Darf man Schuld bei den Eltern suchen?

Alle Themen, die in keines der Partnerschafts-Foren passen, bei denen es aber in weitestem Sinne um Beziehungen, soziale Kontakte usw. geht, Adoption, Pflege usw.
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Lumpi
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Beitrag So., 05.09.2010, 17:21

Rene1985 hat geschrieben:wenn einem die eltern nichts gutes tun, muss man auch nicht dankbar sein. zum elternsein gehört wohl weitaus mehr.
ja, rene, das sagst du als gebildeter junger mann.
meine eltern wollten nur das beste für mich.
sie wurden selbst als kinder von ihren eltern und sogar in der schule vom pfarrer geschlagen.
warum sollte das in ihren augen falsch sein?

lg, lumpi

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beissknut
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Beitrag So., 05.09.2010, 17:55

Lumpi hat geschrieben:meine eltern wollten nur das beste für mich. sie wurden selbst als kinder von ihren eltern und sogar in der schule vom pfarrer geschlagen. warum sollte das in ihren augen falsch sein?
Ein bisschen Selbstkritik und Hinterfragen, was sie da überhaupt machen, sowie mit ihren eigenen Erfahrungen in der Vergangenheit vergleichen und sie wären von selbst draufgekommen. Festgefahrene Verhaltensweisen oder "Traditionen" ohne Hand und Fuss sind keine Rechtfertigung für so eine Handlungsweise. Hat es ihnen früher selbst so großen Spass gemacht verprügelt zu werden? So sehr dass sie es unbedingt weitergeben mussten an ihre eigenen Kinder, ohne darüber nachzudenken ob es noch eine andere Methode der Erziehung gäbe?
Kenne das Verprügeln nämlich auch, und dann hab ich später die Frage gestellt an meine Eltern ob es denen Freude gemacht hat selbst verprügelt zu werden und als Rechtfertigung kam tatsächlich: "nein, aber das war halt so Tradition". Das war die Begründung für alles... kein Witz. Der Punkt ist sie haben gesagt schon mal "nein", aber trotzdem weitergemacht wie bisher. Und nicht nur dort, auch im sozialen Bereich (nehmen wir z.B. die ganz banale Ausgehzeit für Jugendliche) wurden alle Einschränkungen genauso übernommen mit der Begründung "zu unserer Zeit war das nicht so" - und deswegen durfte es nachher auch bei ihren Kindern nicht anders sein. Dabei haben sie sich sogar noch den staatlichen Gesetzen widersetzt ohne wissen (z.B. offizielle Ausgehzeit für Jugendliche), weil es hat sie schlichtweg nicht interessiert. Rechte und Bedürfnisse von den eigenen Kindern waren nicht im Interesse der Eltern, stattdessen versuchten sie eine völlig starres und krankes Konzept an einem Kind hochzuziehen. Einfach nur ignorant, weltfremd und verantwortungslos. Und dann sich wundern, wenn die Kinder es irgendwann nicht mehr packen und in Therapie gehen müssen...

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Lumpi
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Beitrag So., 05.09.2010, 18:07

hallo beissknut,

nicht alle kinder gehen in therapie.
ein verwandter und ein bekannter von mir erzählten voller stolz, dass sie auch geschlagen wurden und sie keinen schaden davon getragen hätten.
wer weiß das schon.

wie auch immer. viele schlagende eltern argumentieren ähnlich. wer geschlagen wird und es unangenehm findet, wird ebenfalls eher schlagen.
so gab es eine studie hier als artikel. geschlagene kinder verhalten sich aggressiver als nicht geschlagene kinder.

lg, lumpi

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EKS
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Beitrag So., 05.09.2010, 19:22

Lumpi hat geschrieben:hallo beissknut,

nicht alle kinder gehen in therapie.
ein verwandter und ein bekannter von mir erzählten voller stolz, dass sie auch geschlagen wurden und sie keinen schaden davon getragen hätten.
wer weiß das schon.

wie auch immer. viele schlagende eltern argumentieren ähnlich. wer geschlagen wird und es unangenehm findet, wird ebenfalls eher schlagen.
so gab es eine studie hier als artikel. geschlagene kinder verhalten sich aggressiver als nicht geschlagene kinder.

lg, lumpi
Verurteilst du jetzt die, die unter egomanen Eltern zu leiden haben?

