Apr 10
Willkommen! Sie scheinen neu hier zu sein. Danke für Ihr Interesse. Wenn Sie möchten, können Sie meine Blog-Artikel über diesen Link bequem per E-Mail beziehen. Kostenlos. Psychotherapie-Blog RSS-Feed Danke für Ihren Besuch! In meiner Praxis habe ich sehr häufig mit KlientInnen zu tun, die in irgendeiner Weise darunter leiden, nicht den geeigneten Partner oder die geeignete Partnerin zu finden. Dies hat natürlich fast immer psychische Gründe – auf die eine oder andere Weise sabotierten sie sich selbst, sie leiden an Formen sozialer Ängste oder (meiner Erfahrung nach der häufigste Grund) an zu geringem Selbstwertgefühl.
 Image source: imhomir.com
Die Probleme rund um Partnersuche, Attraktivität und sexuelle Anziehungskraft beflügeln Forscher und Künstler schon seit Menschengedenken. Unter diesem – eher ironisch gemeinten – Blogtitel möchte ich die Ergebnisse einschlägiger Studien und Forschungsergebnisse zusammenfassen – diese Sammlung wird laufend erweitert und aktualisiert.
Doch Achtung: Garantie für Plausibilität oder gar Erfolg übernehme ich keine!
Attraktivität und Partnerwahl
- “Attraktive Körper und Gesichter sind symmetrisch” – bei der Partnerwahl springen wir auf ästhetische Eindrücke an, die indizieren, dass es um die Gesundheit und Fitness, also auch um Reproduktionsfähigkeit, gut bestellt ist (Quelle)
- “Menschen mit symmetrischem Körperbau kommen beim Tanzen besser an und haben bei der Partnerwahl die Nase vorn.” (Quelle)
- “Frauen ohne Idealmaße sind stärker, robuster und krisenresistenter” – im Westen gelten Frauen mit einer größeren Waist-Hip-Ratio (Taille-Hüft-Verhältnis) als 0,7 als weniger attraktiv als in anderen Weltregionen, sind für Krisenzeiten aber besser gerüstet (Quellen: [1],[2],[3])
- “Östrogen macht Frauengesichter attraktiver.” – während der fruchtbaren Tage wirken die Gesichter von Frauen offenbar attraktiver (Link)
- “Testosteron macht Männergesichter attraktiver.” – hohe Testosteronwerte in Kombination mit wenig Stresshormonen stärken die Abwehrkräfte und lassen das Gesicht eines Mannes in den Augen von Frauen attraktiv erscheinen (Link zu Markus J. Rantala et.al., “Evidence for the stress-linked immunocompetence handicap hypothesis in humans”)
- “Frauen werden eher gewählt, wenn sie schön sind, Männer eher, wenn sie dominant wirken“- dies bezieht sich auf politische Wahlen ..aber vielleicht nicht nur, wenn man die weiter unten angeführten Forschungsergebnisse liest (Quelle)
- “Schönheit verunsichert.” – dies, und daß es attraktive Frauen und Männer bei der Partnersuche schwerer haben als durchschnittlich attraktive Personen, wäre eine mögliche Schlußfolgerung aus dem sog. “Gehwegexperiment” von James Dubbs u. Neil Stokes (“Beauty is Power: The Use of Space on the Sidewalk”, 1975): auf einem Gehweg änderten Fußgänger ihre Gehrichtung, um mehr von Männern als Frauen auszuweichen, mehr von 2 als von 1 Person, und weiter von einer hübschen als von einer unattraktiven Frau. Ihre Theorie war, daß Attraktivität, Gruppengröße und Geschlecht Aspekte von Macht sind, die territorialen Anspruch und damit das genannte Ausweichverhalten begründeten (Quelle).
- “Von der Attraktivität der Kleidung wird auf andere Attraktivitäts-Attribute geschlossen.” – attraktiv gekleidete Testpersonen wurden kompetenter und sozialer eingeschätzt als nicht attraktiv gekleidete, und, wie die Forscher vermuteten, wohl auch als physisch attraktiver (Quelle).
- “Große Männer kommen sexuell und sozial besser weg.” – Männer haben mit starken, attraktiven und reichen Konkurrenten ihre größten Schwierigkeiten, mit zunehmender Körpergröße scheint die Beeindruckung von Konkurrenten abzunehmen. Kleine Männer sind tendenziell am eifersüchtigsten. Bei Frauen hingegen sind die kleinen und die großen eifersüchtiger als die durchschnittlich großen. Allerdings werden die durchschnittlich großen Frauen am ehesten von großen und sozial dominanten Konkurrentinnen beeindruckt (Link)
- “Frauen ziehen ältere Männer und diese jüngere Frauen vor.” – Eine Erklärungsmöglichkeit für die biologischen Ursachen dieses Phänomens lieferte eine Studie, die herausfand, daß Frauen mit einem vier Jahre älteren Partner und Männer mit einer sechs Jahre jüngeren Partnerin den größten Reproduktionserfolg haben (Quelle)
- “Der Mensch verlor vielleicht seine Körperbehaarung, da dies sexy auf das andere Geschlecht wirkte.” – eine Hoffnung für Glatzenträger? (Quelle)
- Ergebnisse einer ökonometrischen Analyse von Online-Dating-Verhalten: Männer, die angaben, sie seien auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung, schnitten sehr viel besser ab als jene, die lediglich auf eine Affäre aus waren. Für Männer ist das Aussehen der Frauen von herausragender Bedeutung, für Frauen das Einkommen eines Mannes von größter Wichtigkeit: je reicher der Mann ist, desto mehr Mails erhält er. Die Attraktivität einer Frau wächst für Männer zwar auch mit dem Einkommen, aber nur bis zu einer bestimmten Höhe. [..] Männer fühlen sich angezogen von Studentinnen, Künstlerinnen, Musikerinnen, Tierärztinnen, und Berühmtheiten, sie meiden Sekretärinnen, Rentnerinnen sowie Frauen, die beim Militär oder der Polizei arbeiten. Frauen bevorzugen Soldaten, Polizisten und Feuerwehrmänner, außerdem Rechtsanwälte und Finanzexperten in leitender Position. Frauen meiden Arbeiter, Schauspieler, Studenten [..]. Die Analyse der Daten von etwa 30.000 Nutzern ergab weiterhin, dass Männer vor allem erhebliche Nachteile haben, wenn sie klein sind. Für Frauen hingegen ist Übergewicht tödlich. Deswegen wird in diesen Bereichen offenbar häufig auch etwas nachgeholfen: der interessierte Online-Dater ist z.B. etwas größer als der Durchschnittsmann und die typische Online-Daterin 10 kg leichter als ihre reale Kollegin. Im Buch “Freakonomics“, in dem die Ergebnisse komplett nachzulesen sind, beschrieben die Autoren ihre durch mathematische Methoden gewonnenen Erkenntnisse so: “In der Welt des Online-Dating ist ein Kopf voller blonder Haare für eine Frau ungefähr so viel wert wie ein College-Abschluss.“
- “”Fiese” Männer bekommen die meisten und schönsten Frauen ab” – in den meisten einschlägigen Studien zu diesem Thema wiesen die betreffenden Männer eine (auch unterschiedlich ausgeprägte) Kombination aus Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus auf (Quellen: [1], [2], [3])
- Männer sollten nicht “hingerissen” wirken: Ungewissheit über die Gefühle des Gegenübers erhöht dessen Attraktivität (Quelle: E. Whitchurch et.al in: “Uncertainty Can Increase Romantic Attraction”, Psychological Science, 01/2011).
