Zeit von außen betrachtet und finde es richtig klasse. Ich habe mich heute morgen sehr gefreut, so schnell eine Antwort auf meine Frage zu bekommen. Vielen Dank!

Das mit dem Datenschutz hat mir meine Krankenkasse auch schon versichert. Allerdings muss man trotzdem eigentlich dem Amtsarzt die Wahrheit sagen und mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, wenn man es nicht tut. Und irgendwie sehe ich es auch nicht ganz ein, warum ich da lügen soll. Ich bin froh, dass ich eine Therapie mache, sie bringt mir sehr viel und eigentlich sollte ich deswegen doch nicht prinzipiell "nicht-verbeamtungswürdig" werden.
Der Staat kann doch nicht einfach pauschal sagen: Alle, die eine Psychotherapie gemacht haben dürfen für mich nicht mehr arbeiten... Oder wenn er das sagen würde, müßte man das doch irgendwo schwarz auf weiss nachlesen können. Das es mit der Verbeamtung schwierig werden kann, wenn man psychische Probleme hat kann ich ja verstehen. Aber da muss es doch bestimmte [i]Kriterien[/i] geben. Und die scheinen etweder schwammig zu sein oder keiner kennt sie. Ich würde eben gerne wissen, wie man die herausfinden kann? Oder vielleicht hat ja auch einer von euch mal die konkrete Erfahrung gemacht und wurde wegen Psychotherapie [i]nicht[/i] oder [i]trotzdem[/i] verbeamtet...?!

Ich werde mich auch mal weiter mit dem Thema beschäftigen. Falls ich etwas herausfinde, berichte ich euch natürlich...

Liebe Grüße,
Eure Coco
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LukeSpencer
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Beitrag Mo, 06.Sep.04, 10:59      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Meine Frau ist bereits Beamte auf Lebenszeit und hat derzeit auch Psychotherapie und ist auch in der geschlossenen Psychiatrie.
Bisher gibt es nichts negatives, es wird alles von der Beihilfe und privaten KV erstattet
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CocoCourrial
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Beitrag Mo, 06.Sep.04, 11:10      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Lieber Luce,
danke für Deine prompte Nachricht. Eine Frage: hat Deine Frau auch schon vor ihrer Verbeamtung auf Lebenszeit eine Therapie gemacht und diese bei der Verbeamtung angegeben oder nicht angegeben? Was nach der Verbeamtung passiert ist ja noch einmal was ganz anderes. Da kann der Staat einen ja nicht mehr rauswerfen. Sonst könnte ja kein Lehrer eine Therapie machen und DAS ist ja ganz bestimmt nicht im Interesse des Staates...
Liebe Grüße und gute Besserung für Deine Frau,
Deine Coco
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LukeSpencer
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Beitrag Mo, 06.Sep.04, 11:14      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Meine Frau war schon Beamate auf Lebenszeit, als die Therapie begann.
Es kann aber evtl. passieren, daß sie dienstunfähig geschrieben wird. Sie ist jetzt bald 1 Jahr krank geschrieben, wegen den psychischen Problemen.
Ich hoffe auch sehr, daß es nicht mehr allzu lange dauert in der Klinik
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binihorgas
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Beitrag Di, 21.Sep.04, 2:40      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Hallo!