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chandelle
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Beitrag So., 05.09.2010, 20:37

beissknut hat geschrieben:@chandelle: du kannst die Situation offenbar nicht nachvollziehen, weil du vielleicht unter anderen (normaleren ?) Umständen aufgewachsen bist. Das sind Probleme, die einem noch jahrelang verfolgen. Wenn du schon von "unfair" redest:
Du bist ein erwachsener Mann und bist doch hoffentlich in der Lage Deine Finanzen allein in den Griff zu bekommen? Keiner muß bei Mama und Papa unterschlüpfen.
Rene1985 hat geschrieben:lumpi und chandelle, lasst mal am nachmittag den alkohol weg.
Man soll niemals von sich selbst auf andere schließen.

chandelle

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Schneekugel
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Beitrag So., 05.09.2010, 20:51

Chandelle, ich glaube du kannst auch nicht bestreiten, dass in den ersten Jahren ein Kind von seinen Eltern abhängig ist. Jetzt stell dir vor diese ersten Lebensjahre werden von den Eltern genutzt, das Kind krank zu machen, abhängig zu machen, unselbstständig zu machen, jede Eigeninitiative zu nehmen und ihm einzureden es wäre ungenügend, unfähig, und nicht lebensfähig ohne seine Eltern. Dazu isolierst du es nach Möglichkeit durch die Vorgabe einer falschen Realität um dem Kind auch ja keine Möglichkeit zu geben, von aussen "böse" beeinflusst zu werden.

Es ist schön, dass du in einem Elternhaus groß werden durftest, dass dir erlaubt hat nicht nachvollziehen zu können, dass einem Menschen so etwas wirklich passieren kann. Aber Nein, die meisten Menschen denen 16 Jahre lang eingeredet wurde, dass sie unfähiger Dreck sind denken sich dann mit 17: "Aber Hallo! Jetzt komme ich und rocke die Welt! Ich bin ja schließlich voller Selbstvertrauen das ich von heute auf morgen vom liebem Gott beschenkt bekommen habe, also auf gehts Tschakka - hier komme ich."

Meine Mutter ist inzwischen 60 und lässt sich immer noch von meinem Vater einreden und verunsichern, das sie alleine nicht lebensfähig wäre, weswegen sie immer noch mit ihm zusammen lebt. Sie leidet und lässt sich terrorisieren, aber sie findet nicht den Mut den Schlussstrich zu ziehen, da er sie jahrelang isoliert hat, sie aktuell nicht mal in der Lage ist sich alleine eine Fahrkarte zu kaufen ohne sich überfordert zu fühlen, nicht wirklich traut um Hilfe zu fragen, weil er ihr eingeredet hat unwert zu sein und andere Leute nur zu belästigen usw...

Darüber Witze zu machen finde ich ehrlich geschmackslos. Wenn es dich stört, dass es Leute gibt die nicht zu 100% logisch und gesund agieren, dann finde ich es unpassend sich in einem Forum für Psychotherapie rumzulaufen. Rennst du auch in ein Forum für Lungenkranke und veräppelst die Leute damit, dass Gesunde Menschen doch wohl problemlos in der Lage sein sollten auf den Semmering raufzuwandern?

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beissknut
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Beitrag So., 05.09.2010, 20:55

@chandelle:
Glaub mir, wenn ich das notwendige Selbstbewusstsein und Vertrauen von meinem Elternhaus mitgekriegt hätte, wäre es anders gelaufen. Und wenn ich nochmal die Wahl hätte, würde ich mich seit der Kindheit für einen anderen Lebensweg entscheiden. Aber du kannst dir das ja nicht vorstellen was in manchen "Familien" abgeht und was da ausgelöst wird.

