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  Fast Forward
Sa., 25.02.2012, 00:28 
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Hallo liebe Community,

Ich möchte Titus' Thread über Phantasien und Illusionen zum Anlass nehmen, mir an dieser Stelle Rat zu holen, wie ich vorgehen soll.
Vorab: ich hoffe, es wird nicht zu konfus, aber es fällt mir selbst sehr schwer, meine Gedanken und Gefühle zu ordnen.

Als ich mich hier angemeldet habe, wurde ich erstmals mit heftiger Übertragungsliebe konfrontiert, sowie dem Umstand dass ich über Dritte viel Persönliches über meinen Thera erfahren habe. Das ist jetzt einige Monate her, mittlerweile haben wir auch darüber gesprochen, er weiß um meine Gefühle und hat es auch sehr gut aufgenommen. Allerdings haben wir seit 2 Monaten nicht mehr davon gesprochen, obwohl er sagte, er würde es regelmäßig ansprechen. Gut möglich, dass ich ihm den Eindruck vermittle, es wäre nicht nötig.

Tatsächlich ist es so, dass meine Gefühle in Schüben kommen. Oft ist es nach der Sitzung sehr sehr stark, mit allen möglichen Phantasien und Wünschen nach Nähe (eine sexuelle Komponente ist nach wie vor größtenteils inexistent), dazwischen gibt es aber Phasen, in denen ich ihn nur als Therapeuten wahrnehme und schätze, dann wieder gibt es Momente, wo ich gar nicht dran denke... Und eben weil es so schubhaft und unbeständig ist (was ich von mir so eigentlich nicht kenne), habe ich es nicht mehr angesprochen. Ich will wissen, was ich sagen kann, momentan weiß ich es aber nicht.

Trotzdem denke ich, es wäre wichtig, ihm mitzuteilen, wie es in meinem Inneren diesbezüglich aussieht, denn ich befürchte, momentan hängenzubleiben auf den anderen Ebenen.
Gut, ich mache gerade eine komplizierte Zeit durch, stehe am Ende meines Studiums, bin in meiner Gruppe als einzige Single und habe ohnehin erhebliche Selbstzweifel. Ich nehme mein negatives Denken sehr viel stärker wahr und reagiere heftiger als zuvor, was für Außenstehende schwer nachvollziehbar ist - ich denke, das alles sind durchaus die "Früchte" der Therapie, oder vielmehr die Oberfläche des Prozesses, der in mir stattfindet.

Aber was, wenn es doch die Übertragungsliebe ist, die mich blockiert? Ich merke schon, wie ich ihm Dinge nicht erzählen will, weil ich nicht will, dass er mich "doof" findet, oder wie ich auf bestimmte Ausdrucksweisen verzichte, damit er es nicht falsch verstehen kann (was er vermutlich eh nicht täte). Ich kann momentan nicht beurteilen, ob das eben an der Übertragung oder an meinem Bewusstsein über mein Problem liegt, an dem wir sehr intensiv arbeiten.

Dazu kommt, dass er mir vor zwei Monaten, als ich erstmals präzisiert habe, dass es sich bei meinen Gefühlen um Verliebtheit handelt (mittlerweile weiß ich allerdings, dass das nicht alles ist, was ich empfinde, was er noch nicht weiß), gesagt hat, das wäre kein Problem und kein Grund zur Sorge, solange es mich nicht an Fortschritten hindert oder ich darunter leide. Nun habe ich Angst, dass er die falschen Schlüsse zieht wenn ich es so anspreche - er hat mir schon gesagt, dass er mich in dem Fall an einen Kollegen überweisen muss, da er die Ansicht vertritt, dass er als "Auslöser" mir nicht dagegen helfen kann sondern es unweigerlich nur verstärken würde, da er mein Verlangen natürlich nicht erfüllen kann (worüber ich ja auch sehr froh bin!). Ich habe nicht den Eindruck, an meiner Verliebtheit kaputt zu gehen oder so, ich will einfach nur, dass wir daran arbeiten, damit ich auf einen grünen Zweig komme.

Phasenweise konnte ich diese Gefühle sehr gut nutzen, jetzt hänge ich in einer Negativspirale. Kann aber genauso gut sein, dass ich das alles morgen wieder unwichtig finde oder es mir damit sogar gut geht. Sehr verwirrend, da ist momentan so so viel...

Ich würde mich sehr über konstruktive Ratschläge und aufmunternde Worte freuen, auch über Denkansätze, die mir auf die Sprünge helfen, damit ich weiß, wie ich die Sache angehen kann.


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  titus2
Sa., 25.02.2012, 10:48 
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Das mit dem 'an den Fortschritten hindern' verstehe ich nicht: Ist es nicht SEIN Job, das mit dir zu klären? Und sind es nicht gerade diese Gefühle, die einen Fortschritt besonders ermöglichen? Aber eben nur unter der Voraussetzung, dass man das auch bearbeitet? Und als Patient auch bearbeiten WILL? Und das tust du ja.

