Warum überhaupt Beziehung?

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(V)
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Beitrag Sa., 25.04.2009, 18:23

Ging zwar nicht an mich die Frage, aber, wenn du, lieber w_s_ ein guter Kumpel in meinem Freundschaftskreis wärst, und etwas tust, was ich moralisch nicht tolerieren kann, OBWOHL's mich nicht selbst betrifft, so würde ich nach spätestens einer Ermahnung sämtliche Freundschaft abbrechen. Denn am Ende muss jeder sich selbst ins Auge schauen können, und passiv-schweigende "Kumpels" sind nicht selten Mittäter gegen ihren Willen.

Man kann's auch mit der Toleranz übertreiben. Zu viel davon führt zu Passivität oder Ignoranz und/oder Verwirrungen und Unsicherheiten. Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch einen freien Willen hätte... ähm... lasse wir das. Und hey, es muss ja kein christliches Kloster sein. Mit den Budhisten und Artverwandten komm ich ganz gut zurecht...*g*

Na ja, was meine persönliche Beziehungs-No-Go angeht, will ich nur ganz kurz darauf eingehen: Sicherlich habe ich AUCH nach dieser Trennung Verlustängste (das nochmal durchleben zu müssen), aber es wäre ziemlich vermessen zu behaupten, dass dies DER oder gar DER EINZIGE GRUND wäre. Ich hatte schon immer meine gehörige Portion Skepsis gegen das, was für gewöhnlich "Beziehung" genannt wird...

Gerade übrigens hast du ein Beispiel für dieser Verurteilung gebracht. Ich sage,ich will keine Beziehung... und - schwups - eine Interpretation inklusive Wertung deinerseits. Mit Augenzwinkern. Aber genau das meinen wir hier doch, oder? *g*

*Schmunzel* Wir könnte ja auch mal eine Liste zusammentragen, der klassischen Vorurteile, gegen die man als Nicht-Beziehungswünschender anzukämpfen hat?

- Es sei "NUR" die Angst vor emotionalen Verletzungen
- psychische oder physische Erkrankung (Viagra oder Anti-Depressiva helfen auch hier. *g*)
- noch zu unerfahren, keine Ahnung, weiß nicht, was er/sie verpasst
- unfähig sich emotional zu öffnen, Nähe zuzulassen
- Minderwertigkeitskomplexe: Angst es nicht wert zu sein, jemanden nicht halten zu können und es deswegen gar nicht erst versuchen

... Fortsetzung folgt...
Zuletzt geändert von (V) am Sa., 25.04.2009, 18:30, insgesamt 1-mal geändert.

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w_s_
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Beitrag Sa., 25.04.2009, 18:28

Nur Gothi, du warst jetzt tatsächlich nicht gefragt (sorry wenn ich das so offen sage).

Aber gut, lass uns spielen und drehen wir das mal um: angenommen, ich bin jetzt dein Kumpel und kann deine Fi**freundschaften gar nicht moralisch vertreten. Und ich sage dir das. Erste Ermahnung. Zweite Ermahnung. Dritte Ermahnung... und du vö***st noch immer lustig durch die Gegend. Dann soll ich also die Freundschaft zu dir abbrechen? Korrekt?

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(V)
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Beitrag Sa., 25.04.2009, 18:33

Ja, korrekt. Mit einer Einschränkung: Vermutlich würde dann gar keine Freundschaft erst entstehen. Aber falls doch, wäre das so korrekt für mich. Ich würde keine Freunde wollen, die mich nicht so akzeptieren, wie ich bin. Auch wenn sie es gut meinen und zwanghaft versuchen tolerant zu sein. Bringt ja nichts, wenn man sich für Freundschaft /Beziehung verbiegen muss. Und ja, aus dem Grunde habe ich schon sehr gute Freundschaften abgebrochen... (allerdings nicht wegen gewöhnlichen Fremdgehen, aber anderen moralischen Beziehungsverfehlungen)

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w_s_
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Beitrag Sa., 25.04.2009, 18:49

Nein meine Liebe, das war nicht die Frage. Die Frage war in dem Spiel, ob ich die bereits bestehende Freundschaft zu dir abbrechen soll, weil du was tust was mir moralisch nicht gefällt. Auch wenn sich da keiner verbiegt, sondern ich halt einfach diese Meinung habe und dir das auch sage. Und die Frage ist nicht, was du machst, sondern was du von mir erwarten würdest, dass ich in dieser Situation mache. Wohlgemerkt, ich bin in dem Experiment ein guter Kumpel von dir.