Allerdings wenn du nicht fähig bist, denn Sinn des Themas zu erfassen - was offensichtlich immer noch der Fall ist wie aus deinem weiteren Post zu schliessen ist - dann halte dich raus aus dem Thema. Deine Beiträge mit irgendwelchen dazwischengeworfene Floskeln sind überflüssig wie ein Kropf.

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chandelle
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Beitrag So., 05.09.2010, 21:05

Hallo Schneekugel!

Ehrlich gesagt, weiß ich jetzt nicht was Du mir sagen willst? Was soll ich dazu nun sagen? Mir ist das ja auch alles passiert. Kann man ja auch nachlesen, wen es interessiert. ABER man kann ja umlernen, sicher nicht alles, aber doch recht viel. Sein Schicksal dauerhaft bejammern bringt einen nicht aus diesen Mechanismen raus. Das bedeutet an sich harte Arbeit.
Schneekugel hat geschrieben: Es ist schön, dass du in einem Elternhaus groß werden durftest, dass dir erlaubt hat nicht nachvollziehen zu können, dass einem Menschen so etwas wirklich passieren kann.
Was denn passieren? Kannst Du das konkretisieren?
Jetzt komme ich und rocke die Welt!
Na ich hab schon die Welt gerockt damals. Vielleicht vergessen hier viele den eigenen Persönlichkeitsanteil? Den gibt es ja auch noch um sich gegen Widrigkeiten anders zu entwickeln.
Darüber Witze zu machen finde ich ehrlich geschmackslos.
Ein Witz war es sicher nicht, ich meine das ganz ernst. Das heißt ja auch eigenverantwortlich handeln. Wenn ER hier nicht will, finde ich es dennoch unfair sich zu beklagen.
Rennst du auch in ein Forum für Lungenkranke und veräppelst die Leute damit, dass Gesunde Menschen doch wohl problemlos in der Lage sein sollten auf den Semmering raufzuwandern?
Ist das jetzt eine Fangfrage?

Was ist los Schneekugel? Du kennst doch mein Schicksal ebenso wenig und es war ebenso schlimm wie das der anderen hier- ja, ich habe eine logische Strategie im Kopf, in den Gefühlen ist es wirr- so ist das nun mal. Ist es nicht auch sinnvoll logisch Unterstützung aus Situationen raus zu leisten? Oder hälst Du das nicht für sinnvoll?

chandelle

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Schneekugel
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Beitrag So., 05.09.2010, 21:23

Sorry, ich war mir nicht bewusst, dass dein Vorwurf eigentlich der ist nicht du zu sein. Wie kann man nur wagen, ein anderer Mensch zu sein, tstststs...sowas böses aber auch. Ich bin dafür sämtliche Frauenhäuser und Beratungsstellen für Missbrauchsopfer zu schliessen, den irgendwo auf der Welt gibts sicher eine Person die es geschafft hat ohne Hilfe mit ihrem prügelndem Ehemann klar zu kommen. Damit haben das alle anderen weltweit auch zu tun. Nebenbei habe ich ich in 30 Jahren noch nie einen Kardiologen gebraucht. Das beweist doch eindeutig, das man damit auch alleine klar kommen kann. Schafft Kardiologen ab. Leute die die brauchen sind nämlich einfach nur zu faul etwas Eigeninitiative zu zeigen und sich selbst zu behandeln... ^^

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Rezna
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Beitrag So., 05.09.2010, 21:28

Lumpi hat geschrieben: ein verwandter und ein bekannter von mir erzählten voller stolz, dass sie auch geschlagen wurden und sie keinen schaden davon getragen hätten.
Ja. Sowas habe ich auch schon gehört. Manche Menschen aber haben so einen Schaden davon getragen, dass sie den Schaden selber nicht merken - er ist ihre Normalität. Bemerkbar wird er dann gerne im Umgang mit anderen Menschen. Fehlende Empqathie, fehlendes Mitgefühl, eine kalte Härte und kein Verständnis für Schwäche. Ihrer eigenen Verletztheit gegenüber blind zu sein, macht sie zu klatherzigen Mitmenschen. Sie DÜRFEN die Schwäche, Verletztheit, Wunden anderer nicht akzeptieren oder anerkennen, weil sie damit ihre eigenen Schäden wahr nehmen müssten, leiden würden, schwach wären. Sie überbetonen Eigenverantwortlichkeit und sind dabei grob zu anderen Menschen - die dann wiederum nur selber schuld sind, verletzt zu reagieren, soe sollten sich doch auch einfach eine Panzerhaut zulegen oder ihr Herz zementieren hinter eine dicke Wand an Zynismus, Sarkasmus und Empathielosigkeit.