Sexualität
- “Schon die bloße Anwesenheit einer Frau erhöht den Testosteronspiegel” – unabhängig vom Aussehen einer im gleichen Raum befindlichen Frau steigt der Testosteronspiegel von Männern innerhalb von 300 Sekunden um 8% an ([1],[2])
- “Die Häufigkeit weiblicher Orgasmen steigt mit dem Einkommen ihrer Partner” – Sex mit wohlhabenden oder mächtigen Männern wird von Frauen womöglich als besser erlebt, weil sie sich damit einen Zugang zu Reichtum und Macht verschaffen und diesen erhalten wollen (Quellen: [1], [2], [3])
Nachtrag 04/2010: Hierzu existiert allerdings nun eine andere Ergebnisse zeigende Gegenstudie.
- “Je attraktiver sich Frauen finden, desto höhere Ansprüche stellen sie an ihren Sexualpartner” – bei Männern gibt es diese Korrelation nicht, was heißen könnte, daß sie weniger wählerisch oder auch weniger geneigt sind, dauerhafte Beziehungen zur Reproduktion einzugehen (Quellen: [1], [2])
- (indirekter) “Zusammenhang zwischen Stimme und sexueller Aktivität” – Probanden mit als attraktiv empfundener Stimme hatten an ihren beiden Händen ungefähr gleich lange Finger (Hinweis auf Zusammenhang mit Attraktivität durch Symmetrie, siehe oben), eher in jüngerem Alter Geschlechtsverkehr, mehr Sexualpartner und mehr außerpartnerschaftliche Affären (Quellen: [1], [2])
- “Frauen reagieren unterschiedlich auf männlichen Schweißgeruch.” – ihr Hirn kann normalen von unter sexueller Erregung entstandenen Schweißgeruch von Männern unterscheiden (Quelle)
- Frauentränen wirken “abtörnend” auf Männer, sie reduzieren den Testosteronspiegel. Quelle: Shani Gelstein et.al, “Human tears contain a chemosignal” in: Science 01/2011, DOI: 10.1126/science.1198331)
- “Zählt “die Größe”? Ja.” – Befragungen, denen zufolge die Penisgröße für Frauen keine Rolle spiele, waren angeblich häufig “zu direkt”; beurteilen Frauen dagegen ohne Wissen um den eigentlichen Inhalt der Befragung Computer-generierte Gestalten, bei denen sich u.a. die Penisgrößen unterscheiden, werden jene mit größerem Penis als mehr attraktiv eingestuft (Quellen: [1], [2])
Familie / Kinder / Fertilität (Fruchtbarkeit)
- “Korrelation zwischen Wohlstand und Reproduktionserfolg“: bei reichen britischen Männern wurde in einer Studie höherer Reproduktionserfolg nachgewiesen, bei Frauen sinkt mit zunehmender Bildung und zunehmenden Einkommen die Zahl der Kinder (Quelle)
Dieser Artikel wird laufend erweitert und mit neuen Forschungsergebnissen ergänzt (Erstveröffentlichung: 01/2009; zuletzt aktualisiert: 04/2013)
Weiterer Artikel zum Thema “Partnersuche”:
Partnersuche – wie der Ausbruch aus dem Teufelskreis gelingen kann {lang: 'de'}
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Tags: Attraktivität, Frauen, Liebe, Männer, Narzissmus, Orgasmus, Östrogen, Partnerschaft, Partnersuche, Psychopathie, Selbstsabotage, Selbstwertgefühl, Sexualität, Sozialphobie, Testosteron, Übergewicht, Wohlstand
Apr 01
Woran es sicherlich keinen Mangel gibt, sind Erfolgsberichte etwa über die positive Wirkung von ADHS-Medikamenten, zahlreiche einschlägige Artikel in der Fach- und etwas zeitversetzt dann in der Regel auch in der Laien-Presse. Häufig gehen im Zuge des Informationstransports bis zum Endkonsumenten auch die letzten Reste von Wissenschaftlichkeit verloren und weichen einem “Informationscharakter”: etwa wenn das Verhältnis von Erfolgs- und Mißerfolgs-Raten gar nicht mehr Erwähnung findet, sondern generalisierend von “mit Erfolg angewendet” oder “Erfolg in der Behandlung von ADHS mit Medikament XY” gesprochen wird. Wie in anderen Blog-Artikeln angeführt, investiert die Pharmaindustrie darüber hinaus deutlich höhere Anteile ihrer Einnahmen in das Marketing ihrer Produkte als in die Forschung, wobei allerdings nur der geringste Teil des Marketings aus expliziter Werbung besteht – viel häufiger werden themenorientierte Kongresse mitfinanziert (indirekte Werbung), Studien in Auftrag gegeben (bei denen dann zumeist die Wirksamkeit der eigenen Produkte bestätigt wird) oder andere vertriebsrelevante Kanäle gesponsert.
 ADHD Kid (Image © 123rf.com)
Ein symptomatisches Beispiel für den sich durch diese Effekte schleichend verändernden Zugang der Bevölkerung zur Anwendung von Medikamenten ist der Bereich des Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS). Es muss sich dabei entweder um eine regelrechte Epidemie oder um eine Modediagnose handeln, denn bereits 7% aller Kinder (!) werden heute in den USA wegen ADHS behandelt. Warum jedoch dieses Störungsbild so häufig aufzutreten scheint, und wie dieser enorme Anstieg an Diagnosen tatsächlich zu erklären ist, wird wenig gefragt und ist bis heute in keine Weise geklärt. Bemerkenswert ist insbesondere auch der “shift” von ganzheitlichen Behandlungsmodellen zu rein physiologischen. So bestand noch vor wenigen Jahren ein weitgehender Konsens darüber, dass die Verhaltensstörungen der betroffenen Kinder und Jugendlichen aus verhaltensorientierter Psychotherapie (in die auch die Eltern einzubinden sind) bestehen, und nur in schweren Fällen Medikamente (damals vorrangig das bekannte Ritalin) verschrieben werden sollten. Heute dagegen scheint weitgehende Einigkeit darüber zu bestehen, dass eine simple Verabreichung der entsprechenden Medikamente die empfehlenswerte Art der Behandlung darstellt – jene Variante also, die für die Pharmakonzerne zweifelsfrei die vorteilhafteste, und für Eltern und Lehrer die bequemste Herangehensweise darstellt. Es existiert nun einmal keine Lobby für die kritische Reflexion jahrelanger Medikation von Minderjährigen mit Psychopharmaka.