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(V)
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Beitrag Sa., 25.04.2009, 19:17

- Antwort in PM, weil zu OT -

Bei der Gelegenheit: Sorry für meine Überaktivität in diesem Thread, aber es ist genau das Thema, dass mich gestern und heute SEHR beschäftigt und mich von der "Arbeit" abhält.

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Meereszauber
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Beitrag Sa., 25.04.2009, 21:13

...ich schnappe mal das Wort "Moral" auf und frage (mich und in die Runde):

- Warum werden Beziehungen (jeglicher Art) moralisch beurteilt, was hat derjenige davon, der den moralischen Maßstab ansetzt?

Ich sage Euch, warum mir das gerade durch den Kopf geht:
meine Uroma, die mit im selben Haus lebte (sie wäre jetzt knapp 110 Jahre alt) war sagenhaft moralisch.
Als ich ihr im Teeniealter von meiner ersten Knutscherei erzählte, dachte ich, sie würde mich zum nächsten Exorzisten schleppen und mir eine Flasche Sagrotan zu Trinken geben .

Sie wimmerte, wie schlecht das sei und "pfui" und überhaupt.....

Ein Jahr später beging sie Selbstmord.
Vier Jahre später erfuhr ich, dass die alte Dame 9 Abtreibungen hatte (wie man das kurz nach der Jahrhundertwende mit den damaligen Methoden überlebt hat, sei mal dahingestellt). Die abgetriebenen Kinder waren aber nicht die Kinder ihres Ehemannes......


Warum hat meine Uroma über Beziehungen so leidenschaftlich moralisch geurteilt und verurteilt, war die Frage, die ich mir gestellt habe.
Und die Frage, die ich weitergebe:
warum moralisiert man (manchmal wirklich "leidenschaftlich") Beziehungen?

Ich selbst verurteile meine Urgroßmutter übrigens nicht, da ich keine Ahnung habe, wie ihre damalige "Gesamtsituation" war und ich mich -offen gesagt- auch etwas überfordert fühle, mich in ihre Lage zu versetzen.
Aber ich staune jetzt -20 Jahre nach dieser Offenbarung- immernoch.


Ich bin gespannt auf die Antworten, werde mir selbst auch noch Gedanken machen.
Herzliche Grüße
Meereszauber





Vergangenheit ist gegenwärtige Erinnerung.
Zukunft ist gegenwärtige Erwartung.
Gegenwart ist der Moment in dem die Vergangenheit in die Zukunft fließt.


Augustinus

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(V)
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Beitrag Sa., 25.04.2009, 22:41

Den Fall deiner Urgroßmutter finde ich eigentlich nicht ungewöhnlich: Purer Selbstschutz. Gerade wegen den strengen Moralvorstellungen ihrer Zeit sah sie sich gezwungen, so oft abzutreiben und sehr, sehr großen gesundheitlichen Risiken, wie vermute. Wie wird ihr da zumute gewesen sein? Und dann so oft? Und vor allem wie lebt man mit dieser "Schuld", die es in ihren Augen vermutlich wahr? Man lebt das, was man selbst eingeimpft bekam, was einen dazu trieb und hält krampfhaft daran fest... denn ansonsten würde man Schuld und Schmerz spüren, mit dem man nicht zurecht kommt. Also wird es nicht hinterfragt, und so weitergegeben, sonst müsste man ja "bei sich anfangen", und das wäre unerträglich.

Ansonsten kann ich zu der allgemeinen Frage nicht wirklich was sagen, weil ich entweder gar keine Moral habe oder komische Moralvorstellungen. Ich halte Moral für eine Erfindung der Evolution, nur dazu gedacht, das notwendige Zusammenleben zu erleichtern. Am Ende findet man dahinter immer "Doppelmoral" und "Egoismus" und "Willkür": Die moralische Latte wird immer so angelegt, wie es einem selbst am Besten dient. Dazu gehört sehr, sehr oft im Außen dass abzulehnen, was man selbst an sich nicht eingestehen möchte... ("Resonanz/Spiegelprinzip"). Wenn man einen anderen verurteilt, egal für was, dann hat es in aller Regel viel mehr mit einem Selbst zu tun. Trotzdem finde ich es okay, aber nur solange man sich dessen bewusst ist, bei sich bleibt und nicht übergriffig wird.

