Selbstwertprobleme: Grund für Therapie?

Hier können Sie Ihre Fragen rund um die Rahmenbedingungen von Psychotherapie (Methoden, Ablauf usw.) anbringen.
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gelb-orange
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Selbstwertprobleme: Grund für Therapie?

Beitrag Fr., 25.04.2008, 15:28

Hallo!
Ich lese hier schon etwas länger im Forum und finde es wirklich hilfreich, dass es so etwas gibt...und habe mich deshalb nun auch mal angemeldet.
Jetzt habe ich gleich eine Frage (und hoffe, ich bin damit hier richtig):

Ich habe irgendwie ein Problem mit mir selbst bzw. ich habe kaum Selbstvertrauen, Minderwertigkeitsgefühle usw. . Ich denke, dass ich allen Menschen nur auf den Geist gehe, dass so gut wie alle Menschen mich irgendwann ablehnen, spätestens wenn sich mich erstmal kennen, dass man mich nicht lieben kann. Ich habe nichts an mir, was man mögen könnte oder sogar lieben könnte. Ich denke immer, dass ich weniger wert bin, als andere Menschen und dass ich sowie so nicht an sie heran komme, sie nicht von mir überzeugen kann, sie langweile und störe. Ich vertraue auch niemandem so richtig, ich weiß nicht warum, ich erwarte immer, dass etwas Negatives passieren kann, mich jemand von jetzt auf gleich nicht mehr mag - oder mich sowieso nie gemocht hat.
Ich traue mir auch nichts zu. Ich habe ständig das Gefühl, Dinge nicht zu schaffen und ihnen nicht gewachsen zu sein, dass ich einfach nichts kann, keine Stärken habe.
Ich trete auch nicht wirklich sicher auf, also ich denke, andere merken schon, was ich über mich selbst denke und dafür hasse ich mich, ich will nicht so sein, ich wäre so gerne selbstbewusst und... ANDERS.

Ich habe gemerkt, dass das nicht von irgendwelchen Stimmungen abhängt, sondern dass das meine normale Grundeinstellung ist. Es ist für mich ein "normaler" Gedanke, dass ich nicht liebens-wert bin, und dass keiner mich mag, also ich meine...das denke ich auch, wenns mir "gut" geht. Trotzdem merke ich mit der Zeit, dass es mir im Weg steht, ich werde immer unglücklicher damit. Weil ich mich einsam fühle und keine engen Freunde habe, weil ich mir Kleinigkeiten im Alltag nicht zutraue und ständig Angst vor etwas habe, vor allem Situationen mit anderen Leuten machen mich unsicher und nervös, weil ich keine Entscheidungen treffen kann und ständig traurig bin, dass nichts so richtig läuft, wie ich mir das wünschen würde.

Aber meine Frage ist: Ist das allein Grund "genug", eine Therapie zu machen?
Kann man auch alleine schaffen, sich zu ändern?
Ich würde das gerne ändern, aber würde mich nicht trauen, zu einem Therapeuten damit zu gehen. Ich weiß, das klingt blöd, aber ich habe gar keine großen Probleme, von denen ich erzählen könnte. Ich kann mir auch nicht erklären, warum das so ist, also es gibt für mich keinen "Auslöser", wenn man so will. Es geht anderen viel schlechter und ich hab das Gefühl, ich stelle mich vielleicht nur an und bin zu empfindlich?
Man bekommt (jedenfalls hier) eine Therapie doch auch nur von der Krankenkasse bezahlt, wenn eine.."Diagnose" da ist, also wenn etwas "krankhaft" ist..fällt denn darunter auch "zu wenig Selbstbewusstsein"? Bezahlen kann ich das nicht..
Ich hab auch Angst davor, dass ich das Gefühl habe, abgelehnt zu werden, bzw. zu stören, denn das habe ich bei jedem Menschen, ich kann ja gar nicht richtig vertrauen. Ich weiß nicht, wie ich das abstellen soll...
Ich frage mich: "Darf" ich das überhaupt? Mir das Recht rausnehmen, jemanden mit meinen Kleinigkeiten zu belästigen? Ich habe immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich das tue.

Danke fürs Lesen!

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julia xyz
Helferlein
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Beiträge: 32

Beitrag Fr., 25.04.2008, 19:59

Hallo gelb-orange,
die Frage, ob die Probleme Grund genug für eine Therapie sind habe ich mir auch oft gestellt. Aber es handelt sich für dich ja offensichtlich nicht um "Kleinigkeiten", sondern dein Problem belastet dich und schränkt dich ein.
Eine Verhaltenstherapie kann man zum Beispiel machen, wenn man unter Depressionen, Angst oder Panik, mangelndem Selbstvertrauen oder fehlender Selbstsicherheit, Stress, einer Sucht oder Beziehungsproblemen leidet.
Ich denke du brauchst dir keine Sorgen zu machen dort abgelehnt zu werden, schließlich gibt es viele Leute denen es so geht wie dir und die deshalb eine Therapie machen.
Vielleicht hilft es dir ja auch erstmal ein Selbsthilfebuch zu lesen (musst du mal bei Amazon.de oder google suchen, da gibt es einige).
Auf jeden Fall solltest du dich selbst so wichtig nehmen, dir das zu gönnen was dir hilft und was du für richtig hälst, um etwas zu ändern.
Liebe Grüße und alles Gute

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Gärtnerin
[nicht mehr wegzudenken]
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weiblich/female, 41
Beiträge: 1162

Beitrag Fr., 25.04.2008, 20:30

Hallo gelb-orange!

Du leidest unter deinen Selbstwertproblemen - das ist Grund genug für eine Therapie. Du hast den Willen, etwas zu ändern - das ist die allerbeste Voraussetzung dafür, dass eine Therapie erfolgreich sein wird. Wenn du der Meinung bist, dass eine Therapie dir helfen kann, dann mach eine!

Es stimmt, die Krankenkassen zahlen nur, wenn der Therapeut dir eine Störung mit "Krankheitswert" bescheinigt. Aber dafür muss dich der Therapeut ja erst kennenlernen. Deswegen gibt es die sogenannten Probesitzungen: Die ersten 5 (bei Psychoanalyse sind es 8) Sitzungen übernimmt die Krankenkasse automatisch. Danach stellt der Therapeut eine Diagnose und beantragt bei der Kasse die Kostenübernahme für eine Therapie. Keine Angst, du musst nicht erst kurz vor dem Suizid stehen, damit die Kasse zahlt! Bei dem, was du über deine Schwierigkeiten geschrieben hast, bin ich überzeugt, dass du eine Therapie bekommen wirst. Zum genauen Ablauf hier noch ein Link: http://www.psychotherapiesuche.de/ErsteSchritte.htm

Ich wünsche dir viel Glück!

Die Gärtnerin
Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe.

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