Ich habe noch keinen emphatischen, mitfühlenden und warmherzigen Menschen erlebt, der behauptet hätte, andere Menschen brutal zu behandeln würde nicht schaden. Das schließt sich einfach aus.

Dass solcherarg gebrochen, geschädigte Menschen, die aus Überlebensinstikt heraus über (ihre eigene und dann andere) Leichen gehen selber burtal werden, überrascht da nicht - ist ja logisch. Heilung davon, diese Unmenschlichkeit NICHT weiterzugeben, ist möglich, wenn ein Gefühl für die eigene Schädigung eintritt. Wer die eigene Verwundbarkeit annehmen kann, kann auch die Verwundbarkeit anderer eher respektieren.
»Nimm niemals Böswilligkeit an, wenn Dummheit hinreichend ist.« [Hanlon's Razor]
»Wir sind lieber die Bösen als die Dummen.« [Richard David Precht]

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chandelle
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Beitrag So., 05.09.2010, 21:31

Arta hat geschrieben: Manche Menschen aber haben so einen Schaden davon getragen, dass sie den Schaden selber nicht merken - er ist ihre Normalität.
Da ist was Wahres dran. Warum merken sie es nicht?

chandelle

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Rezna
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Beitrag So., 05.09.2010, 21:32

chandelle hat geschrieben:
Arta hat geschrieben: Manche Menschen aber haben so einen Schaden davon getragen, dass sie den Schaden selber nicht merken - er ist ihre Normalität.
Da ist was Wahres dran. Warum merken sie es nicht?

chandelle

Das meine ich lang und ausführlich beschrieben zu haben.
»Nimm niemals Böswilligkeit an, wenn Dummheit hinreichend ist.« [Hanlon's Razor]
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EKS
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Beitrag So., 05.09.2010, 21:41

Man ist nun mal auch trotzdem irgendwo von den Eltern emotional und finanziell abhängig. Auch wenn man in der Ausbildung und im Studium z.B. ist. Es gibt zwar auch Studis und Azubis, die es ohne Elternhilfe schaffen, aber bei denen läuft das auch nicht unbedingt sooo rund. Viele brauchen verdammt lange fürs Studium etc. Ich denke, dass es von der Warte aus betrachtet, dass ich somit mein Studium schnell abschließe, nicht unbedingt verkehrt war, dass ich bis 24 bei meinen Eltern gewohnt habe. Jetzt bei den Auslandsaufenthalten und in der Stex-Phase lebe ich nicht mehr bei ihnen. Das ist klar. Und ich werde dort auch nicht wieder einziehen. Genausowenig wie bei meiner Oma.

Trotzdem finde ich es nicht i.O., die ganzen Lebenskonzepte und Biographien der Leute sooo in Frage und an den Pranger zu stellen. Ich wäre mit 20 nicht in der Lage gewesen, bei meinen Eltern auszuziehen. Bin ich ganz ehrlich.

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chandelle
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Beitrag So., 05.09.2010, 21:44

EKS hat geschrieben:Man ist nun mal auch trotzdem irgendwo von den Eltern ... finanziell abhängig.
Das ist nicht ganz korrekt.

chandelle

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EKS
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Beitrag So., 05.09.2010, 21:59

Na ja, als Kind und Jugendliche aber schon...

Danach haben die Eltern bei der Ausbildung ja trotzdem noch eine Unterhaltspflicht, wenn man z.B. kein BAföG bekommt oder das Ausbildungsgeld nicht reicht.

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