Hmm. Mal ein Beispiel zum Überthema, was mir eh schon den ganzen Tag im Kopf rumspukte. Im Zug setze sich ein offenbar sehr frisch-verliebtes Pärchen neben mich, und unterhielt sich natürlich auch laut. Ja, klar, frisch verliebt, die haben vermutlich von der Umgebung gar nichts mehr mitkriegt. Ich konnte das durchaus schön finden, obwohl ich gleichzeitig sage, dass ich es für mich nicht wollen würde. Ich persönlich würde mich mit einer Drogenabhängigen vergleichen, wenn ich einen Kerl so dermaßen anhimmeln würde... aber das gilt nur für mich selbst. Ist der Bezug zu mir. Trotzdem gönnte ich es den beiden, ohne es zu VER-urteilen, obwohl ich eben ganz andere Vorstellungen habe. Wäre ich die junge Frau gewesen, dann würde ich persönlich mir wünschen, dass mich eine gute Freundin zur Seite nimmt, mir links und recht eine Ohrfeige verpasst und mich fragt, ob ich spinne??! Aber ich hatte keinerlei Bedürfnis dies bei der jungen Frau zu tun, obwohl mir eher scherzhaft der Gedanke kam ihr ins Ohr zu flüstern: "LAUF SO SCHNELL DU KANNST!"

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Pitt
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Beitrag So., 26.04.2009, 16:18

Vielen Dank für Eure komplexen Gedanken.

Mein Problem ist wohl, dass ich nur eine Beziehung hatte, eine jahrzehntelange Ehe. Und dies als eine Form der Bindung empfand, die den Stellenwert und die Unauslöschlichkeit einer Blutsverwandschaft hatte.
Und ich empfinde durch die Trennung nun eben eine tiefgreifende "Entwurzelung".
Und bin eben allein.
Ja, - es geht bei Beziehung - auch - um Unterstützung.
Wenn ich morgen verunfallte, hätte ich nicht einmal jemanden, der mir den Kulturbeutel ins Krankenhaus nachbrächte. Als nächsten Angehörigen müßte ich da womöglich meine greise Mutter angeben. Das ist doch eine lächerliche Situation für einen 50-Jährigen.
Diese Trennung hat bei mir eben einen tiefstgreifenden Zweifel an die Existenz von Verbindlichkeit erzeugt.
Ich bin nun beziehungunfähig, da sich sich meine Nochgattin nach Jahrzehnten als beziehungsunfähig entpuppte.
Wie kann man sich da noch mal auf "wirkliche" Beziehung einlassen?
fragt sich
Pitt

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(V)
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Beitrag So., 26.04.2009, 16:42

Hallo Pitt,
jeder einzele Satz könnte von mir stammen. Wortwörtlich. Außer, dass ich eine Tochter habe und meine Eltern noch nicht greis sind, aber ich bin von ihnen mit meinen 32 abhängiger als selbst noch als Teenie. Auch ein altersentsprechendes "Armutszeugnis".

Du sprichst von der Unauslöschlichkeit einer Blutsverwandtschaft. Ja, genauso sah (und sehe?) auch ich es bei meinem Ex. Entwurzelung ist auch immer mein Thema. Du hast das sehr schön formuliert. Aber was soll man darauf antworten, vor allem wenn man selbst in gleicher Lage sitzt?

Ich hab mehr oder weniger immer noch das Problem, dass ich zwischen mehren Ansichten schwanke: Entweder es war die Unauslöschlichkeit einer Seelenverwandtschaft (wie ich es nenne) oder mein ganz bisheriges Leben war ein riesengroßer Irrtum. Denn das ist ja das Gemeine: Unauslöschlich heißt unauslöschlich. Wie soll man damit umgehen, dass das defakto Unauslöschliche ausgelöscht wurde? Und das auch noch von heute auf morgen ohne Erklärung? Man kann entweder weiterhin daran glauben, und dem oder der Ex unterstellen, dass sie eben völlig auf dem Holzweg kennen, leugnen, sich selbst leugnen, d.h. aber man bleibt im Herzen mehr oder weniger noch "besetzt". Man weiß einfach, man hat seinen "Seelenpartner" bereits gefunden, und zwar unabhängig, was jener sich zwischenzeitlich meint einbilden zu müssen; man vertraut weiterhin auf sich selbst. Oder aber erlebt eine "Entwurzelung" und "Idenitätskrise", wenn man mit aller Gewalt versucht, sich das, was nun mal so ist bzw. war, als großen Irrtum auszureden, nur um besser leben zu können.