Die Publikation kritisch-reflektiver Studien wie die eben von Psychiatern des Johns Hopkins Children’s Center geleitete aktuell größte Langzeitstudie zum Thema, welche im Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry veröffentlicht wurde, sind daher die Ausnahme. In ihr wurden 207 klinisch mit ADHS diagnostizierte Vorschulkinder (75 Prozent davon Jungen) untersucht. Weitere Testungen der Kinder erfolgten 3 Monate später, bevor die Kinder an andere Ärzte überwiesen und teils mit Medikamenten wie etwa Methylphenidat behandelt wurden. Nach 3, 4 und 6 Jahren wurden die Kinder erneut von Ärzten auf die ADHS-Symptome untersucht. Eltern und Lehrer beurteilten zusätzlich die Schwere der Kernsymptome Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität. Analysiert wurden die Veränderungen der Symptome über die Zeit und die Diagnose.
Die Ergebnisse sind zumindest für die Pharmakonzerne, aber auch für die Eltern und die behandelnden Ärzte, welche sich von einer medikamentösen Therapie ja Besserung oder Heilung erwarten, ernüchternd. Zwar ging bei einigen Kindern die Intensität der ADHS-Symptome zurück, bei der Mehrheit der Kinder bewirkten die Medikamente jedoch nichts, das ADHS blieb in diesem Sinne chronisch. Möglicherweise auch deshalb, da die jeweiligen Eltern und Ärzte sich ausschließlich auf die Wirkung der Medikamente verließen, dieser Aspekt wurde in der Studie jedoch nicht untersucht. Fest steht jedoch, dass 89% der an der Studie dauerhaft teilnehmenden Kinder auch nach 6 Jahren noch schwere ADHS-Symptome zeigten.
Bemerkenswerterweise war es praktisch egal, ob sie, wie zwei Drittel der Kinder, Medikamente erhielten oder diese abgesetzt wurden – daraus ließen sich keine Vorhersagen über die Stärke der Symptome ableiten. 62 der Kinder, die mit Anti-ADHS-Medikamenten behandelt wurden, zeigten weiter signifikante Konzentrationsstörungen, bei den Kindern ohne Medikamente waren es mit 58 Prozent kaum weniger. Dass Pharmakonzerne keinerlei Interesse daran haben, kritische Studien wie diese zu finanzieren, liegt auf der Hand.
Interessantes wird dagegen entdeckt, wenn doch einmal neutrale Untersuchungen nichtmedikamentöser Behandlungsansätze stattfinden und finanziert werden. Einer aktuellen Metastudie (auf der Basis von 54 Studien mit fast 3.000 Patienten) der europäischen ADHS-Leitliniengruppe zufolge, welche im American Journal of Psychiatry erschien, ist – eine korrekte ADHS-Diagnose einmal vorausgesetzt – der Griff zum Medikament nicht unbedingt notwendig. Hier wurden in Doppelblindstudien vor allem einer Ernährungsumstellung positive Wirkungen auf die Hauptsymptome Impulsivität, schlechte Aufmerksamkeit und motorische Unruhe bescheinigt.
Wirksam erwies sich vor allem die Vermeidung künstlicher Lebensmittelfarben und noch stärker die Vermeidung von Lebensmitteln, gegen welche die Patienten eine Unverträglichkeit besitzen. Daraus könne man nicht notwendig ableiten, dass andere Therapieansätze keine Besserung erzielen. Es gebe allerdings aufgrund von Finanzierungsproblemen zu wenige valide Studien, weswegen die Datenlage ungenügend sei, sagt Prof. Dr. M. Holtmann von der LWL-Universitätsklinik der RUB in Hamm, Mitautor der Studie.
(Quellen: The Preschool Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Treatment Study (PATS) 6-Year Follow-Up in: Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry Vol 52, Issue 3, p264-278.e2, March 2013; Nonpharmacological Interventions for ADHD: Systematic Review and Meta-Analyses of Randomized Controlled Trials of Dietary and Psychological Treatments in: American Journal of Psychiatry 2013;170:275-289. 10.1176/appi.ajp.2012.12070991; Telepolis [1, 2]) {lang: 'de'}
Mrz 25
 Brustkrebs (Bildquelle: medicalpicture)
Jede 5. Brustkrebs-Patientin entwickelt ab dem Zeitpunkt der Diagnose oder im Behandlungsverlauf Depressionen – diese psychische Erkrankung zählt damit zu den häufigsten Begleiterkrankungen bei Brustkrebs, der oft mit einer Vielzahl von seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen, wie Todesangst, einer Veränderung des Körperbildes und der Sexualität sowie sozialem Rückzug verbunden ist. Dadurch verringert sich nicht nur die Lebensqualität, auch die Arbeitsfähigkeit wird beeinträchtigt, und der Behandlungserfolg kann so negativ beeinflusst werden. Wissenschaftler der Universitäten Mainz und Leipzig wiesen nun nach, dass adaptierte Formen von Psychotherapie ein wirksames Mittel gegen Depressionen bei Brustkrebspatientinnen sind.
“Dennoch werden die seelischen Nöte bei der Behandlung des Tumors häufig außer acht gelassen“, sagt M. Beutel von der Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Die von ihm geleitete Studie (p=157) konnte nun nachweisen, dass eine spezielle Kurzzeit-Psychotherapie zu einem deutlichen Rückgang der Depressionen bei Brustkrebs-Patientinnen führt. In diesen erhielt die Vergleichsgruppe bis zu 20 Sitzungen Psychotherapie (1 pro Woche), in denen Psychotherapeuten die Patientinnen über ihre Depression informierten und gemeinsam mit ihnen passende Strategien entwickelten, wie sie die seelischen Belastungen durch die Krankheit besser bewältigen können. Innerhalb von acht Monaten bildete sich die Depression bei 57 Prozent der Patientinnen, die an der Therapie teilnahmen, zurück. Die vergleichbare Quote der anderen Patientinnen betrug lediglich 33 Prozent.
“Damit hat sich die Kurzzeit-Psychotherapie als sehr wirksam bei der Behandlung von Depressionen bei Brustkrebspatientinnen erwiesen. Deshalb sollten Somatische und Psychosomatische Medizin hier besser zusammenarbeiten”, lautet das Fazit von Beutel.
(Quellen: Der Standard 13.02.2013 [1], Uni-Klinik Mainz [2]) {lang: 'de'}
Mrz 25
 Bild: MOD/Crown (c) 2012
Einer britischen Studie zufolge ist die Zahl der Verurteilungen wegen Gewalttaten bei ehemaligen Soldaten dreimal so hoch wie in der männlichen Gesamtbevölkerung. Dies deckt sich mit Studien in den USA, wo Veteranen der Kriege im Irak und Afghanistan nach der Rückkehr in ihr ziviles Leben zu gewalttätigem Verhalten in der Familie neigen und häufig in die Kriminalität rutschen. In den Gefängnissen beider Länder befindet sich ein relativ hoher Anteil an Ex-Soldaten, die wegen Gewalttaten verurteilt wurden – so sind fast ein Zehntel der Häftlinge in britischen Gefängnissen ehemalige Soldaten.