Ich hätte diesbezüglich auch eine Fragen: Wird der Krankenkasse die Diagnose mitgeiteilt? Kann bei Gericht zum Beispiel eine vergangene Psychotherapie bei bestimmten Fällen heran gezogen werden?
Ich werde bald Ärztin: Wird mir durch eine Psychotherapie der Weg zur Anästhesie( Facharzt) verwehrt?Wäre ich keine vollbelastbare Ärztin durch die Therapie( Mißbrauch)?
Ich wäre glücklich über jede Antwort!
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Lebenslied
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Beitrag Sa, 23.Okt.04, 19:06      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Liebe CocoCourrial,
Soweit ich weiß ist eine Therapie nach der Verabeamtung kein Problem aber vorher durchaus. So sollte man auf keinen Fall zB. bei der Bewerbung fürs Referendariat als Grund in einer bestimmten Stadt bleiben zu wollen seine Therapie angeben. Ob die Leute eine Therapie herausfinden können etwa indem sie dies offiziell bei der Krankenkasse erfragen können, weiß ich nicht. Aber die Verbeamtung ist auf jeden Fall in Gefahr wenn sie`s wissen. (Dass es besser ist schon vor dem Eintritt in den Schuldienst seine Probleme bearbeitet zu haben anstatt sie erst in der Schule zu entdecken, spielt für sie keine Rolle. Diese Logik ist da leider noch nicht angekommen)
Viele Grüße Lebenslied
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CocoCourrial
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Beitrag Sa, 06.Nov.04, 18:27      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Hallo,
ich habe vor kurzem mit einem Therapeuten mal über dieses Problem gesprochen, der schon oft mit diesem Problem zu tun hatte.
Er sagte, dass es völlig ok ist, die Therapie anzugeben, wenn es um die Verbeamtung geht. Was passieren kann ist, dass der Amtsarzt sich dann beim Psychotherapeuten meldet, der dann wiederum eine Stellungnahme dazu abgeben muß, ob er die Verbeamtung seines Patienten für vertretbar hält. Bisher, so sagte er, sei es ihm noch nie passiert, dass einem seiner Patienten die Verbeamtung aufgrund einer Psychotherapie verweigert wurde. Nur mit dem Eintritt in eine private Krankenkasse könne es Probleme geben.
Dass hat mich auf jeden Fall sehr beruhigt.
Liebe Grüße,
Eure Coco
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karim
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Beitrag Mo, 31.Jan.05, 16:11      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Hallo C,

ich habe das gleiche Problem wie Du. Ich studiere auch auf Lehramt (werde im Herbst diesen Jahres fertig) und habe bereits 2 Verhaltenstherapien gemacht, die mir sehr geholfen haben. Ich hatte beim Lernen immer Probleme mit Zwängen. Trotz der positiven Erfolge habe die zweite Therapie dennoch vor kurzem abgebrochen, weil ich Probleme mit dem Therapeuten hatte. Ich überlege nun, eine neue zu beginnen, bin jetzt aber verunsichert bezüglich der Verbeamtung.
Nun meine Frage: Du sprachst in Deiner Mail von einer Verjährungszeit. Wie lange beträgt die und was bedeutet das genau ? Heißt das, daß ich eine Therapie die bereits länger zurückliegt nicht angeben muß ?

karim

ps: wenn sonst jemand informationen zu diesem thema hat, wäre ich für einen beitrag sehr dankbar
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Tokianer
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Beitrag Do, 01.Nov.07, 22:48      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Hallo,

für mich stellt sich nun fast dieselbe Frage wie für Coco und Karim:

Ich habe schon eine Therapie gemacht und würde sie nun gerne fortsetzen mit einer Psychoanalyse.

In Anbetracht meines Referendariats, das ab Februar beginnt, und dem Umstand, dass ich nun den Gerüchten nach nicht privat versichert werden kann und zudem eine Verbeamtung fraglich ist, wollte ich nun noch einmal fragen:

Hat jemand Erfahrungswerte bzgl. Therapie und Verbeamtung?

Stimmt es, dass man sich dann nicht privat versichern kann?
Stimmt es, dass eine Verbeamtung vom Amtsarzt abgelehnt wird bzw. auf die lange Bank geschoben wird?

Für Eure Erfahrungsberichte wäre ich sehr dankbar!
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Anne1997
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Beitrag Do, 01.Nov.07, 23:58      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Hallo,

diese Spekulationen und das "Nie-genau-Wissen" haben bei mir dazu geführt, dass ich aus diesen, aber auch aus vielen anderen Gründen die Therapie selbst finanziert habe.
Bin mir bei Aufstiegsfragen / Beförderung nicht sicher, ob eine Psychotherapie (und dann auch noch eine schon fast dreijährige Therapie wie bei mir) nicht doch bekannt werden könnte in den oberen Regierungsbehörden (in D).
So sitze ich auf der sicheren Seite und habe einen Nebenjob, der die Therapie zum größten Teil finanziert.
Ich kenne Kollegen, die auf Grund psychischer Probleme und Therapie selbst im internen Kollegium kaum Chancen auf gewisse "Ämter" haben, die wiederum andere Ämter ermöglichen. Auch Teilnahmen an Supervision werden manchmal als "Defizit mit der Psyche" gewertet.