Klingt für mich so ein bisschen so, als würde er meinen: "Och, das bisschen Liebe stört mich nicht weiter. Wenn es SIE nicht stört, dann seien Sie mal ruhig verliebt. Aber bitte stören Sie damit den Ablauf der Therapie nicht!" Das verstehe ich nicht.


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  Fast Forward
Sa., 25.02.2012, 11:27 
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Vielleicht müsste ich es einfach wieder anschneiden und genau sagen, was mich an dem Gespräch damals gestört hat. Denn seine letzte Aussage dazu war, dass ich ihm auch jeder Zeit dazu etwas schreiben kann, wenn es mir zu schwer fällt, es anzusprechen und ich sollte keine Angst haben. Leider war die andere Aussage da kontraproduktiv und hindert mich daran, es wieder anzusprechen.
Ich finde es auch sehr merkwürdig, dass er nie wieder darauf zurückgekommen ist; alle andere Themen kommen nämlich in der Tat immer wieder. Was dahinter steckt, weiß ich echt nicht... Es passt jedenfalls nicht wirklich zu ihm, zu dem, wie er sich sonst verhält.

Ich muss aber dazu sagen, dass ich damals explizit gesagt habe, dass mir diese Gefühle helfen, das, was gesagt wird, besser anzunehmen, weil ich es mir richtig zu Herzen nehme. Ich vermittle ihm immer das Gefühl, dass es mir in unserer therapeutischen Beziehung sehr gut geht - was größtenteils ja auch stimmt. Eigentlich kann er gar nicht sehen, wo bei mir da der Schuh drückt... Vlt. hat er sich deswegen damals so ausgedrückt, weil ich so einen stabilen Eindruck gemacht habe?


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  carö
Sa., 25.02.2012, 13:22 
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hallo fast forward,

Zitat:
er hat mir schon gesagt, dass er mich in dem Fall an einen Kollegen überweisen muss, da er die Ansicht vertritt, dass er als "Auslöser" mir nicht dagegen helfen kann sondern es unweigerlich nur verstärken würde, da er mein Verlangen natürlich nicht erfüllen kann (worüber ich ja auch sehr froh bin!).

diese aussage scheint ziemlich im raum zu stehen und dich daran zu hindern, wirklich offen über deine gefühle zu sprechen oder?

dennoch würde ich genau das thematisieren. wenn er tatsächlich der ansicht ist, dass er dir nicht dabei wird helfen können, diese gefühle besser zu verstehen und zu verändern, dann wird es mit ihm vermutlich schwierig werden, wenn du das möchtest oder brauchst, weil es zu beeinträchtigend wird. die übertragung hat in einer VT - danach klingt es für mich, richtig ? - nicht eine so große bedeutung, wie in einer psychodynamischen therapie, da wird eben damit gearbeitet. das passiert oft zwar auch in einer VT, aber dennoch wird der übertragung idR kein so großer raum gegeben. das kann dann i.O. sein, wenn die übertragung eher milde verläuft und sich von selbst wieder auflöst im laufe der zusammenarbeit. insofern verstehe ich auch seine antwort an dich. aber das solltest du mit ihm nochmal genauer klären, wie seine diesbezügliche aussage zu verstehen ist. und v.a. solltest du ehrlich zu dir selbst sein und dich selbst dahingehend befragen, ob du mit der verliebtheit an anderen themen dennoch weiterarbeiten kannst oder nicht.

LG

____________________
http://www.youtube.com/watch?v=-SPQgS-YO9Q


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  Fast Forward
Sa., 25.02.2012, 14:21 
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Hallo carö, danke für deine Antwort! Schön, dass du seine Gedanken dahinter nachvollziehen kannst, und das nach meinen subjektiven Äußerungen! Das hilft mir, einen anderen Blickwinkel zu erreichen! Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass er das Thema generell ablehnt.

Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, um welche Form der Therapie es sich handelt. Laut der Definition kommt es allerdings an nächsten an die VT heran, das stimmt schon. Ich könnte ihn mal danach fragen...

Ob ich mit der Verliebtheit trotzdem Fortschritte erzielen kann? Ja, auf jeden Fall. Ich denke, wenn ich offen mit ihm darüber reden kann, bin ich gelöster, wenigstens ein Teil des Drucks, der auf mir lastet, fällt dann weg und ich kann mich wieder besser auf die anderen Themen konzentrieren - so jedenfalls meine Erwartung und Hoffnung. Bis vor kurzem habe ich die Gefühle als Vorteil und als schönes Plus erlebt und wie gesagt, es ist gut möglich, dass es weniger die Übertragung als mehr der generelle Druck von Außen ist, der mich so anspannt und an meinem Selbstbild zerrt. Aber ich bin eben nicht sicher.


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