Zurück zur eigentliche Frage: Weshalb Beziehung? Ich glaube, wenn man wirklich den oder die Richtige gefunden hatte, auch wenn es jetzt aus ist, erübrigt sich alles weitere suchen. Im Moment empfinde ich dies als große Erleichterung. Um gottes Willen, ich hege keinerlei Lust, - obwohl ich noch genug Lebensjahre zur Verfügung hätte - , relativ planlos rumzuexperimentieren: Da mal 2 Jahre Beziehung, da mal 3 Jahre, wieder ne Trennung, wieder ein Jahr Single, dann neuer Versuch mit wieder einem anderen, diesmal hält es 8 Monate und 4 Tage... und so weiter. Nein, wirklich, habe ich keine Lust darauf. Ich weiß wo mein Handtuch hängt. Ich habe mein Deckelchen gefunden, ich weiß wo ich hingehöre. Auch wenn es jetzt aus ist. Zum reinem Zweck - wie eben z.B. Sex oder Nähe etc. - werde ich sicherlich noch kurzzeitige "Beziehungen" eingehen, wenn man es denn so schimpfen kann. Um auf Sex zu verzichten, bin nun wirklich noch zu jung, so fern man überhaupt jemals darauf verzichten sollte.
Aber ich bin halt gleichzeitig - neben verständlichen Frust - sehr froh, - s.o.- nicht mehr suchen und experimentieren zu müssen. Leider verstehen es die wenigstens, zu selten kommt es vor, besonders heutzutage, dass man wirklich den/die Richtige relativ gleich zu Anfang findet. Und man muss sich rechtfertigen, niemanden glaubt einen, ja, bisweilen wird einem sogar psychische Krankheit unterstellt und so weiter. Und natürlich noch so Standardphrasen wie: "Wenn's gescheitert ist, dann war's eben nicht der/die Richtige, dann muss man weiter suchen." Ich halte das für ausgemachten Schwachsinn. Gerade je mehr man für einander geschaffen ist, um so schwierigere Aufgaben stellt man sich gemeinsam im Leben, und Ehen können auch trotz Liebe und richtiger Wahl scheitern!

Weißt du, emotional sollten wir uns vielleicht ein anderen Gruppe zuordnen, da würde man mehr Verständnis finden: Statt "Trennung" (welche ja heutzutage bagatellisiert und eben normal sind) eher unter Witwe und Witwer. Wäre deine Ex oder mein Ex verstorben, dann würde man unsere Gefühle als "normal" ansehen. Aber nach einer "gewöhnlichen Trennung" (pah!) scheint es unnormal zu sein, so zu fühlen. Ich hab schon ernsthaft mal drüber nachgedacht, dass es vielleicht wirklich im i-net sinnvoller wäre zu lügen und zu behaupten der Partner wäre verstorben, dann könnt ich wenigstens in Frieden (ohne Rechtfertigungsdruck) über meine Gefühle reden... aber bin wohl zu ehrlich dazu.

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Angela
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Beitrag So., 26.04.2009, 18:19

Gothika hat geschrieben: Weißt du, emotional sollten wir uns vielleicht ein anderen Gruppe zuordnen, da würde man mehr Verständnis finden: Statt "Trennung" (welche ja heutzutage bagatellisiert und eben normal sind) eher unter Witwe und Witwer. Wäre deine Ex oder mein Ex verstorben, dann würde man unsere Gefühle als "normal" ansehen. Aber nach einer "gewöhnlichen Trennung" (pah!) scheint es unnormal zu sein, so zu fühlen. Ich hab schon ernsthaft mal drüber nachgedacht, dass es vielleicht wirklich im i-net sinnvoller wäre zu lügen und zu behaupten der Partner wäre verstorben, dann könnt ich wenigstens in Frieden (ohne Rechtfertigungsdruck) über meine Gefühle reden... aber bin wohl zu ehrlich dazu.
Gothika, du hast ja so recht.