Liebe Grüße, Anne
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CocoCourrial
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Beitrag Fr, 02.Nov.07, 0:49      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

Hallo,
also auch ich weiß nichts genaues, was die Beamtung angeht, aber ich wollte es nicht riskieren und habe die Therapie selbst bezahlt. Ich schreibe jetzt einfach mal alles, was ich weiß...
1. Das mit der privaten Krankenkasse könnte schwierig werden. Einige nehmen Dich erst gar nicht, andere schließen für ein oder mehrere Jahre den Posten "Therapie" aus und andere erhöhen einfach die Prämie. Ich habe aber irgendwo mal gehört, dass es so etwas wie eine "Beamtenöffnungsklausel" gibt, und die Kassen einen doch nehmen müssen, aber ich weiss nicht genau unter welchen Umstäden.
2. Der Amtsarzt fragt (zumindest in BW) nicht, ob Du eine Therapie gemacht hast, sondern, ob Du gerade in Behandlung bist. Er fragt auch, ob irgendwelche ernste (?) Krankheiten gewesen wären und da habe ich meine "leichte depressive Episode" nicht erwähnt, da das ja Definitionssache war...
Eine Freundin von mir war jedoch vor ihrer Therapie stationär und hat beides angegeben. Die muß am Ende des Referendariats noch einmal zum Amtsarzt und sich noch einmal vorstellen. Anscheined fragen die dann Deinen Therapeuten, ob Du stabil bist, etc...
Aber wenn Du während des Refs privat versichert bist, bist Du auch in der Beihilfe. d.h. über Deinen Arbeitgeber mitversichert. Und wie ich mir habe sagen lassen, sind die Wände beim Staat ziemlich dünn. D.h., wenn die in der Beihilfestelle deine Diagnose liegen haben, könnte Dir das unter Umständen mal irgendwas versauen. Aber, wie gesagt, ich habe das nur GEHÖRT und es kann sein, dass das nicht stimmt.
Ich denke auch, dass man sicher auch trotz Therapie verbeamtet werden kann. Da wird dann sicherlich einfach einiges noch einmal geprüft, etc...
Ich hatte da einfach keinen Bock drauf. Ich wollte mich nicht angreifbar machen (auch wenn meine Therapeutin zum Beispiel sagte, es wäre doch mutig zur Therapie zu stehen und sie würde mir IMMER bescheinigen, dass es wegen der Beamtung auf Lebenszeit bei mir keine Bedenken gäbe). Ich habe mir einen Nebenjob gesucht und selbst gezahlt. Das hatte auch andere Vorteile, z.B. dass ICH entscheiden konnte, wie oft ich gehen will, wann ich aufhöre, etc...
Ich weiß nicht, ob das notwendig war, aber für mich war es die bessere Entscheidung, denn ich wollte mir einfach nicht ständig deswegen Sorgen machen...
Ich würde aber auch sehr gerne mal von Fällen hören, wo jemand eine Therapie angegeben oder sogar während des Refs gemacht hat und er ohne Probleme verbeamtet wurde!!
Viele Grüße und Dir viel Glück,
Coco
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Beitrag Fr, 02.Nov.07, 0:59      Re: Psychotherapie und Verbeamtung Antworten mit ZitatNach oben

PS: Ich merke gerade, dass ich mich etwas ungenau ausgedrückt habe ( es ist schon spät....) Embarassed

Ich habe 45 Stunden VT auf Kasse gemacht, die Therapie aber offiziell beendet, bevor der Amtsartzttermin stattfand. Da sie schon abgeschlossen war, musste ich sie auch nicht angeben.
Danach habe ich aber noch das gesamte Referendariat Therapie selbst bezahlt weitergemacht - und das ging niemanden etwas an...
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