Naheliegend ist die Vermutung, dass viele der Menschen, die aktiv an Kriegseinsätzen teilnehmen, nach ihrer Heimkehr unter posttraumatischen Belastungsstörungen, Angst, Depressionen und anderen psychischen Folgen zu leiden haben. Doch es sollte auch untersucht werden, ob einer erhöhte Gewaltneigung auch schon vor dem Eintritt in das Militär bestanden. Den Ergebnissen zufolge sind neben dem Geschlecht (v.a. Männer) und Alter (v.a. unter 30-Jährige) am stärksten untergeordneter Rang und schon vor dem Eintritt ins Militär bestandene Gewalttätigkeit Risikofaktoren für nach Verlassen des Militärs begangene Gewalttaten. Die Teilnahme an Kampfeinsätzen und auch das wiederholte Erleben traumatisierender Ereignisse erhöhen die Wahrscheinlichkeit, eine Gewalttat zu begehen, um das Doppelte gegenüber anderen Soldaten. Alkohol, posttraumatische Belastungsstörungen und gegen sich selbst gerichtetes aggressives Verhalten (->Suizid-Risiko) nach der Rückkehr sind Risikofaktoren.
Wer schon vor dem Militärdienst gewalttätig oder aggressiv war, scheint sich eher zu Kampfeinsätzen zu melden und neigt auch danach vermehrt zu Gewalt. Nach dem Militärdienst verdoppeln sich die allgemeinen Straftaten beinahe. Die Ausbildung als Soldat mit Waffen schon scheint die Neigung zu Straftaten und Gewalt statistisch zu erhöhen. Zu begrüßen wären insofern den Forschern zufolge Eignungsverfahren und Prüfung auf registrierte Gewaltdelikte bereits bei den Eignungstests für das Militär. Ob diese Forderung Chancen auf Umsetzung hat, ist freilich dahingestellt.
(Quellen: Telepolis [1], [2], The Lancet [1) {lang: 'de'}
Mrz 18
 Gastbeitrag von Mag. Karin Steiner
z.B. Reizdarm, Reizmagen
Magen- und Darmbeschwerden stellen häufige körperliche Symptome dar, die oft mit einem erheblichen Leidensdruck einhergehen.
15-30% der Bevölkerung sind davon betroffen. Frauen doppelt so häufig als Männer.
Eine Reizdarmsymptomatik führt oft zu schweren Beeinträchtigungen der sozialen und beruflichen Funktionsfähigkeit, da die Angst vor einer körperlichen „Unpässlichkeit“ (wie bspw. Durchfall) die gesamte innere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.
Was ist ein Reizdarm?
Ein Reizdarm macht sich bemerkbar mit wiederkehrenden Bauchschmerzen bzw. chronischem Unbehagen der Bauchregion über einen längeren Zeitraum hinweg (seit mindestens 6 Monaten). Zusätzlich können Blähungen, Schleimbeimengungen im Stuhl und auch das Gefühl der inkompletten Stuhlentleerung auftreten.
Das Reizdarmsyndrom kann vorwiegend eher mit Verstopfung, oder eher mit Durchfall, bzw. mit beiden Beschwerden einhergehen.
Was ist ein Reizmagen?
Beim Reizmagen treten dauerhafte oder wiederkehrende Schmerzen/Brennen bzw. Beschwerden im Oberbauch auf. Begleitet können die Schmerzen durch ein Völlegefühl bzw. ein frühes Sättigungsgefühl nach der Mahlzeit werden. Manchmal kann es auch zu einem vermehrt auftretenden Übelkeitsgefühl und Erbrechen kommen.
Ursachen
 Häufige Entzündungsbereiche (Bild: kompetenznetz-ced.de)
Das enterale Nervensystem ist ein komplexes Geflecht aus Nervenzellen, das nahezu den gesamten Verdauungstrakt durchzieht. Es spielt bei der Kontrolle der Verdauungsvorgänge eine wesentliche Rolle. Es funktioniert wie ein Gehirn im Darm und kommuniziert mit dem zentralen Nervensystem (Hirn-Darm-Achse). Diesbezügliche Erkenntnisse lassen vermuten, dass neben biologischen Prozessen auch die psychische Situation einen wesentlichen Einfluss auf Entstehung und Aufrechterhaltung der Magen-Darm-Beschwerden ausübt.
PatientInnen mit funktionellen gastrointestinalen Störungen spüren ihre normale Verdauung als Schmerz. Sie reagieren mit einem gesteigerten Schmerzempfinden auf die Dehnungsreize im Darm.
Diese Überempfindlichkeit kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden. Neben Infektionen des Magen-Darm-Trakts, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, spielen auch psychische Ursachen eine Rolle. Stress und belastende Lebensereignisse haben einen direkten Einfluss auf das Verdauungssystem. Mittels funktionellem Magnetresonanz-Imaging (=bildgebendes Verfahren) von Hirnfunktionen konnten Nachweise für die enge Verbindung zwischen Gehirn und dem Verdauungstrakt unter Stress erbracht werden.
Auch eine familiäre Häufung der Beschwerden konnte nachgewiesen werden. Dies kann sowohl durch eine erbliche Vorbelastung erklärt werden, als auch als Verhalten (Kinder beobachten ihre Eltern, übernehmen deren Klagen und Beschwerden) kopiert werden.
Die Mehrzahl der Betroffenen leiden auch an psychischen Erkrankungen, wie Depressionen, Angst- und somatoforme (= körperliche Symptome ohne ausreichende organische Ursachen) Störungen.
Wodurch können Symptome ausgelöst werden?
Nahrungsmittel sind häufig Auslöser von Symptomen. Die Mehrzahl der PatientInnen
(50-70%) leiden auch an Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Nahrungsmittelbestandteile, ob natürlich oder künstlich hergestellt, können bei vielen Menschen Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfälle auslösen.
Milch (-zucker), Kaffee (Coffein), fettreiche Nahrung, Alkohol, zuckerfreier Kaugummi (Sorbitol), gasproduzierende Mahlzeiten (Müsli, Hülsenfrüchte, Zwiebel, etc.), aber auch eine hastige Nahrungsaufnahme und Essen unter psychisch belastenden Umständen (Zeitdruck oder bei gleichzeitiger Problembesprechungen usw.) können Magen-Darmbeschwerden hervorrufen.
Behandlungsmöglichkeiten
Viele Betroffene haben bereits eine Odyssee an verschiedenen Behandlungen hinter sich, die häufig wenig Verbesserung der Symptomatik brachten. Dementsprechend können auch Folgesymptome wie bspw. depressive Verstimmungen oder Angstzustände (Angst vor einer Tumorerkrankung) auftreten.
Eine Krankheitsbehandlung, die all den Erkenntnissen über die Zusammenhänge gerecht werden will, muss dementsprechend weit gefasst sein. Das heißt, dass körperliche und psychosoziale Faktoren gleichermaßen in der Behandlung berücksichtigt werden.
Somit ist die Kombination von medikamentöser Behandlung der körperlichen Symptome einerseits, und Psychotherapie, um die psychosozialen Leiden der betroffenen Personen zu mildern, andererseits, die wirkungsvollste Methode.