Ich empfinde es genau so. Meine innigen Beziehungen mit Partner hatten auch 1-2 mal ein Blutverwandschaftcharakter. Sogar wenn ich mich selbst getrennt hatte, blieben mir diese Menschen immer vertraut.
Besonders schmerzhaft wiederum ist es verlassen worden zu sein, wenn man sich so "verwandt" fühlte. Es ist tatsachlich jemand/etwas gestorben.
Eine Freundin hat ganze 5 Jahre ihr Leben kaum noch auf die Reihe bekommen, als ihr Mann wirklich plötzlich verstorben ist. Niemand hat ihr das vorgeworfen. Aber sie ist mittlerweile wieder seit Jahren glücklich mit einem anderen Mann (ihrer Teenagerliebe).
Der Unterschied ob einen jemand verlässt oder stirbt ist doch anders. Im ersten Fall wurde man zurück gewiesen, im zweiten Fall hadert man mit dem Schicksal.

Pitt,

aber auch die Blutsverwandschaft ist kein garant für funktionierende Beziehungen. Es gibt genug Eltern, Geschwister die ihr ganzes Leben lang kaum miteinander zu tun haben. Auch wenn es mal früher gut war. Es kommt halt darauf an, was vorgefallen ist. Weshalb man die Blutsverwandschaft als Bindung wieder auflöst. Blutsverwandschaft heisst auch für meinen Partner nicht, dass er mich bis aufs Blut reizen kann.
Am Ende sind diese trügerischen verwandschaftsähnlichen Beziehungen eher gefährlich, denn vieles wird dadurch auch selbstverständlich genommen, symbiotisch ausgelebt und damit eingeengt. Ein bisschen Fremdheit (Geheimnis, Abstand) ist wohl eher der Weg, das Interesse füreinander, den Respekt und die Liebe zu erhalten.

Lg
Angela

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Dunkle
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Beitrag So., 26.04.2009, 19:35

Pitt hat geschrieben:Wenn ich morgen verunfallte, hätte ich nicht einmal jemanden, der mir den Kulturbeutel ins Krankenhaus nachbrächte. Als nächsten Angehörigen müßte ich da womöglich meine greise Mutter angeben. Das ist doch eine lächerliche Situation für einen 50-Jährigen.
Das hat mich jetzt eine Weile beschäftigt, nachdem ich es gelesen habe.

Die Kränkung sitzt tief- das Traurige wird als "lächerlich" empfunden.

Aber - mal ganz praktisch:
Auch wenn man keinen aktuellen Sexual-, Lebens-, Liebespartner hat, so etwas wie "Kümmern" im Krankheitsfall, jemanden, den man auch in seine gerade nicht aufgeräumte Wohnung lassen kann, um einem was ins Krankenhaus nachzubringen, darum habe ich, als ich noch verheiratet war, auch lieber eine Freundin gebeten, weil der Herr Gemahl damit so schnell überfordert war ...
Pitt hat geschrieben:Mein Problem ist wohl, dass ich nur eine Beziehung hatte, eine jahrzehntelange Ehe.
Hat denn diese jahrzehntelange Ehe Deine Fähigkeit ausgelöscht, andere Bindungen, freundschaftliche Beziehungen einzugehen? Jaja, ich weiß, Männer und Freunde - aber gerade das, Freunde zu haben, die um einen wissen und im Notfall einspringen, ist in Zeiten, in denen man ohne engen Partner ist, so viel wert!! Ich stelle sogar die These auf, dass ich die Beziehung zu meinen Freunden in manchen Dingen mindestens gleichwertig zu einer Parnterbeziehung sehen würde. Nur das Eine: Die Ausschließlichkeit und die körperliche Beziehung, die geben einem Freunde nicht.

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Pitt
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Beitrag Mo., 27.04.2009, 08:34

Angela hat geschrieben: Es kommt halt darauf an, was vorgefallen ist.
Es war nichts "vorgefallen". Ich war treu, arbeitete viel und fleissig, und begehrte meine Gattin. O.k., aus Hausarbeits- und Kindererziehungshilfe habe ich mich mitunter vielleicht etwas herausgewunden. Und vielleicht bin ich bei (seltenen) Meinungsverschiedenheiten recht eloquent und argumentiere (mit ruhigen, besonnenen Worten) tot.
Von Seiten meiner Gattin war es eine kalkulierte "Bilanztrennung".
Ich bin halt abgeliebt und werde nun abgezockt, also nichts Ungewöhnliches, sondern es war halt die ganz übliche (in der Regel von der Frau ausgehende) Trennung nach der Kinderaufzuchtsphase.
Also alles ganz normal und ohne besondere Vorkommnisse.
Lg
Pitt