Nach Univ. Prof. Dr. Gabriele Moser (AKH Wien) sollte die Therapie – abgestuft nach Schweregrad – folgendermaßen erfolgen:
- Medizinische Abklärung (Anamnese) und Ausschluss anderer Erkrankungen
- Aufklärung über Symptome und mögliche Ursachen sowie auslösende Wirkung verschiedener Faktoren (Nahrungsmittel, Hormonveränderung beim Menstruationszyklus, Stress etc.)
- Führen eines Symptomtagebuchs über 4 Wochen: Herausfiltern von auslösenden oder verstärkenden Reizen, Aufzeichnung der Symptomstärke (mit Schweregraduierung von 1-10), hinzukommende Faktoren (Ernährung, körperliche Aktivität, belastende Situation, Stress, etc.), Emotionen (traurig, ängstlich, wütend,…) und Gedanken („bin zuversichtlich/hoffnungslos“, „halte das nicht mehr aus“ etc.)
Dies ist zumeist der erste Schritt, Kontrolle über die körperlichen Beschwerden zu erlangen, da von den Betroffenen Zusammenhänge erkannt werden können.
- Symptomorientierte Medikation durch die Gabe von Antidepressiva
Gerade bei chronischen und kaum beeinflussbaren Schmerzen haben Antidepressiva gute Erfolge erzielt. Diese werden nicht primär wegen der antidepressiven Wirkung verabreicht, sondern um das Schmerzempfinden zu vermindern. Über Nebenwirkungen müssen die Patienten aufgeklärt werden, da die eigentliche Wirkung erst ab der 3. Behandlungswoche einsetzt.
- Psychotherapie/Hypnose
Psychotherapie zählt zu den wirkungsvollsten Behandlungsmethoden, vor allem bei jenen, denen bisher nicht anders geholfen werden konnte.
Dies konnte auch wissenschaftlich nachgewiesen werden. In den meisten Studien wurde Psychotherapie mit „herkömmlichen“ Methoden (=medikamentöser Behandlung) verglichen und zeigte sich meist deutlich wirksamer.
Vor allem die Hypnosetherapie zählt mittlerweile beim Reizdarmsyndrom zu den Standardtherapien.
Verdauungstrakt-gerichtete („gut-directed“) Hypnose
Der Einsatz einer spezifisch auf den Bauch gerichteten Hypnose zur Behandlung von Reizdarm- oder Reizmagenbeschwerden wurde erstmals von einer Arbeitsgruppe um Prof. Peter Whorwell in Manchester entwickelt. Mit dieser Methode wird den Patienten im Rahmen von 12 Hypnosesitzungen unter anderen suggeriert, dass ihr Magen-Darm-Trakt ruhig und rhythmisch funktioniert und die Betroffenen wieder die Kontrolle über diese Körperregion übernehmen. Dadurch werden nicht nur die Schmerzüberempfindlichkeit des Magen-Darm-Traktes, sondern auch die Darmbewegungen positiv beeinflusst und beruhigt.
Auch im AKH Wien wurde diese Methode erfolgreich als Gruppenhypnose (bis zu 8 Personen) eingesetzt.
Ablauf der Einzelhypnosen
12 Sitzungen zu je einer Stunde einmal wöchentlich, über einen Zeitraum von zirka 3 Monaten, gelten als erfolgreichste Dauer dieser Kurzzeittherapie, damit der gewünschte Langzeiterfolg erzielt werden kann.
In der ersten Stunde werden die individuelle Situation und die genauen Beschwerden erfragt, damit die Hypnose genau an die betroffene Person angepasst werden kann. Ab der zweiten Sitzung wird mit einem psychotherapeutischen Gespräch (zirka 20 Minuten) die aktuelle Situation erfasst und dann eine Hypnose durchgeführt.
Neben dem Effekt einer tiefen Entspannung, werden durch das Erzeugen von inneren Bildern ein Gefühl von Ich-Stärkung herbeigeführt, sowie die Vorstellung einer Normalisierung der Funktionen des Verdauungstraktes mit Verminderung der Schmerzen.
Ab der zweiten Sitzung sollen zu Hause Entspannungsübungen (zumindest 10-15 Minuten) durchgeführt werden, die durch eine von mir aufgenommenen CD unterstützt werden.
So wird den Betroffenen durch das Üben wieder mehr Selbstkontrolle über ihre körperlichen Empfindungen verliehen. Das Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber den Symptomen vermindert sich schrittweise.
Nach Bedarf können ein oder mehrere Sitzungen zum Auffrischen der eingeübten Entspannungstechniken ein halbes bis ein Jahr nach Beendigung der Hypnoseeinheiten durchgeführt werden, um einen noch besseren Langzeiterfolg zu gewährleisten.
Verfasserin des Textes:
Mag. Karin Steiner, Psychotherapeutin (www.reizdarm.cc) {lang: 'de'}
Feb 18
 (Bild: Reuters/Kim Hong-Ji)
Etwa 1% der österreichischen Bevölkerung dürfte an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa / Reizdarmsyndrom leiden – beide sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED), die mit schweren Durchfällen und Schmerzen einhergehen, das Thrombose-Risiko erhöhen und ultimativ Operationen erforderlich machen können, bei welchen besonders schwer befallene Darmabschnitte entfernt werden. Und die Zahl der Betroffenen steigt sogar noch an, insbesondere unter Kindern und Jugendlichen. Die betreffenden Daten wurden im Zuge des 8. Kongresses der European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) im Austria Center Vienna im Februar 2013 veröffentlicht.
“Zumindest drei Millionen Menschen in Europa leiden an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die meisten Erstdiagnosen werden in der Altersgruppe zwischen dem 20 und 30 Lj. gestellt. Wir sehen aber auch einen dramatischen Anstieg bei den Kindern. In den vergangenen zehn Jahren haben deren Diagnosen um 50 Prozent zugenommen. Viele Betroffene haben immer wieder Krankheitsepisoden, ein Viertel aber hat chronische Symptome”, sagte T. Jess vom dänischen Gesundheitsüberwachungs- und -Forschungszentrum.
Der Expertin zufolge muss etwa die Hälfte der Betroffenen innerhalb von zehn Jahren zumindest einmal im Spital aufgenommen werden. Oft folgt dann eine Operation mit Entfernung betroffener Darmabschnitte. “Die Invaliditätsrate mit drei bis sechs Wochen pro Jahr, in denen ein Patient keiner Arbeit nachgehen kann, liegt bei 34 Prozent”, so Jess.
Frühe Diagnose und Behandlungsbeginn essentiell
W. Reinisch von der MedUni Wien am AKH bestätigt einen deutlichen Anstieg bei chronisch entzündlichen Leiden wie Asthma, Multiple Sklerose, Diabetes Typ 1 in den hochentwickelten Industriestaaten seit den 1950er-Jahren um das Zehn- bis 15-fache (!). Die Zahl der Kinder, die aufgrund schwerer chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen stationär behandelt werden mussten, hat sich in Österreich allein in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Die diesen dramatischen Anstiegen zugrundeliegenden Ursachen sind noch immer nicht geklärt – und die genannten Krankheiten bis heute nicht heilbar: im besten Fall kann ihre Intensität reduziert werden. Das gilt auch für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. “Mit einer genetischen Disposition lässt sich nur ein geringer Teil dieser Erkrankungen erklären. Es sind vorwiegend Umwelteinflüsse, welche chronisch-entzündliche Erkrankungen auslösen.”, so Reinisch. Die Ursachen könnten möglicherweise in einem Wechselspiel aus fehlerhafter und einseitiger Ernährung, Medikamenteneinnahmen wie z.B. Antibiotika, aber auch Rauchen, Stress, dem Lebensstil, dem Lebensumfeld in den Städten und gesteigerter Hygiene bestehen.
Der Experte sieht angesichts der starken Beeinträchtigung des weiteren Lebensverlaufes der Erkrankten einen dringenden Bedarf an möglichst frühen Diagnosen. Je früher mit der Therapie begonnen wird, umso wirksamer ist sie auch, ein Zusammenhang, der auch aus der Psychotherapie bekannt ist. Hausärzte, die zumeist den Erstkontakt mit Betroffenen haben, sollten die entscheidenden Verdachtsmomente kennen und erkennen, und in der Langzeitbetreuung sollten dann Allgemeinmediziner, Fachärzte und spezialisierte Zentren kooperieren.
Symptome chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED):
 Häufige Entzündungsbereiche (Bild: kompetenznetz-ced.de)
Die meisten Menschen (aber sogar viele Allgemeinmediziner) verfügen nur über mangelhaftes Wissen über die Symptome chronisch entzündlicher Darmerkrankungen, weshalb vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose mitunter Jahre vergehen können. Einige funktionelle Störungen des Magen-Darm-Traktes weisen ähnliche Symptome auf, daher ist das Beachten typischer Morbus Crohn-Signale sehr wichtig, wie zum Beispiel Blut im Stuhl, Entzündungszeichen im Blut oder Stuhl, aber auch Fieber und Gelenkschmerzen.
Wenn krampfartige Bauchschmerzen, mehrwöchige (meist schleimige) Durchfälle, Gewichtsverlust, Müdigkeit bis totale Erschöpfung, Leistungsabfall, Gewichtsverlust oder Fieber immer wieder in Intervallen auftreten, besteht starker Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED). Muss jemand öfter als 5-10 Mal pro Tag und zu unvorhergesehenen Zeiten die Toilette aufsuchen, wird das Leben massiv belastet – und ein Verdacht auf Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa liegt nahe und bedarf einer ärztlichen Abklärung (wie auch einer diagnostischen Abklärung etwaiger Nahrungsmittelunverträglichkeiten). Die schubartigen Phasen sollten nicht in falscher Sicherheit wiegen: die Krankheit schreitet auch während der Phasen ruhender Symptomatik voran. Wenn diese jedoch wieder auftritt, können soziale Kontakte massiv belastet werden, häufig entwickeln sich dadurch in weiterer Folge auch psychische Beschwerden wie Depression, Angst- oder Panikstörungen.
Aktuelle Behandlungs-Ansätze von Morbus Crohn / Colitis Ulcerosa
Zunächst sind eingehende Untersuchungen (insbesondere Darmspiegelungen), notwendig, um die Erkrankung und das Erkrankungsgebiet (Morbus Crohn kann den kompletten Verdauungstrakt befallen, vom Mund bis zum After) genau zu identifizieren. Durch moderne Therapiekonzepte ist die Krankheit heute recht gut zu behandeln, obwohl trotz intensiver Forschung auch heute noch keine Heilung im eigentlichen Sinne möglich ist. Dennoch führt die Erkrankung an Morbus Crohn auch heute noch bei 60 Prozent aller Betroffenen im Endeffekt zu einem operativen Eingriff (meist aufgrund von entzündungsbedingten Darmverschlüssen).
Neben einer Reihe von medikamentösen Ansätzen werden in Studien derzeit auch zahlreiche andere Therapieansätze ausgelotet – vor allem in leichten Fällen von Morbus Crohn. Gastroenterologen von der Uni Duisburg-Essen haben die “Mind-Body-Medicine”, eine Kombination aus Bewegung, mediterraner Vollwertkost, Entspannungsübungen und Stressbewältigung entwickelt – in Studien zeigte sich deutlich eine Verbesserung der Lebensqualität. Hypnotherapie hat sich ebenfalls zur Stressreduktion und der besseren Bewältigung der Schubphasen bewährt.
Weiterführende Links:
Verein Darm Plus
http://www.gastrojournal.org/article/S0016-5085%2810%2900754-7/abstract {lang: 'de'}
Dez 06
 r.l.f., 1994 
Das Universitätsklinikum Salzburg veröffentlichte kürzlich eine Studie, welche bei Depression und Suizidalität eine unterstützende Wirkung der Psychotherapie und Pharmakotherapie durch Bewegungstherapie nachweist.
Die Idee entstand bei gemeinsamen Film-Deharbeiten zum Thema „Alpen und Suizid“ von Dozent Reinhold Fartacek und Reinhold Messner auf dem Rauriser Sonnblick. Die veröffentlichte wissenschaftliche Studie „Physical exercise through mountain hiking in high-risk suicide patients. A randomized crossover trial“ (siehe u.a. Quellverweise) bestätigt eindrucksvoll die unterstützende Wirkung einer Bewegungstherapie zu Psychotherapie und Pharmakotherapie. Mit dieser Studie können auch erstmals Schwankungen der psychischen Befindlichkeit nicht nur beobachtet sondern auch verstanden werden.
Die äußerst aufgrund der Vielzahl der abgefragten Parameter (z.B. tägliche Selbsteinschätzung der TeilnehmerInnen, psychologische Daten, Prozesseinschätzung, Vorher-/Nachher-Einschätzung, sportphysiologsiche Messungen) äußerst komplexe Wanderstudie “Übern Berg” ist weltweit einmalig. Es wurde wie heute generell in der Suizidprävention darauf gesetzt, auf individuelle Stärken anstatt auf Krankheit zu achten. Die Patienten sollten durch die körperliche Aktivität beim Bergwandern und das Erlebnis – “über den Berg zu gehen” – für den Alltag seelisch und körperlich zu stärken. Diese Erfolge, aber auch das Erlebnis der Natur sowie die zwischenmenschlichen Begegnungen während des Bergwanderns sollten ihnen Mut und Hoffnung für die Bewältigung des Alltags geben. Mit Redewendungen wie „Es geht bergauf“ oder „Berge versetzen“ werden im Alltag positive Entwicklungen beschrieben. Doch obwohl in Österreich mehr als 74% der über 15-Jährigen zumindest gelegentlich wandern, können sich gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen oder in Lebenskrisen nur schwer überwinden, körperlich aktiv zu sein.