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Pitt
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Beitrag Mo., 27.04.2009, 08:37

Dunkle hat geschrieben: Jaja, ich weiß, Männer und Freunde - aber gerade das, Freunde zu haben, die um einen wissen und im Notfall einspringen, ist in Zeiten, in denen man ohne engen Partner ist, so viel wert!!
Ich habe keinerlei Freundschaft, die so eng ist, dass ich meinen Haustürschlüssel anvertraue.
Warum das so ist, weiss ich nicht...
Lg
Pitt

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Schneekugel
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Beitrag Mo., 27.04.2009, 09:42

Ich hoffe mal ich krieg jetzt nicht die Rolle der gefühlslastigen Schmalzbombe, aber teilweise wurde mir gerade am Anfang des Threads einfach zu logisch argumentiert. Klar kann man allen Argumenten folgen, aber da ist halt doch auch mal eine Spur Neandertaler?/sozial abhängiges Wesen?/von Gott erfüllte Seele? - keine Ahnung was, einfach etwas in uns das wir nicht generell logisch manipulieren können. Und diesen unlogischen Teil muss man genauso an sich akzeptieren: Wenn ich jetzt etwas an mir habe, dass zwar unlogisch ist aber dennoch in der Lage mich glücklich oder unglücklich zu machen, dann muss ich es eben akzeptieren und versuchen die Dinge so einzurichten, dass eher der "glücklich machen" Fall eintritt.

Diese Instinkte sind auch ein guter Teil unseres Wesens und sollten nicht unbeachtet bleiben. Wenn man darüber schreibt, dass die Liebesehe erst ein Produkt der Neuzeit ist sollte man bedenken, dass finanzielle Sicherheit vor 800 Jahren durchaus ein Aspekt war der ebenfalls Emotionen bzw. Liebe hervorrufen konnte. Wir sind doch heute auch nicht anders, egal ob männlich oder weiblich, in wen wir uns verlieben hängt davon ab ob unser Unterbewusstsein der Meinung ist, derjenige wäre ein Partner mit dem ein "fruchtbares" Leben möglich ist.

Durch die Partnerschaft meiner Eltern eher negativ an das Thema herangeführt, hatte ich die Partnerschaft früher auch immer rein logisch betrachtet, ich bin finanziell unabhängig usw... rein logisch gabs und gibts für mich keine Gründe mich einer festen Beziehung zu "unterwerfen" mit all ihren Kompliziertheiten. Soll nicht heissen, ich hätte mich nicht verliebt oder Partnerschaften gehabt aber vor etwas wie einer dauerhaften Partnerschaft inklusive aller Verpflichtungen hat mir halt gegraut und auch reinlogisch gabs und gibts keinen Grund dazu. Aus der lockeren Versuchsbeziehung ist dennoch eine feste Bindung geworden, das ändert nichts daran, dass ich rein logisch nachvollziehbar immer noch keine Vorteil aus der Sache ziehe. Aber wenn ich mich selbst analytisch betrachte muss ich halt sowohl Kopf und auch Körper nehmen und kann die beiden nicht teilen und irgendein kleines Neandertalergen ist ganz unlogisch einfach glücklich in der Partnerschaft. Ohne finanziellen Nutzen, Kinderzwang usw... Nicht dieses "Oh mein Gott, ohne dich sterbe ich!" - glücklich, aber einfach so ein Eck glücklicher, als sitzt man im Garten, liest ein Buch und plötzlich kommt die Sonne raus.

Und von daher sag ich mal "deswegen Beziehung", weil es kleine glückliche Menschen einfach noch glücklicher macht. Warum sollte ich mein eigenes Glück reduzieren wollen, nur weil es logisch ist? Skifahren ist auch unlogisch, ich zahl ne Menge Geld um einen Berg hinaufgeeiert zu werden um diesen Erfolg zunichte zu machen in dem ich wieder runterfahre. Macht trotzdem Spaß, warum sollte man damit aufhören nur weils unlogisch ist?