Synergetisches Navigationsystem (SNS)
Die interdisziplinäre Studie (PsychiaterInnen, PsychologInnen, Sportmediziner, PflegemitarbeiterInnen) fand in der Salzburger Bergwelt statt. Die Selbsteinschätzung wurde mittels der Nutzung eines vom Leiter des PMU-Instituts für Synergetik und Psychotherapie-forschung, Univ.-Prof. Dr. Günter Schiepek entwickelten sog. „Synergetischen Navigationssystems“ (SNS) messbar gemacht. Mit einem darin eigens angelegten Online-Fragebogen wurde 6 Monate hindurch täglich die persönliche Befindlichkeit mit 38 Einzelitems in einer Selbsteinschätzung angegeben. Durch die hochfrequenten Messungen ergab sich eine Verlaufsdarstellung mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Schwankungen und Phasenübergängen. Speziell in den Bereichen Freude und Selbstwertgefühl kam es in der Wanderphase bei vielen Teilnehmern zu einer Steigerung – wobei die Ängstlichkeit gleichzeitig abnahm.
Die Studienteilnehmer wurden in zwei Gruppen geteilt. Die Wandergruppe wanderte 9 Wochen lang, während die Wartekontrollgruppe keine speziell geplanten Aktivitäten durchführt. Nach 9 Wochen wurde gewechselt, und jeweils die empfundenen Veränderungen der Hoffnungslosigkeit und Depressivität wie auch die rein körperliche Ausdauerleistungsfähigkeit gemessen. Hinsichtlich der empfundenen Hoffnungslosigkeit, Depressivität, wie auch der körperlichen Ausdauerleistung ging es den TeilnehmerInnen signifikant besser als vor der Studie. Die Studienteilnehmer berichteten von einer neu angeeigneten Tagesstruktur, mehr Appetit, mehr Selbstvertrauen und weniger Stress. Dies berichteten selbst die meisten jener Patienten, die sich zunächst alles andere als “sportbegeistert” bezeichnet hatten.
Um Überforderungen zu vermeiden, wurde zunächst der optimale Belastungspuls der PatientInnen ermittelt und bei jeder Wanderung mittels Herzfrequenzmesser überwacht. Bald merkten die Wanderer, dass es bei dieser Sportart nicht darum geht, der Schnellste zu sein – so war es jedem möglich, das eigene Tempo zu finden. Jede Wanderung startete mit einfachen Mobilisationsübungen und endete mit abschließenden Dehnübungen. Im Laufe der Studie war an Stelle der fehlenden Motivation die Vorfreude auf die nächste Wanderung so groß, dass die Teilnehmer oft schon eine gute Weile vor dem vereinbarten Zeitpunkt am Treffpunkt warteten.
Die Teilnahme der Patienten am Wandern war nahezu lückenlos und belegt, dass diese Form der Bewegung nicht nur akzeptiert sondern auch gerne ausgeübt wurde – und das selbst bei Wind und Wetter. Die verbesserte körperliche Leistungsfähigkeit ist insofern günstig, als körperliche Bewegung auch rein körperlich gesund ist, gerade von depressiven Personen aber häufig zu wenig ausgeübt wird. Wandern jedoch kann gerade in Mitteleuropa nahezu das ganze Jahr über ausgeübt werden.
Schlussfolgerungen
Im Rahmen der Salzburger Wanderstudie konnte mittels täglicher Selbsteinschätzung bestätigt werden, dass bereits nach einer Wanderung die Stimmung verbessert, von negativen Gedanken abgelenkt und Stresssymptome abgebaut werden können. Am Ende des Wanderprogramms konnten Selbstwert und Schlafqualität zusätzlich zur Wirkung der bestehenden psychotherapeutischen und psychopharmakologischen Behandlung verbessert werden, auch Angst- und Borderlinesymptome wurden reduziert. Die körperliche Fitness stieg aufgrund der sorgsam abgestimmten Routenplanung z.T. signifikant.
(Quellen: MedAustria 2012, Acta Psychiatr Scand 2012: 1–9 (doi: 10.1111/j.1600-0447.2012.01860.x) {lang: 'de'}
Dez 05
 (Image source: The Tribune India)
Diabetiker, haben langfristig weniger gesundheitliche Schäden und psychische Probleme – und damit eine höhere Lebenserwartung, wenn sie sich besser zu entspannen und den psychischen Umgang mit ihrer Erkrankung erlernen. Dies fand die kürzlich im Magazin “Diabetes Care” veröffentlichte Heidelberger Diabetes und Stress-Studie (HeiDis) heraus, die erste kontrollierte klinische Studie, die den Effekt von Stressreduktion auf Diabetiker untersucht. Nach einer Studiendauer von 1 Jahr wurden die Ergebnisse veröffentlicht, denen zufolge die Teilnehmer an einer 8-wöchigen, fachlich geleiteten Anti-Stress-Gruppentherapie mit wöchentlichem Übungsprogramm (z.B. Meditation, Atemübungen, Reflexion und Umgang mit krankheitsbedingten Stressituationen etc.) nach einem Jahr weniger depressiv und körperlich fitter waren und einen niedrigeren Blutdruck aufwiesen. Ihre Eiweiß-Ausscheidung (diese nimmt mit nachlassender Nierenfunktion zu) war zwar unverändert – bei der unbehandelten Kontrollgruppe jedoch hatte sich diese weiter verschlechtert.
Die leitenden Ärzte weisen zwar darauf hin, dass noch genauere Ursachenforschung erforderlich ist, betonen aber ihre Zuversicht, dass mittels der regelmäßigen stressreduzierenden Therapiemassnahmen die psychische Situation der zuckerkranken Patienten verbessert werden kann.
An der Studie nahmen 110 Diabetiker und Diabetikerinnen teil, wobei vor allem solche Patienten rekrutiert wurden, die bereits seit Jahren an Diabetes litten und ein hohes Risiko für Komplikationen hatten. Diese Patientengruppe hat besonders häufig Depressionen und Ängste, da sie ihre Erkrankung als einschränkend und bedrohlich erlebt. Zusätzliche Gesundheitsprobleme durch Gefäßschäden, z.B. an Herz und Augen, sind bei ihr ebenfalls häufig. Die Idee zur Studie beruhte auf der Beobachtung, dass Personen, welche an psychischen Problemen leiden, erhöhte Stresslevel aufweisen, die wiederum das Schlüsselmolekül aktivieren (den sogenannten Transkriptionsfaktor NF-kappaB) das Entzündungen und Abbauprozesse auslöst. Als nächstes wird die Umkehrhypothese getestet: ob nämlich weniger Stress und weniger psychische Probleme gesundheitliche Schäden verhindern kann. Allerdings existieren schon eine ganze Reihe von Studien, die ebendies nachweisen, wie regelmäßigen LeserInnen des Psychotherapie-Blogs nicht entgangen sein wird.
Die Teilnehmer bewerteten ihre Therapie überwiegend als positiv; ihre Lebenseinstellung zu der Erkrankung habe sich geändert, sie wollten nun insgesamt bewusster und aufmerksamer leben. Jeder zweite Teilnehmer war an einer Fortsetzung der Therapie interessiert.
Diabetes Care vol. 35 no. 5 945-947 (doi: 10.2337/dc11-1343), MedAustria) {lang: 'de'}
Dez 05
 (Bildquelle: frag-dich-gesund.de)
Eine neue Studie beschreibt Zusammenhänge zwischen Psyche und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie z.B. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, welche nach heutigem Wissensstand zwar behandel- aber nicht heilbar sind. Die an der Universität Erlangen durchgeführte Studie zeigt, welche Auswirkungen diese Erkrankungen auf die Psyche der Betroffenen haben können. Unsicherheit im Sozialkontakt, ein erhöhtes soziales Unterstützungsbedürfnis und Depressivität zählen demnach zu den gravierendsten Faktoren.
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen betreffen etwa 1% der mitteleuropäischen Bevölkerung und brechen zumeist im Alter von 15 bis 35 Jahren aus, einer Zeit, in der viele Menschen ihre Berufe planen, dort hohen Anforderungen ausgesetzt sind, und Familien gründen. Man vermutet deshalb Veränderungen der individuellen Umweltbedingungen und Stressbelastung als mitauslösende Faktoren. Gene und eine Barrierestörung des Darms werden ebenfalls als mitverursachend vermutet. Die Krankheiten verlaufen schubweise, mit Bauchschmerzen, häufigen Durchfällen und bei länger anhalten Schüben mit Gewichtsverlust und Schwäche. Neben den körperlichen Beschwerden spielen die psychosozialen Belastungen eine wichtige Rolle für Betroffene: Die Erkrankung kann von Ängsten begleitet sein, die Beschwerden werden häufig im Arbeits- oder sozialen Umfeld tabuisiert und können zu Problemen am Arbeitsplatz führen.
Zwischen 2011 und 2012 wurden insgesamt 270 Personen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und eine nicht von CED betroffene Kontrollgruppe von 110 Personen zu den ihr Wohlbefinden am stärksten beeinflussenden psychischen Faktoren befragt. Als Ergebnis zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, dem verstärkten Auftreten von Depressivität sowie einem erhöhten Bedarf an sozialer Unterstützung durch die jeweiligen Familien, Selbsthilfegruppen oder manchmal auch psychotherapeutische Massnahmen bieten. Anteilsmäßig besonders stark sind an Morbus Crohn erkrankte Patienten von psychischen Folgen betroffen, und diese darüber hinaus auch in ihrer Ausprägung von der Schwere des Entzündungsgrades abhängig.
(Quellen: Kompetenznetz Darmerkrankungen, MedAustria) {lang: 'de'}
Nov 08
 Photo source: businessinsider.com
Testosteron gilt als das Männlichkeitshormon schlechthin – es steht für Aggression und Imponiergehabe, sorgt für die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale, fördert die Libido und steigert den Muskelaufbau. Ihm wird nachgesagt, dass es aggressiv macht sowie riskantes Verhalten und Imponiergehabe steigert. Doch nicht nur verfügen auch Frauen über dieses Geschlechtshormon (wenn auch in viel geringerem Maß), sondern nun deutet eine aktuelle Studie auch noch darauf hin, dass das Geschlechtshormon auch das Sozialverhalten fördert.
Wissenschaftler von der Universität Bonn konnten zusammen mit Kollegen der Maastricht University nämlich zeigen, dass das Geschlechtshormon auch soziales Verhalten fördert. In Spielsituationen erwies sich, dass Probanden nach Gabe von Testosteron deutlich seltener logen als Personen die nur ein Placebo erhielten. “Der Nachteil vieler Studien ist jedoch, dass sie lediglich den Testosteronspiegel der Probanden mit deren Verhalten vergleichen”, schildert Erstautor M. Wibral. Dieser Ansatz gebe aber lediglich statistische Zusammenhänge wieder und erlaube keine Einblicke in die Ursachen des Verhaltens. “Denn das Testosteron beeinflusst nicht nur das Verhalten, sondern das Verhalten umgekehrt auch den Hormonspiegel.” Die Wissenschaftler des CENS suchten deshalb nach einem experimentellen Ansatz, der auch Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung erlaubt.
Die Forscher gewannen insgesamt 91 gesunde Männer für ein Verhaltensexperiment. Von diesen Probanden wurden 46 mit Testosteron behandelt, indem das Hormon als Gel auf die Haut aufgetragen wurde. Endokrinologen des Bonner Universitätsklinikums überprüften am Tag danach, ob bei ihnen der Testosteronspiegel im Blut tatsächlich höher war als in der Placebogruppe. Die anderen 45 Testpersonen bekamen lediglich ein Placebo-Gel. “Weder die Probanden selbst, noch die durchführenden Wissenschaftler wussten, wer Testosteron bekommen hat und wer nicht”, berichtet Wibral. Damit sollten mögliche Einflüsse auf das Verhalten ausgeschlossen werden.
Dann folgten die Verhaltensexperimente: Die Testpersonen führten ein einfaches Würfelspiel in separaten Kabinen durch. Je höher die gewürfelte Augenzahl, desto größer war der Geldbetrag, den es als Belohnung gab. “Diese Versuche waren so konzipiert, dass die Probanden lügen konnten”, berichtet Weber. “Niemand bekam in den abgeschirmten Kabinen mit, ob sie tatsächlich die gewürfelte Zahl in den Computer eingaben – oder eine höhere, um mehr Geld zu bekommen.” Allerdings konnten die Wissenschaftler im Nachhinein feststellen, ob die verschiedenen Testpersonengruppen geschummelt hatten oder nicht. “Statistisch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit für alle Würfelzahlen von eins bis sechs gleich hoch”, erläutert der Neurowissenschaftler. “Wenn also bei diesen Zahlen ein Ausreißer nach oben vorkommt, ist dies ein klares Indiz, dass Probanden gelogen haben.”
Die Forscher verglichen die Ergebnisse der Testosterongruppe mit der Kontrollgruppe. “Dabei zeigte sich, dass die Probanden mit den höheren Testosteronwerten deutlich seltener logen als die unbehandelten Testpersonen”, berichten die Direktoren des CENS. “Dieses Ergebnis widerspricht klar dem sehr verkürzten und eindimensionalen Ansatz, dass Testosteron zu antisozialem Verhalten führt.” Das Hormon steigere wahrscheinlich den Stolz und das Bedürfnis, ein positives Selbstbild zu entwickeln. “Vor diesem Hintergrund reichten offenbar ein paar Euro als Anreiz nicht aus, das Selbstwertgefühl aufs Spiel zu setzen”, vermutet Falk.
Das Phänomen zu lügen ist mit großen Tabus behaftet. So verbietet etwa das achte Gebot im Christentum, “falsch Zeugnis” zu reden. “Lügen spielen jedoch auf geschäftlicher als auch privater Ebene eine wichtige Rolle”, sagt Falk. Häufig werde nicht nur aus Eigennutz gelogen, sondern auch, um einen anderen Menschen zu schützen oder zu begünstigen. In vielen Studien sei dieses Verhalten und seine ökonomischen Auswirkungen untersucht worden. “Es gibt allerdings nur sehr wenige Untersuchungen zu den biologischen Ursachen der Lüge”, sagt der Ökonom der Universität Bonn. “Hier sind wir nun mit unserer Studie einen großen Schritt vorangekommen.”
(Quellen und Textauszüge: Der Standard v. 11.10.2012; “Testosterone administration reduces lying in men” in: “PLoS ONE”, DOI: {lang: 'de'}
10.04.13
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