@Pitt Natürlich ist es sehr schade, dass bei vielen Paaren nach dem Kinder grossziehen eine Kluft entstanden ist. Gesellschaftliches muss ist es definitiv nicht, es gibt gegenüberstellend auch viele Paare die danach die zurückgewonnene Freizeit zu zweit geniessen. Wie, wo, was, warum in eurer Beziehung geht nur euch beide an und will ich mich auch gar nicht einmischen.

Ich verstehe aber nicht die Wut aufgrund der Trennung. Einfach mal aus deiner Sicht, sie mal ganz ausser Acht lassend: Denkst du denn wirklich du würdest jetzt in diesem Moment glücklicher sein, wenn du weiterhin mit einer Frau zusammen wärst die für dich keinerlei Gefühle empfindet? Statt dessen liest man vor dir Threads in denen es darum geht, dass du auf Frauen zugehst, mit ihnen verabredest usw...

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass eine Verabredung mit einer Frau die dir etwas bedeutet und der du etwas bedeutest wirklich weniger erfüllend sein soll als abends gemeinsam vor dem Fernseher mit der Ex-Frau zu sitzen und Tag 80.563 der Daily Soap "Tun wir mal so als gingen wir uns nicht am Arsch vorbei." zu drehen. Wärs dir wirklich lieber gewesen, bis an den Rest deines Lebens eine Beziehung mit einer geschauspielerten Rolle zu haben und dafür auf die Freiheit zu verzichten erneut glücklich zu werden?

Falls es zu sülzig ist einfach sagen. ^^

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Beitrag Mo., 27.04.2009, 14:22

Und von daher sag ich mal "deswegen Beziehung", weil es kleine glückliche Menschen einfach noch glücklicher macht
Dazu habe ich heute etwas interesantes und (für mich) einleuchtendes gelesen:
Für den Mensch (sprich: Gehirn, Psyche etc.) ist das wichtigste im täglichen Überlebenskampf zu überleben. Evolution. Deswegen sind wir alle so gestrickt, dass Schmerz-Vermeidung die höhere Priorität hat über dem Maximieren von Vergnügen. Ersteres ist der höhergeordnete "Instink", wenn man es so sagen möchte. Bewertet wird die Situation vom limbischen System. Herrschen negative Erfahrungen vor, wird die ganze Sache schon mal per se nicht so wirklich an den Neocortex (Großhirn) weitergeleitet. Bei positiven Erfahrungen ja, dann ist man auch "entspannt" genug um sich zu überlegen, wie man man positives noch positiver macht.

Das würde konrekt bedeuten: Ist erst mal die Schmerz-Vermeidungs-Maschinerie angeworfen, sind die Gedanken, die uns an das Positive der Irrationale Liebe/Beziehung erinnern, mehr oder weniger per se blockiert. Erst wenn dieser Urstinkt ruht, kann man drüber nachdenken, wie man sich das Leben zum Vergnügen erleichtert.

Fernerhin hat dieses limbische System Angst vor allem neuen. Ihm ist egal ob wir gut oder schlecht überlebt haben, wir haben in einer Situation (hier: Die langjährige Ehe) überlebt, egal wie effizient, das heißt, die Strategie war erfolgreich. Plötzliche neue Strategien hingegen bergen immer ein Risiko. Da hat sich Mutter Natur schon was dabei gedacht. Klar, haben wir zum Glück auch noch die anderen Bereiche des sog. logischen Denkens, so dass wir unseren Instinkten nicht hilflos ausgeliefert sind. Aber - siehe oben - müssen dazu die Impulse erst mal an die Logik-Zentren richtig weitergeleitet werden, was im Falle negativer Erfahrungen anscheinend nicht so richtig funktioniert. Da zählt dann nur noch "FIGHT OR FLIGHT".

In diesem Fall hier hieße es FLIGHT wohl so viel: "Och nö, ich moag keine Beziehungen mehr."

Bevor hier aber jemand wieder auf den Unsinn kommt, dass alle, die keine feste Beziehung wollen, nur Angst hätten... so war das nicht gemeint. Angst kann auch sehr berechtigt sein. Meine auch nicht die Angst vor Nähe, aber jeder muss selbst wissen wie beziehungsfähig und -bedürftigt er ist oder eben nicht, und folglich entsprechend abwägen. Wenn man zu dem logischen Schluss kommt, dass es hinten und vorne nichts bringt und nur schief gehen kann, kann dies durchaus berechtigt sein.

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